Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹🇪🇺 Österreich gehört zu den Bremsen der Wirtschaft der Eurozone. Der S&P-Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Euroraum legte im Juni 0,1 Zähler auf 49,5 Punkte zu. Das entspricht einem 34-Monate-Hoch und kratzt an der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Anziehende Nachfrage und Auftragswachstum würden die Stimmung heben, die Unsicherheiten rund um den Welthandel und die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten seien Negativfaktoren. Österreich gehört jedoch nicht zu den Triebfedern der Aufhellung: „Frankreich, Italien und Österreich bremsen die Wirtschaft der Eurozone aus, hier hat sich der Abschwung zuletzt vertieft“, heißt es dazu von der Hamburg Commercial Bank, die den S&P-Einkaufsmanagerindex beauftragt. In Österreich ist der Index im Juni auf 47 Zähler gesunken, hat sich damit weiter von der Wachstumsschwelle entfernt – damit bildet Österreich das Schlusslicht der 8 erhobenen Länder. [Quelle: PMI Euroraum]
Kommentar: Was wenn mehr Menschen das machen würden, was sie gut können?
von Markus Hengstschläger
Sehr oft bemängeln die Älteren die Arbeitsmoral der Jüngeren, etwa der ab 1997 geborenen „Generation Z“. Zumindest für den mir gut bekannten zugegebenermaßen kleinen Ausschnitt der Studierenden, die mir seit vielen Jahren an der Universität begegnen, kann ich das nicht bestätigen. Ja junge Menschen mögen vielleicht andere Vorstellungen vom Sinn ihrer Arbeit haben und legen vielleicht mehr Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance und weniger Wert auf die Höhe des Gehalts. Sie wollen also vielleicht einfach anders arbeiten. Unbestritten bleibt, dass man jetzt schon darüber nachdenken sollte, wie man dem in Zukunft drohenden großen Fachkräftemangel begegnen kann.
Grafik (von Christoph Hofer): Österreich hat vergangenes Jahr erstmals seit 2007 mehr Waren exportiert als importiert. 2024 wurden Waren im Wert von 191,18 Mrd. Euro (-4,8 %) exportiert und ein Volumen von 188,99 Mrd. Euro (-6,8 %) importiert. Daraus ergibt sich ein Handelsbilanzüberschuss von 2,19 Mrd. Euro. Den höchsten Überschuss mit einem Handelspartner gab es mit den USA (8,51 Mrd. Euro), gefolgt vom UK (2,60 Mrd. Euro). Das größte Defizit gab es mit China (-10,16 Mrd. Euro), gefolgt von Deutschland (-4,09 Mrd. Euro). Die am stärksten mit Österreich gehandelte Produktgruppe waren wieder Maschinen und Fahrzeuge mit einem Einfuhranteil von 34,7 % und einem Ausfuhranteil von 37,1 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Inflation steigt in Österreich auf 3,3 %. Die Inflation ist in Österreich laut einer ersten Schätzung im Juni auf 3,3 % im Jahresabstand gestiegen. Das ist der höchste Wert seit einem Jahr; im Mai lag die Inflation noch bei 3,0 %. Anstiege gab es vor allem bei Energie und Lebensmitteln, den größten Einfluss auf die Teuerung hatten aber nach wie vor Dienstleistungen. Nach der Rechnung von Eurostat liegt die Inflation in Österreich bei 3,2 % und damit deutlich über dem Schnitt der Eurozone von 2,0 %. Deutschland liegt laut Eurostat bei 2,0 %, Frankreich bei 0,8 %, Italien bei 1,7 % – die höchsten Raten gibt es in Estland (5,2 %), der Slowakei (4,6 %) und Kroatien (4,4 %). [Quellen: Statistik Austria, Eurostat]
🇦🇹 Arbeitslosigkeit im Juni gestiegen. Mit Ende Juni waren 364.419 Menschen beim AMS als arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer damit um 7,8 % oder 26.368 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenrate stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 6,8 %. Die Jugendarbeitslosigkeit stieg um 11,2 %, die Zahl der Lehrstellensuchenden um 39,7 % an. Gleichzeitig ging die Zahl der offenen Stellen im Juni um 13,8 % zum Vorjahresmonat zurück, jene der offenen Lehrstellen um 11,7 %. Laut Wifo wird die Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt 2025 noch um 22.000 Personen gegenüber 2024 ansteigen. Erst im Jahr 2026 sei ein leichter Rückgang zu erwarten. [Quellen: AMS, BMASGPK, Wifo]
🇦🇹 Höherer Strom- und Gasverbrauch im Mai. Der heimische Stromverbrauch lag im Mai bei 5,11 TWh, das entspricht einem Anstieg von 2,3 % zum Vorjahresmonat. Der Verbrauch von Gas wuchs um 16,1 % auf 4,31 TWh. Mit 6,13 TWh wurde um 16,3 % weniger Strom erzeugt als im Mai 2024 – dies ist vor allem auf die niedrigere Wasserführung der Flüsse und die damit schwächere Leistung der Laufkraftwerke zurückzuführen. Sowohl die Gasimporte mit 16,25 TWh (plus 25,4 %) als auch die Exporte mit 5,85 TWh (plus 26,4 %) stiegen deutlich. [Quelle: E-Control]
🇦🇹 480 Mio. Euro Fördergelder für E-Mobilität bis Ende 2026. 2025 und 2026 sollen in Österreich rund 480 Mio. Euro öffentliche Gelder in E-Mobilität fließen. 30 Mio. Euro davon sind 2026 als Förderung für Schnellladestationen vorgesehen – heuer soll es dafür keine Förderung geben, 2024 lag das Volumen bei 10 Mio. Euro. Bis 2030 hat Infrastrukturminister Peter Hanke das Ziel gesetzt, dass 95 % der Österreicher im Umkreis von 10 Kilometern eine Schnellladestation vorfinden. Derzeit seien es 15 Kilometer – im Mai gab es 4.600 Schnellladepunkte und 2.200 Ultra-Schnelllader in Österreich. Rund 240 Mio. Euro sollen bis Ende 2026 in E-Busse fließen, rund 140 Mio. Euro in E-Lkw und rund 70 Mio. Euro in E-Mopeds und E-Motorräder – E-Autos werden nicht mehr gefördert. [Quellen: BMIMI, Pressekonferenz]
🇦🇹 Grüne gegen Netzgebühren für private PV-Einspeisung. Das momentan zwischen den Regierungsparteien in Verhandlung befindliche Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) dürfte Netzgebühren für die Einspeisung von Strom aus privaten PV-Anlagen vorsehen, berichtet der Standard. Für den Beschluss des Gesetzes ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament notwendig, welche die Regierungsfraktionen nicht haben. Ob die Grünen dem Gesetz in der nun publik gewordenen Ausgestaltung zustimmen würden, ist fraglich. Grünen-Chefin Leonore Gewessler kritisierte in einer Reaktion auf X die kolportierten Netzgebühr-Pläne. [Quellen: Standard-Artikel, Leonore Gewesler auf X]
🇪🇺🇺🇸 EU könnte 10-Prozent-Zoll der USA unter Bedingungen akzeptieren. Laut EU-Diplomaten nimmt der Handelsdeal zwischen der EU und den USA Gestalt an. Wie Politico berichtet, soll es unter anderem um einen Basis-Zollsatz der USA von 10 %, Erleichterungen für bestimmte Branchen und eine „vorläufige“ Zusage der USA zu Zollvergünstigungen gehen. Am Donnerstag reist EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič mit einer EU-Delegation für weitere Verhandlungen in die USA. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor den 9. Juli als Deadline für die Verhandlungen genannt – danach sollen höhere Zölle für die EU in Kraft treten. [Quellen: Politico, Press Briefing der EU-Kommission]
🌍 CEE-Konjunktur wächst weiter kräftig. Das Wirtschaftswachstum für Mittel-, Ost- und Südosteuropa dürfte laut der Sommerprognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) heuer im Schnitt 2,3 % betragen, ein Rückgang um 0,2 Prozentpunkte zur letzten Prognose. Der Rückgang der Prognose sei vor allem der unsicheren internationalen Lage geschuldet, die Region wächst aber trotzdem weiterhin deutlich stärker als die Eurozone. Auch das für Österreich prognostizierte zarte Wachstum sei teilweise durch den stärkeren Wirtschaftsaufschwung in der CEE-Region gestützt. [Quelle: wiiw]
🇩🇪 Deutsche Arbeitslosenquote bleibt gleich. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im Juni zum Vormonat um 5.000 Personen auf 2,91 Mio. zurückgegangen, saisonbereinigt erhöhte sich die Zahl um rund 11.000. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert zum Mai bei 6,2 %. [Quelle: Bundesagentur für Arbeit]
🇩🇪 Deutsche Immobilienpreise ziehen an. Mit einem Plus zum Vorjahresquartal von 3,8 % im 1. Quartal 2025 stiegen die Wohnimmobilienpreise in Deutschland so stark wie seit dem 3. Quartal 2022 nicht mehr. Für das gesamte heurige Jahr und für 2026 rechnet das Statistische Bundesamt mit einem Anstieg um 3 %, nach einem Rückgang der Preise um 1,5 % im Vorjahr und um 8,4 % 2023. [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇺🇸 Stimmung in US-Industrie bleibt schlecht, mehr offene Stellen in Wirtschaft. Die Industriestimmung in den USA ist im Juni laut S&P-Einkaufsmanagerindex auf 49 Zähler gestiegen, nach 48,5 Punkten im Mai. Damit verharrt die Branche den vierten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50. Indes ist die Zahl der offenen Stellen Ende Mai auf 7,769 Mio. angestiegen, nach 7,395 Mio. im April. [Quellen: US-PMI, Medienberichte]
Selektive Agenda:
Heute, Pretoria, Südafrika: Bundespräsident Van der Bellen in Südafrika
9:00 Uhr, Salzburg: Sitzung des Salzburger Landtags mit Amtsübergabe von Landeshauptmann Haslauer an Edtstadler
9:30 Uhr, Sintra, Portugal: Notenbank-Konferenz der EZB (letzter Tag) [Info]
10:00 Uhr, Wien: Ministerrat im Bundeskanzleramt
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht EU-Arbeitsmarktdaten für Mai
12:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission präsentiert das Klimagesetz 2040
13:00 Uhr, Wien: Im Parlament tagen der Innenausschuss (u. a. Messenger-Überwachung, EU-Jahresvorschau) und der Arbeits- und Sozialausschuss (u. a. Teilpension) des Nationalrates
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Manuel Grubmüller und Kathrin Kaindl wurden als Vorsitzender und Stellvertreterin der Junos Studierenden bestätigt, neu in den Vorstand gewählt wurden Bjarne Kirchmair, Marlene Hofer, Tobias Leitner und Michael Pucher. TU-Wien-Rektor Jens Schneider übernimmt die Präsidentschaft der TU Austria von Peter Moser, Rektor der Montanuniversität Leoben. Peter Thirring ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Vienna Insurance Group. Marie-Theres Fischer übernimmt die Leitung der APA-Bildredaktion. Vinzenz Benedikt wird neuer Leiter der Group Finance bei Uniqa. Peter Schafleitner wechselt in die Geschäftsleitung bei Gebrüder Weiss. Regine Sweens verstärkt das Führungsteam von AstraZeneca Österreich als Chief Financial Officer. Wilbert Verheijen ist neuer Geschäftsführer von Canon Austria. Nilly Nail wird neuen Geschäftsführer der Messe Dornbirn. Roman Oberndorfer wurde zum neuen Obmann des WKÖ-Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder gewählt, Ellen Moll und Hans Jörg Ulreich zu seinen Stellvertretern, Mario Zoidl ist neues Mitglied im Fachverbandsvorstand.
Sehen & gesehen werden:
19:00 Uhr, Wien: Verleihung des Österreichischen Buchhandlungspreises 2025 mit Andreas Babler im Künstlerhaus [invite only]