Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Gregor Plieschnig, David Schima und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Schwaches Wachstum und hohes Defizit bis 2029. Das IHS geht in seiner Mittelfristprognose davon aus, dass die heimische Wirtschaft bis 2029 nur verhalten wächst – durchschnittlich um 0,9 % pro Jahr. Damit bleibe Österreich deutlich hinter den „guten Jahren“ vor der Covid-Pandemie und auch 0,4 Prozentpunkte hinter dem durchschnittlichen Wachstum der EU zurück. Österreich brauche eine „Produktivitätsoffensive“, so IHS-Chef Holger Bonin. Die Inflation bleibt bis 2029 über dem EU-Schnitt. Das Defizit sinkt laut IHS-Berechnungen unter Berücksichtigung des aktuellen Doppelbudgets bis 2029 nur auf 3,2 % und bleibt damit über der Maastricht-Grenze. Das Defizit müsste laut IHS auf 2 % des BIP sinken, um nötige finanzielle Spielräume zu schaffen. [Quellen: Pressekonferenz, IHS]
„Eine Staatsquote über 50 Prozent ist kein Ruhmesblatt“
Interview mit Wolfgang Hattmannsdorfer
Eine gemeinsame wirtschaftspolitische Vision der Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos dürfte sich laut Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer nur schwer ausgehen: „Man kann nur verteilen, was zuerst erwirtschaftet wurde. Da gibt es in der Koalition einen sehr großen Unterschied in der Sichtweise“, sagt er im Interview mit Selektiv. Angesprochen auf die zahlreichen staatlichen Eingriffe wie Strompreisbremse, Mietpreisbremse oder Übergewinnsteuern, bekennt sich der Wirtschaftsminister „zu Angebot und Nachfrage und zum Wettbewerb“, in einigen Fällen seien aber im Sinne der ökosozialen Marktwirtschaft „ordnungspolitische Maßnahmen“ notwendig.
Grafik (von Christoph Hofer): Im Jahr 2024 waren Maschinen und mechanische Geräte die größte Exportwarengruppe Österreichs in die USA, mit einem Anteil von 28,6 % an den Gesamtexporten. Es folgten pharmazeutische Erzeugnisse mit 28,0 %, Zugmaschinen und Kraftfahrzeuge mit 9,7 % sowie elektrische Maschinen mit 6,9 %. Österreichs Exporte sind stark von den bestehenden US-Zusatzzöllen auf Autoteile, Stahl und Aluminium sowie von angedrohten Zöllen auf Pharmazeutika (jeweils 25 %) betroffen. Die USA sind nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt für Österreich, mit einem Exportvolumen von 16,2 Mrd. Euro im Jahr 2024. [Quellen: Statistik Austria, WKO | Grafik: USA werden immer wichtiger für österreichische Exporte]

🇦🇹 Inflation steigt auf 3,3 %. Die Inflation stieg im Juni gegenüber dem Vorjahr um 3,3 % (VPI). Das ist der höchste Stand seit Mai 2024, im Vormonat lag sie noch bei 2,9 %. Damit wurde die Schnellschätzung der Statistik Austria bestätigt. Ohne die stärksten Preistreiber Strom, Gastronomie und Lebensmittel läge die Inflation lediglich bei 1,6 %. Die Inflation in der Eurozone stieg im Juni gegenüber dem Vorjahr auf 2 % (HVPI), nach 1,9 % im Mai. In der EU lag die Inflation im Juni bei 2,3 %, im Mai betrug sie 2,2 %. Preistreiber waren vor allem Dienstleistungen sowie Lebensmittel, Getränke und Alkohol. Am höchsten war die Inflation im Juni in Rumänien mit 5,8 %, dahinter Estland (5,2 %) und die Slowakei (4,6 %). Die niedrigste Inflation verzeichnete Zypern (0,5 %) vor Frankreich (0,9 %) und Irland (1,6 %). [Quellen: Statistik Austria, Eurostat]
🇦🇹 Bedarf an Strom- und Batteriespeichern steigt stark. Der Strombedarf wird sich bis 2040 in Österreich auf 125 Terawattstunden (TWh) verdoppeln. Der Flexibilitätsbedarf, jene Menge an Energie, die verlagert werden muss, weil sich Stromerzeugung und -verbrauch nicht decken, wird sich bis 2040 auf 41 TWh versechsfachen. Der Batteriespeicherbedarf wird sich dadurch auf 8,7 Gigawatt verachtfachen. Der Ausbau von Speichern würde die Kosten für den Netzausbau um bis zu 1 Mrd. Euro pro Jahr senken können. Wichtig dafür sei aber der baldige Beschluss des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG). [Quellen: Pressekonferenz, Photovoltaic Austria]
🇦🇹 Maßnahme gegen „Österreich-Preisaufschlag“ gefordert. Der Handelsverband (HV) und die Gewerkschaft GPA fordern von der EU ein Verbot territorialer Lieferbeschränkungen, die große Lebensmittelkonzerne Einzelhändlern vorschreiben können. Durch ein Verbot sollen Preise in kleineren EU-Ländern wie Österreich für Endkunden sinken. Die Großhandelspreise sind in diesen Ländern aufgrund territorialer Lieferbeschränkungen oft höher als in großen Ländern wie Deutschland. HV und GPA fordern, dass die EU-Kommission einen seit Mai vorliegenden Gesetzesvorschlag nachschärft. Durch ein Verbot sollen sich Konsumenten in der EU jährlich 14 Mrd. Euro sparen können. [Quellen: Handelsverband, GPA]
🇦🇹 Neue Lehre für Logistik, Modernisierung weiterer Lehren. Der neue Lehrberuf Brief- und Paketlogistik ersetzt den bisherigen Nah- und Distributionslogistiker. Start ist im Herbst. 6 Lehrberufe wurden modernisiert: Gleisbautechnik, Labortechnik, Maler- und Beschichtungstechnik, Medienfachkraft, Straßenerhaltungsfachkraft sowie Glas-Verfahrenstechnik. [Quelle: BMWET]
🇦🇹 Teilzeitmodell zum Wiedereinstieg ins Berufsleben funktioniert. Seit 2017 haben 21.000 Menschen nach einem längeren Krankenstand über das Modell der Wiedereingliederungsteilzeit nachhaltig zurück in einen Job gefunden – das sind 87 % aller Personen, die das Angebot in Anspruch genommen haben. Mehr als die Hälfte hiervon waren Frauen, mit 32 % waren psychische Erkrankungen der häufigste Krankheitsgrund. [Quelle: BMASGPK]
🇪🇺 USA-EU: IHS rät von reziproken Gegenzöllen ab. Nach IHS-Berechnungen würden US-Zölle in der Höhe von 10 % das heimische BIP heuer um 0,15 % drücken, im Euroraum um 0,08 % und in den USA um 0,49 %. Dass Österreich etwas stärker getroffen wird als der Euroraum liege an dem höheren US-Exportanteil. Würde man den Kaufkraftverlust in Österreich durch eine Zoll-bedingte Aufwertung des Dollars mit einrechnen, wäre der negative BIP-Effekt noch höher. In Sektoren mit höheren Zöllen wie Autoteile, Stahl oder Aluminium geht das IHS von Exportrückgängen von 20-40 % aus. Sollten die angedrohten Zölle von 30 % tatsächlich kommen, könnte das BIP 2025 um 0,3-0,4 % zurückgehen. Reziproke Gegenzölle, also z. B. 10 % auf alle US-Importe, halten die IHS-Ökonomen für „keine gute Idee“ – das heimische BIP würde stärker zurückgehen. Besser wären Exportbeschränkungen auf in den USA benötigte Zwischenprodukte und Exportsteuern. Bei Digitalsteuern zeigte sich IHS-Chef Holger Bonin skeptisch, da Europa von diesen Diensten sehr abhängig sei. [Quellen: Pressekonferenz, IHS]
🇪🇺 Slowakei kündigt Zustimmung bei Russland-Sanktionen an. Ministerpräsident Robert Fico gab Donnerstagabend bekannt, dass die Slowakei die Blockade des 18. EU-Sanktionspakets aufgibt. Heute Freitag findet ein Treffen der EU-Botschafter statt, bei dem die Sanktionen beschlossen werden sollen. [Quellen: Reuters, Fico auf Facebook]
🇪🇺 EU sieht Österreich bei 3 Gesetzen säumig. Die EU mahnt Österreich im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens, 3 EU-Richtlinien rasch vollständig in heimisches Recht umzusetzen. Dabei geht es um den besseren Schutz kritischer Einrichtungen, die leichtere Abwicklung von Banken sowie die Messung und Berichterstattung von Methanemissionen. [Quelle: EU-Kommission]
🇩🇪 Geldvermögen in Deutschland leicht gestiegen. Das Geldvermögen der deutschen Privathaushalte ist im 1. Quartal um rund 9 Mrd. Euro auf 9.053 Mrd. angestiegen. Die niedrigeren Zinsen hätten den Aufbau des Geldvermögens gebremst. [Quelle: Bundesbank]
🇩🇪 Mehr Aufträge für deutsche Industrie. Der Auftragsstand der Industrieunternehmen in Deutschland ist im Mai um 0,4 % zum Vormonat gewachsen. Dabei stiegen Aufträge aus dem Ausland um 0,8 %, während jene aus dem Inland um 0,3 % zurückgingen. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
Selektive Agenda:
Heute, Paris, Frankreich: Bundeskanzler Stocker trifft französischen Präsidenten Macron
Heute, Garmisch-Partenkirchen, Deutschland: Deutscher Bundesinnenminister Dobrindt lädt zu einem Migrationstreffen der EU-Innenminister auf der Zugspitze u. a. mit EU-Migrationskommissar Brunner und Innenminister Karner
Heute, Kopenhagen: Informeller EU-Rat Wettbewerbsfähigkeit (Forschung) (letzter Tag) [Info]
Heute, Brüssel: EU-Rat für allgemeine Angelegenheiten der Außen- und Europaminister u. a. mit Europaministerin Plakolm [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Cornelia Ruschka ist neue Leiterin der Unternehmenskommunikation der Hochschule Campus Wien. Norbert Kettner wurde in das Board of Directors von Destinations International gewählt. Franz Ruf wurde erneut zum Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit im Bundesministerium für Inneres bestellt.
Geburtstage: Am Samstag haben Ana Blatnik und Franz Leonhard Eßl Geburtstag. Am Sonntag feiern Markus Wallner und Gerhard Zeiler.
Sehen & gesehen werden:
16:00 Uhr, Wien: Sommerfest im Belvedere 21 [Info]
19:00 Uhr, Salzburg: „Ouverture Spirituelle“ der Salzburger Festspiele mit „Das Floß der Medusa“ in der Felsenreitschule [Info]
19:30 Uhr, Bregenz: Premiere „bumm tschak oder der letzte henker“ im Theater am Kornmarkt [Info]