Morning in Brief

Morning in Brief, 31. Juli 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Gregor Plieschnig, Christoph Hofer, David Schima, Sara Grasel und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Wirtschaftsleistung bleibt schwach. Im 2. Quartal 2025 stieg das heimische BIP real um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal. Auch im Jahresvergleich war ein Plus von 0,1 % zu verzeichnen. Die Wertschöpfung in der Industrie ging im 2. Quartal um 0,1 % zurück, im Bauwesen um 0,5 %. Die Indizes zur aktuellen Lagebeurteilung sowie zu den unternehmerischen Erwartungen stiegen im Juli beide an, blieben aber jeweils unter der Nulllinie. In der Eurozone wuchs das BIP im 2. Quartal um 0,1 %, in der EU um 0,2 % – im Vorquartal lag das Wachstum im Euroraum noch bei 0,6 % und in der EU bei 0,5 %. Finanzminister Markus Marterbauer sieht in der derzeitigen Entwicklung zwar „noch keinen Aufschwung, aber ein weiteres erfreuliches Signal“. Raiffeisen-Ökonom Matthias Reith resümiert: „Auch im 2. Halbjahr dürfte sich Österreichs Wirtschaft im Graubereich des ökonomischen Stillstands bewegen.“ [Quellen: Wifo BIP Schnellschätzung, Wifo Konjunkturtest, Eurostat, Marterbauer auf Bluesky, Reith auf Linkedin

Industrie-Experte: „Neue EU-Umsatzsteuer für Unternehmen wäre absolut kontraproduktiv“
Interview mit Markus Beyrer

Die EU-US-Handelseinigung ist ein erster Schritt, um für Unternehmen wieder Sicherheit und Vorhersehbarkeit zu schaffen, so BusinessEurope-Generaldirektor Markus Beyrer. Man müsse die EU-Handelsbeziehungen nun mit Nachdruck weiter diversifizieren und vor allem das Mercosur-Handelsabkommen heimholen. „Die Swing States sind Italien und Polen. Wenn diese halten, wird es sich ausgehen.“ Einer im neuen EU-Budget vorgesehenen Umsatzbesteuerung von Unternehmen steht er ablehnend gegenüber. Diese wäre „absolut kontraproduktiv in einer Situation, in der wir bereits ein großes Investitionsproblem in Europa haben.“

Grafik (von Christoph Hofer): Wer in Österreich von einem 20-Stunden-Teilzeitjob auf 40 Stunden Vollzeit aufstockt, arbeitet 100 % mehr, erhält jedoch nur 68,8 % mehr Nettogehalt. Wer von 20 Stunden auf 30 Stunden erhöht, arbeitet 50 % mehr, bekommt aber nur 34,7 % mehr Nettogehalt. Das ist weniger als in vielen anderen EU-Ländern, rechnet die Agenda Austria vor. Im Vergleich dazu verbleibt Arbeitnehmern bei einer Verdopplung der Arbeitszeit etwa in Schweden 86,8 % und in Deutschland 76,1 % mehr Nettoverdienst. „Grundsätzlich sollte jeder Bürger frei wählen dürfen, wieviel er arbeitet. Was aber nicht hilfreich ist, wenn Mehrarbeit bestraft wird“, so Agenda-Austria-Ökonom Dénes Kucsera. [Quelle: Agenda Austria]

🇦🇹 Strugl kritisiert zusätzliche Belastungen für Stromerzeuger. Der Interessenverband der E-Wirtschaft, Oesterreichs Energie, beurteilt den Entwurf des E-Wirtschaftsgesetzes (ElWG) grundsätzlich positiv – v. a. die Punkte der Spitzenkappung, neuen Tarifstruktur und flexiblen Netzentgelte. Deutliche Kritik wurde an den Netztarifen für Erzeuger und Speicher geäußert. Einspeiseabhängige Netzentgelte würden zu Wettbewerbsverzerrungen führen und Strom verteuern. „Ich weiß nicht, wem das eingefallen ist“, so Oesterreichs-Energie-Präsident Michael Strugl. Speicheranlagen sollen künftig nur dann von doppelten Netzentgelten befreit werden, wenn sie „systemdienlich“ sind. Strugl äußerte die Sorge, dass diese Definition zu eng gefasst wurde und dass sich die Kostenbelastung für bereits in Errichtung befindliche Speicher ändern könnte. Es gehe um Milliardeninvestments, für die es Sicherheit brauche. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es auf Anfrage, dass es darum gehe, die Netzkosten fairer zu verteilen: „Derzeit tragen vor allem jene die Hauptlast, die keine Wahl haben – etwa Mieterinnen und Mieter, Haushalte ohne Photovoltaikanlage oder kleine Betriebe, obwohl andere das Netz stärker nutzen. Das ist nicht gerecht und riskant.“ Anmerkungen zum Entwurf nehme man aber sehr ernst. [Quellen: Pressekonferenz, BMWET auf Anfrage]

🇦🇹 Sozialtarif „nicht Sache der Energieunternehmen“. Oesterreichs Energie übte gestern Kritik an dem im ElWG-Entwurf vorgesehenem Sozialtarif. Es sei grundsätzlich wichtig, bedürftigen Haushalten zu helfen, dies sei jedoch Sache der Sozialpolitik und nicht der Unternehmen. Der Sozialtarif würde nach derzeitigen Informationen rund 500.000 Menschen zugutekommen und deren Stromkosten auf 6 Cent pro Kilowattstunde deckeln. Die Kosten werden auf 50 Mio. Euro geschätzt. Die Frage sei, ob bei so vielen Menschen tatsächlich eine Bedürftigkeit vorliege, so der Verband der E-Wirtschaft, der sich für mehr Treffsicherheit aussprach. „Die Begehrlichkeiten an die Energiebranche sind ohnehin schon hoch“, so Generalsekretärin Barbara Schmidt in Hinblick auf den Energiekrisenbeitrag, der zur Budgetsanierung erhoben wird, und die geplanten Netztarife für Erzeuger. [Quelle: Pressekonferenz] 

🇦🇹 Hattmannsdorfer will Geringfügigkeitsgrenze einfrieren. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer (ÖVP) schlägt vor, die monatliche Geringfügigkeitsgrenze von derzeit 551,10 Euro einzufrieren. „Leistungsfeindliche“ Einkommensgrenzen bei Sozialleistungen müssten ebenfalls überprüft werden. „Grundsätzlich bräuchte es einen radikalen Umbau des Steuersystems“, so Hattmannsdorfer – budgetär sei ein solcher derzeit aber nicht möglich. Auch der im Wahlkampf beworbene Vollzeitbonus könne aus Gründen der Budgetkonsolidierung nicht umgesetzt werden. Hattmannsdorfer will im Herbst einen Reformvorschlag einbringen, der Hürden beseitigen soll, die Mehrarbeit verhindern. Ein Rechtsanspruch auf Vollzeitarbeit, wie von Arbeitsministerin Schumann (SPÖ) vorgeschlagen, sei laut Hattmannsdorfer aber „nicht umsetzbar“. Bundeskanzler Christian Stocker schließt sich der Kritik des Wirtschaftsministers an: „Wenn wir gemeinsam unsere Leistungen erhalten wollen, werden wir uns gemeinsam anstrengen müssen. Und wer sich herausnimmt, gefährdet das gesamte System.“ [Quellen: Hattmannsdorfer bei Ö1, Hattmannsdorfer auf LinkedIn, APA | Grafik: Wo sich Mehrarbeit lohnt – und wo nicht]

🇦🇹 Firmeninsolvenzen steigen – Rekordjahr in Aussicht. Im 1. Halbjahr 2025 sind die Firmeninsolvenzen um 8,9 % auf 3.662 Verfahren gestiegen. „So viele Insolvenzen gab es noch nie in der Geschichte der 2. Republik“, so Creditreform-Geschäftsführer Gerhard M. Weinhofer. Für das Gesamtjahr werden mehr als 7.500 Firmeninsolvenzen erwartet. Die meisten Insolvenzen gab es mit 17 pro 1.000 Unternehmen in Wien, die geringsten in Vorarlberg mit 5 pro 1.000 Unternehmen. Die meisten Insolvenzen gab es österreichweit im Handel (642), in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (617) und im Bauwesen (539). Die Privatinsolvenzen sind im 1. Halbjahr um 0,6 % auf 4.975 Verfahren gesunken, für das Gesamtjahr werden weniger als 10.000 erwartet. [Quellen: Creditreform – Firmeninsolvenzen, Privatinsolvenzen]

🇪🇺 Wirtschaftsstimmung in EU und Eurozone bessert sich. Im Juli stieg der Economic Sentiment Indicator für den Euroraum um 1,6 Punkte auf 95,8 Punkte, in der EU stieg er um 1 Zähler auf 95,3 Punkte. Beide Werte blieben unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 100 Punkten. Der Konsumentenvertrauen-Indikator wuchs indes im Euroraum um 0,6 Punkte auf -14,7 Punkte, in der EU um 0,3 Punkte auf -14,5 Punkte. [Quelle: EU-Kommission]

🇪🇺 US-China-Handelskonflikt könnte Preise in Europa senken. Laut einer EZB-Analyse könnten die hohen US-Zölle auf chinesische Importe die Inflation in der Eurozone um 0,15 Prozentpunkte senken. Ein Teil der Exporte Chinas würde von den USA auf Europa umgeleitet werden, das Volumen der Exporte in die EU dadurch um bis zu 10 % ansteigen. Durch den steigenden Preisdruck würden die Importpreise bei gleichbleibender Nachfrage insgesamt um 1,6 % sinken, die Verbraucherpreise in weiterer Folge im Jahr 2026 um 0,15 Prozentpunkte. 2027 könnte sich der Effekt in abgeschwächter Form fortsetzen. [Quelle: EZB]

🇩🇪 Deutsches BIP ging im 2. Quartal zurück. Die Konjunktur in Deutschland schrumpfte im 2. Quartal 2025 real um 0,1 % zum Vorquartal, gegenüber dem Vorjahresquartal ergab sich ein Plus von 0,4 %. Ausgaben für Ausrüstungen und Bauten gingen zurück, der private und der öffentliche Konsum stiegen dagegen.  Das Wachstum im 1. Quartal wurde um 0,1 Prozentpunkte auf 0,3 % nach unten revidiert. Die Daten für die Vorjahre wurden nach unten revidiert, die Rezession war noch tiefer als bisher angenommen – 2023 schrumpfte das deutsche BIP somit um 0,9 % und 2024 um 0,5 Prozent. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇩🇪 Deutsches Budget für 2026 vorgestellt. Der Budgetentwurf für den Bundeshaushalt 2026 sieht Ausgaben von 520,5 Mrd. Euro sowie 174,3 Mrd. Euro an neuen Schulden vor. Am stärksten wächst der Etat des deutschen Verteidigungsministeriums (+32 %). In den kommenden Jahren soll laut Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ein „strikter Konsolidierungskurs eingeschlagen“ werden, denn für 2027 wird eine Finanzierungslücke von mehr als 30 Mrd. Euro erwartet. Der deutsche Finanzminister will sämtliche neue Vorhaben unter Finanzierungsvorbehalt stellen sowie alle Ministerien in die Pflicht nehmen, in den eigenen Ressorts zu sparen. Konsequentes Vorgehen gegen Steuerbetrug und Finanzkriminalität soll die staatlichen Einnahmen stärken. [Quellen: Bundesfinanzministerium, Pressekonferenz]

🇺🇸 US-Notenbank belässt Leitzins bei 4,25 bis 4,5 %. Wie von Analysten erwartet, beließ die US-Notenbank ihre Leitzinsen vorerst auf ihrem bisherigen Niveau. 9 von 11 Mitgliedern des Zentralbankrates sprachen sich hierfür aus. Fed-Chef Jerome Powell verwies auf bestehende Unsicherheiten durch die Zollpolitik Trumps und warnte vor dem Versuch politischer Einflussnahme auf die Notenbank. Erst im September wird mit einer weiteren Senkung des US-Leitzinses gerechnet. [Quelle: Federal Reserve]

🇺🇸 US-Wirtschaft wächst im 2. Quartal stark. Nachdem die US-Wirtschaft im 1. Quartal 2025 das erste Mal seit 3 Jahren um 0,5 % geschrumpft war, konnte sie im 2. Quartal auf das Gesamtjahr hochgerechnet um 3,0 % zulegen. Der Anstieg ist vor allem auf einen Rückgang bei den Importen zurückzuführen – diese gingen im Vergleich zum Vorquartal um 30,3 % zurück. Auch die Beschäftigung in der US-Privatwirtschaft entwickelte sich zuletzt besser als erwartet, im Juli wurden 104.000 neue Jobs geschaffen und die Löhne stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,4 %. „Die Daten deuten insgesamt auf eine gesunde Wirtschaft hin“, so ADP-Chefökonomin Nela Richardson. [Quellen: Bureau of Economic Analysis, ADP]

🇺🇸 Trump verhängt Zölle über Brasilien, Indien und Südkorea. US-Präsident Trump hat am Mittwoch angekündigt, Indien aufgrund seiner Handelsbeziehungen mit Russland mit Zöllen in Höhe von 25 % zu belegen. Indien sei trotz des Ukraine-Kriegs gemeinsam mit China der größte Abnehmer russischer Energie und erhebe selbst hohe Zölle, so Trump. Importe aus Brasilien werden mit einem Zollsatz von 40 % belegt, für gewisse Importgüter wie Orangensaft, Eisenerz sowie Zivilflugzeuge und -teile gibt es jedoch Ausnahmen. Mit Südkorea traf Trump eine Einigung ähnlich jener mit der EU, es gibt einen Zollsatz von 15 % und Investitionsversprechen seitens Südkorea in Höhe von 350 Mrd. US-Dollar. [Quelle: Trump auf Truth Social: Indien, Südkorea; Weißes Haus]

Selektive Agenda:

Heute, Genf: Finaler Tag der Weltkonferenz der Parlamentspräsidenten u. a. mit Zweitem Nationalratspräsidenten Haubner

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Arbeitsmarktstatus und Einkommen von Hochschulabsolventen

10:00 Uhr, Linz: Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, Infrastrukturminister Hanke, Staatssekretär Schellhorn und Landeshauptmann Stelzer informieren zur „Transformation der Industrie“ und „Weiterentwicklung der Ansiedelungspolitik“. [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Arbeitsmarktdaten für Juni für den Euroraum und die EU

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Jean-Michel Quinot ist neuer COO von AOP Health. Bettina Floßmann übernimmt mit 1. August die Leitung des Exklusiv-Vertriebs Tirol der Generali Versicherung. Maximilian Orgonyi verstärkt die Geschäftsführung von RTL Deutschland als neuer Chief Transformation Officer. Moritz Picker ist seit 1. Juli Billa-Bereichsleiter in der Kategorie Management / Einkauf (CM-EK) für das Trockensortiment. Martin Eichtinger wird ab 1. August seine Tätigkeit als Direktor der Diplomatischen Akademie beginnen.

Geburtstage: Wir gratulieren Maria Theresia Niss zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

16:00 Uhr, Salzburg: Afterwork im Gastgarten der Panzerhalle Salzburg [Info]

18:00 Uhr, Wien: Afterwork im Landtmann Schanigarten [Info]

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