Wie halten wir es mit dem Druck in der Arbeitswelt?

23. März 2026Lesezeit: 2 Min.
Kommentar von Markus Hengstschläger

Der Genetiker Markus Hengstschläger ist Leiter des Instituts für Medizinische Genetik und Organisationseinheitsleiter des Zentrums für Pathobiochemie und Genetik an der Medizinischen Universität Wien und u.a. auch stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Bioethikkommission, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich, Kuratoriumsmitglied des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds und Gründer und Leiter des Symposiums „Impact Lech“.

Paul Achleitner ist heute aktiver Start-up-Investor. Es ist davon auszugehen, dass er dabei seinen großen beruflichen Erfahrungsschatz, gewonnen durch seine Tätigkeiten als ehemaliger Unternehmensberater in Boston, Partner von Goldman Sachs, CFO der Allianz und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, nutzt. Und Leserinnen und Leser seines aktuellen Buches „Erfahrungen beschleunigen! Erfolgsprinzipien in einer fluiden Welt“ (Campus Verlag) können jetzt auch zumindest ein wenig auf diesen Erfahrungsschatz zugreifen. 

Klar auf den Punkt gebracht und eingerahmt von den drei Elementen Legitimität, Leistung und Führung stellt er darin über 60 Management-Grundsätze vor. Das Buch spricht auch im wahrsten Sinn des Wortes an, weil der Autor am Ende jedes Kapitels konkrete Fragen an die Leserinnen und Leser richtet, die zum Nachdenken und Reagieren anregen. Und als Wissenschaftler kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass so manche Gedanken und Schlussfolgerungen des Autors auch von seinen Erfahrungen als junger Forscher etwa an der Universität St. Gallen oder der Harvard Business School geprägt sind. Es macht gerade mir natürlich große Freude, wenn ein Finanzmanager um die Bedeutung von Forschung hervorzuheben Beispiele wie die Konvergenz von KI und Gentechnik, das KI-System AlphaFold zur Vorhersage der Struktur von Proteinen oder die Entwicklung der Genschere beschreibt.

Das Buch spricht viele verschieden Aspekte der modernen Arbeitswelt an. Einer hat mich besonders zum Nachdenken angeregt. Gefühlt täglich hört man, dass hohe Arbeitsbelastung und chronischer Stress zu psychischen Erkrankungen führen, die in Europa mit stark steigender Tendenz eine Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit darstellen. Achleitner spricht davon, dass sich Menschen in weniger wohlhabenden Gesellschaften auch oft einem existenziellen Druck ausgesetzt sehen. Zusätzlich unterscheidet er aber, vielleicht ein wenig dem Konzept von positiven und negativen Stress folgend, negativen Druck von einem selbstauferlegten positiven Druck. Und so widmet sich ein Kapitel dem „Privileg selbstauferlegten Drucks“ und der Frage in welchen Regionen die damit verbundene Entschlossenheit, der Erfolgswille und die Zuversicht eventuell stärker beziehungsweise weniger stark verbreitet sind.

Bleibt noch zu sagen, dass die Zuversicht vielleicht überhaupt das verbindende Element aller Kapitel dieses empfehlenswerten Buches ist, das sich in Zeiten wachsender Unsicherheiten und geopolitischen Wandels gegen Jammerkultur und Pessimismus stellt.

Meistgelesene Artikel