Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Sara Grasel und Gregor Plieschnig – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 🇪🇺 Gaspreise bleiben auf hohem Niveau. Infolge der US-Angriffe auf iranische Einrichtungen ist auch der Erdgaspreis deutlich gestiegen. Am Montag schlossen die Gaspreise am österreichischen Handelsplatz des CEGH – Central European Gas Hub AG für die Auslieferung in einem Monat bei 44.38 Euro pro Megawattstunde – vor einer Woche lag der Preis noch bei 41,76 Euro pro MWh. Am europäischen Leitmarkt TTF stieg der Preis zum Handelsbeginn auf 42,44 Euro pro MWh und kühlte dann zum Handelsschluss auf 40,65 Euro ab. Eine Sperre der Straße von Hormuz könnte auch die Preise für Flüssiggas nach oben treiben – über die Meerenge werden rund 20 % des globalen LNG-Handels abgewickelt. [Quellen: CEGH, TTF, AGGM via LinkedIn, Christoph Dolna-Gruber auf X]
Eskalation im Nahen Osten: „Gefahr einer neuen Energiekrise besteht“
Interview mit Barbara Schmidt
Die Generalsekretärin der Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft, Barbara Schmidt, sieht derzeit noch keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Österreich, mahnt aber, dass bereits Russland die gezielte Verknappung von Gas als geopolitisches Druckmittel eingesetzt hat. Angesichts hoher Strompreise weist sie darauf hin, dass das heimische Stromsystem auch in Hinblick auf die Versorgungssicherheit in einer anderen Liga spiele.
Grafik (von Christoph Hofer): Das Volumen heimischer Wohnbaukredite befindet sich weiter im Wachstums-Dauertief. Seit Juni 2023 entwickelt sich dieses rückläufig – zuletzt notierte man bei -0,5 % (April 2025). In der Eurozone verzeichnete man hingegen bereits ein Wachstum von 1,7 %. Grund für den Einsturz war vor allem das deutlich gestiegene Zinsniveau. Auch verschärfte Kriterien für Kreditneuvergaben durch die im August 2022 in Kraft getretene KIM-VO könnten eine Rolle gespielt haben. [Quelle: OeNB]

🇦🇹 Strom- und Gas-Großhandelspreise steigen. Der Preisindex für Strom für den Großhandel auf Monatsbasis steigt für Juli um 8,8 % zum Vormonat auf 78,19 Euro/MWh. Im Jahresvergleich ergibt das einen Anstieg um 6,6 %. Der Der Gaspreisindex steigt im Juli im Monatsabstand um 7,9 % auf 40,98 Euro pro MWh und lag im Jahresabstand um 22,9 % höher. [Quelle: Energieagentur]
🇦🇹 Handelsverband will Gesetz gegen Billig-Onlineplattformen. Um den heimischen Handel vor unlauteren Wettbewerb zu schützen und die Umweltbelastung durch das Verschiffen großer Mengen an Pakete zu beschränken, fordert der Handelsverband ein Gesetz gegen sogenannte „Ultra-Fast-Fashion“ von Billig-Onlineplattformen, for allem jenen aus Fernost. Konkret fordert man Strafzahlungen für besonders umweltschädliche Produkte, Werbeverbote für Plattformen mit Billigartikeln sowie eine Abgabe von mindestens zwei Euro auf alle Pakete von Firmen aus Drittstaaten an Konsumenten. Vorbild ist ein entsprechendes Gesetz in Frankreich. [Quelle: Handelsverband]
🇦🇹 Expertengruppe fordert, Budget-Krise für große Reformen zu nutzen. Die überparteiliche Expertengruppe „Mehr Grips“ ortet anlässlich der Präsentation ihrer 12 Forderungen Chancen die aktuelle Budgetkrise für tiefgehende Reformen zu nutzen. Unter anderem fordert sie die Ökologisierung von klimaschädlichen Subventionen, umfassende Bildungsreformen, eine Reform der Sozialhilfe und der Familienleistungen, eine nationale Initiative zum Bürokratieabbau, eine nachhaltige Pensionsreform und die Schaffung eines nationalen Zukunftsfonds. [Quellen: Pressekonferenz, Positionenpapier]
🇦🇹 Wirtschaftsfaktor Kreativbranche. Die Kreativbranche in Österreich umfasst 76.000 Unternehmen, die mit 208.000 Beschäftigten einen Umsatz von 32,6 Mrd. Euro erwirtschaften. Insgesamt ist jedes siebte Unternehmen in Österreich Teil dieser Gruppe, vor allem in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Geschäftsmodelle. [Quelle: WKÖ]
🇪🇺 EU sorgt sich um Folgen einer Blockade der Straße von Hormus. Nach dem Eingreifen der USA in den Krieg zwischen Israel und dem Iran warnt die Außenbeauftrage der EU, Kaja Kallas vor einer weiteren Eskalation. Die im Raum stehende Blockade der Straße von Hormus, dem einzigen Meereszugang zum persischen Golf, wäre „extrem gefährlich und für niemanden gut.“ Eine Lösung der Krise können es nur durch Diplomatie geben. Eine Blockade würde laut Ökonomen den Ölpreis rasch auf rund 120 Dollar pro Barrel klettern lassen, für die Eurozone würde das die Einfuhrkosten um rund 1 % der BIPs erhöhen. Die Inflation würde entsprechend anziehen, in Österreich auf bis zu 5 %. [Quellen: Statement Kallas auf X, Deutsche Bank Research, Medienberichte]
🇪🇺 🇺🇸 EU-USA-Zollkonflikt trübt weiter Konjunkturausblick. Der Zollkonflikt mit den USA und der momentan starke Euro belasten aktuell die Exporteure der EU und die Unsicherheit würde Investitionsentscheidungen verzögern, warnt EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Allerdings würde mittelfristig der stabile Arbeitsmarkt, die Binnennachfrage und auch die lockereren Finanzierungsmöglichkeiten durch die Zinspolitik die Folgen des Konflikts ausgleichen. Für heuer rechnet die EZB trotz allem mit einem Wirtschaftswachstum von 0,9 %, für 2026 von 1,1 %. Indes laufen die Verhandlungen mit den USA über ein Zollabkommen intensiv weiter, betont der zuständige EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič [Quellen: EZB, Pressekonferenz Šefčovič]
🇪🇺 Unternehmensstimmung in Eurozone stagniert. Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone ist im Juni unverändert zum Vormonat bei 50,2 Punkten geblieben, nach zwei Rückgangen in den Monaten davor. Die Wirtschaftsstimmung bleibt damit leicht über der Wachstumsschwelle von 50. Während sich in Deutschland die Stimmung aufgehellt hat, trübte sie sich in Frankreich ein. [Quelle: PMI]
🇪🇺 Ungarn und Slowakei blockieren 18. EU-Sanktionspaket gegen Russland. Ungarn und die Slowakei haben am Montag beim EU-Rat der Außenminister angekündigt, weitere Sanktionen gegen Russland, die das 18. Sanktionspaket darstellen würden, blockieren zu wollen. Sie würden weiteren Sanktionen nur zustimmen, wenn das vergangene Woche von der EU-Kommission präsentierte Importverbot für russisches Gas Ausnahmen für die beiden Länder erhält. [Quelle: Politico]
🇪🇺 🇩🇪 Brüssel ebnet Weg für deutschen Industriestrompreis. Die EU-Kommission dürfte mit einem neuen Beihilferahmen im Rahmen des Clean Industrial Deals den Weg für einen Industriestrompreis in Deutschland ebnen. Ein Entwurf des Rahmens liegt Politico vor und sieht vor, dass EU-Länder Ermäßigungen in Höhe von maximal 50 % des jährlichen Durchschnitts-Strompreises im Großhandel gewähren dürfen. Das entspricht laut Bericht den von der deutschen Energieministerin geforderten Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde. Auch Atomkraft soll für staatliche Beihilfen infrage kommen. EU-Kommissarin Teresa Ribera soll den Bericht am Mittwoch vorstellen. [Quelle: Politico]
🇩🇪 Deutsches Wirtschaftswachstum zieht 2026 an. Während die Konjunktur in Deutschland heuer bloß um 0,2 % wachsen soll, das erste Plus nach zwei Jahren Rezession, dürfte sie 2026 bereits um 1,5 % zulegen. Damit würde Deutschland im kommenden Jahr stärker wachsen als die Wirtschaft in der Eurozone mit 1,3 % und den USA, denen bedrückt durch die Zollpolitik Trumps ein Wachstum von 1,2 % vorhergesagt wird. Vor allem die Fiskalpolitik der Bundesregierung mit Investitionen durch Sonderbudgets solle die Konjunktur ankurbeln. [Quelle: IMK]
🇺🇸 US-Wirtschaftswachstum bremst sich ein. Der Einkaufsmanagerindex für die USA sank im Juni um 0,2 Punkte auf 52,8 Zähler, liegt aber über der Wachstumsschwelle von 50. Vor allem der unsichere Ausblick würde die Stimmung schwächen. Während der Index in der Industrie mit 52 Zählern gleich blieb, gab jener für die Dienstleister um 0,6 Punkte auf 53,1 nach. [Quelle: PMI]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Slowakischer Ministerpräsident Fico in Österreich; 17:00 Uhr: Pressekonferenz mit Bundeskanzler Stocker [Live]
9:00 Uhr, Den Haag, Niederlande: Eröffnung Nato-Gipfel (bis 26.6.) [Info]
9:00 Uhr, Luxemburg: EU-Rat Allgemeine Angelegenheiten der Außen- und Europaminister mit u. a. Europaministerin Plakolm [Info]
9:00 Uhr, Warschau, Polen: Informeller EU-Rat Tourismus (letzter Tag)
9:00 Uhr, Wien: Finanzausschuss des Nationalrats inkl. Aussprache mit Finanzminister Marterbauer sowie Vorstandsmitgliedern der Finanzmarktaufsicht (FMA) Ettl und Müller
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Globale Wertschöpfungsketten 2021-2023“
9:30 Uhr, Wien: Bundeswettbewerbsbehörde veröffentlicht den Abschlussbericht der Taskforce Strom und Gas
10:00 Uhr, Luxemburg: EU-Agrar- und Fischereirat mit u. a. Landwirtschaftsminister Totschnig (letzter Tag)
13:30 Uhr, Wien: Rechnungshofausschuss des Nationalrats
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Andrea Olschewski wurde als Rektorin der Karl Landsteiner Privatuniversität designiert. Schauspielerin und Regisseurin Claudia Rohnefeld übernimmt im Frühjahr 2026 die künstlerische Leitung des Wiener Gloria Theaters.
Geburtstage: Wir gratulieren David Alaba zum heutigen Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
13:00 Uhr, Wien: Start der 3-tägigen Konferenz „AI meets Humanities & Social Sciences“ an der ÖAW [Info]
19:00 Uhr, Wien: Awards Winners Night 2025 beim European Publishing Congress im Palais Niederösterreich [Info]
19:00 Uhr, Wien: Die Raiffeisenlandesbank OÖ lädt zum Sommerfest 2025 bei der Albertina [invite only]