Morning in Brief

Morning in Brief, 22. Juli 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von David Schima, Gregor Plieschnig, Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Teilzeitdebatte: Hattmannsdorfer gegen Marterbauer. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) kritisiert die Teilzeitarbeit in Österreich als „zu attraktiv“. Wenn jemand in Teilzeit arbeitet, ohne dafür einen Grund wie Betreuungspflichten zu haben, dann müsse das Konsequenzen haben. Dem Kurier sagte Hattmannsdorfer, dass er Menschen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, über die negativen Auswirkungen auf deren Pensionshöhe in Kenntnis setzen will. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hält dagegen: Es gäbe „keinen Grund, die – vorwiegend weiblichen – Teilzeitbeschäftigten zu kritisieren“. Arbeitgeber sollten „gute Teilzeit anbieten, von der man auch leben kann“, so Marterbauer. Der Trend zur Teilzeitarbeit hält in Österreich seit Jahren an: Von 2013 bis 2023 verzeichnete Teilzeitarbeit einen Anstieg von knapp 31 %. Dabei arbeitet rund ein Viertel der Männer und Frauen Teilzeit, weil keine Vollzeitstelle gewünscht wird. Betreuungspflichten sind für 40,1 % der Frauen aber nur für 7,2 % der Männer Grund für Teilzeitarbeit. Im Vorjahr lag die Teilzeitquote in Österreich insgesamt bei 31,5 % – bei Männern 13,7 %, bei Frauen 51,1 %. [Quellen: Hattmannsdorfer in Ö1, Hattmannsdorfer im Kurier, Marterbauer auf Bluesky, Statistik Austria I, Statistik Austria II] – Grafik von Stephan Frank.

Kommentar: Plädoyer für die Permanenz-Erklärung des Sommerlochs
von Alexander Purger

Alexander Purger Illustration

Keine Frage: Wir befinden uns mitten im Sommerloch. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Zeitungssprache und kennzeichnet eine Zeitspanne, in der nachrichtenmäßige Flaute herrscht und sich das öffentliche Interesse daher automatisch der Flora und vor allem Fauna im schottischen Loch Ness zuwendet. Mittlerweile hat sich das Sommerloch aber auch als fixer Bestandteil des heimischen Politkalenders etabliert und bezeichnet eine Zeit, in der man als Politiker einfach nichts tun muss.

🇦🇹 Reformpartnerschaft will Genehmigungsverfahren beschleunigen. Genehmigungsverfahren sollen in Zukunft schneller und einfacher werden, die Verwaltung als Ganzes effizienter und digitaler. Das sind die Kernpunkte des ersten Treffens der Gruppe „Verfassungs- und Verwaltungsbereinigung“ der Reformpartnerschafft am Montag. Darüber hinaus sollen die verschiedenen föderalen Ebenen durch gleiche IT-Architektur besser miteinander zusammenarbeiten, sowie die Nutzung von ID Austria und von KI in der Verwaltung ausgebaut werden. Die Details sollen ab September ausgearbeitet werden. Die Reformpartnerschaft aus Bund, Ländern und Gemeinden will in den nächsten eineinhalb Jahren eine größere Verwaltungs- und Föderalismusreform erarbeiten. [Quelle: Bundeskanzleramt

🇦🇹 Reparaturbonus soll gegen Jahresende wiederkommen. Das Klimaministerium kündigt an, dass der seit Mai ausgesetzte Reparaturbonus „gegen Jahresende“ wiedereingeführt werden soll. Momentan würde der Bonus evaluiert werden, im vergangenen Mai waren die vorhergesehenen Mittel bereits ausgeschöpft gewesen. Für das kommende Jahr wurden im Budget 30 Mio. Euro für den Reparaturbonus vorgesehen. Die Wirtschaftskammer begrüßt die Wiederaufnahme des Reparaturbonus. [Quellen: BMLUK, WKÖ]

🇪🇺 🇺🇸 EU-US-Handelsdeal wahrscheinlich, aber nicht vor 1. August. US-Handelsminister Howard Lutnick betont in einem Interview mit CBS, dass er zuversichtlich sein, dass die USA und die EU ein Zoll-Abkommen abschließen werden, um die von US-Präsident Trump angedrohten Zölle in der Höhe von 30 % abzuwehren. Dabei wollte Lutnick nicht ausschließen, dass die Verhandlungen noch länger als bis zum 1. August dauern könnten. Verhandlungen würden aber in diesem Fall keine aufschiebende Wirkung haben, der 1. August sei eine „harte Deadline“ für das Inkrafttreten der höheren Zölle. Die bereits bestehenden Zölle in der Höhe von 10 % würden aber jedenfalls bleiben, betonte er. [Quelle: Lutnick bei CBS]  

🇪🇺 🇨🇳 China kritisiert EU vor Gipfeltreffen. Das chinesische Handelsministerium kritisiert das kürzlich fixierte 18. EU-Sanktionspaket gegen Russland deutlich. Es habe „ernsthafte negative Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen“ zwischen China und der EU, denn auch chinesische Banken stehen auf der Sanktionsliste. Diese „falsche Herangehensweise“ müsse unverzüglich eingestellt werden, so das chinesischen Handelsministerium. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird den chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Donnerstag in Peking treffen. Bei diesem EU-China-Gipfeltreffen will die EU eine „faire und ausgeglichene Beziehung mit China“ bekräftigen. [Quellen: Europäischer Rat, South China Morning Post, Europäische Kommission]  

🇪🇺 Neue EU-CO2– Regeln für Firmenwagen noch nicht fix. Laut einem EU-Kommissionssprecher ist ein mögliches früheres Verbrenner-Verbot für Unternehmensflotten derzeit nicht am Tisch. Aus der Wirtschaft seit der Wunsch nach einer Präzisierung der CO2-Normen für Firmenwagenflotten gekommen. Nun gehe es um eine Folgenabschätzung. [Quelle: EU-Kommission] 

🇪🇺 Öffentlicher Schuldenstand in EU und Euroraum gestiegen, Defizit gesunken. Der öffentliche Schuldenstand der EU-Mitgliedsländer stieg mit Ende des 1. Quartals auf 81,8 % des BIP, nach 81,0 % im Vorquartal. Im Euroraum ergab sich ein Schuldenstand von 88,0 %, im Quartal davor lag er bei 87,4 %. Die höchsten Staatsschulden hat Griechenland mit 152,5 %, den niedrigsten hat Bulgarien mit 23,9 % des BIP. Österreich liegt mit 84,9 % an 7. Stelle der EU-Länder. Das Budgetdefizit sank im 1. Quartal in der EU wie auch im Euroraum auf 2,9 %.  Das höchste Defizit mit 7,5 % des BIP gab es in Rumänien, am besten stand Zypern mit einem Überschuss von 5,6 % da. Österreich erreichte mit einem Defizit von 5,1 % zusammen mit Polen den drittletzten Platz. [Quellen: Eurostat I, Eurostat II

🇩🇪 631 Mrd. Euro für „Made for Germany“. Im Rahmen der Initiative „Made for Germany“ wollen 61 deutsche Großunternehmen in den nächsten 3 Jahren insgesamt 631 Mrd. Euro im Land investieren. Dazu haben sich die Vertreter der Konzerne mit dem deutschen Bundeskanzler Merz, Vizekanzler Klingbeil und Wirtschaftsministerin Reiche am Montag getroffen. Die angekündigten Investitionen sollen in neue Anlagen, Forschung und Entwicklung sowie Infrastruktur fließen. Trotz des 500 Mrd. Euro schweren Sondervermögens könne der Staat nur zu einem gewissen Teil investieren, der Rest müsse privat erfolgen, hieß es zuletzt von einem Sprecher der deutschen Bundesregierung. Man wolle im Schulterschluss mit der Politik die Wirtschaft wieder ankurbeln, so Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, einer der Initiatoren des Projekts. [Quellen: Deutsche Bundesregierung, Welt, Handelsblatt

🇩🇪 „Sofortprogramm“ für deutsche Wirtschaft in Kraft. Seit Samstag ist in Deutschland das „steuerliche Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts“ in Kraft. Enthalten sind degressive Abschreibungen von bis zu 30 % pro Jahr für Ausrüstungsinvestitionen bis Ende 2027, die Körperschaftsteuer sinkt ab 2028 bis 2032 schrittweise von 15 auf 10 %, die Gesamtsteuerbelastung soll dann bei knapp 25 % liegen, statt aktuell knapp 30. Des Weiteren werden E-Firmenwagen stärker gefördert und die Forschungszulage wird ausgebaut. [Quelle: Deutsche Bundesregierung

🇩🇪 Weniger Arbeitsplätze in deutscher Metall- und Elektroindustrie. Die Zahl der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland sank im Mai um 2,5 % zum Vorjahresmonat auf rund 3,83 Mio. Arbeitnehmer. Damit war der Mai der 18. Monat in Folge mit einem Perso­nal­rü­ck­gang, gegenüber 2023 hat die Branche 140.000 Arbeits­plätze verloren, 60.000 davon seit dem Jahres­wechsel. Seit dem Höchst­stand 2019 sank die Zahl der Arbeitnehmer um 230.000. [Quelle: Verband Gesamtmetall]

🇨🇳 China-Exporte von Antimon und Germanium eingebrochen. China hat den Export von Antimon und Germanium stark eingeschränkt. Die beiden Rohstoffe sind in der Produktion von Waffen, Telekommunikation und Solarzellen wichtig – China ist der größte Förderer und Veredler. Seit Dezember ist die Ausfuhr Richtung USA verboten – als Reaktion auf Halbleiter-Beschränkungen der USA. Die Exporte sind laut einer Auswertung von Zolldaten im 1. Halbjahr um bis zu 59 % eingebrochen. Zu Seltenen Erden gab es hingegen im Juni eine Einigung mit den USA, wodurch diese Exporte wieder anstiegen. [Quelle: Reuters]

🇷🇺 Russland droht jahrelange Stagnation. Über 2 Jahre lang verzeichnete die russische Wirtschaft ein Wachstum von mehr als 4 %. Dieses sei jedoch künstlich angefacht worden, so die Ökonomin Natalja Subarewitsch. Durch angesparte Reserven aus Erdölexporten habe man die Wirtschaft „dopen“ können, inzwischen sind die Weltmarktpreise für Öl aber gefallen. China nehme von den Gasexporten, die vor dem Krieg an Europa gegangen waren, nur ein Viertel ab. Zwar sei das Geld für die Militärindustrie weiterhin vorhanden, die Privatwirtschaft leide aber etwa unter dem hohen Leitzins von 20 %. [Quelle: Ö1 Mittagsjournal

Selektive Agenda:

Heute, Osaka, Japan: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen besucht die Expo 2025

9:00 Uhr, Kopenhagen: Innenminister Karner beim EU-Rat Justiz und Inneres (bis 23.7.) [Info]

10:00 Uhr, Wien: Die Industriellenvereinigung präsentiert ihre Konjunkturumfrage für das 2. Quartal [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Andreas Bracher ist neuer Medical Director bei Takeda Österreich. 

Geburtstage: Wir gratulieren Karin Scheele und Prinz George Alexander Louis von Wales zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

11:00 Uhr, Wien: Der Gemeindebund lädt zur „Leerstand-Konferenz“ ins Haus der Industrie u.a mit Johannes Pressl [Info, Aussendung]

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