International

Interview

Lindner: „Schulden sind nur vorgezogener Wohlstand“

„In den letzten Jahren haben wir uns in Europa sehr stark auf Regulierung, auf Umverteilung, auf Subventionierung konzentriert“, sagt der ehemalige deutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP) im Interview mit Selektiv. Die deutsche Politik schuldenfinanzierter Investitionsprogramme sieht er als „Wette“, die nur mit den notwendigen Reformen aufgehen könne. „Denn Schulden sind nur vorgezogener Wohlstand aus der Zukunft. Wohlstand muss immer erarbeitet werden durch wirtschaftliche Substanz“. Im Interview geht es außerdem um die Folgen eines Staates, der sich zu weit ausdehnt, um den Teilzeit-Trend und die Regulierungswut der EU.

Christian Lindner, ehemaliger Finanzminister Deutschlands, war auf Einladung der Industriellenvereinigung am Salzburg Summit zu Gast © IV/Matanovic/Montage: Selektiv
Kommentar von Bernhard Seyringer

Europas neue Digitalstrategie: Eine Kapitulationserklärung?

Bei der Betrachtung der internationalen Digitalstrategie der EU, als Quasi-Antwort auf Chinas aggressive Technologiepolitik, drängt sich eine Frage auf: Denkt die EU an Kapitulation? Leider bietet sie auf keine der aktuell prioritären Fragen eine Antwort. Man hat die großen geopolitischen Themen einfach beiseite gelassen und setzt stattdessen ganz auf die „internationale Kooperation“. USA und China? Nebensächlich.

Interview

Ökonom Kooths: „Deutsche Wirtschaftspolitik zielt kaum auf Wachstum ab“

Deutschland scheint sich von der Wirtschaftsschwäche schneller zu erholen als Österreich – allzu großen Optimismus hält Stefan Kooths, der Konjunkturchef des renommierten deutschen Instituts für Weltwirtschaft (ifW Köln), aber für übertrieben. Reformen brauche es hier wie dort im Pensionssystem, im Gesundheitssystem, aber auch im Steuertransfersystem. Bisher setze die Wirtschaftspolitik aber die falschen Schwerpunkte: „Die Vorstellung, ohne politisches Anschieben würde ein Wirtschaftsraum nicht wachsen, ist schon ein Großteil des Problems“.

Stefan Kooths ist Konjunkturchef des deutschen Instituts für Weltwirtschaft in Kiel © IfW Kiel / Montage: Selektiv
Video

Markt & Mächte: Was wollen die BRICS-Länder?

Die BRICS-Länder haben eine eigene Entwicklungsbank (NDB) aufgebaut und äußerten im Rahmen des letzten Gipfels scharfe Kritik am Internationalen Währungsfonds. Die Stimmrechte sollen neu verteilt und die europäische Führung des Fonds beendet werden. „Hier sehen wir wirklich die Konfliktlinien, die sich zwischen BRICS und dem Westen offenbaren“, so Jilch. Donald Trump sei der erste US-Präsident, der klar sage: „Wenn du bei BRICS mitmachst bist du nicht mehr mein Freund. Dahinter steht seine wichtigste außenpolitische Position: Anti-China“.

Kommentar von Markus Hengstschläger

Was wenn mehr Menschen das machen würden, was sie gut können?

Sehr oft bemängeln die Älteren die Arbeitsmoral der Jüngeren, etwa der ab 1997 geborenen „Generation Z“. Zumindest für den mir gut bekannten zugegebenermaßen kleinen Ausschnitt der Studierenden, die mir seit vielen Jahren an der Universität begegnen, kann ich das nicht bestätigen. Ja junge Menschen mögen vielleicht andere Vorstellungen vom Sinn ihrer Arbeit haben und legen vielleicht mehr Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance und weniger Wert auf die Höhe des Gehalts. Sie wollen also vielleicht einfach anders arbeiten. Unbestritten bleibt, dass man jetzt schon darüber nachdenken sollte, wie man dem in Zukunft drohenden großen Fachkräftemangel begegnen kann.

Kommentar von Christian Tesch

Deglobalisierung: Problem für Wohlstand und Klima

So unbestritten wichtig der Beitrag jedes Landes der Welt im Kampf gegen den Klimawandel bleibt, so unverständlich ist, dass Bemühungen zur CO2-Reduktion in anderen Ländern weiterhin unberücksichtigt und unbelohnt bleiben. Es gibt keine wirksamen Anreize dafür, klimarelevante Maßnahmen zu globalisieren. Dies führt auch zu einer Fehlsteuerung der Mittel: Steuergelder fließen in Maßnahmen, die nationale Emissionen reduzieren sollen, was aber bei uns verhältnismäßig teuer ist. Besser und effizienter wäre es, mit demselben Mitteleinsatz anderswo wesentlich billiger Emissionen einzusparen. Davon profitiert nicht nur das Weltklima, sondern auch Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand.

Kontrapunkt von Martin Rhonheimer

Der Staat darf kein barmherziger Samariter sein

Die Debatte um Einwanderungspolitik unter dem Titel des barmherzigen Samariters oder der christlichen Nächstenliebe zu führen, war von Anfang an ein Irrweg. Aufgabe des Staates ist nicht, Barmherzigkeit zu üben, sondern die öffentlichen Angelegenheiten, die in seine Kompetenz fallen, nach den Maßstäben der Gerechtigkeit zu ordnen. Gerechtigkeit bedarf freilich der Ergänzung durch Nächstenliebe und Barmherzigkeit – das aber eben mit eigenem Geld! Meine Nächstenliebe darf den Steuerzahler nichts kosten, mich selbst aber schon.

Interview

Köppl-Turyna: „Stillstand bei der Wettbewerbsfähigkeit bedeutet Rückschritt“

Österreich nimmt im IMD-World Competitiveness Ranking 2025 erneut den 26. Platz ein – seit dem Jahr 2020 verlor man damit zehn Ränge und rutschte in der Wettbewerbsfähigkeit hinter Standorte wie Litauen, China und Deutschland zurück. Top-Länder wie Schweden oder die Schweiz zeigen, dass auch für Österreich mehr möglich wäre. „Unsere Ansprüche müssten eigentlich viel höher sein“, so Ökonomin Monika Köppl-Turyna (EcoAustria). Ihr fehle es im aktuellen Regierungsprogramm jedoch am nötigen Reformwillen, um die Trendwende einzuleiten. Auch müsse man aufpassen, dass die Budgetkonsolidierung nicht zu kurzsichtigen Einsparungen im Infrastrukturbereich führe.

Monika Köppl-Turyna ist Direktorin von EcoAustria © EcoAustria/Montage: Selektiv