Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 OeNB sagt für 2025 verhaltenes Wirtschaftswachstum voraus. Laut Interimsprognose der Nationalbank (OeNB) wird die österreichische Wirtschaft 2025 um 0,3 % wachsen – um 0,1 Prozentpunkt mehr als noch in der Juni-Prognose. „Die heimische Konjunktur ist im 1. Halbjahr 2025 nach einer knapp zweijährigen Rezession wieder leicht gewachsen, die Aussichten für das 2. Halbjahr sind jedoch weiterhin verhalten“, so Notenbank-Gouverneur Martin Kocher. 2026 wird ein Wachstum von 0,8 % erwartet, 2027 von 1,1 %. Die Inflation klettert 2025 auf 3,5 %, Treiber sind die Anfang des Jahres ausgelaufenen Energiehilfen. 2026 wird eine Inflation von 2,4 % prognostiziert, 2027 von 2,3 %. Der Budgetsaldo soll heuer -4,2 % betragen und in den Folgejahren nur langsam sinken. Weitere Konsolidierungsmaßnahmen sind nötig, um die Vorgaben des EU-Defizitverfahrens zu erfüllen. Prognoserisiken sind die weiterhin schwer vorhersehbare US-Zollpolitik und die hartnäckig hohe Inflation. Auf der anderen Seite könnte eine sinkende Sparquote das Wachstum stützen. [Quellen: OeNB, Pressekonferenz OeNB]
Kommentar: Wie sich Leistung im Pensionssystem lohnt
von Gerald Loacker
Die aktuelle Pensionserhöhung zeigt einmal mehr, dass die Politik das Pensionssystem lieber mit kosmetischen Maßnahmen behandelt, als sich offen den großen Fragen zu stellen. Eine nachhaltige Sicherung der Pensionen erfordert Mut, Ehrlichkeit und eine klare Orientierung am Versicherungsprinzip. Wer jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt hat, darf nicht der Verlierer von politischen „Sozialstaffeln“ sein.
Grafik (von Christoph Hofer): In den letzten 10 Jahren haben sozial gestaffelte Pensionserhöhungen zu einer schleichenden Umverteilung im Pensionssystem geführt. Eine Person, die seit 2016 pensioniert ist und 2025 eine monatliche Bruttopension von 4.000 Euro bezieht, erhält 2026 eine um 57 Euro geringere Pension als bei einer reinen Inflationsanpassung. Dagegen kann sich ein Pensionist mit einer Pension von 1.300 Euro im nächsten Jahr über eine um 76 Euro höhere Pension freuen, als er bei einer reinen Inflationsabgeltung erhalten hätte. Mit einer weiteren gestaffelten Pensionserhöhung „signalisiert die Regierung wieder einmal, Leistung lohnt sich eben nicht. Denn eigentlich sollten mehr Leistung und höhere Beiträge auch eine höhere Pension bedeuten“, so Agenda-Austria-Ökonom Dénes Kucsera. [Quellen: Agenda Austria | Service: Pensionserhöhungen seit 2014]

🇦🇹 Bures und Marterbauer verteidigen Pensionserhöhung. In der ORF-Pressestunde stellte sich die dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures hinter die Pensionserhöhung 2026. Die in Teilen unterinflationäre Erhöhung sei der aktuellen Budgetsituation geschuldet. Die Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters schloss sie für die nächste Zeit aus. Man habe „bei den Pensionen eine sozial verträgliche Lösung gefunden“, betont auch Finanzminister Markus Marterbauer in der ORF-Sendung Das Gespräch. Fiskalrat-Chef Christoph Badelt warnte derweil auf Ö1 vor einem zunehmenden Kaufkraftverlust höherer Pensionen. Vom Werkzeug der sozialen Staffelung „sollte man langsam wegkommen.“ Der Seniorenbund kritisiert die Aushöhlung des Versicherungsprinzips: „Wer ein Leben lang mehr eingezahlt hat, soll in der Pension nicht benachteiligt werden.“ Die Arbeiterkammer sieht die Pensionserhöhung als vertretbar an. Die Industriellenvereinigung betont, dass es „ohne tiefgreifende Strukturreformen kein nachhaltiges Pensionssystem gibt“ und fordert einen Pensionsautomatismus. Für den ÖGB müssen nun „endlich auch Reiche und Vermögende stärker in die Pflicht“ genommen werden. [Quellen: BMASGPK, ORF-Pressestunde, Badelt in Ö1 | Reaktionen: AK, IV, ÖGB, FPÖ, Seniorenbund, Pensionistenverband]
🇦🇹 Ratingagentur Scope senkt Ausblick für Österreich auf negativ. Scope bestätigt Österreichs Kreditrating mit AA+, ändert jedoch den Ausblick auf negativ. Das hohe Haushaltsdefizit und steigende Staatsverschuldung aufgrund zunehmender Demografie-bedingter Kosten sowie moderate Wachstumsaussichten sind Gründe für die Verschlechterung des Ausblicks. Scope rechnet bis 2030 mit einem Anstieg der Staatsschuldenquote auf 89 % des BIP. Eine wohlhabende und diversifizierte Wirtschaft, eine solide Außenhandelsposition sowie ein stabiler Bankensektor bleiben die Stärken Österreichs. [Quelle: Scope]
🇦🇹 Kein Sparen beim Forschungspakt. Am Rande der Technology Talks des AIT hat Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer angekündigt, dass der FTI-Pakt 2027–2029 nominell stabil bleibt. Derzeit stehen 5 Mrd. Euro für 2024–2026 bereit. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner erwartet bis Jahresende einen Abschluss. Auch die anstehenden Verhandlungen zum nächsten EU-Forschungsrahmenprogramm (FP10) waren Thema auf der zweitägigen Konferenz. IV-Vizepräsidentin Sabine Herlitschka bezeichnete das FP als „echte Erfolgsstory“ – Österreich habe bereits 1,44 Mrd. Euro Rückflüsse in der laufenden Periode. Für die nächste Periode brauche es mindestens 200 Mrd. Euro Budget. [Quellen: Tech Talks, Medienberichte, IV]
🇦🇹 Kocher empfiehlt „innovative Lösungen“ bei KV-Verhandlungen. Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher empfiehlt den Sozialpartnern für die Herbstlohnrunden „innovative Lösungen“, da die Höhe der Abschlüsse Einfluss auf die Teuerung haben könnte. Möglich sei etwa, die Erhöhungen vom Erfolg des Unternehmens abhängig zu machen, wie bereits vergangenes Jahr bei manchen Abschlüssen geschehen. Der richtungsweisende Metaller-KV wird ab 22. September verhandelt – die rollierende Inflation liegt bei 2,8 %. [Quelle: Pressekonferenz OeNB]
🇪🇺 EU-Kommission will frühere Überprüfung der CO2-Grenzwerte für Autos. Die EU-Kommission plant die Überprüfung der CO2-Grenzwerte für Autos ab 2035 auf 2025 vorzuziehen. Ursprünglich hätte diese 2026 erfolgen sollen. Die Entscheidung wurde nach Gesprächen im Rahmen des Automobilgipfels letzte Woche getroffen. Eine neue regulatorische Kategorie für preiswerte, in Europa gebaute kleine Elektroautos soll zudem die europäische Produktion fördern. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer unterstützte den Vorstoß: „Wir brauchen Vorgaben, die technologisch realistisch und ökonomisch tragfähig sind.“ eFuel-Alliance-Österreich Chef, Jürgen Roth, kritisierte hingegen das Festhalten der EU-Kommission an rein elektrischen Autos: „So wird sich der Niedergang dieses für Europa als Industriestandort essentiellen Wirtschaftszweigs fortsetzen.“ [Quellen: EU-Kommission, APA via Medienberichte, eFuel Alliance]
🇪🇺 Entscheidung über EU-Klimaziel 2040 wird verschoben. Letzten Freitag beschlossen die EU-Botschafter in Brüssel die Verschiebung der Abstimmung über das EU-Klimaziel 2040. Wie von Österreich und anderen Ländern, u. a. Frankreich und Deutschland, gefordert, wird dieses nun beim EU-Gipfel im Oktober diskutiert. Dort könnte ein einziges Land die Ziele blockieren, da Einstimmigkeit erforderlich ist. Wobei die endgültige Entscheidung erst später im Umweltministerrat fällt. Die EU-Kommission schlägt eine 90 %-Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2040 (im Vergleich zu 1990) vor und Klimaneutralität bis 2050. Österreichs Regierung konnte sich noch auf keine finale Position einigen. Kritik an der Entscheidung kam u. a. von den Grünen. „Verwässerungen und Verschiebung des EU-Klimaziels bedeuten am Ende nur, dass wir Milliarden für Verschmutzungsrechte im Ausland zahlen“, so EU-Abgeordnete Lena Schilling. [Quellen: Politico, Grüne]
🇬🇧 Trump schließt Tech-Abkommen mit UK. Ab morgen ist US-Präsident Donald Trump zu Besuch in London, u.a. um dort einen Technologie-Pakt und ein Atomenergie-Abkommen mit dem UK zu besiegeln. In dem Tech-Pakt geht es um F&E-Partnerschaften, Beschaffung und Qualifizierung – vor allem in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Quanten und Raumfahrt. Der Pakt soll Grundlage für hohe Investitionen von US-Tech-Unternehmen sein, die Trump auf der Reise begleiten. Kritiker sehen eine wachsende Abhängigkeit von den USA. [Quelle: Politico]
🇩🇪 Deutsche Inflation steigt leicht auf 2,2 %. Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im August 2025 um 2,2 % über dem Vorjahreswert, nach +2,0 % im Juni und Juli. „Die Inflationsrate hat sich erstmals in diesem Jahr leicht erhöht. Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln hat sich im August verstärkt. Zudem dämpfte der Preisrückgang bei Energie die Inflationsrate weniger stark als in den Vormonaten“, so Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamts. Nahrungsmittel verteuerten sich binnen Jahresfrist um 2,5 %, Dienstleistungen um 3,1 %, während Energie um 2,4 % günstiger war. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI lag bei 2,1 % und damit genau im Eurozonen-Schnitt. [Quelle: Destatis]
🇬🇧 Deutlicher Rückgang der britischen Industrieproduktion. Die britische Industrieproduktion sank im Juli um 0,9 %, getrieben durch Rückgänge in der verarbeitenden Industrie (-1,3 %) und im Bergbau (-2,0 %), während die Bereiche Elektrizität und Gas (+2,0 %) sowie Wasserversorgung (+0,8 %) zulegten. Im Juni wuchs die Industrieproduktion noch um 0,7 %. Das britische Bruttoinlandsprodukt stagnierte im Juli, nach einem Wachstum von 0,4 % im Juni. Leicht positiv entwickelten sich der Bausektor (+0,2 %) und Dienstleistungsbereich (+0,1 %). [Quellen: ONS I, ONS II]
🇷🇺 Russische Zentralbank senkt Leitzins. Am Freitag gab die russische Zentralbank eine Reduktion ihres Leitzinses von 18 auf 17 % bekannt. Die offizielle Inflationsrate betrug im August 8,14 %, nach 8,79 % im Juli. Zielwert der russischen Zentralbank ist eine Inflation von 4 %. „Die derzeitige geldpolitische Ausrichtung hat seit Jahresbeginn zu einem deutlichen Rückgang der zugrunde liegenden Inflation geführt“, so die russische Nationalbank-Gouverneurin Elvira Nabiullina. Zuletzt hatte der russische Rubel deutlich an Wert verloren und die Wirtschaftsentwicklung sich verlangsamt. [Quelle: Bank of Russia]
Selektive Agenda:
Heute, Kopenhagen, Dänemark: Informeller EU-Gesundheitsministerrat [Info] (bis 16.9.)
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Baukostenindex für August
10:00 Uhr, Wien: IAEA-Generalkonferenz u. a. mit US-Energieminister Wright [Info] (bis 19.9.)
10:00 Uhr, Wien: Bank Austria gibt Konjunkturindikator für September bekannt
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt Handelsbilanz der EU im Juli bekannt
Wochenvorschau:
Zum Wochenbeginn am Montag wird in Wien die 69. Generalkonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) eröffnet. Die Bank Austria veröffentlicht ihren monatlichen Konjunkturindikator für September. Die Statistik Austria gibt den Baukostenindex für den August bekannt und Eurostat im Anschluss die Handelsbilanz der EU für Juli.
Der Dienstag startet mit der Präsentation der Fahrplan-Neuerungen 2026 durch ÖBB-CEO Matthä. Eurostat veröffentlicht die Industrieproduktion für Juli. Kurz vor Mittag findet schließlich das bereits letzte Woche angekündigte Gespräch zwischen Finanzminister Marterbauer und GÖD-Vertretern über den Gehaltsabschluss im öffentlichen Dienst statt.
Großes Thema am Mittwoch ist die Bekanntgabe der endgültigen Inflationszahlen in der Eurozone für August durch Eurostat und die Statistik Austria. Um 10 Uhr findet ein Ministerrat statt, über die Themen ist noch nichts bekannt. Der Tag schließt mit dem Zinsbeschluss der US-Notenbank Fed.
Am Donnerstag versammeln sich Bundeskanzler Stocker, Verkehrsminister Hanke, der italienische Verkehrsminister Salvini und EU-Verkehrskommissar Tzitzikostas in Tirol zur Durchschlagsfeier des Erkundungsstollen des Brenner-Basistunnels.
Die Woche schließt am Freitag mit der Teilnahme von Finanzminister Marterbauer am informellen EU-Finanzministerrat (ECOFIN). Die 69. IAEA-Generalkonferenz geht zu Ende. Die Bank of Japan (BoJ) entscheidet über ihren Leitzins.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Mit 1. Oktober stößt Lennart Harendza als Co-CEO zur Seven.One Media hinzu. Die FHWien der WKW bekommt mit Stephan Gasser einen neuen Geschäftsführer. Richard Grasl, Oliver Auspitz und Oliver Berben ziehen als Verstärkung in den Beirat des Filmfestivals Kitzbühel ein. Thomas Thaler wurde zum neuen Kommunikationschef der ÖSB-Gruppe ernannt.
Geburtstage: Wir gratulieren Susanne Riess-Hahn und Leonore Gewessler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
10:00 Uhr, Wien: Diskussionsveranstaltung zu 30 Jahren EU-Mitgliedschaft u. a. mit Wolfgang Schüssel im Parlament. [Info]
10:30 Uhr, Wien: Präsentation der „Kurier Romy 2025“ u. a. mit Richard Grasl, Roland Weißmann, Veronica Ferres, Peter Klien, Corinna Milborn, Silvia Schneider im Palais Coburg [invite only]