Morning in Brief ・ 09.10.2025

Morning in Brief, 9. Oktober 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Viel Lob für Beamten-Gehaltsabschluss, erste Bundesländer planen Umsetzung. Mit der Einigung über den Gehaltsabschluss im öffentlichen Dienst von 2026 bis 2028 habe man laut GÖD-Vorsitzendem Eckehard Quin „in einer budgetär schwierigen Situation das Bestmögliche erreicht.“ Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl lobt die „verantwortungsvolle Einigung“ und bittet die Länder „diesen Abschluss auch für die Gemeindebediensteten anzuwenden.“ Für Finanzminister Markus Marterbauer habe sich gezeigt, „dass das österreichische Modell des Interessenausgleichs funktioniert.“ Auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayr sieht in der Einigung einen „sehr guten Kompromiss“. Kritik kam von Seiten der Unabhängigen Gewerkschafterinnen im Öffentlichen Dienst (OGÖD), die einen „vierten Reallohnverlust in Folge“ beklagen. FPÖ-Chef Herbert Kickl sieht einen „finanziellen Schlag ins Gesicht der Polizisten, Soldaten und Lehrer“. Niederösterreich und Salzburg kündigten bereits an, den Abschluss auf Landesebene umsetzen zu wollen; Burgenland und Kärnten wollen nachverhandeln. [Quellen: GÖD, BKA, Doorsteps, Marterbauer auf Bluesky, APA via Medienberichte | Reaktionen: Gemeindebund, UGÖD, Industriellenvereinigung, Felbermayr auf X, ÖVP, FPÖ, SPÖ]

„Wir haben nicht alle Daten in der Form, wie sich die Öffentlichkeit das vorstellt“
Interview mit Manuela Lenk

Manuela Lenk, die neue fachstatistische Generaldirektorin der Statistik Austria, erklärt die Herausforderungen bei der von der Regierung geforderten Preisdatenbank für Lebensmittel. Derzeit liegen der Statistik Austria nur wöchentliche Daten vor, aus denen durchschnittliche Preise ermittelt werden: „Wir können nicht sagen, die Butter hat an diesem und an jenem Tag so und so viel gekostet.“ Rabattaktionen und „Pickerl“ werden zwar erfasst, aber die auf den verschiedenen Handelsstufen gewährten Rabatte sind noch nicht direkt einsehbar.

💡 Österreich mit Milliarden-Handelsbilanzdefizit. Von Jänner bis Juli 2025 verzeichnete der österreichische Außenhandel ein Bilanzdefizit von 5,35 Mrd. Euro. Im Vorjahreszeitraum wurde noch ein Überschuss von 3,14 Mrd. Euro erzielt. In den ersten 7 Monaten 2025 stiegen die Einfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,1 %, während Exporte um 4,4 % zurückgingen. Alleine im Juli schrumpften die Exporte um 11,9 %, während die Importe um 3,4 % anstiegen. 2025 stiegen die Importe aus der Schweiz (+62,5 %) und China (+13,3 %) am stärksten, bei den Exporten gab es die größten Rückgänge bei den USA (-21,0 %), der Schweiz (-10,9 %) und Deutschland (-2,1 %). „Seit November 2024 übertreffen die Importwerte Monat für Monat die Exporte. Dadurch vergrößert sich das Handelsbilanzdefizit Österreichs kontinuierlich“, warnt Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Stephan Frank]

🇦🇹 Uni-Wien unter 100 besten Unis der Welt. Mit der Uni-Wien schafft es erstmals eine heimische Universität in die Top-100 des Times-Rankings der besten Hochschulen der Welt – und zwar auf Platz 95. Damit gehört die Wiener Uni zu den besten 4 % aller gerankten Universitäten. Die Medizin-Uni rutschte in die Top-200. Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mit 2 Unis in den Top-100 vertreten zu sein. Angeführt wird das Ranking wieder von der Uni Oxford gefolgt vom MIT. Die Top-10 stellen 3 UK-Unis und 7 US-Unis.[Quellen: THE-Ranking, Uni Wien]

🇦🇹 Saisonkontingente werden aufgestockt. Die Bundesregierung hat die Erhöhung der Saisonkontingente auf 5.500 pro Jahr im Ministerrat verabschiedet. Ein temporärer Überziehungsrahmen um 50 % wird weiterhin möglich sein, sowie ein eigenes Westbalkan-Kontingent von 2.500 Plätzen geschaffen. Anträge für die Saison 2025/2026 sollen ab 1. November möglich sein. Weiters wurde ein Tourismus-Beschäftigtenfonds mit jährlich 6,5 Mio. Euro beschlossen. Damit sollen branchenspezifische Qualifizierungen und Sonderunterstützungen bei Arbeitsunfällen oder Arbeitslosigkeit ermöglicht werden. [Quellen: Bundeskanzleramt, SPÖ | Reaktionen: WKÖ, Wirtschaftsbund, ÖHV, SPÖ, Neos, GPA, Vida]

🇦🇹 23 % der Österreicher beklagen finanzielle Verschlechterung. In den vergangenen 12 Monaten hat sich die persönliche finanzielle Lage der Österreicher für 40 % nicht verändert, für 38 % ist sie besser geworden und für 23 % schlechter. Bei der letzten Befragung verbesserte sich die Situation noch für 43 % – die Zahl der Menschen, für die sie sich verschlechtert hat, ist gleichgeblieben. Die Wahrnehmung von Einkommensrückgängen war bei geringem Einkommen und Arbeitslosigkeit höher – in diesen Gruppen gab auch mehr als ein Drittel an, sich laufende Ausgaben nicht leisten zu können. Jene, bei denen sich die Einkommenssituation verbessert hat, gaben längere Arbeitszeiten und Jobwechsel als Gründe an. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 🇪🇺 Neue EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich. Die Europäische Kommission hat mit Aufforderungsschreiben 2 weitere Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet. Eines betrifft die Trinkwasserrichtlinie, die bis 12. Jänner 2023 hätte umgesetzt werden müssen. Auch die Zahlungsdiensterichtlinie wurde noch nicht in nationales Recht umgesetzt. Österreich hat nun 2 Monate Zeit, auf die Schreiben zu reagieren und die von der Kommission aufgezeigten Mängel zu beheben. [Quelle: EU-Kommission]

🇪🇺 EU-Parlament für strengere Definition von „Fleisch“. Das Europäische Parlament hat sich dafür ausgesprochen, dass Fleisch künftig als „essbare Teile eines Tieres“ definiert werden soll. Somit sollen Begriffe wie Steak, Schnitzel, Wurst oder Burger künftig Produkten aus Fleisch vorbehalten sein – pflanzliche Fleischersatzprodukte dürften nicht mehr so bezeichnet werden. Österreichische EP-Abgeordnete und auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger zeigen sich kritisch: „Bedauerlich, dass eine Mehrheit der EU-Abgeordneten die Menschen bevormundet und ihnen nicht zutraut, einen Veggie-Burger von einem Fleisch-Burger zu unterscheiden.“ [Quellen: Europäisches Parlament, Meinl-Reisinger auf X | Reaktionen: Neos, SPÖ, Grüne, WWF]

🇪🇺 EU-Vorschlag für Mercosur-Schutzschirm für Landwirtschaft. Die EU-Kommission hat gestern einen Vorschlag für den angekündigten Schutzmechanismus für die Landwirtschaft als Ergänzung zum Mercosur-Abkommen vorgelegt. Geplant ist ein Monitoring der Importe und Preise – sollten bei Importen bestimmte Werte überschritten werden oder die Preise der importierten Waren bestimmte Werte unterschreiten, würde der Schutzmechanismus greifen und die Zollbegünstigungen in den konkreten Fällen temporär aussetzen. [Quelle: EU-Kommission | Grafik: Keine Rindfleisch-Flut durch Mercosur]

🇪🇺 EU verabschiedet zwei KI-Strategien. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen will, „dass die Zukunft der KI in Europa gestaltet wird“. Hierzu hat die EU-Kommission die „Apply AI“-Strategie, die KI-Nutzung in der europäischen Industrie und im öffentlichen Sektor vorantreiben soll, sowie die „AI in Science“-Strategie, die KI-Forschung stärken soll, verabschiedet. Im Rahmen der „Apply AI“-Strategie will die Kommission 1 Mrd. Euro mobilisieren. Für die „AI in Science“-Strategie sollen aus dem „Horizon Europe“-Programm u. a. 600 Mio. Euro für den Zugang zu den „AI-Gigafactories“ sowie über 3 Mrd. Euro für Forschungsförderungen investiert werden. [Quellen: EU-Kommission, Q & A zur Apply AI Strategy, Q & A zur European AI in Science Strategy]

🇪🇺 Hälfte der EU-Fördermilliarden bereits ausgezahlt. Gemäß Jahresbericht des Europäischen Rechnungshofs wurden bis zum 31. August 2025 bereits 362 Mrd. Euro aus der Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF), dem Herzstück des EU-Wiederaufbaufonds NextGenerationEU, an die Mitgliedstaaten ausgezahlt – das sind rund 56 % der insgesamt verfügbaren Summe von 650 Mrd. Euro. Es wird geschätzt, dass der Fonds zwischen 2020 und 2030 EU-weit zu einer Stärkung öffentlicher Investitionen in Höhe von 891,7 Mrd. Euro führen wird. Diese Summe inkludiert direkte Effekte in Höhe von 546,2 Mrd. Euro sowie indirekte Effekte in Höhe von 345,5 Mrd. Euro. Die Prüfer kritisierten allerdings zunehmende Unregelmäßigkeiten. Von den 28 ARF-Zahlungen, die im Jahr 2024 an Mitgliedsländer flossen, hätten sechs nicht den Regeln entsprochen. [Quellen: EU-Kommission]

🇩🇪 Auftrags- und Produktionsrückgang in deutscher Industrie. Im August sind die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe zum 4. Mal in Folge gesunken. Das Ordervolumen sank gegenüber Juli um 0,8 %. Hierbei stiegen die Inlandsaufträge um 4,7 %, die Auslandsaufträge sanken jedoch um 4,1 %; Aufträge außerhalb des Euroraums sanken um 5,0 %. Die reale Industrieproduktion ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,3 % und im Vergleich zum Vormonat um 3,9 % gesunken. Die negative Entwicklung in der Produktion ist auf Rückgänge in der Automobilindustrie und im Maschinenbau zurückzuführen. [Quellen: Bundeswirtschaftsministerium, Statistisches Bundesamt]

🇩🇪 Deutsche Wirtschaft wächst erst wieder ab 2026 deutlich. Die deutsche Bundesregierung erwartet für das laufende Jahr nur ein Wirtschaftswachstum von 0,2 %. Erst ab 2026 soll das BIP um 1,3 % steigen, 2027 dann um 1,4 %. Die Erholung wird dabei nicht von der Außenwirtschaft sondern von der Binnennachfrage getragen. Ein „erheblicher Teil“ das Wachstums soll durch die hohen Staatsausgaben u. a. für Rüstung ausgelöst werden. „Für langfristiges Wachstum braucht es strukturelle Reformen“, so die deutsche Wirtschaftsministerin Katharina Reiche. Die Inflationserwartungen liegen heuer bei 2,1 % und nächstes Jahr bei 2,0 %. [Quellen: Bundeswirtschaftsministerium, Eckwerte der Herbstprojektion]

Selektive Agenda:

Heute, Straßburg, Frankreich: Tagung des Europaparlaments u. a. Misstrauensvotum gegen die EU-Kommission (letzter Tag)

Heute, Rom, Italien: Innenminister Karner bei italienischem Amtskollegen Piantedosi

Heute, Belgrad, Serbien und Sarajevo, Bosnien-Herzegowina: Europaministerin Plakolm auf Staatsbesuch

8:00 Uhr, Tallinn, Estland: 20. Arraiolos-Treffen der nicht-exekutiven Staatsoberhäupter der Europäischen Union u. a. mit Bundespräsident Van der Bellen und deutschem Amtskollegen Steinmeier

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt Kfz-Neuzulassungen im September bekannt

9:00 Uhr, Wien: Sitzung des Bundesrates u. a. Aktuelle Stunde mit Finanzminister Marterbauer

13:00 Uhr, Berlin, Deutschland: Deutscher Autogipfel u. a. mit Bundeskanzler Merz

13:00 Uhr, Stockholm, Schweden: Bekanntgabe Literatur-Nobelpreis

13:30 Uhr, Kopenhagen, Dänemark: Informeller EU-Telekommunikationsrat (bis 10.10) [Info]

15:00 Uhr, Luxemburg: Treffen der Eurogruppe mit Finanzminister Marterbauer [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: René Lambert hat mit Oktober 2025 die Geschäftsführung im St. Josef Krankenhaus Wien übernommen. Felix Lamezan-Salins, vormals Kabinettschef von Finanzminister Magnus Brunner, hat mit Stratvice eine Agentur für Standortkommunikation, Corporate Public Affairs und B2G-Salescoaching gegründet.

Geburtstage: Wir gratulieren Thomas Gangl und Heinz Fischer zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

9:00 Uhr, Gmunden: Handelsverband lädt zum „Tag des Handels“ in den Toscana Congress u. a. mit Norbert Totschnig, Thomas Stelzer, Natalie Harsdorf, Rainer Will, Peter Klimek, Sascha Lobo; ab 19:30 Abendgala mit Preisverleihung [Info]

10:00 Uhr, Wien: Female Future Festival in der Ottakringer Brauerei u. a. mit Elisabeth Köstinger, Eric Demuth, Christine Aschbacher, Monika Köppl-Turyna, Eva Schütz [Info]

10:00 Uhr, Wien: Journalismuskonferenz „re:think media 2025“ u. a. mit Magdalena Punz, Corinna Milborn, Judith Denkmayr, Fredi Ferková, Nana Siebert, Sara Grasel, Stefan Lenglinger, Jürgen Hofer, Christoph Hofer, David Schima u. v. m. [Info]

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