Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇪🇺 Abstimmung über Mercosur-Abkommen auf EU-Ebene. Die EU-Botschafter der Mitgliedstaaten stimmen heute über das seit rund 25 Jahren verhandelte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Staaten des Mercosur-Wirtschaftsraums ab. Für eine Annahme ist eine qualifizierte Mehrheit erforderlich, das heißt mindestens 55 % der Mitgliedstaaten, die zugleich 65 % der EU-Bevölkerung repräsentieren. Nach den jüngsten Zugeständnissen der Europäischen Kommission an die Landwirtschaft signalisiert Italien Zustimmung, die als entscheidend gilt. Frankreich und Irland haben inzwischen offiziell ihre Ablehnung angekündigt. Polen, Österreich und Ungarn dürften sich enthalten oder dagegen stimmen. Selbst bei dieser Gegenstimmenkonstellation würde eine Zustimmung Italiens ausreichen, um das Zustandekommen des Abkommens nicht zu blockieren. [Quellen: Politico, Irlands Stv. Premierminister auf Facebook, Macron auf X | Grafik: Oberösterreich profitiert am meisten von Mercosur]
Kommentar: Die weltpolitische Unfähigkeit der Koalition
von Georg Renner
Wenn es nach Österreich gegangen wäre, hätte die EU Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay weiterhin die kalte Schulter zeigen müssen – als ob es gerade eine gute Zeit wäre, sich nur ja keine Partner in der Welt zu suchen und für sich allein zu stehen. Der Grund: Ein gemeinsamer Parlamentsbeschluss von ÖVP, FPÖ, SPÖ und der Pilz-Partei Jetzt aus dem Post-Ibiza-Wahlkampf 2019, der die Regierung bindet, in Brüssel gegen das Abkommen zu stimmen. Das hätte man ändern können. Wenn die Führung der Volkspartei wirklich an allen Fronten an Wegen aus der Wirtschaftskrise arbeiten würde, hätte sie ihre Abgeordneten längst auf Linie gebracht.
💡 Industriestrompreis verdoppelte sich in der Krise. Im 1. Halbjahr 2025 betrug der durchschnittliche Strompreis für österreichische Industrieunternehmen 15,8 Cent pro kWh. Das sind um 120,4 % mehr als noch im 2. Halbjahr 2019. Nur in Deutschland (+156,5 %) und Irland (+124,3 %) stieg der Preis für Industriestrom in Westeuropa noch stärker. Im Eurozonen-Durchschnitt betrug der Anstieg 97,4 %. Der geplante deutsche Industriestrompreis soll den effektiven Preis für berechtigte energieintensive Unternehmen auf 5 Cent pro kWh für maximal 50 % des Jahresverbrauchs beschränken. [Quelle: Eurostat | Grafik von Christoph Hofer]

„Alles sauteuer“ – Hotellerie weist Schuld an Teuerung zurück. Nachdem Finanzminister Markus Marterbauer noch im Dezember angekündigt hatte, hohe Preise in Hotellerie und Gastro prüfen zu wollen, wehrt sich nun die Hotelvereinigung (ÖHV). Der Finanzminister solle die Ursachen und nicht die Symptome bekämpfen und die liegen laut ÖHV in den hohen Kosten und Steuern: „alles sauteuer“, urteilt ÖHV-Präsident Walter Veit und fordert eine Entlastung des Faktors Arbeit. Der ÖHV sieht die Schuld an der Teuerung bei der öffentlichen Hand und den Energieversorgern. Letztere wehrten sich bereits vergangenen Oktober gegen Teuerungs-Vorwürfe des Handelsverbands – der höhere Beitrag zur Inflation durch Strom sei nicht durch höhere Strompreise verursacht worden, sondern durch das Auslaufen der Stromkostenbremse. Das hätte aber nur für Privatkunden Auswirkungen und nicht für gewerbliche Nutzer. 2026 wird dieser Effekt nicht mehr schlagend. [Quellen: ÖHV, Oesterreichs Energie | Grafik: Was die Inflation in Österreich antreibt]
🇦🇹 Die Grünen wollen Industriestrompreis nach deutschem Vorbild. Die Grünen schlagen vor, den geplanten deutschen Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde als Orientierung für Österreich zu nutzen. Nach Angaben eines Berichts des Handelsblatts ist die Finanzierung des deutschen Modells jedoch noch offen, da die Mittel nicht vollständig gesichert sind. In Österreich würde eine vergleichbare Regelung nach Schätzung der Grünen rund 400 Mio. Euro kosten. Zur Finanzierung könnte ein Ende des Dienstwagen- und Dieselprivilegs beitragen, so Klubobfrau Gewessler. Auch die Klima-NGO oecolution unterstützt eine Umsetzung „im Gleichklang mit Deutschland“. [Quellen: Handelsblatt, PK Die Grünen, Oecolution | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 EY-Industriebarometer: Industrieschwäche hält an. Im Q3 2025 sanken die Umsätze im produzierenden Bereich um 0,6 % auf 94,9 Mrd. € – das ist das 10. Quartal in Folge mit einem Rückgang. Innerhalb eines Jahres gingen rund 20.900 Jobs verloren. Stark betroffen ist vor allem die Autoindustrie (-7 % Umsatz, -8 % Beschäftigung). Umsatzwachstum verzeichneten hingegen die Chemie- und Pharmaindustrie (+13 %), die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+9 %) sowie der Maschinenbau (+3 %). „Die Dynamik der Rückgänge hat sich zuletzt abgeschwächt – ein erstes Signal für eine mögliche Stabilisierung, wenn auch auf niedrigem Niveau“, so Axel Preiss, Sector Leader Industrials bei EY Österreich. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 Tirol und Vorarlberg legen Positionspapier zur Reformpartnerschaft vor. Tirols Landeshauptmann Anton Mattle und Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner haben ein Positionspapier zur Reformpartnerschaft als Grundlage für weitere Diskussionen veröffentlicht. Ziel ist es, die österreichische Staatsorganisation klarer, effizienter und besser abgestimmt zu gestalten. Besonders im Bildungs- und Gesundheitsbereich soll die Trennung der Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern deutlicher geregelt werden. Mattle und Wallner erwarten bis Mitte 2026 Klarheit über die geplanten Reformvorhaben und bis Ende des Jahres konkrete Ergebnisse. [Quellen: Land Tirol, Positionspapier]
🇦🇹 Gehälter in privater Kinderbetreuung steigen. 2026 erhöhen sich die Gehälter in privaten Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kindergartenpädagogen um 3,5 % und für Assistenten um 3,7 %. Das Mindestgehalt liegt damit bei 3.170 Euro für Pädagogen im ersten Jahr und bei 2.216 Euro für Assistenten. [Quelle: GPA]
🇪🇺 🇮🇳 EU und Indien verhandeln über Freihandelsabkommen. Indiens Handels- und Industrieminister Piyush Goyal befindet sich seit gestern in Brüssel, um mit EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič zentrale Fragen des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien zu erörtern. Indien fordert dabei insbesondere zollfreien Zugang für arbeitsintensive Branchen wie Textilien, Leder, Bekleidung und Schmuck. Nach dem Beschluss zur Aufnahme von Verhandlungen im Jahr 2007 und deren Abbruch 2013 werden die Gespräche seit Juni 2022 wieder geführt. Die EU ist der wichtigste Handelspartner Indiens. Die EU-Kommission zeigt sich zuversichtlich, dass die aktuellen Gespräche den Abschluss des Abkommens voranbringen. Ein möglicher Unterzeichnungstermin am 27. Jänner in Indien wurde von der Kommission jedoch nicht bestätigt. [Quellen: Indische Regierung, EU-Kommission, Midday PK der Kommission]
🇪🇺 Erzeugerpreise in der Eurozone gesunken. Im November 2025 lagen die Industrieerzeugerpreise in der Eurozone 1,7 % und in der EU 1,3 % unter dem Vorjahresniveau. In Österreich betrug der Rückgang 2,8 %. Im Monatsvergleich stiegen die Erzeugerpreise in der Eurozone um 0,5 % und in der EU um 0,6 %. Den höchsten Preisanstieg im Jahresvergleich verzeichnete Bulgarien (+13,8 %), den stärksten Rückgang Luxemburg (-5,5 %). [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 Arbeitslosenquote in der Eurozone minimal gesunken. Im November 2025 ist die Arbeitslosenquote in der Eurozone im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 % gefallen, in der EU blieb sie bei 6,0 %. Gegenüber dem Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit in beiden Zonen leicht gestiegen. Nach Berechnungen von Eurostat lag die Arbeitslosenquote in Österreich bei 5,8 % und in Deutschland bei 3,8 %. Am höchsten war sie in Spanien mit 10,4 % und in Finnland mit 10,1 %, am niedrigsten in Tschechien und Polen (je 3,2 %) sowie in Malta (3,1 %). [Quelle: Eurostat]
🇩🇪 Auftrags- und Umsatzplus im deutschen verarbeitenden Gewerbe. Im November 2025 stiegen die Auftragseingänge im deutschen verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat um 5,6 %. Bereits zwischen September und Oktober war ein Anstieg zu beobachten. Besonders deutlich legten die Bestellungen in der Metallerzeugung sowie im sonstigen Fahrzeugbau (z. B. Flugzeuge und Militärfahrzeuge) zu. Die Umsätze stiegen im Vorjahresvergleich um real 0,1 % und im Monatsvergleich um real 2,7 %. [Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsches Wirtschaftsministerium]
🇩🇪 Ein Viertel mehr Großinsolvenzen 2025. 471 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 10 Mio. Euro mussten 2025 in Deutschland Insolvenz anmelden. Besonders betroffen waren Metallwarenhersteller, Autozulieferer und Elektrotechnikunternehmen. Die Ursachen reichen von der Strukturkrise im Automotive- und Maschinenbausektor bis zu geopolitischen Unsicherheiten, etwa durch die derzeitige US-Regierung, den Ukrainekrieg und Chinas Handelspolitik. Für 2026 wird ein weiterer Anstieg der Großinsolvenzen um 10 bis 20 % erwartet. [Quelle: Falkensteg]
🇺🇸 US-Handelsbilanzdefizit geschrumpft. Im Oktober 2025 ist das Handelsbilanzdefizit der USA mit 29,4 Mrd. US-Dollar rund 39 % geringer ausgefallen als im September 2025. Die Exporte steigerten sich im Oktober um 7,8 Mrd. US-Dollar, während die Importe um 11 Mrd. US-Dollar zurückgingen. Im Zeitraum Januar bis Oktober 2025 ist das Handelsdefizit der USA im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2024 um 56 Mrd. USD oder 7,7 % gestiegen. Die Exporte legten um 168,6 Mrd. USD (6,3 %) zu, die Importe um 224,6 Mrd. USD (6,6 %). [Quelle: Bureau of Economic Analysis]
Selektive Agenda:
Heute, Brüssel: Abstimmung zu Mercosur-Abkommen auf Botschafterebene
Heute, Brüssel: Der indische Handels- und Industrieminister ist in Brüssel zu Gast, um über das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien zu sprechen.
Heute, Washington D.C., USA: Bekanntgabe US-Arbeitsmarktdaten Dezember
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt die Außenhandelsbilanz für Oktober 2025, die Baubewilligungen im 3. Quartal 2025, den Einzelhandelumsatzindex sowie den Produktionsindex für November 2025 bekannt
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt die Erzeugerpreise sowie den Einzelhandelsumsatz für November 2025 bekannt
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Kilian Dorner (Dorner Electronic GmbH) hat den Vorstandsvorsitz der Jungen Industrie Vorarlberg von Anna Hilti (Hilti & Jehle GmbH) übernommen. Seine ebenfalls neuen Stellvertreter sind Christian Zoll, Simon Battlogg und Lisa-Sophia Ratt. Alessandro Cacciola wird Leiter des Bereichs Air & Sea von Gebrüder Weiss. Neues Vorstandsmitglied von Blühendes Österreich ist Dr. Michael Jungmeier. David Nogossek ist seit Jahresbeginn Managing Director für Sales & Marketing Vans bei Mercedes-Benz Österreich. Martin Russ wird am 14.2.2026 für weitere fünf Jahre zum Geschäftsführer der AustriaTech – Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen GmbH bestellt. Oliver Bauer ist seit dem 1.1.2026 Group Defence Director der RocFortis Group. Neuer Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft ist Univ.-Prof. PD. Dr. Harald Sourij, Erste Sekretärin wird Univ. Prof. PD. Dr. Julia Mader. Heike Fischer hat mit 1. Jänner die Geschäftsführung der Gewista-Tochter Kulturformat übernommen. Mit Jahresbeginn 2026 hat Matthias Reichl die Funktion des Group CEO der Reichl und Partner Gruppe übernommen.
Geburtstage: Wir gratulieren Johanna Rachinger und Thomas Blimlinger zum Geburtstag. Am Samstag haben Jutta Treiber, Hans Michel Piëch und Simon Schwarz Geburtstag, am Sonntag Karl von Habsburg.
Sehen & gesehen werden:
20:00 Uhr, Wien: Steirerball in der Wiener Hofburg [Info]
Samstag, Wien: Tirolerball im Wiener Rathaus [Info]
Samstag, 20:00 Uhr, Wien: 82. Niederösterreichischer Bauernbundball im Wiener Austria Center [Info]