International

Interview

41-Stunden-Woche? „Da könnte der Staat vorangehen“

Thomas Gindele, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), kann der Debatte um eine Erhöhung der Arbeitszeit „einiges abgewinnen“ – das sei nicht nur notwendig, um Kosten zu sparen, sondern auch, um den Fachkräftebedarf abzudecken. Er findet: „Der Staat könnte mit einem guten Beispiel vorangehen“. An die Regierungen in Deutschland und Österreich appelliert er, auch größere Reformen anzugehen und von „Buy European“ hält er nur dann etwas, wenn es auch wettbewerbsfähige Produkte aus Europa gibt: „Wenn ein Staat sagt, wir wechseln jetzt von Microsoft auf ein europäisches System, dann würde ich sagen, dagegen ist eine Cyberattacke nichts“.

Thomas Gindele ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) © DHK/Florian Wieser | Montage: Selektiv
„Wohin mit dem Geld?“ von Monika Rosen

Favoritenwechsel an der Wall Street?

Die Finanzmärkte sorgen derzeit für einige Schwindelanfälle bei den Anlegern. Auf dramatische Abstürze folgen rekordverdächtige Erholungen, von Bitcoin und Gold bis zu den Aktienmärkten, die als letzte in den Strudel hineingezogen wurden. Aber wo viel Schatten ist, muss irgendwo auch Licht sein. Es gibt Segmente an der Börse, die von den aktuellen Turbulenzen durchaus profitieren.

Interview

Keba-CEO: „Industrie verliert langsam die Geduld“

Christoph Knogler ist CEO der oberösterreichischen Keba und mit seinem Unternehmen einigermaßen gut durch die vergangenen Krisenjahre gekommen, auch, weil es breit aufgestellt ist. „Unser asiatisches Geschäft ist von der Wettbewerbsschwäche Österreichs unbeeindruckt“, sagt Knogler. Die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet aber in Österreich: „Und wenn man sich anschaut, wie sich die Personalkosten in Österreich entwickelt haben, dann spüren wir das“. Er versteht, dass die Spielräume klein sind, hätte sich etwa bei den Lohnnebenkosten mehr Mut gewünscht. „Damit gehen schleichend Arbeitsplätze verloren“.

Christoph Knogler ist CEO von Keba © Keba / Montage: Selektiv
Kommentar von Bernhard Seyringer

Chinas digitale Währung gewinnt an Boden

Verglichen mit der chinesischen Wirtschaftsleistung, ist die Landeswährung „Renminbi (CNY)“ im internationalen Zahlungsverkehr unbedeutend: Weniger als 5 Prozent der internationalen Zahlungen werden damit getätigt. Peking ist sich der Bedeutung bewusst und strebt daher nach einem strategischen Gegengewicht zum US-Dollar. Dem Digital-Yuan (e-CNY) fällt bei diesem Vorhaben die Schlüsselrolle zu.

Interview

Handelsökonom: „Müssen in Zukunft aus Situation wirtschaftlicher Stärke agieren“

Der Außenhandelsökonom Martin Braml sieht Trumps jüngste Zolldrohung als konsequente Fortführung seines unberechenbaren Stils: „Trump unterscheidet erkennbar nicht zwischen Freund und Feind.“ Auch die Existenz von Abkommen schütze einen nicht. Volkswirtschaftlich wären zusätzlich 10-Prozent-Zölle verkraftbar gewesen, der wahre Schaden entstehe jedoch durch geopolitische Unsicherheit und Investitionsrückgang, so Braml. Er rät der EU zu entschlossenen Gegenmaßnahmen und Strukturreformen. „Wir müssen in Zukunft aus einer Situation der wirtschaftlichen Stärke heraus agieren können.“ Nur dann könne man auch Augenhöhe mit den USA und China herstellen.

Dr. Martin Braml (32) ist Außenwirtschaftsexperte und lehrt Handelspolitik an der Universität Passau @ beigestellt / Montage: Selektiv
Interview

Handelsexperte: „Ein Handelskrieg würde insbesondere Österreich schaden“

Kein halbes Jahr nach Abschluss des Handelsdeals mit den USA droht US-Präsident Donald Trump mit neuen Strafzöllen gegen einzelne EU-Länder – ausgelöst durch den Streit um Grönland. Ein Handelskrieg würde vor allem exportstarke Volkswirtschaften wie Österreich hart treffen. „Im Handel mit den USA gab es im Vorjahr bereits einen Einbruch um 21 Prozent. Das ist für Österreich besonders schwierig“, analysiert IV-Bereichsleiter Igor Sekardi. Die Souveränität der EU-Staaten sei jedoch eine rote Linie. Europa brauche nun dringend mehr Unabhängigkeit im Welthandel. Nach einer schnellen Ratifizierung von Mercosur sollte man neue Handelspartnerschaften etwa mit Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zügig vorantreiben.

Igor Sekardi ist Bereichsleiter für Internationale Beziehungen & Märkte der Industriellenvereinigung © beigestellt/Montage: Selektiv
Wohin mit dem Geld? von Monika Rosen

Gerangel um Grönland: Es geht ums Geld (und um China)!

Kaum hat die Welt das Eingreifen der Amerikaner in Venezuela halbwegs verdaut, da tut sich schon das nächste Feld auf: US-Präsident Trump möchte Grönland unter seine Kontrolle bringen. Notfalls will er die Insel (und ihre Bewohner) kaufen. Warum eigentlich? Welche Investmentchancen tun sich am Rand des Polarmeeres auf? Und bringen sich einige Player vielleicht schon jetzt in Stellung?

Kommentar von Georg Renner

Die weltpolitische Unfähigkeit der Koalition

Wenn es nach Österreich gegangen wäre, hätte die Union Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay weiterhin die kalte Schulter zeigen müssen – als ob es gerade eine gute Zeit wäre, sich nur ja keine Partner in der Welt zu suchen und für sich allein zu stehen. Der Grund: Ein gemeinsamer Parlamentsbeschluss von ÖVP, FPÖ, SPÖ und der Pilz-Partei Jetzt aus dem Post-Ibiza-Wahlkampf 2019, der die Regierung bindet, in Brüssel gegen das Abkommen zu stimmen.

Kommentar von Rainer Nowak

Und was, wenn Trump recht hat?

Die USA richten ihren strategischen Blick dorthin, wo die Weltordnung tatsächlich neu verhandelt wird – den indo-pazifischen Raum, die digitale Sphäre, die ökonomische Systemkonkurrenz mit China. Europa hingegen präsentiert sich trotz all seiner Deklarationen als ein Kontinent, der mit sich selbst beschäftigt ist. Ein Blick in die Staatskanzleien macht sicher: Emmanuel Macron ist ein Auslaufmodell. Friedrich Merz war bisher nicht einmal ein Modell. Nur Italiens Georgia Meloni darf manchmal an den weltpolitischen Tisch. 

Kommentar von Bernhard Seyringer

Der zweite „China-Schock“ wird uns mit Wucht treffen

Der zweite „China-Schock“ nimmt mit dem nächsten Fünfjahresplan volle Fahrt auf. Er wird uns mit voller Wucht treffen. War es vor mehr als zwei Dekaden das industrielle Kernland der USA, dass die verheerenden Wirkungen zu spüren bekam, ist es nun unser Kontinent.