Morning in Brief ・ 09.09.2025

Morning in Brief, 9. September 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Senioren pochen auf volle Inflationsanpassung der Pensionen. In der Debatte über die Inflationsabgeltung der Pensionen fordert der Seniorenrat eine volle Abgeltung der Teuerung in der Höhe von 2,7 %. Einerseits seien Pensionisten stärker von der Teuerung betroffen, andererseits würden diese mit der Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge (+0,9 Prozentpunkte) bereits einen „massiven Beitrag“ zur Budgetkonsolidierung leisten. Die APA berichtete indes, dass eine Einigung über die Pensionserhöhung innerhalb der Koalition noch diese Woche erfolgen könnte. Einen Gesprächstermin mit den Pensionistenvertretern gibt es noch nicht – diese wollen jedenfalls am Donnerstag zu „aktuellen seniorenpolitischen Forderungen“ Stellung nehmen. FPÖ-Chef Herbert Kickl sprach sich im ORF-Sommergespräch für eine volle Inflationsabgeltung und gegen eine soziale Staffelung aus. Diese wäre „ein fatales Signal an die Leistungsträger im Land.“ [Quellen: Seniorenrat I, Seniorenrat II, APA via Medienberichte, ORF Sommergespräch | Grafik: Pensionserhöhung 2026: Wie teuer darf es sein?]

Kommentar: Der Elch und die Bundesregierung
von Alexander Purger

Alexander Purger Illustration

Ohne jetzt in überpatriotisches Selbstlob verfallen zu wollen: Was uns Österreicher vor allen anderen auszeichnet, ist unser untrügliches Gespür für das Wesentliche. Wie kaum eine andere Nation vermögen wir Wichtiges von Unwichtigem klar zu unterscheiden. Dazu braucht man nur in die Zeitungen oder besser noch in ihre legitimen Nachfolger, die sozialen Medien zu schauen. Dort ist kostenfrei zu besichtigen, was den Österreichern als wirklich wichtig ins gestrenge Auge sticht.

Grafik (von Christoph Hofer): Im Jahr 2024 floss in Österreich jeder dritte Euro in den Sozialstaat. Die Sozialquote stieg auf 33,3 % (+2,4 Prozentpunkte) und markierte damit den zweithöchsten je gemessenen Wert, nach 34,1 % im Covid-Krisenjahr 2020. Die öffentlichen Sozialausgaben beliefen sich auf 161,2 Mrd. Euro, ein Anstieg von 10,2 % gegenüber 2023. Die größten Ausgabenposten waren Sozialleistungen im Alter (46,1 %), Gesundheitsleistungen (27,3 %), Familienleistungen (9,0 %) und Invaliditätsleistungen (5,6 %). Den stärksten Zuwachs verzeichneten die Sozialleistungen im Alter. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Kickl für Strompreisbremse und MwSt-Senkung auf Grundnahrungsmittel. FPÖ-Chef Herbert Kickl sprach sich im letzten ORF Sommergespräch für „Erste Hilfe-Maßnahmen“ gegen die Teuerung aus. Konkret schlägt er eine erneute Strompreisbremse sowie die Senkung der MwSt auf Grundnahrungsmittel vor. Zur Gegenfinanzierung schlägt er u. a. die Reduktion von Förderungen auf den EU-Schnitt sowie Einsparungen bei Entwicklungszusammenarbeit, Ukraine-Hilfe, Sky Shield sowie im Asylwesen vor. Um die heimische Energiepreisproblematik zu lösen möchte Kickl die „Kriminalisierung von CO2“ beenden. Der viel zu schnelle Erneuerbaren-Ausbau sorge für hohe Netzkosten, auch lasse man heimische Erdgas-Förderpotentiale bisher ungenützt, Stichwort: Fracking. Die Inflationsabgeltung solle für alle Pensionisten in voller Höhe erfolgen, im öffentlichen Dienst tritt er für eine Nulllohnrunde von Spitzenbeamten ein. [Quelle: ORF Sommergespräch]

🇦🇹 EABG wird in Begutachtung geschickt. Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz wird heute in eine zweiwöchige Begutachtungsphase geschickt. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer wird die Details dazu heute gemeinsam mit den Staatssekretärinnen Elisabeth Zehetner und Michaela Schmidt sowie der Neos-Energiesprecherin Karin Doppelbauer präsentieren. Dem Kurier liegt ein Entwurf vor. Demnach betrage das Ausbauziel für Ökostrom-Anlagen 27 Terawattstunden (TWh) Zubau bis 2030. Das gilt als wenig ambitioniert, in Gesetzen wie dem Netzinfrastrukturplan waren bereits Ausbau-Ziele von 42 TWh festgehalten. Stand 2024 wurden in Österreich etwa 80 TWh erzeugt. Zum ersten Mal werden konkrete Ausbauziele für Windkraft in allen Bundesländern festgehalten, Sanktionen für die Nicht-Erfüllung sind jedoch nicht vorgesehen. [Quellen: BMWET, Kurier Dienstagsausgabe]

🇦🇹 Energieintensive Branchen fordern weiterhin Unterstützung bei Energiepreisen. Der Branchenverband für Bergbau-Stahl sieht in dem von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer angekündigten Strombonus für 2025 und 2026 ein „positives Signal“, appelliert aber für eine generelle Entlastung bei Energiekosten sowie „Zukunftsperspektiven für die energieintensive Industrie.“ Im Sinne des Wirtschaftsstandorts und von heimischen Arbeitsplätzen müsse nachhaltig in die Absicherung von wettbewerbsfähigen Energiekosten investiert werden, auch um notwendige Investitionen in die grüne Transformation abzusichern. [Quelle: WKÖ]

🇦🇹 AK schlägt öffentliche Finanzierung des Netzausbaus vor. Die Arbeiterkammer schlägt vor, den Ausbau der Stromnetze öffentlich zu finanzieren. Der Bund solle über günstige Finanzierungsbedingungen Kapital beschaffen und dieses über Anleihen an die Netzbetreiber als Mezzaninkapital weitergeben. Die Finanzierungskonditionen von Bundesanleihen sollen dabei möglichst 1:1 weitergegeben werden, so der Vorschlag der AK. Die Abwicklung könne laut AK über die Bundesfinanzierungsagentur oder eine Förderbank erfolgen. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Tourismusbranche ist pessimistischer. Der heimische Tourismus ist bei der Einschätzung der aktuellen Sommersaison Schlusslicht im deutschsprachigen Raum. Mit einem Wert von 2,7 zwischen 1 (pessimistisch) und 5 (optimistisch) liegt man unter dem Regionen-Schnitt von 2,8. Spitzenreiter ist die Schweiz (3,2), dahinter folgen Südtirol (3,1) und Deutschland (2,9). Im Vorjahr lag der Schnitt bei 3,2. Als größte Herausforderungen orten die heimischen Fremdenverkehrsbetriebe die gestiegenen Mitarbeiterkosten (62 %), die allgemeine Kostensteigerung (58 %), sowie das Erreichen der Auslastungsziele (55 %). [Quelle: Kohl & Partner]

🇪🇺 Autohersteller dürften CO2-Flottenziele großteils erreichen. Laut einer aktuellen Studie dürfte der Großteil der europäischen Autobauer die EU-CO2-Flottenziele für die Jahre 2025-2027 erreichen. Grund dafür sind die deutlich gestiegenen Verkäufe von Elektrofahrzeugen – in den ersten 7 Monaten des laufenden Jahres wurden um 38 % mehr E-Autos abgesetzt. Der Marktanteil von E-Autos soll demnach heuer 18 % erreichen, bis 2027 auf 25 % ansteigen und 2030 bereits bei 55 % liegen. [Quelle: T&E]

🌐 Goldpreis bricht erneut Rekord. Der Preis für eine Feinunze Gold stieg gestern auf über 3.645 US-Dollar – ein neues Rekordhoch. Auch in Euro gemessen wurde mit rund 3.100 Euro pro Feinunze ein neuer Rekord erzielt. Der Goldpreis legte im laufenden Jahr in Dollar gemessen um fast 40 %, in Euro gemessen um knapp 24 % zu. [Quelle: Aktueller Goldpreis]

🇯🇵 Japanische Wirtschaft wächst stärker. Die japanische Wirtschaft ist im 2. Quartal 2025 stärker gewachsen als bisher angenommen. Die BIP-Entwicklung wurde von 0,3 % auf 0,5 % nach oben revidiert – aufs Jahr hochgerechnet ergibt das ein BIP-Wachstum von 2,2 %. Treibende Kraft hinter dem Wachstum waren die privaten Konsumausgaben, die um 0,4 % angezogen haben. [Quellen: Reuters, ESRI]

🇨🇳 Chinesische Exporte schwächer gewachsen. China exportierte im August um 4,4 % mehr Waren als im Vorjahresmonat, verfehlt damit die Prognose von 5,0 % und verzeichnet ein 6-Monats-Tief. Grund dafür sind die rückläufigen Exporte in die USA – im Vergleich zum Vorjahresmonat sind diese um ein Drittel gesunken. Exporte in andere südostasiatische Länder nahmen hingegen um 22,5 % zu. [Quellen: Reuters, chin. Zollbehörde]

🇩🇪 Deutsche Industrieproduktion im Juli gestiegen. Die reale Produktion im produzierenden Gewerbe ist im Juli um 1,3 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Im Dreimonatsvergleich Mai-Juli ist die Produktion hingegen um 0,1 % gesunken. Getragen wurde die Entwicklung im Juli vom deutschen Maschinenbau, der um 9,5 % zulegen konnte. Auch die Pharmaindustrie (+8,4 %) und Automobilindustrie (+2.3 %) produzierten im Juli mehr. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇩🇪 Weniger deutsche Exporte im Juli. Mit einem Gegenwert von 130,2 Mrd. Euro sind die Exporte Deutschlands im Juli gegenüber dem Vormonat um real 0,6 % zurückgegangen. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um real 1,4 %. Die Importe gingen zum Vormonat um 0,1 % zurück, sie stiegen zum Juli 2024 um 4,3 %. Die meisten deutschen Exporte gingen im Juli in die Vereinigten Staaten, allerdings um 7,9 % weniger Waren als im Juni. Damit sanken die Exporte in die Vereinigten Staaten auf 11,1 Mrd. Euro. Das ist der vierte monatliche Rückgang in Folge und der niedrigste Exportwert seit Dezember 2021. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

Selektive Agenda:

Heute, Kopenhagen, Dänemark: Informeller EU-Agrar- und Fischereirat (letzter Tag) [Info]

Heute, Straßburg, Frankreich: Tagung des Europaparlaments (bis 11.9.)

Heute, Wien: Auktionstermin für österreichische Bundesanleihe

9:00 Uhr, Wien: Das Wifo veröffentlicht seinen Konjunkturbericht

9:00 Uhr, Wien: Die Statistik Austria veröffentlicht die Kfz-Neuzulassungen August

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Christine Drechsler hat mit August 2025 die Geschäftsführung von Stiftung Kindertraum übernommen. Frances Gleich ist neue Chief Audit Executive bei Santander. Seit September hat Armin Egger die Geschäftsführung der Hofburg Vienna übernommen, Barbara Riedl ist die neue Leiterin von Sales & Marketing.

Geburtstage: Wir gratulieren Barbara Potisk-Eibensteiner und Kai Jan Krainer zum Geburtstag.

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?