Morning in Brief

Morning in Brief, 7. August 2025

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Gregor Plieschnig, David Schima und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Pensionslücke sinkt erstmals auf unter 40 %. Dieses Jahr fällt der „Equal Pension Day“ auf den heutigen 7. August. Damit wird jener Tag markiert, an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst bis zum Ende des Jahres beziehen. Während die durchschnittliche Frauenpension laut Städtebund aktuell bei 1.527 Euro brutto liege, kommen Männer auf 2.535 Euro brutto. Die Differenz von 39,7 % sei „das Ergebnis jahrzehntelanger struktureller Benachteiligungen am Arbeitsmarkt, bei unbezahlter Care-Arbeit und eingeschränkten Karrierechancen“, so Sozialministerin Schumann. Verbesserungen erwartet sie sich durch das 2. verpflichtende Kindergartenjahr ab 2026 sowie mehr Lohntransparenz. Gemäß Berechnungen der Agenda Austria zeigt sich bei Pensionsneuzugängen bereits eine deutliche Verkleinerung der Pensionslücke. Seit 2020 sank diese von 43,7 % auf zuletzt 33,9 % im Jahr 2024. Als wesentliche Gründe für die Differenz gibt die Agenda Austria die hohe Teilzeitquote von Frauen, die dadurch geringeren Einzahlungen aufs Pensionskonto sowie ihr (noch) früheres gesetzliches Pensionsantrittsalter an. [Quellen: Städtebund, BMASGPK, Agenda Austria]

„Die EU hat in diesem Fall die Arschkarte“
Interview mit Ralph Janik

Die Europäische Union und die USA haben sich am 27. Juli auf einen „Deal“ geeinigt. EU-Importe in die USA sollen ab heute mit einem Zollsatz von 15 % belegt werden, während US-Importe in die EU zum Nulltarif möglich sein sollen. Rechtssicherheit bringt dieser „Deal“ nicht – er ist klar rechtswidrig, sagt Völker- und Handelsrechtsexperte Ralph Janik. Würde die EU versuchen, diesen Deal in EU-Recht zu gießen, könnte sie sich rasch Klagen anderer Länder ausgesetzt sehen.

Grafik (von Christoph Hofer): Seit 1. Jänner 2021 verzeichnete Österreich im Bereich der Energie und Dienstleistungen den größten Anstieg der Verbraucherpreise in Westeuropa. Während Energie um 63,9 % teurer wurde (Eurozonen-Schnitt: +39,6 %), stiegen die Preise für Dienstleistungen um 26,2 % (Eurozonen-Schnitt: +19,0 %). Im Bereich der Lebensmittel liegt man mit einem Plus von 31,7 % nur leicht über dem Euro-Schnitt und hinter Ländern wie Deutschland (+32,6 %) und Spanien (+32,7 %). Bei Industriegütern zeigt sich mit einem Anstieg von 16,4 % gegenüber 14,5 % im Eurozonen-Schnitt ein ähnliches Bild. [Quelle: Eurostat]

🇦🇹 Tiroler SPÖ-Chef fordert Vermögensteuern. Der Tiroler SPÖ-Chef und Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth spricht sich für die Einführung von Erbschafts- und Vermögensteuern aus. „Man sollte da dranbleiben und das nicht aus den Augen verlieren“, so Wohlgemuth zur APA. Es gelte „für alle in der SPÖ“, die „Ideologie nicht an der Garderobe zum Sitzungszimmer“ abzugeben. Wohlgemuth gesteht aber ein, dass derzeit keine parlamentarische Mehrheit für Vermögensteuern gegeben ist. Dominik Oberhofer, Chef der Tiroler Neos und Nationalratsabgeordneter, weist den Vorstoß als „Retro-Zwischenruf“ und „rückwärtsgewandte Symbolpolitik“ zurück. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 ÖGK-Verwaltungskosten steigen auf über 440 Mio. Euro. Im Vorjahr lag der Netto-Verwaltungsaufwand der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) bei 441,1 Mio. Euro und damit 39 % über den Kosten von 2020. Die gesetzlichen Krankenversicherungen BVAEB (öffentlich Bedienstete, Eisenbahner, Bergbau) und SVS (Selbstständige, Bauern) hingegen verzeichneten in diesem Zeitraum einen Anstieg um 22,6 bzw. 22,3 %. Dass die Verwaltungskosten der ÖGK so zugenommen haben, sei laut Gesundheitsministerium auf die niedrigeren Kostenersätze der letzten Jahre zurückzuführen. Ersatzbereinigt ergebe sich zwischen 2020 und 2024 ein Anstieg des Verwaltungsaufwands von 24,6 %. Bis 2029 soll diese Steigerungsrate um 50 % reduziert werden. [Quelle: Medienberichte]

🇦🇹 Großhandelspreise stiegen im Juli moderat. Die Preise im heimischen Großhandel sanken im Juli gegenüber dem Vorjahr um 0,1 %. Im Vergleich zu Juni war jedoch ein zartes Plus von 0,2 % zu beobachten. Teurer wurden vor allem Flachglas (+4,3 %), Mineralölerzeugnisse (+3,7 %) sowie Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze (+2,3 %). Niedriger als im Vormonat waren die Großhandelspreise für Altmaterial und Reststoffe (-3,5 %), Obst, Gemüse und Kartoffeln (-2,5 %), lebende Tiere sowie Getreide, Saatgut und Futtermittel (jeweils -2,4 %). [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Benzin und Diesel im Juli teurer. Die Spritpreise in Österreich sind im Juli erneut gestiegen. Diesel kostet im Schnitt 1,548 Euro pro Liter und damit um 4 Cent mehr als im Juni. Der Preis für Superbenzin lag im Juli bei 1,523 Euro und damit um 1,5 Cent höher. Der ÖAMTC kann die Preissteigerungen nicht nachvollziehen, der Rohölpreis sei sowohl in Dollar als auch Euro gerechnet in den letzten Wochen kaum gestiegen. [Quelle: ÖAMTC]

🇦🇹 Getreidefläche auf historischem Tief. Die Getreidefläche (exkl. Mais) ist im heurigen Jahr mit 504.522 Hektar auf ein „historisches Tief“ gesunken – der Ertrag konnte dennoch um 4,6 % gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Den größten Rückgang aller Ackerkulturen verzeichnet die Zuckerrübe, das Anbaugebiet ging um 43 % zurück. Bio-Ackerflächen setzen ihren Aufwärtstrend fort, 21 % der gesamten Ackerflächen werden in Österreich mittlerweile biologisch bewirtschaftet. Für das Wirtschaftsjahr 2025/2026 erwartet die AMA Getreideexporte von rund 1,8 Mio. Tonnen sowie Importe von 2,7 Mio. Tonnen. [Quelle: Agrarmarkt Austria]

🇦🇹 🇪🇺 Einzelhandel mit Plus in der EU, Minus in Österreich. Im Juni setzte der heimische Einzelhandel um 0,1 % weniger als im Mai um. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Plus von 3,6 %. In der EU und im Euroraum ist das Einzelhandelsvolumen im Vergleich zum Mai um 0,3 % gestiegen, im Vergleich zum Juni 2024 um 3,1 %. In Österreich lag der Indexwert des Einzelhandelvolumens im Juni bei 97,0 – im Euroraum bei 102,6 und in der EU bei 103,1 (Index 2021 = 100). [Quelle: Eurostat]

🇩🇪 Deutsche Industrie verzeichnet nächstes Auftragsminus. Die Aufträge des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland sind im Juni zum 2. Mal in Folge zurückgegangen. Eine geringere Auslandsnachfrage (-3,0 %) ließ das Neugeschäft gegenüber dem Vormonat um 1,0 % schrumpfen. Der Anstieg der Bestellungen aus dem Inland (+2,2 %) konnte diesen Rückgang nicht kompensieren. Innerhalb der Eurozone verzeichnete die deutsche Industrie zwar ein Auftragsplus von 5,2 %, die Nachfrage aus dem Rest der Welt brach dagegen um 7,8 % ein. Vor allem die Rückgänge beim Fahrzeugbau (-23,1 %), in der Metallerzeugung (-12,9 %) und Automobilindustrie (-7,6 %) wirkten sich negativ auf das Gesamtergebnis aus. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇩🇪 Deutschland schafft Gasspeicherumlage ab. Mit 1. Jänner 2026 will die deutsche Regierung die Gasspeicherumlage i. H. v. 0,289 Cent pro Kilowattstunde wieder abschaffen. Die Maßnahme wurde ursprünglich 2022 eingeführt, um die Kosten für das Befüllen der Gasspeicher zu decken. Würde es in Zukunft erneut zu einer Gefährdung der Gasversorgung kommen, könnte ein neues Umlageverfahren eingeführt werden, so eine Finanzierung durch den Bundeshaushalt nicht möglich sein sollte. Gasverbraucher sollen durch die Abschaffung um insgesamt 3 Mrd. Euro entlastet werden – die Entlastung soll sich auch auf den Strompreis durchschlagen. Die Weitergabe der Entlastungen wird „überwacht“ werden, so die Bundesregierung. [Quelle: Deutsche Bundesregierung]

🇮🇳 US-Zölle für Indien verdoppelt. US-Präsident Trump hat am Mittwoch einen Zusatzzoll in Höhe von 25 % gegen Indien verhängt. Grund dafür sind die anhaltenden indischen Käufe von russischem Öl. Künftig werde man potenziell auch andere Staaten, die direkt oder indirekt Öl aus Russland importieren, mit ähnlichen Zöllen belegen, heißt es vom Weißen Haus. Ab heute greift für Indien zunächst der jüngst angekündigte Zollsatz von 25 %. Mit dem 27. August verdoppeln sich die Zölle auf viele indische Produkte auf 50 %. [Quelle: Weißes Haus]

Selektive Agenda:

Heute: EU-US-Abkommen zu Zöllen soll in Kraft treten

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria präsentiert Zahlen zum Außenhandel im Mai (Einfuhren und Ausfuhren)

13:00 Uhr, London, UK: Bank of England gibt aktuellen Zinsbeschluss bekannt

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Mit 1. August hat Florian Brunner die Geschäftsführung der 42 Vienna GmbH übernommen. Carsten Q. Schneider ist interimistischer Rektor und Präsident der Central European University, Mathias Moschel ist neuer Pro-Rektor für Außenbeziehungen.

Geburtstage: Wir gratulieren Rainer Borns zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

17:30 Uhr, Wien: Coburg SunDowner-Afterwork im Garten des Palais Coburg [Info]

18:00 Uhr, Wien: Salon Sacher-Afterwork im Hotel Sacher [Info]

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