Wohin mit dem Geld? von Monika Rosen

Gerangel um Grönland: Es geht ums Geld (und um China)!

12. Januar 2026Lesezeit: 3 Min.
Kommentar von Monika Rosen

Monika Rosen war mehr als 20 Jahre Chefanalystin einer heimischen Großbank. In ihrer aktuellen Funktion als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Themen rund um den Finanzmarkt.

Die wachsende strategische Bedeutung von Grönland hängt eng mit dem Klimawandel zusammen. Die Erderwärmung, die in der Arktis noch schneller voranschreitet als in anderen Weltregionen, macht Transportwege zugänglich, die in der Vergangenheit unpassierbar waren. Damit werden beispielsweise die Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa fast auf die Hälfte reduziert. Dazu kommen die lokalen Bodenschätze: Seltene Erden, Kupfer, aber auch Öl und Gas. Kein Wunder also, dass die Großmächte Begehrlichkeiten zeigen. China, das im Gegensatz zu Russland und den USA kein Anrainerstaat der Arktis ist, hat schon das Konzept der „Polaren Seidenstraße“ entwickelt.

Wenn wir die Möglichkeit einer militärischen Intervention einmal außer Acht lassen, dann stellt sich die Frage, wie die USA Grönland wirtschaftlich an sich binden könnten. Ein Weg wäre, es zu kaufen. Das ist weniger absurd, als es klingt. Schon 1946 haben sie ein formales Angebot unterbreitet, damals für 100 Millionen Dollar. Nach heutigem Gegenwert wären das 1,7 Milliarden, eine Summe, die viele Experten für viel zu niedrig halten. Geologische Studien setzen den Wert der Rohstoffvorkommen von Grönland eher bei etwas über 4 Billionen Dollar an. Das scheint aber die obere Grenze zu sein. Das unwirtliche Klima macht jede Gewinnung von Bodenschätzen sehr kostspielig. Das ist offenbar auch ein Grund, warum China viele seiner Projekte zuletzt wieder aufgegeben hat. Dennoch rufen die Bemühungen der Amerikaner um Grönland jetzt die Regierung in Peking wieder auf den Plan.

Grönland zu kaufen ist weniger absurd, als es klingt.

Monika Rosen

Die drei großen (börsennotierten) Branchen, für die Grönland von Interesse ist, heißen Rohstoffe, Logistik und IT/Kommunikation. Die beiden größten Rohstoffkonzerne der Welt, Rio Tinto und Glencore, haben soeben ihre Fusionsgespräche wieder aufgenommen. Um in Grönland bzw. in der Arktis mitmischen zu können, ist Skalierung sicher kein Nachteil.

Die zweite Branche, für die Grönland ein Top-Thema werden könnte, ist die Technologie. Einerseits geht es dabei um die Vorkommen an Seltenen Erden. Sie sind derzeit ein begehrtes Gut, zumal wenn sie außerhalb von China im Boden schlummern. Zum anderen ist in der Arktis Satellitenempfang natürlich Mangelware, eine Tatsache, die Elon Musk in die Karten spielen könnte. Sein Satellitennetzwerk Starlink, das er im Rahmen von SpaceX betreibt, ist auf schwer zugängliche Weltgegenden spezialisiert. Das aktuelle Gerangel um Grönland macht daher den für heuer geplanten Börsengang von SpaceX nur noch spannender …

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