Morning in Brief ・ 08.01.2026

Morning in Brief, 8. Jänner 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Christoph Hofer, Maximilian Kern und David Schima – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Inflation sinkt leicht auf 3,8 %. Die Inflationsrate ist im Dezember 2025 laut Schnellschätzung auf 3,8 % (VPI) zurückgegangen und liegt damit zum ersten Mal seit Juli wieder unter 4,0 %. Gegenüber November stieg das Preisniveau allerdings um 0,4 %. Haupttreiber der Teuerung war erneut der Dienstleistungssektor – hier zogen die Preise im Jahresabstand um 4,4 % an. Den stärksten Anstieg verzeichneten die Energiepreise mit plus 9,0 % gegenüber dem Vorjahr. Der international vergleichbare HVPI sank im Dezember auf 3,9 %. Im Euroraum und in Deutschland wird die Inflation auf 2,0 % geschätzt. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat | Reaktionen: Marterbauer, ÖGB, Pressefoyer nach dem Ministerrat | Grafik: Inflation in Österreich weiter überdurchschnittlich]

„Die Merit-Order hat große Vorteile“
Interview mit Christoph Dolna-Gruber

„Die Gaspreise sind stark gesunken, aber noch immer höher als vor der Gaspreiskrise 2022“, so Energieexperte Christoph Dolna-Gruber. Dass der Preis in Österreich über dem europäischen Durchschnitt liegt, ist den nunmehr längeren Transportwegen geschuldet – und den steigenden Netzgebühren. Dolna-Gruber spricht sich daher für eine Redimensionierung des Gasnetzes aus. Eine Debatte über das Merit-Order-System könne man führen – eine Ende dieses Systems sieht der Experte aber nicht, denn es habe auch entscheidende Vorteile. Neue Gaskraftwerke müssen in Österreich wahrscheinlich nicht gebaut werden, aber die vorhandenen stehen vor dem Ende ihrer Lebenszeit.

💡 Kalter Winter und Industrie treiben Gasverbrauch. Der aktuelle Füllstand der heimischen Gasspeicher liegt bei rund 61 TWh, was 60,7 % der Gesamtkapazität entspricht. Damit befindet sich Österreich weiterhin knapp über dem europäischen Durchschnitt, liegt jedoch deutlich niedriger als zu Beginn der Heizsaisons 2023/24 und 2024/25. Laut AGGM ist der Gasverbrauch vor allem temperaturbedingt stark gestiegen. Bei kalten Perioden und dem intensiven Einsatz von Gaskraftwerken zur Stabilisierung der Stromversorgung hat der Tagesverbrauch wiederholt über 400 GWh gelegen. Auch „die industrielle Aktivität ist 2025 wieder leicht angestiegen – beispielsweise in der Nahrungsmittelindustrie, wo viel Gas eingesetzt wird, wie auch in der Chemieindustrie und in der Metallbranche“, so Energieexperte Christoph Dolna-Gruber. [Quellen: AGSI, AGGM | Grafik von Stephan Frank]

🇦🇹 Regierung kündigt neue Tourismusstrategie an. Die Bundesregierung will bis zum Sommer eine Strategie für den heimischen Tourismus erarbeiten. Im Fokus stehen Fachkräfte. Sozialministerin Korinna Schumann erinnerte an den mit 6,5 Mio. Euro dotierten Tourismusbeschäftigtenfonds zur Aus- und Weiterbildung sowie zur Steigerung der Beschäftigungsqualität. Den Betrieben könne man aufgrund der aktuellen budgetären Lage allerdings nicht mit Steuersenkungen helfen, sondern mittels Entbürokratisierung und Vereinfachungen, so Staatssekretär Sepp Schellhorn. Um für Österreichs Skigebiete zu werben, würden bei den Olympischen Winterspielen 1 Mio. Euro bereitgestellt, gab Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bekannt. [Quelle: Pressefoyer nach dem Ministerrat | Reaktionen: WKÖ, Wirtschaftsbund, FPÖ, Grüne, SPÖ]

🇦🇹 Positive Aussichten für den Immobilienmarkt 2026. Nach der Stabilisierung in den letzten Monaten 2025 fallen die ersten Prognosen für den österreichischen Immobilienmarkt für 2026 positiv aus. Ausschlaggebend sind ein niedrigeres Zinsniveau und steigende Einkommen. Ein weiterhin hohes Angebot trifft auf eine moderate, aber wachsende Nachfrage. Davon profitieren vor allem Käufer, die von größerer Auswahl, realistischeren Preisvorstellungen und verbesserten Finanzierungsbedingungen ausgehen können. [Quellen: S Real Immobilien, Re/Max Immobilien]

🇦🇹 Großhandelspreise über Vorjahresniveau. Der Großhandelspreisindex erreichte 2025 im Schnitt 130,2 Punkte – das sind 0,2 % mehr als im Jahr zuvor. 2023 und 2024 waren noch Preisrückgänge von 1,7 % bzw. 1,0 % zu beobachten. Die größten Anstiege gab es bei Kaffee, Tee, Kakao und Gewürzen (+22,6 %), Uhren und Schmuck (+20,3 %) sowie bei lebenden Tieren (+13,5 %). Günstiger wurden feste Brennstoffe (-9,1 %), sonstige Mineralölerzeugnisse (-7,7 %), Gummi und Kunststoffe (-6,5 %), technische Chemikalien (-5,7 %) sowie Motorenbenzin inklusive Diesel (-5,4 %). Diese Rückgänge wirkten auch im Monatsvergleich dämpfend: Zwischen November und Dezember sanken die Großhandelspreise durchschnittlich um 0,9 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Mehrheit der Schulanfänger in Wien sind außerordentliche Schüler. Wie eine Erhebung der ÖVP-Wien ergab, lag der Anteil der außerordentlichen Schüler bei den Wiener Erstklässlern und Vorschülern zum Stichtag 1. Oktober 2025 bei 50,9 Prozent. Damit können erstmals mehr als die Hälfte der Wiener Schulanfänger nicht gut genug Deutsch, um dem Unterricht zu folgen. Am höchsten ist der Anteil der außerordentlichen Schüler in den Bezirken Margareten (77 %), Favoriten, Ottakring und Donaustadt (alle 70 %). Am niedrigsten in Mariahilf (20 %), Hietzing (26 %) und der Josefstadt (27 %). [Quellen: Kurier, Zierfuß auf Instagram]

🇦🇹 Fortsetzung der KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft am 26. Jänner. Die Gehaltsverhandlungen für die Sozialwirtschaft werden am 26. Jänner in der 5. Runde fortgesetzt, teilte ein Sprecher der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) mit. Nach den Streiks Ende 2025 hält die Gewerkschaft an ihrer Forderung nach einer Lohn- und Gehaltserhöhung von 4 % fest. In der 4. Verhandlungsrunde hatte die Arbeitgeberseite ein Angebot von rund 2,3 % für 2026 und rund 1,7 % für 2027 vorgelegt und dieses als „verantwortungsvolles Gesamtpaket“ bezeichnet, mit dem man „budgetär an die Grenze des Finanzierbaren“ gegangen sei. [Quellen: APA via Medienberichte, Sozialwirtschaft Österreich]

🇦🇹 Stromausfall wie in Berlin „unwahrscheinlich“. In Berlin ist es Terroristen gelungen, durch einen gezielten Angriff auf ein Stromkabel, die Energieversorgung für zigtausende Haushalte fast eine Woche lang lahmzulegen. Wiener Netze hält einen derart langen Ausfall in Wien für „unwahrscheinlich“, wie eine Sprecherin sagt. Man sei jederzeit in der Lage, die Kunden über andere Seiten zu versorgen und der Netzaufbau sei ein anderer als in Berlin. Im Durchschnitt dauere ein Stromausfall nicht länger als 90 Minuten. Fällt ein Kabel aus, kann in den meisten Fällen digital von der Zentrale aus auf ein anderes umgeschaltet werden. Dass ein Stadtteil in Österreich wie im Berliner Fall nur über einen Punkt angebunden ist, sei in Österreich unüblich, bestätigt Oesterreichs Energie. Die Netze dürften in Österreich auch nicht so transparent sein, wie in Berlin – Wiener Netze gibt sich bei Detailfragen bedeckt und verweist darauf, dass es sich um kritische Infrastruktur handle. [Quellen: Selektiv, Welt | Kommentar: Die fehlgeleiteten Ideen linker Klimaterroristen]

🇦🇹 🇪🇺 Babler fordert EU-Sanktionen gegen die USA wegen Grönland-Äußerungen. Vor dem Hintergrund der Äußerungen von Donald Trump und weiteren US-Regierungsmitgliedern zur Annexion Grönlands fordert Vizekanzler Andreas Babler Wirtschaftssanktionen auf EU-Ebene. Er schlägt vor, einen „Grönland-Katalog“ aufzulegen, der gezielt amerikanische Tech-Unternehmen, Agrarprodukte sowie US-Investitionen in kritische Infrastruktur inkludieren soll. Babler betont, dass die Vorbereitungen bereits jetzt erfolgen sollten, um im Ernstfall keine langwierigen EU-internen Debatten führen zu müssen. Europa müsse aufhören, sich kleiner zu machen, als es ist, so Babler. [Quelle: SPÖ]

🇪🇺 EU-Kommission kündigt weitere Hilfen für Landwirte an. Im Rahmen einer informellen Sitzung der EU-Landwirtschaftsminister stellte die EU-Kommission zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen für die europäische Landwirtschaft in den Raum. Neben einer früheren Auszahlung von Haushaltsmitteln – ab 2028 sollen vorzeitig 45 Mrd. Euro für EU-Landwirte freigegeben werden – sind auch Erleichterungen im Außenhandel geplant. Ein Gesetz zum Prinzip der Gegenseitigkeit beim Gelten von Produktionsstandards soll auf den Weg gebracht werden und Importkosten für Düngemittel gesenkt werden. Die Sitzung galt als wichtiger Stimmungstest für die am Freitag angesetzte Abstimmung über das EU-Mercosur-Handelsabkommen. [Quelle: EU-Kommission]

🇩🇪 Deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. In 8 deutschen Bundesländern ist die Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2025 zurückgegangen. Am stärksten traf es das Saarland mit minus 0,6 % im Quartalsabstand, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein (jeweils -0,4 %). In Hamburg (+0,6 %), Niedersachsen (+0,2 %) und Sachsen (+0,1 %) konnte der Dienstleistungssektor die Rückgänge in der Industrie ausgleichen. Bayern (+0,5 %) und Baden-Württemberg (+0,2 %) erholten sich zum Jahresende, insgesamt wird für 2025 allerdings eine schrumpfende Wirtschaft erwartet. Generell zeigt sich: Durch regionale Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur variiert der Verlauf der Konjunktur in den Bundesländern stark. Der Süden leidet besonders an den US-Zöllen, die die Industrie zusätzlich belasten. [Quelle: Ifo]

🇩🇪 Deutschland erzielt Rekordeinnahmen im Emissionshandel. Durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten auf nationaler und europäischer Ebene generierte Deutschland im Gesamtjahr 2025 über 21,4 Mrd. Euro. 2024 waren es noch 18,5 Mrd. Euro. Grund für den Anstieg waren vor allem die höheren Preise nationaler Berechtigungen. 2024 kostete eine Tonne Kohlendioxid noch 45 Euro, 2025 waren es 55 Euro und 2026 steigt der Preis auf bis zu 65 Euro. Dadurch verzeichnete Deutschland 2025 allein im inländischen Emissionshandel trotz stagnierender Verkaufszahlen Einnahmen in Höhe von 16 Mrd. Euro. [Quelle: DEHSt]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Bundespräsident Alexander Van der Bellen empfängt EU-Kommissar Magnus Brunner in der Hofburg

Heute, Amman, Jordanien: EU-Jordanien-Gipfel

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt die Entwicklung der Erzeugerpreise, des Arbeitsmarkts in der EU im November bekannt sowie Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone im Dezember

14:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht monatlichen Konjunkturtest

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Volker Libovsky wurde zum Präsidenten des Forum Mobilkommunikation (FMK) gewählt – er übernimmt von Mario Paier. Francesca Ferlaino ist Wissenschaftlerin des Jahres 2025. Mit 1.1.2026 wurde Christian Reischl zum Partner des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Grant Thornton bestellt.

Geburtstage: Wir gratulieren Hannes Anton, Wilhelm Brauneder und Lena Schilling zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Bregenz: Das Land Vorarlberg lädt zum Sicherheitsempfang 2026 ins Landhaus Vorarlberg u. a. mit Klaudia Tanner und Markus Wallner [invite only]

19:00 Uhr, Eisenstadt: Die Freistadt Eisenstadt lädt zum Neujahrsempfang [invite only]

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