Morning in Brief

Morning in Brief, 13. August 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 „Pension Overshoot Day“ heuer 3 Tage früher. Ab heute müssen die Pensionen rechnerisch aus dem Budget gedeckt werden, die laufenden Einnahmen aus dem Umlagesystem sind erschöpft. Pro Tag müssen nun 230 Mio. Euro ins Pensionssystem zugeschossen werden – bis zum Ende des Jahres ergibt das rund 33 Mrd. Euro. „Würde man sich rein auf die Pensionsversicherungen verlassen, gäbe es ab dem 13. August keine einzige Pensionszahlung mehr“, kritisiert die Bundesvorsitzende der Jungen Industrie, Julia Aichhorn. Im Vorjahr lag der „Pension Overshoot Day“ noch am 16. August, im Jahr 2023 am 19. August. Bis 2029 würde der Stichtag bereits auf den 1. August vorrücken. Angesichts dieser Entwicklung fordern Junge Industrie und Industriellenvereinigung eine Anpassung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Die Aktion Generationengerechtigkeit fordert u. a. eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters, die Junge Wirtschaft die Wiedereinführung der KESt-Behaltefrist, die Junos die Einführung einer Aktienpension. Der Pensionistenverband ortet hingegen „Polemik“, die SPÖ das Schüren eines „Generationenkonflikts“. [Quellen: Junge Industrie, Industriellenvereinigung, Aktion Generationengerechtigkeit, Junge Wirtschaft, Junos, Pensionistenverband, SPÖ]

Grafik von Christoph Hofer

Patriotische Umerziehung – Europas Kapitalfehler
Kommentar von Heike Lehner

Europäer lassen immer noch Billionen Euro auf Konten und Sparbüchern ungenutzt, während Unternehmen dringend Kapital für Innovationen benötigen. Die EZB wirbt nun für ein EU-weit standardisiertes Angebot an Sparprodukten. Doch der Wunsch, das Vermögen privater Haushalte in vorgegebene Branchen zu lenken, verfehlt das Ziel. Denn Staaten sind notorisch schlecht darin, die richtigen Gewinner auszuwählen. Die EU hat den Weg zur Hölle mit ihren guten Vorsätzen bereits gepflastert. Jetzt braucht es aber eine Wendung um 180 Grad, um diesen Weg nicht zu beschreiten.

🇦🇹 Anhaltende Kritik am ElWG. Am Freitag endet die Begutachtungsfrist des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG), bisher wurden 330 Stellungnahmen abgegeben. Für den Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) sieht der Gesetzesentwurf „unsachliche und unbedachte Eingriffe in den Strommarkt“ vor. Vor allem zusätzliche Netzentgelte für Einspeisung sowie die Spitzenkappung von Photovoltaik- und Windenergie stellen für den EEÖ „kontraproduktive“ Maßnahmen dar. Höhere Netzentgelte würden die preisdämpfende Wirkung von erneuerbarer Energie unterlaufen und einen Wettbewerbsnachteil darstellen, Österreich habe bereits jetzt die zweithöchsten Einspeise-Entgelte in der EU. Der Geschäftsführer der Austrian Energy Agency, Franz Angerer, fordert in einem Gastkommentar eine sachliche Debatte und „Augenmaß“ bei den Netzentgelten, es gäbe „sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten“. [Quellen: Erneuerbare Energie Österreich, Angerer in der Presse | Gesetzesentwurf

🇦🇹 Sozialhilfereform derzeit in rechtlicher Abklärung. Die von der Regierung geplante Reform zu einer „Sozialhilfe NEU“ befindet sich laut Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) derzeit in verfassungsrechtlicher Begutachtung. Sobald das Gutachten des Verfassungsdienstes vorliege, werde man die nächsten Schritte setzen. Dabei soll die Kindergrundsicherung oder „Kinderzukunftssicherung“ wesentlich sein. Leistungen würden keine gekürzt, aber teilweise würden Sachleistungen die „bessere Variante“ darstellen. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Regierung will Lebensmittel-Versorgungssicherheit erhöhen. Landwirtschaftsminister Totschnig (ÖVP) hat eine Novelle des Lebensmittel-Bewirtschaftungsgesetzes in Begutachtung geschickt, die in Zukunft das Anlegen von staatlichen Lebensmittelreserven für Krisenzeiten ermöglichen soll. Ebenso sind frühzeitige Informationsmaßnahmen für Bevölkerung und Wirtschaft vorgesehen. Indes warnen Erzeuger und Verbände vor weniger Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln. Preisdruck durch ausländische Konkurrenzprodukte, hohe Produktionskosten sowie der Wegfall wichtiger Pflanzenschutzmittel würden den Anbau heimischer Ackerfrüchte massiv erschweren. [Quellen: BMLUK, Wirtschaften am Land

🇦🇹 Stromausfallsdauer im Jahr 2024 gesunken. Im Vorjahr lag die durchschnittliche Ausfallsdauer von ungeplanten Stromausfällen bei 23,41 Minuten – im Jahr 2023 lag sie noch bei 32,27 Minuten. Witterung und atmosphärische Gründe waren die bedeutendsten Ursachen für Unterbrechungen. Beim Ausfall der Gasversorgung gab es jedoch einen Anstieg, nach nur 1,44 Minuten im Jahr 2023 ist die Gasversorgung im Vorjahr im Durchschnitt für 3,87 Minuten ausgefallen. Der Grund liegt hier bei einem einzelnen großen Netzbetreiber, der längere Unterbrechungen als üblich hatte. „Die Zuverlässigkeit der Strom- und Gasversorgung kann weiterhin als sehr gut bezeichnet werden“, resümiert E-Control-Vorstand Alfons Haber. [Quelle: E-Control

🌐 Opec erwartet steigende Ölnachfrage. Die weltweite Ölnachfrage soll nächstes Jahr um 1,38 Millionen Barrel pro Tag steigen, teilte die Opec im Monatsbericht für August mit. Dies entspricht einem Anstieg von 100.000 Barrel pro Tag gegenüber der vorherigen Prognose. Die Erwartungen für das laufende Jahr blieben unverändert. Weiters erwartet die Opec eine um 100.000 Barrel pro Tag niedrigere Produktion von Ländern außerhalb der Opec+. [Quellen: Opec Ölmarktreport August, Opec auf X, Reuters]

🇩🇪 Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sinkt weiter. Rund ein Viertel der deutschen Industrieunternehmen meldete im Juli einen Rückgang seiner Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Nicht-EU-Ländern. Gegenüber EU-Ländern ist der Anteil der Firmen mit Wettbewerbsnachteilen leicht gesunken. Einzelne Branchen wie der Maschinenbau sind jedoch besonders betroffen; dort stieg der Anteil der Unternehmen mit sinkender Wettbewerbsfähigkeit auf fast ein Drittel. „Die Herausforderungen für die deutsche Industrie im internationalen Wettbewerb bleiben gewaltig“, so Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. [Quelle: Ifo-Institut

🇩🇪 Konjunkturerwartungen in Deutschland sinken. Nachdem die Erwartungen einige Monate in Folge gestiegen sind, schätzen Finanzmarktexperten die konjunkturelle Lage Deutschlands nach Abschluss des EU-USA-Zolldeals wieder schlechter ein. Die Konjunkturerwartungen sinken um 18,0 Punkte auf 34,7 Punkte, die Einschätzung der aktuellen Lage sinkt um 9,1 Punkte auf 68,6 Punkte. „Insbesondere verschlechtert sich der Ausblick für die Chemie- und Pharmaindustrie (-29,8 Punkte). Stark betroffen sind auch der Maschinenbau (-22,6 Punkte), die Metallproduktion (-22,5 Punkte) sowie die Automobilbranche (-16,5 Punkte)“, analysiert ZEW-Präsident Achim Wambach. [Quelle: ZEW

🇺🇦 Europa überholt USA bei Rüstungshilfen für die Ukraine. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges hat Europa Militärhilfen im Wert von mindestens 35,1 Mrd. Euro über Beschaffungsverträge mit der Rüstungsindustrie bereitgestellt – um 4,4 Mrd. Euro mehr als die USA (Stand Juni 2025). „Das zeigt eine klare Abkehr von der Abgabe aus Lagerbeständen hin zur industriellen Produktion“, so der Projektleiter des Ukraine Support Tracker, Taro Nishikawa. [Quelle: Ifw Kiel

🇺🇸 Keine US-Zölle auf Gold. Nach tagelanger Unklarheit zu US-Importzöllen auf Goldbarren stellt US-Präsident Trump klar: „Gold wird nicht verzollt.“ Zölle auf Gold hätten vor allem die Schweiz getroffen, die in den vergangenen 12 Monaten bis Juni Gold im Wert von 61,5 Mrd. US-Dollar in die USA exportierte. „Die Krise konnte verhindert werden, das wird den Goldmarkt enorm entlasten“, so Goldmarktanalyst Ross Norman zu Reuters. Der Goldpreis ist nach der Ankündigung kurzfristig gefallen und hat sich dann bei knapp 3.350 US-Dollar pro Feinunze stabilisiert. [Quellen: Reuters, Trump auf Truth Social, Goldpreis]

🇺🇸 US-Budgetdefizit deutlich, Inflation leicht gestiegen. Trotz höherer Zolleinnahmen ist das US-Haushaltsdefizit im Juli auf 291 Mrd. US-Dollar gestiegen, ein Anstieg um 19 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Einnahmen stiegen zwar um 8 Mrd. US-Dollar bzw. 2 %, die Ausgaben jedoch um 56 Mrd. US-Dollar bzw 10 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die US-amerikanischen Verbraucherpreise im Juli um 2,7 %, im Vergleich zum Vormonat um 0,2 %. Die Wohnkosten stiegen im Juli ebenfalls um 0,2 % und waren der Hauptfaktor für den Anstieg der Inflation. Die Energiekosten hingegen sanken von Juni auf Juli um 1,1 %. Die Kerninflation lag im Juli bei 3,1 %. [Quellen: US-Finanzministerium, Reuters, Bureau of Labor Statistics]

Selektive Agenda:

Heute, Belgrad, Serbien: Bundeskanzler Stocker in Serbien; Treffen mit serbischem Präsident Vučić und Ministerpräsident Macut

8:00 Uhr, Wiesbaden: Statistisches Bundesamt präsentiert endgültige Zahlen zum deutschen Verbraucherpreisindex Juli

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Achim Schalk wird Vorstand bei Gerresheimer. Philipp Kreinbucher-Tyler ist neuer SPÖ-Geschäftsführer in Vorarlberg.

Geburtstage: Wir gratulieren Kira Grünberger und Heinz Faßmann zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

17:30 Uhr, Wien: Afterwork „das techno cafe“ im Volksgarten Pavillon [Info]

18:00 Uhr, Wien: Die Albertina lädt zum Afterwork „Albert & Tina“ auf die Terrasse der Albertina. [Info]

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