Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Wifo: Keine Konjunkturbelebung in Österreich. Der österreichischen Wirtschaft fehlt es laut aktuellem Wifo-Konjunkturbericht „weiterhin an Schwung“. Weder von der Industrie, vom Bauwesen noch von den konsumnahen Marktdienstleistungen gehen derzeit Wachstumsimpulse aus. Auch am Arbeitsmarkt setzt sich die Rezession fort; die Arbeitslosigkeit steigt, während die Zahl der offenen Stellen sinkt. Insbesondere im produzierenden Bereich schrumpft die Beschäftigung. Bei der Beschäftigung der über-60-jährigen Frauen gab es in den letzten 12 Monaten aufgrund der Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters hingegen ein Plus von 35 %. Die Anhebung des Regelpensionsalters dürfte laut Wifo „ein wirksames Mittel sein, um die Beschäftigung der betroffenen Personengruppen zu erhöhen, ohne einen übermäßigen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verursachen“. Selbst in einer „hartnäckigen Rezession“ sei der Verdrängungseffekt auf jüngere Personen „begrenzt“. Die IV sieht es daher als „unausweichlich“ an, die gesetzlichen Altersgrenzen für Alterspensionen anzupassen. Die Arbeiterkammer ortet eine „besorgniserregende“ Arbeitsmarktlage insbesondere für ältere Frauen. Wer will, dass Menschen länger arbeiten, müsse zuerst die Arbeitsplätze dafür zur Verfügung stellen, so die AK. [Quellen: Wifo, IV, AK | Grafik: Was die Anhebung des Frauenpensionsalters bringt]
Als in Österreich das Brot ausging
„Zeitgeschichten“ von Gerhard Jelinek

Das tägliche Brot wird billiger. Die Wirtschaftspolizei verbucht einen Erfolg. Ab der ersten Septemberwoche soll ein „Normallaib“ Brot nicht mehr als 4,24 Euro kosten. Die großen Wiener Brotfabriken einigen sich mit der Behörde. Die Wirtschaftspolizei hat den Brotpreis als „übermäßig“ bezeichnet. Jetzt soll Brot um etwa 10 Cent billiger werden: Ist das ein erster Erfolg der von Finanzminister Markus Marterbauer vage in die Sommerluft geblasenen Idee, gegen die in Österreich weiter hohe Teuerung mit staatlichen Eingriffen in die Preise vorzugehen? Könnte man glauben.
Grafik (von Christoph Hofer): Die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters für Frauen hat die Beschäftigung älterer Frauen deutlich gesteigert. Im Juni 2025 waren 28,5 % der Frauen im Alter von 60 bis 64 Jahren beschäftigt, ein Anstieg um 10 Prozentpunkte bzw. etwa 34.000 Frauen im Vergleich zu 18,8 % im Jänner 2024. Dadurch verringerte sich der Abstand zur Beschäftigungsquote der Männer in derselben Altersgruppe (46,9 %) erheblich. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote bei Frauen dieser Altersgruppe im selben Zeitraum von 2,9 % auf 7,4 %. [Quelle: AMS]

🇦🇹 Regierung uneins in Teilzeit-Debatte. In der schwelenden Teilzeitdebatte sucht die Bundesregierung noch eine einheitliche Linie. In der ÖVP hat Generalsekretär Nico Marchetti in der ZIB2 den SPÖ-Vorschlag eines Rechtsanspruchs auf Aufstockung, wenn Teilzeitkräfte regelmäßig Überstunden machen müssen, nicht mehr ausgeschlossen, allerdings müsse eine Lösung im Einvernehmen mit den Sozialpartnern gefunden werden, wie die ÖVP gegenüber der APA betonte. NEOS-Sozialsprecher Johannes Gasser zeigt sich hingegen skeptisch und befürchtet Probleme bei der Umsetzung des SPÖ-Vorschlags in den Betrieben. Darüber hinaus würde der Überstunden-Zuschlag bei Teilzeit bei einem Aufstocken verloren gehen und damit eine Ausweitung der Stunden nicht attraktiv genug sein. [Quellen: Marchetti in ZIB2, Medienberichte, Gasser im Mittagsjournal]
🇦🇹 Pkw-Neuzulassungen um ein Drittel gestiegen. Im Juli 2025 sind die Pkw-Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 31,6 % gestiegen. Von Jänner bis Juli 2025 ergibt sich ein Plus von 9,0 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge legten im Juli bei den Neuzulassungen um 67,7 % zu. Dabei entfielen 29,5 % der Elektro-Neuzulassungen auf Privatpersonen und 70,5 % auf juristische Personen, Firmen und Gebietskörperschaften. Auch Hybride (Benzin-Hybrid +62,7 %, Diesel-Hybrid +17,9 %) und Verbrenner (Benzin +5,3 %, Diesel +2,3 %) konnten im Juli ein Plus verbuchen. Nachdem die NoVA-Befreiung von Klein-Lkw (N1) ab 1. Juli schlagend wurde, legte dieses Segment mit 127,3 % Plus am stärksten zu. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 Mehr Sozialleistungsbetrugsfälle im Vorjahr. 2024 wurden von den Behörden rund 4.900 Sozialleistungsbetrugsfälle aufgeklärt, ein Anstieg um rund 10 % gegenüber 2023. Der Schaden, den die über 5.000 Verdächtigen verursacht haben, belief sich auf rund 23 Mio. Euro. Die gängigsten Formen des Betrugs sind das Vortäuschen eines österreichischen Wohnsitzes, um die Ausgleichszulage zur Pension zu erlangen, ungemeldete Einkünfte in der Arbeitslosigkeit, sowie widerrechtlicher Bezug der Kinderbeihilfe. 72 % der Beschuldigten waren Ausländer, die Aufklärungsrate lag bei 99,5 %. [Quelle: BMI]
🇪🇺 Warnung vor „Kollaps“ des Automarkts durch EU-Verbrennerverbot. Der Präsident des europäischen Automobilverbands ACEA, Ola Källenius, warnt vor einem Verbot von Verbrenner-Autos ab 2035. Damit würde Europa die wirtschaftliche Stärke seiner Autoindustrie verspielen, dem Klima würde es aber „gar nichts nützen“. Denn viele Verbraucher würden wohl kurz vor Ende der Frist noch Verbrenner kaufen. „Wir müssen einen Realitätscheck machen. Sonst fahren wir mit Vollgas gegen die Wand“, so Källenius zum Handelsblatt. [Quelle: Handelsblatt]
🇪🇺 🇺🇦 EU überweist Ukraine wieder Zinsgewinne aus russischen Assets. Die EU zahlt der Ukraine erneut 1,6 Mrd. Euro an Unterstützung aus den Gewinnen von eingefrorenem russischen Staatsvermögen innerhalb der EU aus. Nach Juli 2024 und April 2025 ist das bereits das dritte Mal, dass die Union die Zinseinnahmen russischer Assets der Ukraine im Kampf gegen Russland zur Verfügung stellt. [Quelle: EU-Kommission]
🇺🇸 US-Unternehmen schultern Zollkosten zu zwei Dritteln. Die Kosten der US-Zölle wurden bisher zu 64 % von US-amerikanischen Unternehmen übernommen, zu 22 % an US-Konsumenten weitergegeben und zu 14 % von den Exporteuren selbst getragen (Daten bis Juni 2025). Die US-Unternehmen würden die Kosten im Lauf der Monate jedoch weiterreichen: Der Kostenanteil der Konsumenten würde dann auf zwei Drittel (67 %) ansteigen, während der Anteil der Unternehmen auf unter 10 % sinkt, so eine Analyse von Goldman Sachs. Auch die Inflation wird durch die US-Zölle angeheizt werden, bisher liegt der Zoll-Einfluss bei zusätzlichen 0,2 Prozentpunkten. [Quellen: Goldman Sachs via Bloomberg, Scott Lincicome auf X]
🇩🇪 Wohnimmobilienpreise in Deutschland ziehen an. Im 2. Quartal 2025 stiegen in Deutschland die Preise für Wohnimmobilien um 1,1 % zum Vorquartal. Im 1. Quartal wuchsen die Preise für Häuser und Wohnungen um 1,2 %. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 4,1 %. [Quelle: Verband Deutscher Pfandbriefbanken]
🇩🇪 Tourismus in Deutschland mit Nächtigungsrekord. Im 1. Halbjahr 2025 hat der Fremdenverkehr in Deutschland mit 223,5 Mio. Übernachtungen einen neuen Rekordwert erzielt. Das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach 0,1 %. Die Zahl der inländischen Gäste stieg um 0,8 %, Nächtigungen ausländischer Besucher sanken dagegen um 3,2 %. Im Juni allein stiegen die Nächtigungen im Jahresvergleich um 3,8 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇺🇸 🇨🇳 US-Zölle: Deadline für China-Zölle verschoben. Die USA haben gestern die Verhandlungsfrist mit China um weitere 90 Tage verschoben. Damit bleibt es vorerst bei den reduzierten Zollsätzen. Ursprünglich wurden gegenseitige Zölle von über 100 % angedroht. Die detaillierteren Verhandlungen zwischen den USA und Japan sollen laut US-Finanzminister Scott Bessent bis Ende Oktober abgeschlossen werden. Für Japan gilt wie für die EU ein Basiszollsatz von 15 %. Auch die EU verhandelt derzeit weiter mit US-Vertretern, die EU „ist konzentriert darauf, aus den Gesprächen mit den USA ein Maximum an positiven Ergebnissen herauszuholen“, so EU-Kommissionsprecher Olof Gill. Die derzeit ausgesetzten Gegenmaßnahmen könnten laut Gill „jeden Moment“ wiedereingesetzt werden, sollte das notwendig sein. [Quellen: Medienberichte, White House Fact Sheet, Bloomberg, Olof Gill auf X]
Selektive Agenda:
Heute, Podgorica, Montenegro: Bundeskanzler Stocker in Montenegro; Treffen mit montenegrinischem Präsident Milatović und Ministerpräsident Spajić; 18:45 Uhr: Weiterreise nach Belgrad
Heute, Wien: Opec veröffentlicht monatlichen Ölmarktbericht für August [Info]
Heute: Ende der ersten 90-tägigen Zollpause zwischen den USA und China
14:30 Uhr, Washington, USA: Das Bureau of Labor Statistics gibt die US-Verbraucherpreise für Juli bekannt
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Claudia Höller wird Vorstandssprecherin und Finanzvorständin, Markus Hildemann Vorstand für Vertrieb und Marketing sowie Andreas Stadler unter anderem Vorstand für IT und Operations bei der Hypo Tirol Bank. Nadine Prohaska verstärkt das Team der younion-Sportgewerkschaft im Bereich Frauenfußball.
Geburtstage: Wir gratulieren Manfred Haimbuchner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
19:30 Uhr, Bregenz: Premiere „La Cenerentola“ von Gioachino Rossini bei den Bregenzer Festspielen [Info]