Deglobalisierung: Problem für Wohlstand und Klima

1. Juli 2025Lesezeit: 3 Min.
Kommentar von Christian Tesch

Christian Tesch ist Geschäftsführer von oecolution. Er war in vielen Aufgaben rund um politische Strategie und politisches Management tätig, zuletzt als selbstständiger Politikberater, davor als Direktor der Politischen Akademie der Volkspartei. oecolution ist die Klima-NGO der Wirtschaft. Sie setzt sich für eine nachhaltige Standortpolitik ein. Die Ziele der Klimawende sollen gemeinsam mit der Wirtschaft erreicht werden, marktwirtschaftliche Instrumente sollen die notwendige Transformation unterstützen und vorantreiben.

Unter Ökonomen herrscht weitgehend Einigkeit: Donald Trump ist unschuldig. Zumindest nicht der Auslöser. Die Hochphase der – früher vielgescholtenen – Globalisierung ist bereits mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 zu Ende gegangen. Von 1970 bis 2008 wuchs das Verhältnis der Summe aller Güter- und Dienstleistungsexporte der Länder zum Bruttoinlandsprodukt der Welt von ungefähr 13 auf 31 Prozent – seitdem ist aber eher eine Seitwärtsbewegung zu beobachten.
Geopolitische Veränderungen und Zoll-Fetischismus prägen jedenfalls aktuell die Globalisierungsdebatte, in der zunehmend von Deglobalisierung die Rede ist. Linke Kapitalismuskritiker wie rechte Festungsideologen halten das für einen ökonomischen und gesellschaftlichen Fortschritt. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: Über Deglobalisierung müss(t)en wir uns ernsthafte Sorgen machen.

Einerseits mit Blick auf unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand: Eine offene Volkswirtschaft wie Österreich, die sechs von zehn Euro im Export verdient, ist auf internationale Wirtschafts- und Handelsbeziehungen existenziell angewiesen. Die neue geopolitische Situation erfordert es, dass wir Exportmärkte diversifizieren und den europäischen Binnenmarkt stärken. Aber auf internationale Abschottung zu setzen wäre volkswirtschaftlicher Selbstmord.

Deglobalisierung ist aber nicht nur für Wirtschaft und Wohlstand ein Problem. Sondern auch für Klima und Umwelt. Denn der Klimawandel ist ein globales Phänomen mit globalen Ursachen. Wer Antworten nur auf nationaler Ebene geben will und nationale Emissions-Einsparungsziele zum Maß aller Dinge macht, verkennt die Komplexität der Herausforderungen. Wir brauchen für wirksamen Klimaschutz mehr Globalisierung – und entsprechende Instrumente, die globale Wirkungszusammenhänge möglichst effizient adressieren.

So unbestritten wichtig der Beitrag jedes Landes der Welt im Kampf gegen den Klimawandel bleibt, so unverständlich ist, dass Bemühungen zur CO2-Reduktion in anderen Ländern weiterhin unberücksichtigt und unbelohnt bleiben. Es gibt keine wirksamen Anreize dafür, klimarelevante Maßnahmen zu globalisieren.

Dies führt auch zu einer Fehlsteuerung der Mittel: Steuergelder fließen in Maßnahmen, die nationale Emissionen reduzieren sollen, was aber bei uns verhältnismäßig teuer ist. Besser und effizienter wäre es, mit demselben Mitteleinsatz anderswo wesentlich billiger Emissionen einzusparen. Davon profitiert nicht nur das Weltklima, sondern auch Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand.

Gerade für Österreich wäre mehr globales Effizienzdenken ein großer Vorteil. Schließlich gehört unser Land bei vielen Umwelttechnologien zu den Weltmarktführern. Der Export österreichischer Umwelttechnologie ist der größte Hebel für den Klimaschutz, den wir haben. Er kann auf globaler Ebene nachhaltig gegen den Klimawandel wirken. Dafür gibt es aber für uns keine Anreize, sondern das Gegenteil: Wir werden dafür „bestraft“, weil uns die mit der damit verbundenen Produktion entstehenden Emissionen sogar noch negativ angerechnet werden.

„Der Export österreichischer Umwelttechnologie ist der größte Hebel für den Klimaschutz, den wir haben.“

Christian Tesch

Die „Nationalisierung“ des Klimaschutzes ist nicht die Lösung des Problems, sondern ein Teil des Problems. Wir brauchen auch beim Klimaschutz Mut zur Globalisierung. Die internationale Kooperation bringt auch hier verlässlich neue Lösungen. Wer das Klima mit neuen Technologien und Innovationen effizient schützen kann, soll das tun – und dafür starke Anreize erhalten.
Förderungen für Forschung und Entwicklung innovativer Energie- und Umwelttechnologien und für den Export österreichischer Technologie könnten somit eine mehrfache Hebelwirkung entfalten: gegen den Klimawandel weltweit und für den Wohlstand in Österreich.

In diesem Sinn: Befreien wir uns in Europa aus der Deglobalisierungs-Falle – und nützen wir die vielfältigen Globalisierungs-Chancen für Wirtschaft und Klima!

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