Morning in Brief

Morning in Brief, 11. Juni 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Banken stärkten Eigenkapital als Risikopuffer. Die österreichischen Banken erzielten 2024 mit 11,5 Mrd. Euro den zweithöchsten Jahresgewinn ihrer Geschichte. Genutzt wurden die Gewinne vor allem zur Stärkung des Eigenkapitals als Risikopuffer – die Kernkapitalquote lag Ende 2024 bei 17,5 % und damit leicht über dem EU-Durchschnitt. Für 2025 gehen die Banken von einem Rückgang der Profitabilität aus. Der Anteil notleidender Kredite ist 2024 aufgrund der schwachen Konjunktur gestiegen. Bei gewerblichen Immobilienkrediten gab es sogar einen der stärksten Anstiege in Europa. Ab Juli gilt daher in diesem Bereich ein Systemrisikopuffer für Banken in der Höhe von 1 %. Bei privaten Wohnimmobilien hat sich der Anteil nachhaltiger Kredite hingegen stark verbessert. Die strengeren Standards laut KIM-VO laufen daher mit Ende Juni aus – die Kreditnachfrage ist bereits gestiegen. Trotz der angespannten geopolitischen Lage und Herausforderungen wie Cyberangriffen zeige sich der heimische Bankensektor widerstandsfähig, urteilt die Nationalbank. [Quellen: OeNB, Financial Stability Report

Markt & Mächte: Trump vs. Musk – Rosenkrieg im Weißen Haus
mit Niko Jilch und Sara Grasel

Mit dem Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Unternehmer Elon Musk ist nicht einfach nur eine Freundschaft zerbrochen. Der Rosenkrieg ist auch an den Märkten spürbar und ist ein deutliches Signal eines Kurswechsels in der Wirtschaftspolitik der USA. „Zwei Monate wurde versucht, ein Sparprogramm zu fahren – das ist nicht gelungen. Jetzt heißt es: Wir machen das Gegenteil und drücken richtig auf die Konjunkturtube“, sagt Finanzexperte Niko Jilch in der neuesten Folge „Markt & Mächte“.

Grafik (von Christoph Hofer): Nach 7 negativen Quartalen in den letzten 2 Jahren befindet sich die heimische Industrie erstmals wieder auf einem deutlichen Wachstumskurs. Das reale BIP im Sektor Herstellung von Waren wuchs im 1. Quartal 2025 um 1,0 %, nach -1,7 % im Vorquartal. Die positive Entwicklung in der Industrie führte auch zu einem gesamtwirtschaftlichen BIP-Wachstum von 0,1 Prozent. [Quelle: Statistik Austria | Grafik: Industrieproduktion nimmt erstmals seit 3 Jahren zu]

🇦🇹 Industrieproduktion im April kräftig gestiegen. In Industrie und Bau ist in Österreich die Produktion im April im Jahresabstand um 3,7 % gestiegen, im Vergleich zum Vormonat März um 2,1 %. In der Industrie stieg der entsprechende Index im Jahresabstand sogar um 4,1 %, im Bau um 2,3 %. [Quelle: Statistik Austria

🇦🇹 IV fordert weitere Reformen bei Pensionen. Laut Industriellenvereinigung muss in einer Pensionsreform nicht nur das Antrittsalter angehoben werden. Gleichzeitig gehöre auch die vorzeitige Alterspension eingeschränkt, die kapitalgedeckte Vorsorge gestärkt und der Datenaustausch zwischen Kranken- und Pensionsversicherung sowie AMS verdichtet. Das Ziel sei, dass weniger Menschen aus dem Krankenstand in die Pension gehen. [Quelle: Krone Mittwochsausgabe]

🇦🇹 Rechtsstreit um Gasbohrungen in Molln geht weiter. Umweltschutzorganisationen wenden sich im Verfahren um geplante Gasbohrungen im oberösterreichischen Molln in den Kalkalpen an den Verwaltungsgerichtshof (VwGH), nachdem ihre Beschwerde beim oberösterreichischen Landesverwaltungsgericht (LVwG) abgewiesen wurde. Da das bisherige Verfahren keine aufschiebende Wirkung hat, wurden Probebohrungen bereits durchgeführt. [Quellen: Medienberichte, Umweltdachverband

🇦🇹 Geothermie-Großprojekt für Graz startet. Von Dezember bis März soll mit seismischen Messungen der geologische Untergrund im Großraum Graz auf Potenziale für Geothermie untersucht werden. Die dafür notwendigen Schwingungen werden von speziellen Seismik-Lkw erzeugt und sollen keine negativen Auswirkungen haben. In der zweiten Jahreshälfte 2026 ist eine Erkundungsbohrung geplant. Das Projekt muss noch genehmigt werden. [Quelle: OMV

🇪🇺 EU bringt 18. Sanktionspaket gegen Russland auf den Weg. Die EU-Kommission hat ihr 18. Sanktionspaket gegen Russland vorgestellt. Geplant ist ein Verbot von Transaktionen mit den Nord-Stream-Gaspipelines und mit russischen Banken (bisher war nur die Verwendung des Swift-Systems gesperrt) sowie mit Banken aus Drittländern, die an der Umgehung von Sanktionen beteiligt sind. Die EU schlägt weiters vor, die Obergrenze für den Ölpreis von 60 Dollar auf 45 Dollar pro Barrel zu senken, und es soll weitere Exportverbote für bestimmte Maschinenteile, Metalle, Plastik und Chemikalien geben. Die EU-Mitgliedsländer müssen dem Paket noch zustimmen. [Quellen: Von der Leyen auf X, Pressekonferenz von der Leyen, Statement im Wortlaut schriftlich

🇪🇺 Eurozone-Konjunkturindex dreht in Wachstumsbereich. Der Sentix-Konjunkturindikator für die Eurozone ist im Juni auf plus 0,2 Punkte – nach vormals minus 8,1 Zähler – gestiegen und ist damit über der Wachstumsschwelle zu liegen gekommen. Es ist der zweite Anstieg in Folge und der höchste Wert seit Juni 2024. [Quelle: Sentix

🇪🇺 Dienstleistungen im Euroraum im Aufwind. Der Dienstleistungssektor hat seine Produktion im Euroraum und in der EU im März im Jahresvergleich um 2,9 % ausgeweitet. Im Monatsabstand lag die Steigerung bei 0,9 % im Euroraum und 0,6 % in der EU. Der stärkste Treiber war der Bereich Information und Kommunikation. In Österreich lag die Entwicklung im Monatsabstand leicht unterdurchschnittlich bei +0,3 %, im Jahresabstand ist die Dienstleistungsproduktion um -0,2 % sogar gesunken. [Quelle: Eurostat

🌍 Weltbank reduziert globale Konjunktur-Erwartung. 2025 soll die globale Wirtschaft um 2,3 % wachsen, das schwächste Wachstum seit 2008 abgesehen von Rezessionsjahren. Die Weltbank hat damit ihre Prognose im Vergleich zu vor 6 Monaten um 0,4 Prozentpunkte gesenkt. Die Zollpolitik der USA und die angespannte internationale Lage würden die Konjunktur drücken. Für 2026 wird ein Wachstum von 2,4 %, für 2027 von 2,6 % erwartet. Die USA dürften heuer 1,4 % wachsen, das ist ein Rückgang der Prognose um 0,9 Prozentpunkte, die Eurozone soll um 0,7 % wachsen, hier wurde die Prognose um 0,3 Prozentpunkte nach unten revidiert. Chinas Konjunkturprognose blieb unverändert bei 4,5 %. [Quellen: Weltbank, Global Economic Prospects

🌍 Global Cities Index: Spitze unverändert, Wien auf Platz 36. Die Liste der weltweit wichtigsten Metropolen führen auch heuer die Städte New York City, London und Paris an, Wien kommt auf Platz 36. Die Schweiz hat zwei Städte noch vor Wien, Zürich (Platz 16) und Genf (Platz 25). Gewertet wird in 5 Kategorien: Wirtschaftskraft, Humankapital, Lebensqualität, Umwelt und Verwaltung. Die wichtigste deutsche Stadt ist mit Platz 22 München, vor Berlin (29), Hamburg (39), Frankfurt (62) und Düsseldorf (99). Allerdings gehen die Analysten davon aus, dass Berlin in Zukunft an München vorbeiziehen wird. Die bestplatzierte asiatische Stadt ist Tokio auf Platz 9. [Quelle: Global Cities Index

🇩🇪 Insolvenzen in Deutschland gehen zurück. Mit 1.478 Firmen-Insolvenzen im Mai ist deren Zahl im Vergleich zum Vormonat um 9 % gesunken, im Jahresvergleich um 17 % gestiegen. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten liegt 7 % über dem Vormonatswert und 27 % über jenem von Mai 2024. Die meisten Insolvenzen wurden in den Branchen Bau, Handel und Industrie gemeldet. [Quelle: IWH Halle

🇺🇸 USA und China bleiben vorerst bei reduzierten Zöllen. Die Verhandler der USA und Chinas haben sich in der Nacht auf Mittwoch bei den Gesprächen in London auf ein vorläufiges Fortbestehen der reduzierten Zölle von 30 %, bzw. 10 % geeinigt, gleichzeitig würde China seine Ausfuhrbeschränkungen für seltene Erden lockern. Bis 10. August wollen beide Seiten ein umfassenderes Abkommen verhandeln, sonst treten die ursprünglichen Zölle von 145 % der USA und 125 % auf Seiten Chinas wieder in Kraft. [Quellen: Reuters

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Erhebungen zu „Wohnkosten 1. Quartal“ und „Kfz-Neuzulassungen für Mai“

10:00 Uhr, Österreich: Landesweite Schweigeminute für die Opfer des Amoklaufs von Graz

10:00 Uhr, Wien: Der Ministerrat der Bundesregierung kommt für eine Trauersitzung im Bundeskanzleramt zusammen, keine inhaltlichen Beschlüsse geplant

12:00 Uhr, Wien: Budgetausschuss des Nationalrats mit Schlussabstimmungen zum Doppelbudget mit Finanzminister Marterbauer

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Michael Rendi ist neuer österreichischer Botschafter in Rom. Andreas Zakostelsky wurde als Obmann des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen wiedergewählt. Klaus Pöllath ist zum Vorstand der Bauer AG berufen worden. Julian Fässler wird neuer Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg. 

Geburtstage: Wir gratulieren Christof Zernatto, Wolfgang Mayr und Johann Kurzbauer zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

Heute, Linz: Mobilitätsmesse „Zukunft.Mobilität“ in der Raiffeisen Arena (bis 12.6.) [Info]

9:00 Uhr, Krems: Europa-Forum Wachau „Facing Challenges – Embracing Visions“ u. a. mit montenegrinischem Justizminister Janko Bozovic, EU-Forschungskommissarin Ekaterina Zaharieva, slowenischem EU-Staatssekretär Marko Stucin, ungarischem Europaminister János Bóka, ehemaligem deutschen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (bis 13.6.) [Info]

18:00 Uhr, Wien: Veranstaltung Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) „EU matters – Europa im Ranking der Mächte“ mit Monika Köppl-Turyna, Monika Rosen, Harald Oberhofer an der Wirtschaftsuniversität [Info]

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