Morning in Brief

Morning in Brief, 16. Juni 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Sozialpartner legen Empfehlungen für neue Industriestrategie vor. Im Rahmen einer Studie erarbeiteten Wirtschafts-, Arbeiter-, sowie Landwirtschaftskammer und der Österreichische Gewerkschaftsbund Eckpunkte für eine neue Industriestrategie. U. a. sollen die europäische und nationale Industriepolitik besser koordiniert werden, etwa durch gemeinsame Finanzierungen, gezielte IPCEI-Projekte und beschleunigte Beihilfeverfahren. Im Energiebereich werden eine krisenfeste Reform des EU-Strommarktdesigns, die Entkopplung der Strompreise vom Gaspreis sowie die Anpassung des Merit-Order-Prinzips genannt. Ein Fokus soll zudem auf die Qualifizierung von Fachkräften, ein modernes Bildungssystem und die Stärkung von MINT-Schwerpunkten gelegt werden. [Quellen: WKÖ, Sozialpartner Studie]

Kommentar: Europäische Gewinne im Wechselbad der Gefühle
„Wohin mit dem Geld?“ von Monika Rosen

Die europäischen Börsen haben heuer die Nase vorn, angetrieben von massiven Investitionen vor allem in Deutschland. Die Gewinnprognosen spiegeln derweil den hohen Grad der Unsicherheit wider, der seit der Zollankündigung von US-Präsident Trump Anfang April herrscht. Bis jetzt sind die Aktienkurse mit einem blauen Auge davongekommen.

Grafik (von Christoph Hofer): Die Roboterisierung der österreichischen Industrie bleibt deutlich hinter jener von Deutschland und China zurück. Während in China auf 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe 470 Roboter kommen, sind es in Österreich nur 245 (Deutschland: 429). Südkorea führt mit 1.012 Robotern pro 10.000 Beschäftigten klar. 2023 wurde jeder zweite Industrieroboter in China installiert. Auf die Region Asien/Australien entfallen 72 % der weltweiten Neuinstallationen. [Quelle: International Federation of Robotics]

🇦🇹 Lohnkosten treiben Baukosten. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Baukosten im Mai um 1,6 % gestiegen. Kostentreiber waren vor allem die Kollektivvertragsabschlüsse baurelevanter Branchen, die ab 1. Jänner wirksam wurden. Die Lohnkosten für die Gesamtbaukosten sind im Jahresabstand um 3,2 % gestiegen. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Hattmannsdorfer visiert ÖBAG-Reform an. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer gab in einem Interview in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ bekannt eine grundlegende Neuausrichtung der ÖBAG anzustreben. Zentraler Punkt soll eine neue Energiestrategie sein, auf Grundlage der Bündelung der staatlichen Beteiligungen an OMV und Verbund. Weitere Investitionen in Schlüsseltechnologien sowie in Start-ups und Scale-ups sollen geprüft werden. Privatisierungen als Beitrag zur Budgetsanierung erteilte Hattmannsdorfer eine Absage: „Die Öbag ist kein Veräußerungsverein.“ [Quelle: Oberösterreichische Nachrichten]

🇦🇹 Beschleunigung des Erneuerbaren Ausbau geplant. Auf Grundlage des Net Zero Industry Acts der EU möchten Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und die Wirtschaftslandesräte der Bundesländer Genehmigungsverfahren für Produktionsstätten zur Herstellung erneuerbarer Energien effizienter gestalten. Eine maximale Verfahrensdauer von 18 Monaten wird anvisiert. Der „Einspruchstourismus“ von Umweltschutzorganisationen soll durch verschärfte Zulassungskritierien reduziert werden. [Quellen: Wirtschafts-Landesräte-Konferenz, Pressekonferenz]

Wien streicht erhöhten Schulungszuschlag in der Mindestsicherung. Im Rahmen der Reform der Mindestsicherung soll es zur Streichung des Schulungszuschlags im Sozialhilfe-Grundsatzgesetz des Bundes kommen. Die Stadt Wien plant diese Maßnahme als erstes Bundesland umzusetzen. Von November 2024 bis inkl. Juni 2025 verursachte der Zuschlag in Wien Kosten in Höhe von 9,7 Mio. Euro. [Quelle: Stadt Wien]

🇪🇺 EU-Kommission plant Atomkraftausbau. 241 Mrd. Euro sollen laut einem aktuellen Bericht der EU-Kommission bis 2050 in den Ausbau der Atomkraft investiert werden. Ein Ausbau der nuklearen Leistung von derzeit 98 auf bis zu 109 Gigawatt im Jahr 2050 wird prognostiziert. 205 Mrd. Euro sollen in die Errichtung neuer Reaktoren fließen, 36 Mrd. Euro der Verlängerung der Laufzeiten bestehender Anlagen dienen. [Quelle: EU-Kommission]

🇪🇺 Industrieproduktion in der Eurozone gesunken. Im April ist die Produktion in der Industrie in der Eurozone um 2,4 % zurückgegangen, das ist der erste Rückgang nach drei Monaten Wachstum. Besonders stark fiel das Minus in Irland, Malta und Litauen aus. Österreich hingegen legte um 2,2 % zu. [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 Handelsüberschuss der Eurozone bricht ein. Im April betrug der Handelsüberschuss der Eurozone 9,9 Mrd. Euro – nach 37,3 Mrd. Euro im März. Einer der Gründe für den Einbruch sind Vorzieheffekte, Unternehmen tätigten Aufträge bereits im Februar bzw. März aufgrund drohender US-Importzölle im April. Die Gesamtexporte der EU in die USA sanken von 71,1 Mrd. Euro im März auf auf 47,6 Mrd. Euro im April. [Quelle: EU-Kommission]

🌍 Gold überholt Euro als Reserveanlage. Gold hat den Euro als weltweit zweitwichtigste Reserveanlage für Zentralbanken überholt. Gemäß EZB-Bericht zur internationalen Rolle des Euro bestanden 20 Prozent der globalen Reserven im vergangenen Jahr aus Gold, der Euro kam auf 16 Prozent. An erster Stelle steht weiterhin der US-Dollar mit 46 Prozent. [Quelle: EZB]

🇺🇸 US-Konsumentenstimmung hellt sich auf. Im Juni besserte sich erstmals seit 6 Monaten das US-Verbrauchervertrauen. Der Index der Universität Michigan stieg auf 60,5 Punkte, nach 52,2 Zählern im Mai. Ökonomen hatten davor nur mit einem Anstieg auf 53,5 Zähler gerechnet. [Quellen: University of Michigan, Reuters]

🇩🇪 Deutsche Regierung gegen höheres EU-Budget. In einem neuen Papier der deutschen Bundesregierung wird einer Erhöhung des Mittelfristigen Finanzrahmens der EU für die Jahre 2028 bis 2034 eine Absage erteilt. Vielen EU-Mitgliedsstaaten fehle es an den nötigen finanziellen Spielräumen. In dem „Reuters“ vorliegenden Dokument wird u. a. eine Reform der EU-Haushaltsregeln gefordert sowie eine Schwerpunktsetzung im Bereich Verteidigung und Sicherheit. Neuen Eigenmitteln der EU stehe man positiv gegenüber, eine gemeinsame Schuldenaufnahme wird jedoch abgelehnt. [Quelle: Reuters]

🇩🇪 Wirtschaftszahlen für Deutschland bessern sich, Inflation bleibt stabil. Das DIW erhöht seine Konjunkturprognose für Deutschland auf 0,3 % im Jahr 2025 – zuvor wurden 0,1 % prognostiziert. Positiv wirkten sich der anziehende private Konsum sowie Vorzieheffekte bei Exporten als Reaktion auf anstehende US-Zölle aus. Vor allem die US-Handelspolitik bleibe jedoch ein Risikofaktor. Im Mai sank zudem die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen im Jahresvergleich um 0,7 % – der erste Rückgang seit März 2023. Mit 2,1 % blieb die Inflation im Mai stabil. Dämpfend wirkten sich deutlich fallende Energiekosten aus, -4,6 % im Vergleich zum Vorjahr. [Quellen: DIW, Statistisches Bundesamt I, Statistisches Bundesamt II]

Wochenvorschau:

Heute Vormittag soll der ukrainische Präsident Selenskyj in Wien zu einem Besuch eintreffen. Gespräche mit u. a. Bundespräsident Van der Bellen, Bundeskanzler Stocker sowie Außenministerin Meinl-Reisinger seien geplant. Parallel zum G7-Gipfel in Kanada starten das Europaparlament sowie der Nationalrat in ihre Plenarwoche. Der Fiskalrat veröffentlicht zudem den „Mittelfristigen Budgetpfad Österreichs“.

Am Dienstag präsentiert die EU-Kommission den EU-Budgetbericht 2024 und das 5. Omnibus-Paket zu Verteidigung. Im EU-Parlament wird zudem über den Stürgkh-Bericht zu Stromnetzen abgestimmt. Die Bank of Japan entscheidet über ihren Leitzins.

Der Mittwoch beginnt mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreise für Mai durch die Statistik Austria. Im Nationalrat findet die Schlussdebatte sowie Abstimmung über die Bundesfinanzgesetze 2025 und 2026 sowie den Bundesfinanzrahmen statt. Das IMD-Wettbewerbsranking für 2025 wird präsentiert. Am Nachmittag gibt die US-Notenbank Fed ihre Zinsentscheidung sowie Prognosen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation in den USA bekannt.

Am Donnerstag und Freitag nimmt Finanzminister Marterbauer beim Treffen der Euro-Finanzminister bzw. beim EU-Rat Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN) in Luxemburg teil.

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Ukrainischer Präsident Selenskyj in Österreich

Heute, Warschau, Polen: Informeller EU-Agrar- und Fischereirat (bis 17.6.) [Infos]

Heute, Kananaskis, Kanada: Beginn der G7-Konferenz in Kanada (bis 17.6) [Infos]

9:00 Uhr, Wien: Nationalratssitzung mit den Themen Budgetbegleitgesetz, Novellierung des Universitäts- und des Bildungsdokumentationsgesetzes sowie Informationsfreiheitsgesetz [Live]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Kraftfahrzeuge-Gebrauchtzulassungen für Mai

9:30 Uhr, Luxemburg: Staatssekretärin Zehetner beim EU-Ministerrat für Energie (bis 17.6.) [Infos]

10:00 Uhr, Wien: Fiskalrat präsentiert seine Analyse zum „Mittelfristigen Budgetpfad Österreichs im Licht der wirtschaftspolitischen Herausforderungen“ 

11:00 Uhr, Wien: Bank Austria veröffentlicht ihren Konjunkturindikator für Juni

17:00 Uhr, Straßburg, Frankreich: Plenarsitzung des EU-Parlaments (bis 19.6.) [Infos]

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Die WKÖ hat einige ihre Spartenobleute neu gewählt: Manfred Denk für Gewerbe und Handwerk, Georg Imlauer für Hotellerie, Alois Rainer für Gastronomie, Rainer Trefelik für Handel, Gunter Mayrhofer für das Beförderungsgewerbe mit PKW. Josef Pühringer ist am Freitag mit 99,8 % als Obmann des Seniorenbunds Oberösterreich für vier weitere Jahre bestätigt worden.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: Universität Wien, BMFWF und Der Standard laden zur Podiumsdiskussion „Wie verändert Quantenforschung unsere Wirklichkeit?“ u. a. mit Markus Aspelmeyer, Christina Hirschl [Info]

18:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Ungarische Wegmarken: Beiträge zur deutsch-ungarischen Verständigung“ u. a. mit ungarischer Botschafterin Edit Szilágyiné Bátorfi in der ungarischen Botschaft [invite only]

18:30 Uhr, Wien: Verleihung der Fernsehpreise der Erwachsenenbildung im Radiokulturhaus – der „Axel-Corti-Preis 2025“ geht an Maria Hofstätter [Infos]

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