Morning in Brief

Morning in Brief, 30. Juli 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, David Schima, Gregor Plieschnig und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇺🇸 🇪🇺 Weitere Details zu EU-US-Zollpaket. Die EU-Kommission hat die mit den USA getroffene Vereinbarung weiter konkretisiert. Das „politische Übereinkommen“ vom 27. Juli sei nur der erste Schritt in einem Verhandlungsprozess, auch ist es rechtlich nicht verbindlich. Der 15-%-Zollsatz stellt laut EU-Kommission eine „Obergrenze“ dar. Nur in Bereichen, wo die USA einen höheren Zollsatz aufgrund des Meistbegünstigungsprinzips (MFN) angesetzt haben, würde auch dieser höhere Zollsatz zu tragen kommen – die 15 % werden zu diesem aber nicht addiert. Im Pharma- und Halbleiterbereich könnten je nach Ergebnis einer laufenden US-Erhebung (Section 232) noch höhere Zölle als die 15 % zu tragen kommen. Neben den knapp 700 Mrd. Euro für Energieprodukte, will die EU auch KI-Chips im Wert von 40 Mrd. Euro aus den USA beziehen. Die Investitionssumme privater Unternehmen in Höhe von mindestens 550 Mrd. Euro soll bis auf das Jahr 2029 gestreckt werden. Die Zölle könnten Österreich laut Bank Austria einen Viertelprozentpunkt Wirtschaftswachstum und bis zu 10.000 Jobs kosten, am stärksten betroffen wäre die Steiermark. [Quellen: EU-Kommission, Kronen Zeitung]

Kommentar: Die ÖVP sitzt in der Falle
von Rainer Nowak

Die kleine Verschwörung des roten SPÖ-Regierungsteams ist perfekt. Die Falle wurde aufgestellt, nur die Schwarzen wissen noch nicht, wann und wie sie hineintappen werden. So oder so ähnlich lautet dieser Tage die Theorie, die in Wirtschafts- und Bürgerkreisen kolportiert wird.

Grafik (von Christoph Hofer und Stephan Frank): Der Einkaufsmanagerindex der Unicredit Bank Austria stieg im Juli auf 48,2 Punkte (+1,2 Punkte). Die „fragile konjunkturelle Lage der heimischen Industrie“ ist jedoch noch nicht gebannt – seit exakt 3 Jahren liegt der Indikator unter der Neutralitätslinie von 50 Punkten. Der Index für die Produktionserwartungen stieg von 55,4 auf 59,5 Punkte, der beste Wert seit dreieinhalb Jahren. Der Nachfragerückgang sowie der Abbau von Beschäftigten verlangsamten sich im Juli. Auch das Verhältnis zwischen Neuaufträgen und Lagerbeständen verbesserte sich. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet die Bank Austria einen durchschnittlichen Anstieg der Industrieproduktion von real 1,5 %. [Quellen: S&P Global, Bank Austria]

🇦🇹 Ringen um politische Mehrheit für ElWG. Die Grünen wollen ihre für eine Zweidrittel-Mehrheit nötige Zustimmung zum Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) von weiteren „Nachbesserungen“ abhängig machen. Der momentane Entwurf drohe „engagierte Bürger abzustrafen“, da auch für die Einspeisung von PV-Strom künftig Netzentgelte bezahlt werden müssten. E-Control Vorstand Alfons Haber betont, dass diese Einspeisungsentgelte im „kleinen Cent-Bereich“ liegen werden und die Wirtschaftlichkeit von privaten PV-Anlagen nicht in Frage stellen würden. Der E-Control wird es laut dem Gesetzesentwurf obliegen, die Höhe der Entgelte festzusetzen. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) hält in einer Aussendung fest, dass entsprechende Einspeiseentgelte frühestens ab 2027 und nur „in sehr niedriger Höhe“ angesetzt werden würden. [Quellen: Die Grünen, BMWET, Medienberichte]

🇦🇹 Erste Entbürokratisierungsmaßnahmen im Herbst. Deregulierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) will „im September oder Oktober“ erste Maßnahmen präsentieren. Beginnen will Schellhorn bei der Gewerbeordnung, beim Abfallwirtschaftsgesetz sowie bei der Lohnverrechnung. Auch die Einreichung von Bauvorhaben soll vereinfacht werden. „Zumindest 8 Landeshauptleuten“ sei bewusst, dass die Reformpartnerschaft zwischen Bund, Ländern und Gemeinden „jetzt liefern muss“. Angesichts des EU-Defizitverfahrens will Schellhorn über eine Anhebung des Pensionsantrittsalters „zumindest ehrlich diskutieren“, denn man wolle nicht die „Troika im Haus haben“. [Quellen: APA via Medienberichte, Schellhorn im Ö1 Mittagsjournal]

🇦🇹 Cybersecurity-Testlauf für heimische Banken. Die Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht haben die verpflichtende Durchführung von simulierten Cyberangriffen mit Hilfe von „ethischen Hackern“ für heimische Banken gestartet. Damit soll die Cybersecurity der Institute kontrolliert und etwaige Lücken gefunden werden, bevor sie bei tatsächlichen Angriffen ausgenützt werden können. Mit dieser Aktion wird die Umsetzung von entsprechenden Cybersecurity-Richtlinien der EZB überprüft. [Quelle: OeNB]

🇦🇹 Energiepreise für Haushalte im Juni gestiegen. Die Preise für Energie für Endkunden stiegen im Juni um 0,8 % im Vergleich zum Vormonat, im Jahresabstand um 3,5 %. Dabei wurde Strom im Monatsvergleich um 0,4 % und Erdgas um 0,3 % günstiger, Preistreiber waren dagegen Heizöl mit 2,5 % sowie Benzin (2,2 %) und Diesel (2 %). [Quelle: Energieagentur]

🇦🇹 Industrie und Bau verzeichnen Umsatzminus. Die Verkaufserlöse im produzierenden Bereich sind laut Frühschätzung der Statistik Austria im Juni gesunken. Die Industrie verzeichnete gegenüber dem Vorjahresmonat ein Umsatzminus von 2,1 %, die Baubranche eines von 3,6 %. Insgesamt gingen die Erlöse um 2,4 % zurück. Die geleisteten Arbeitsstunden sanken gegenüber Juni 2024 in der Industrie um 7,4 % und im Bausektor um 7,5 %. In beiden Branchen setzte sich auch der Stellenabbau fort, der Beschäftigtenindex in der Industrie ging um 1,7 % zurück, im Bau um 1,1 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Gasnetzbetreiber drängen auf Wasserstoff-Ausbau. Die österreichische Gaswirtschaft sieht bei der Transformation der österreichischen Gas-Infrastruktur „Eile geboten“. Es bräuchte eine Investitionssumme von 3,5 Mrd. Euro, um die bestehenden Gasnetze auf den Transport von Wasserstoff umzurüsten. Stefan Wagenhofer, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), fordert den raschen Beschluss und die Umsetzung des Gaswirtschaftsgesetzes (GWG) sowie Förderungen und Staatsgarantien für den Aufbau eines Wasserstoff-Startnetzes. [Quelle: ÖVGW]

🇪🇺 🇺🇸 Inflationserwartungen in Eurozone und USA gesunken. Die kurzfristige Inflationserwartung für die kommenden 12 Monate ist in der Eurozone im Juni auf 2,6 % gesunken. Im Mai lag diese Einschätzung der Konsumenten bei 2,8 %, im April bei 3,1 %. Für die nächsten 3 Jahre wird weiterhin eine Inflationsrate von 2,4 % erwartet. Die Konjunkturerwartung verbesserte sich leicht von -1,1 % im Mai auf -1,0 %. In den USA erwarten die Verbraucher für die kommenden 12 Monate eine Inflationsrate von 5,8 % (-0,1 Prozentpunkte), die Konsumentenstimmung verbesserte sich um 2,0 Punkte auf 97,2 Zähler. [Quellen: EZB, Conference Board]

🌍 IWF leicht optimistischer für globale Konjunktur. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für heuer mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 3,0 %, ein leichter Anstieg seit der Prognose im April mit 2,8 %. Vor allem da sich die globale Unruhe rund um die Handelspolitik der USA beruhigt habe, Abkommen geschlossen und sich der Konflikt zwischen den USA und China abgekühlt hat, würde man etwas optimistischer auf das heurige Jahr blicken. Für 2026 wurde die Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 % angehoben, wenn auch beide Jahresvoraussagen weiterhin unter dem langjährigen Schnitt von 3,7 % liegen. [Quelle: IWF]

🇩🇪 Deutsche Staatsschulden steigen auf 2,5 Bio. Euro. Der Schuldenstand des deutschen Staates wuchs im vergangenen Jahr um 63,4 Mrd. (+2,6 %) auf etwa 2,5 Bio. Euro. Damit stieg die staatliche Pro-Kopf-Verschuldung auf 30.062 Euro – 669 Euro mehr als Ende 2023. Der Löwenanteil der Staatsschulden entfiel mit einem Anstieg von 35 Mrd. (+2,1 %) auf etwa 1,7 Bio. Euro auf den Bund. Bei den Bundesländern stieg die Verschuldung um 12,5 Mrd. (+2,1 %) auf 607,3 Mrd. Euro. Die Sozialversicherungen hingegen bauten Schulden um 74 % auf 10 Mio. Euro ab. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇺🇸 US-Handelsdefizit sinkt auf 86 Mrd. Dollar. Aufgrund sinkender Importzahlen verzeichneten die USA im Juni ein Warenhandelsdefizit von 86 Mrd. Dollar (-10,8 %). Im Mai lag das Defizit noch bei 96,4 Mrd. Dollar. Die US-Exporte gingen im Monatsvergleich um 0,6 % auf 178 Mrd. Dollar zurück, die Importe sogar um 4,2 % auf etwa 264 Mrd. Dollar. Im 1. Quartal versuchten viele Unternehmen, steigenden Warenpreisen infolge höherer Zölle zuvorzukommen, was die Importzahlen in die Höhe trieb. Daraufhin schrumpfte das BIP in den USA zwischen Jänner und März auf 2025 hochgerechnet um 0,5 %. Im 2. Quartal wird ein Wachstum von 2,4 % erwartet. [Quellen: U. S. Census Bureau, Reuters]

🇺🇸 🇨🇳 US-China-Zollverhandlungen ohne Ergebnis. Die Verhandlungen zwischen den USA und China im schwedischen Stockholm sind ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen, eine nächste Verhandlungsrunde soll in 90 Tagen stattfinden. Während die Handelsabkommen mit dem Rest der Welt bis Freitag abgeschlossen sein sollen, werde das Abkommen mit China laut US-Handelsminister Howard Lutnick länger in Anspruch nehmen. Die Entscheidung, ob die derzeit bis 12. August angesetzte Deadline verlängert wird, liegt jedoch bei US-Präsident Trump. [Quellen: Reuters, CNBC]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria präsentiert den Erzeugerpreisindex für den produzierenden Bereich im Juni

9:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht Schnellschätzung zum BIP im 2. Quartal

9:15 Uhr, Salzburg: Infrastrukturminister Hanke zu Arbeitsgespräch bei Landeshauptfrau Edtstadler

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt BIP der Eurozone im 2. Quartal bekannt

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone im Juli

14:00 Uhr, Wien: Wifo veröffentlicht die Ergebnisse des Konjunkturtests. [Info]

20:00 Uhr, Washington D.C.: US-Notenbank Federal Reserve gibt Zinsbeschluss bekannt

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Philipp Gaggl und Ulf Kuehle sind neu im Partnerteam von PwC Österreich. Michael Getzner wurde zum Vorstandsvorsitzenden des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel gewählt, zu seiner Stellvertreterin Valerie Zacherl-Draxler, neue Mitglieder im Vorstand sind Elke Schmelzer, Silvia Pitzl und Werner Falb-Meixner. Maziar Mike Doustdar wird neuer Präsident und CEO von Novo Nordisk in Dänemark.

Geburtstage: Wir gratulieren Erwin Rasinger zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: Open-Air Afterwork „Albert & Tina“ [Info]

20:00 Uhr, Bregenz: Premiere „Study for Life“ von Tero Saarinen bei den Bregenzer Festspielen [Info]

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