Morning in Brief

Morning in Brief, 29. Juli 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, David Schima, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇪🇺 🇺🇸 Zoll-Deal: EU-Kommission will rasch Text vorlegen. Die EU-Kommission will nach der Einigung zwischen Kommissionspräsidentin von der Leyen und US-Präsident Trump im Laufe der Woche den Text des Deals vorlegen. Bis dahin wolle man noch unter anderem klären, wie genau sich die Quoten für Stahl- und Aluminiumexporte auf die EU-Länder und Unternehmen verteilen werden. Laut dem Weißen Haus gelten die 15-%-Zölle auch für Pharmaprodukte und Halbleiter – die sektoralen Zölle für Stahl, Aluminium und Kupfer bleiben in Kraft. Die Zölle für aus den USA importierte Autos sollen im Zuge des Deals von 10 % auf 2,5 % gesenkt werden, im Gegenzug sollen die Zölle für Autos aus der EU von 27,5 % auf die allgemein gültigen 15 % gesenkt werden. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič verteidigte den kritisierten Deal als „Durchbruch“. [Quellen: EU-Kommission I, EU-Kommission II, Weißes Haus, Medienberichte] 

„Das EU-US-Abkommen muss Startpunkt sein, um weiter zu verhandeln“
Interview mit Anna Reindl

Die Handelseinigung mit den USA stellt einen schmerzhaften Kompromiss dar, positiv ist jedoch, dass „eine weitere Eskalation vorerst verhindert werden konnte“, erklärt IV-Handelsexpertin Anna Reindl. Sie betont die Notwendigkeit einer offenen und proaktiven EU-Handelspolitik sowie den Abschluss neuer Handelsabkommen, wie etwa mit dem Mercosur-Raum: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Der Abbau innerer Handelsbarrieren innerhalb der EU zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sei zudem „das Gebot der Stunde“, so Reindl.

Grafik (von Christoph Hofer): 2024 entfielen 25,7 % der österreichischen Extra-EU-Exporte auf die USA, womit Österreich Platz 2 in der EU einnimmt. Nur Irland hat mit 53,7 % einen höheren US-Exportanteil an den gesamten Exporten ins EU-Ausland. Dahinter folgen Portugal (23,2 %) und Finnland (23,0 %). Die geringste US-Abhängigkeit zeigen Bulgarien (7,0 %), Slowenien (2,9 %) und Zypern (1,9 %). [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 🇺🇸 „Trauriger Tag für den Freihandel“. Der Zolldeal von EU und USA wird in Österreich und in Europa mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Die Industriellenvereinigung spricht von einem „schmerzlichen Kompromiss“, setzt sich weiterhin für einen Null-Zoll ein und fordert weitere Verhandlungen. Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr sieht einen „traurigen Tag für den Freihandel“, die USA würden geltendes Handelsrecht brechen und die EU dabei zu ihrem „Komplizen“ machen. Das Wiiw sieht hingegen „das Schlimmste abgewendet“. In Deutschland spricht die „Wirtschaftsweise“ Ulrike Malmendier von „ungeheurer Belastung“ für die Wirtschaft, das IfW Kiel sieht den regelbasierten Welthandel gefährdet und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert Kompensationen für besonders betroffene Branchen. Laut der deutschen Wirtschaftsministerin Katharina Reiche gibt das Abkommen „Sicherheit“, obwohl es für die deutsche Wirtschaft „herausfordernd“ sein wird. Der französische Premier François Bayrou wählt die schärfsten Worte und spricht von „Unterwerfung“. [Quelle: IV, Felbermayr auf X, Wiiw, Bayrou auf X, IfW Kiel, Medienberichte] 

🇦🇹 Sozialministerin will bei Teilzeit Rechtsanspruch auf mehr Arbeitsstunden. In der schwelenden Teilzeitdebatte spricht sich Sozialministerin Korinna Schumann gegen die von der ÖVP vorgeschlagenen Verschärfungen aus. Wichtiger sei es, jenen Menschen in Teilzeit zu helfen, die mehr arbeiten wollen, aber kein Angebot vom Dienstgeber bekommen. Sie schlägt im Ö1-Mittagsjournal einen Rechtsanspruch auf mehr Arbeitsstunden für Teilzeitbeschäftigte vor, die regelmäßig mehr arbeiten müssen. [Quelle: Ö1 Mittagsjournal

🇦🇹 Kollektivverträge ab 2026 auch für freie Dienstnehmer. Ab dem nächsten Jahr sollen auch für freie Dienstnehmer Kollektivverträge abgeschlossen werden können sowie neue Kündigungsregeln (im 1. Dienstjahr 4 Wochen, ab dem 2. Dienstjahr dann 6 Wochen) gelten. Betroffen sind Dienstverträge, die ab dem 1. Jänner 2026 neu abgeschlossen werden, auf bestehende Verträge haben die neuen Regeln keinen Einfluss. Die Arbeiterkammer sieht eine langjährige Forderung umgesetzt. [Quelle: Sozialministerium, AK

🇦🇹 Gasverbrauch ging im Juni zurück, Stromverbrauch gleichgeblieben. Der Gasverbrauch ist in Österreich im Juni im Jahresabstand um 5,6 % auf 3,27 TWh gesunken. Im ersten Halbjahr stieg der Verbrauch dagegen im Jahresvergleich um 18 % auf 44,1 TWh. Mit einem Wert von 5,03 TWh blieb der Stromverbrauch im Juni etwa gleich zum Juni 2024. Im ersten Halbjahr stieg der Stromverbrauch um 3,3 %. Die unterdurchschnittliche Wasserführung im gesamten ersten Halbjahr 2025 sorgte bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft für einen Rückgang um 29,0%. Laufkraftwerke produzierten dabei um 32,9%, Speicherkraftwerke um 20,4% weniger Strom als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Die Stromimporte gingen entsprechend im ersten Halbjahr um 51,7 % nach oben. [Quelle: E-Control

🇦🇹 Fusionen und Übernahmen mit neuem Rekordvolumen. Im ersten Halbjahr gab es am heimischen M&A-Markt 118 Transaktionen, ein Rückgang um 4,8 % zum Vorjahreszeitraum. Das Transaktionsvolumen erreichte dagegen mit 17,3 Mrd. Euro ein neues Rekordhoch, im Vorjahreszeitraum wurden Merger in Gegenwert von 2,7 Mrd. Euro durchgeführt. Der Großteil der Übernahmen betraf Unternehmen in der Industrie und in der Telekommunikationsbranche. [Quelle: EY

🇦🇹 An heimischen Unis werden wenige Startups gegründet. Die Entrepreneurial Impact Study von der Technischen Universität Müchen (TUM), der ETH Zürich und der Universität Innsbruck bescheinigt Österreich erneut einen Nachholbedarf bei universitären Ausgründungen und Startup-Gründungen durch Uni-Mitarbeiter, Studierende und Absolventen. Mit 341 (2014-2024) gegründeten Startups landet die TU Wien als bestgerankte österreichische Uni auf Platz 14, die Uni Wien mit 214 Startups auf Platz 23. An der Spitze liegt die TU München mit 1.116 Startups gefolgt von ETH Zürich (1.022) und Universität St. Gallen (845). „Gerade im Bereich akademischer Spin-offs müssen wir mutiger und systematischer werden und genau daran arbeiten wir“, reagiert die für Startups zuständige Staatssekretärin Elisabeth Zehetner auf die Studie. [Quellen: Entrepreneurial Impact Study, Zehetner]

🇩🇪 Deutsche Exporterwartungen steigen. Die Exporterwartungen in Deutschland sind in diesem Monat von -3,6 Punkten im Juni auf -0,1 Punkte gestiegen. Hersteller elektrischer Ausrüstungen sowie die Getränkeindustrie erwarten einen Exportanstieg, auch Nahrungsmittelproduzenten gehen von einem leichten Wachstum aus. In der Automobilindustrie stiegen die Erwartungen, bleiben aber im negativen Bereich. Weniger zuversichtlich zeigten sich die Metallbranche sowie die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen Erzeugnissen. [Quelle: Ifo-Institut

🇩🇪 Deutsche Budgetlücke bis 2029 größer. Die deutsche Bundesregierung muss bis 2029 eine Lücke im Budget von rund 172 Mrd. Euro stopfen, erheblich mehr als die 144 Mrd. Euro, die das Finanzministerium Mitte Juni in seinem Haushaltsentwurf festgesetzt hatte. Vor allem die Kompensation für Steuerausfälle von Ländern und Kommunen würden die Finanzierungslücke vergrößern. Die Bundesregierung soll morgen den Haushaltsentwurf für 2026 beschließen. [Quelle: Handelsblatt

🇺🇸 🇨🇳 USA und China verhandeln über Zollkonflikt. Im Zollstreit zwischen den USA und China verhandelt US-Finanzminister Scott Bessent seit gestern mit Chinas Vizepremier He Lifeng und chinesischen Regierungsvertretern in Stockholm. Diskutiert wird etwa über eine Verlängerung der bis 12. August geltenden Zoll-Pause. Die USA hatten die Importzölle auf chinesische Waren seit April auf bis zu 145 % erhöht, China reagierte mit Gegenzöllen von bis zu 125 %. Jenseits der Zölle beklagt China einen erschwerten Zugang zu moderner Technologie aufgrund von US-Exportkontrollen für Halbleiter und KI-Chips. Die USA kritisieren wiederum, dass Peking die Ausfuhren strategisch wichtiger Rohstoffe beschränkt. Wie die Financial Times berichtet, hat US-Präsident Trump die Exportkontrollen im Tech-Bereich bereits vor dem Treffen in Stockholm eingefroren, um die Verhandlungen nicht zu gefährden. [Quelle: Financial Times, Medienberichte] 

🇨🇳 China will Bevölkerungsrückgang mit Kinderförderungen bekämpfen. Die chinesische Regierung will Eltern von Kleinkindern künftig finanzielle Unterstützung gewähren, um die Geburtenrate zu steigern. Für jedes Kind im Alter von bis zu 3 Jahren soll es eine jährliche Förderung von umgerechnet etwa 429 Euro geben. Ausgezahlt wird diese rückwirkend ab dem 1. Jänner dieses Jahres. Damit will man dem anhaltenden Bevölkerungsrückgang entgegenwirken. 2024 schrumpfte die chinesische Bevölkerung das 3. Jahr in Folge – um 1,39 Mio. auf 1,41 Mrd. [Quelle: Chinesische Staatsbehörde, South China Morning Post

Selektive Agenda:

Heute, Genf: Weltkonferenz der Parlamentspräsidenten u. a. mit Zweitem Nationalratspräsidenten Haubner (bis 31.7.)

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt Frühschätzungen zu Industrie und Bau im Juni sowie Hitzebelastung nach Einkommen bekannt

10:00 Uhr, Wien: Bank Austria stellt Einkaufsmanagerindex für Juli vor.

15:00 Uhr, Washington D. C.: Internationaler Währungsfonds veröffentlicht Update des „World Economic Outlook“

16:00 Uhr, Michigan: Bekanntgabe US-Verbrauchervertrauen Juli

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Martin Waiguny wird neuer Geschäftsführer der FH Kärnten. 

Geburtstage: Wir gratulieren Walter Rosenkranz und Hannes Gschwentner zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

17:00 Uhr, Wien: Afterwork im „Organics Sky Garden“ [Info]

17:30 Uhr, Wien: Afterwork „das techno cafe“ im Volksgarten Pavillon [Info]

20:00 Uhr, Salzburg: Premiere „Die Geschichte vom Soldaten“ von Igor Strawinsky bei den Salzburger Festspielen [Info]

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