Morning in Brief

Morning in Brief, 26. Juni 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Gregor Plieschnig und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Ausgaben für Pensionen 2024 stark gestiegen. Der Pensionsaufwand ist 2024 mit 47,3 Mrd. Euro um 12,3 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 8,8 Mrd. Euro davon musste der Bund als Ausfallhaftung zuschießen (2023: 6,9 Mrd. Euro). Die Zahl der Pensionsneuzugänge ging 2024 indes auf 108.760 zurück, 2023 waren es noch 126.253 Personen. Das durchschnittliche Antrittsalter der Frauen bei allen Eigenpensionen lag bei 60,2 Jahren (2023: 60,0), bei Männern bei 62,3 Jahren (2023: 62,1). Die Zahl der Pflichtversicherten stieg im Jahresdurchschnitt von 3,67 Mio. auf 3,68 Mio. [Quelle: PVA]

Kommentar: Pensionsreform – Kleingeld statt großer Wurf?
von Gerald Loacker

Die Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das das Pensionssystem zukunftsfitter machen soll. Ein genauer Blick zeigt: Viele der versprochenen Einsparungen beruhen auf optimistischen Annahmen oder betreffen nur einzelne Jahrgänge. Oft fehlen konkrete Zahlen und Wirkannahmen. Viele Maßnahmen könnten richtig sein, doch sie bleiben im Klein-Klein stecken.

Grafik (von Christoph Hofer): Trotz Reformmaßnahmen der neuen Regierung wachsen die Pensionskosten des Bundes deutlich über der Inflationsrate. Laut Bundesfinanzrahmen sind bis 2029 Mehrausgaben von rund 6 Mrd. Euro zu erwarten. Die Ausgaben steigen von 17,4 Mrd. Euro (2024) auf 23,4 Mrd. Euro (2029). Würden die Pensionskosten nur mit den Verbraucherpreisen steigen, wäre lediglich mit einem Anstieg auf 19,3 Mrd. Euro zu rechnen. Ursachen hierfür sind die zunehmende Pensionierung geburtenstarker Jahrgänge sowie in der Vergangenheit beschlossene kostensteigernde Maßnahmen (z. B. Frühstarterbonus, Schutzklausel). [Quellen: BudgetdienstBMF]

🇦🇹 Regierung will Digitalisierung der Verwaltung ausbauen. Die Bundesregierung will die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben und hat die Erstellung einer neuen Digitalisierungsstrategie angekündigt. Ziel des „Digital Austria Act 2.0“ sei es, einen strategischen Rahmen zur koordinierten Weiterentwicklung der digitalen Verwaltung zu schaffen, bestehende Instrumente zu modernisieren, neue Technologien verantwortungsvoll einzusetzen und die „digitale Souveränität“ Österreichs nachhaltig zu stärken. Künstliche Intelligenz soll vermehrt zum Einsatz kommen – auch, um demografische Engpässe ausgleichen zu können. [Quelle: Bundeskanzleramt]

🇦🇹 Weniger Bauvorgaben könnten Mieten senken. Die Bundeskammer der Ziviltechniker fordert eine Entbürokratisierung der Baunormen und -anforderungen, um den Bau sowie die Sanierung von Wohnraum günstiger und unkomplizierter zu machen. Angesichts der steigenden Nachfrage nach Wohnraum und schwieriger Finanzierungslage könnte ein Durchkämmen der Regulierungen Entlastung schaffen. Auch Mieten könnten hierdurch gesenkt werden. [Quelle: Ziviltechniker-Bundeskammer]

🇦🇹 Studie: Normen stützen Wirtschaftswachstum. Die Verwendung von nationalen und internationalen Normen und Standards hat eine stützende Wirkung auf das Wirtschaftswachstum. In Österreich sind sie für rund 20 % des realen BIP-Wachstums verantwortlich, da durch diese internationaler Handel vereinfacht wird. 6,5 % des jährlichen Beschäftigungswachstums oder 1.500 Vollzeitäquivalente pro Jahr sind auf das Nutzen von Standards zurückzuführen. [Quelle: Austrian Standards]

🇦🇹 Lehre genießt guten Ruf. 53 % der Österreicher haben einen positiven Eindruck von der Lehre, 19 % einen negativen. Am besten bewertet werden dabei „Lehre mit Matura“ und die klassische Lehre mit einem Mittelwert von 1,7 auf der Schulnotenskala. 36 % würden dem eigenen Kind eine Lehre empfehlen, 26 % ein Studium, 24 % die Matura. Am attraktivsten wird eine Lehre im Bereich Technik und IT (Mittelwert 1,6) sowie im Handwerk (2,0) eingeschätzt, am schlechtesten die Ausbildung im Transport (2,7), im Handel (2,8) und im Tourismus (2,6). [Quelle: WKNÖ]

🇦🇹 Zementindustrie mit Umsatzplus, aber Minus im Inlandsmarkt. Die heimische Zementindustrie konnte 2024 ein Umsatzplus von 6,6 % auf 652,6 Mio. Euro und einen Produktionsanstieg um 2,1 % auf 4,5 Mio. Tonnen Zement verzeichnen. Getragen wurde das Wachstum dabei allein vom Exportmarkt, der heimische Markt schrumpfte im Vorjahr um 10 %, nach einem Rückgang von 17 % im Jahr 2023. Die Branche spüre die Flaute im Wohnbau deutlich, auch 2025 bemerke man noch keine Trendumkehr. [Quellen: Pressekonferenz, Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie]

🇪🇺 Österreich in Ländergruppe für Nachbesserung beim EU-Emissionshandel. 15 Mitgliedsländer der EU, darunter auch Österreich, wollen auf Initiative des tschechischen Umweltministers Petr Hladík Nachbesserungen beim neuen Emissionshandels-System (ETS2), das 2027 unter anderem auf Verkehr und Gebäude ausgeweitet werden soll. Da der Preis für die dann notwendigen Emissionszertifikate noch nicht feststeht, drohen Unsicherheiten sowie die Gefahr eines „Energiepreisschocks“. Die Zeit bis zum Inkrafttreten müsse für eine entsprechende Festlegung genutzt werden. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇪🇺 Neuer EU-Beihilferahmen für Industrie ermöglicht Industriestrompreis. Mit einem neuen Beihilferahmen erlaubt die EU-Kommission künftig unter bestimmten Voraussetzungen direkte staatliche Subventionen, um Strompreise für energieintensive Unternehmen zu senken. Die Subventionen sollen energieintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen für eine Übergangszeit bis 2030 unterstützen. Darüber hinaus wird auch der Beschluss von Beihilfen für die Entwicklung und den Ausbau sauberer Energie, die Dekarbonisierung der Industrie und saubere Technologien erleichtert. Die Industriellenvereinigung mahnt, dass die komplizierten Vorgaben hohe Hürden darstellen: „Dass hohe Energiepreise als Investitionshemmnis anerkannt werden, ist wichtig und richtig. Doch die engen Begrenzungen, starren Schwellenwerte und komplizierten Nachweispflichten machen die Nutzung in der Praxis schwierig“, sagt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. [Quellen: EU-Kommission, IV]

🇪🇺 Reale Kollektivvertragslöhne in Europa stiegen 2024 stark. Gemäß einer neuen Studie lag der nominale Zuwachs in der Eurozone bei 4,5 % – nach Abzug der Inflation blieb den Beschäftigten ein reales Plus von 2,1 % übrig. Österreich verzeichnete 2024 mit plus 5,4 % einen besonders hohen Kaufkraftgewinn. Auch in Deutschland lag der inflationsbereinigte Anstieg mit 2,8 % über dem Durchschnitt. Allerdings liegen die Tariflöhne mit Ausnahme Portugals in allen Ländern weiterhin unter dem Niveau von 2020. In Deutschland beträgt der Rückstand gegenüber 2020 noch 4,7 %, in Österreich 1,1 %. [Quelle: WSI-Institut

🇪🇺 Auto-Neuzulassungen in der EU legten im Mai zu. Die Neuzulassungen stiegen im Jahresabstand um 1,6 % auf 926.582 Pkw – vor allem Elektro- und Hybridautos waren gefragt. Neuzulassungen von Elektroautos legten um 25 % auf 142.800 Fahrzeuge zu. Von Jänner bis Mai 2025 ist aufgrund eines schwachen Frühjahres ein Rückgang der Neuzulassungen von 0,6 Prozent zu verzeichnen. [Quelle: ACEA

🇩🇪 Deutsche Exportaussichten weiter eingetrübt. Für die deutschen Exporteure sind die Zolldrohungen aus den USA noch nicht vom Tisch. Die Exporterwartungen sind gemäß Ifo-Institut im Juni auf -3,9 Punkte weiter gesunken – im Mai lagen sie bei -3,0 Punkten. Betroffen sind vor allem Getränke- und Nahrungsmittelhersteller sowie die Autoindustrie. Bei Möbeln, Lederwaren und elektrischer Ausrüstung gibt es hingegen vorsichtig optimistische Signale. [Quelle: Ifo-Institut]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt den Urlaubseuro 2025 sowie soziale Krisenfolgen für das 1. Quartal 2025 bekannt

10:00 Uhr, Wien: Bank Austria gibt den Einkaufsmanagerindex für Juni bekannt

10:00 Uhr, Wien: Wifo/IHS-Konjunkturprognose für 2025 und 2026

11:00 Uhr, Brüssel: Bundeskanzler Stocker am EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs (bis 27.6.)

16:20 Uhr, Larnaka, Zypern: Außenministerin Meinl-Reisinger auf Zypern (bis 27. 6.)

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Sebastian Stark folgt auf Matthias Zauner als Bundesrat aus Niederösterreich. Gabrielle Scarimbolo übernimmt die operative Geschäftsführung beim Verein Ute Bock, den Bereich Finanzen verantwortet Hale Uçan, in den Vorstand wurde Friedrich Rödler aufgenommen. Heike Ladurner-Strolz ist Obfrau der WKÖ-Fachgruppe Hotellerie, in ihre bisherige Funktion als Vorsitzende der Hotelvereinigung Vorarlberg rückt Oswald Jäger nach.

Geburtstage: Wir gratulieren Klaus Ortner zum heutigen Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: 30 Jahre „Strabag Art Award“ im Gironcoli Kristall [invite only]

18:30 Uhr, Wien: Selektiv lädt zum Abendempfang anl. 1-jähriges Bestehen u. a. mit Rainer Nowak, Markus Hengstschläger, Sara Grasel [invite only]

18:30 Uhr, Wien: Podiumsdiskussion „Künstliche Intelligenz und das Dilemma mit den Werten“ mit u. a. Konrad Paul Liessmann im Rathaus [Info]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?