Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern, Christoph Hofer und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Spritpreisbremse greift ab morgen. Die Verordnungen zur Spritpreisbremse wurde gestern Abend veröffentlicht, ab morgen 12 Uhr werden die Preissenkungen dann in Kraft treten. Erstens wird die Mineralölsteuer für Benzin und Diesel um 5 Cent pro Liter abgesenkt. Zweitens müssen die Netto-Verkaufspreise bei vertikal integrierten Tankstellen um 5 Cent gesenkt werden. Weitere Preissteigerungen „dürfen sich danach nur mehr im Rahmen einschlägiger Produktnotierungen bewegen“, so das Wirtschaftsministerium. Freie Tankstellen, die nicht Teil eines Mineralölkonzerns mit Raffinerie- oder Lageranbindung sind, können ihre bestehenden Lagerbestände noch zu höheren Preisen verkaufen, bevor sie dann ebenfalls an die Preisreduktion gebunden sind. Generell ausgenommen sind kleinere Tankstellenbetreiber mit weniger als 30 Tankstellen sowie Autobahntankstellen. In der Krone warnt die WKÖ bei kleineren Tankstellen vor möglichen Engpässen – Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer dazu zur Krone: „Es wäre nicht richtig, den Österreichern vorzugaukeln, dass wir von möglichen Versorgungsengpässen verschont bleiben würden.“ [Quellen: BMWET, Kronenzeitung am Mittwoch (Printausgabe) | Reaktionen: WKÖ, WKÖ/Transportwirtschaft, FPÖ, Grüne]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Preise für Diesel liegen heute in Österreich bei 2,216 Euro pro Liter und für Benzin bei 1,879 Euro und damit geringfügig niedriger als gestern. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Mai notierte gestern Abend bei 118,37 Dollar, der Kontrakt für Juni liegt bei 105,25 Dollar. Der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF lag zu Handelsschluss bei 50,2 Euro pro MWh und damit um 8,7 % niedriger als am Montag. Heute tritt der Sozialtarif in Kraft, der den Strompreis für rund 290.000 Haushalte bis zu einer Menge von 2.900 kWh bei 6 Cent/kWh deckelt. Außerdem greift der von der E-Control verordnete „Sommer-Nieder-Arbeitspreis“ (SNAP). Die Netzentgelte werden dadurch von 1. April bis 30. September im Zeitraum von 10 bis 16 Uhr um 20 % reduziert. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Reuters, Gaspreis, Sozialtarif, SNAP]
„Hohe Verschuldung Wiens wirft falsches Bild auf Gemeinden“
Interview mit Johannes Pressl
Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl zeigt sich verärgert, dass die Neuverschuldung der Bundeshauptstadt Wien gemeinsam mit allen anderen Gemeinden in der Statistik aufscheint. Das würde ein „falsches Bild“ ergeben, da Wien im Vorjahr um 31,2 % mehr Schulden gemacht hat, alle anderen Gemeinden aber um 25 % weniger. Der harte Sparkurs der Gemeinden ist laut Pressl aber nicht nachhaltig, da Infrastrukturinvestitionen verschoben wurden, die irgendwann nachgeholt werden müssen.
💡 Wien schreibt Rekorddefizit von 2,365 Mrd. Euro. Die Bundeshauptstadt hat 2025 mit Abstand das höchste Defizit unter allen Bundesländern und Gemeinden verbucht. Laut vorläufigen Zahlen von Statistik Austria lag der Finanzierungssaldo Wiens bei minus 2,365 Mrd. Euro – ein neuer Rekordwert (2024: -1,803 Mrd. Euro). Zum Vergleich: Die Steiermark folgte mit minus 727 Mio. Euro, Niederösterreich mit minus 642 Mio. Euro. Oberösterreich erzielte als einziges Bundesland ein kleines Plus von 5 Mio. Euro. Die Gemeinden (ohne Wien) verzeichneten insgesamt ein Defizit von 904 Mio. Euro und verbesserten damit ihr Saldo im Vergleich zu 2024 um rund 300 Mio. Euro. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Christoph Hofer]

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🇦🇹 Staatsdefizit lag 2025 bei 4,2 % des BIP. Das gesamtstaatliche Budgetdefizit Österreichs lag 2025 bei 4,2 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl fiel damit besser aus als vom Finanzministerium mit 4,5 % prognostiziert und verbessert sich gegenüber 4,6 % im Jahr 2024. Dennoch liegt das Defizit weiterhin deutlich über der EU-Maastricht-Grenze von 3 %. Die Staatsschuldenquote stieg von 80,0 auf 81,5 % des BIP. Saldoverbessernd wirkte sich aus, dass die Einnahmen mit +4,5 % deutlich stärker wuchsen als die Ausgaben (+3,6 %). Der Bund reduzierte sein Defizit von 3,4 auf 3,0 % des BIP, die Länder (ohne Wien) von 0,5 auf 0,4 %. Bei den Gemeinden (mit Wien) stieg der Fehlbetrag hingegen leicht von 0,6 auf 0,7 %, während die Sozialversicherungsträger ihren Abgang von 0,2 auf 0,1 % senken konnten. Die wieder steigende Inflation aufgrund des Irankriegs gefährdet die weitere Budgetsanierung. Finanzminister Marterbauer schloss in der ZIB2 nicht aus, dass „wir hier und dort noch eingreifen, nur nicht aus dem Budget finanziert“. [Quellen: Statistik Austria – Pressekonferenz, Präsentation, Aussendung, Marterbauer auf Bluesky, ZIB2 | Reaktionen: BMF, FPÖ, Grüne, ÖVP Wien, FPÖ Wien, Gemeindebund, IV]
🇦🇹 Inflation steigt auf 3,1 %. Laut Schnellschätzung lag die österreichische Inflation im März bei 3,1 %. Im Monatsabstand stiegen die Preise voraussichtlich um 1,1 %. Der Anstieg geht laut Statistik Austria „fast vollständig“ auf Treibstoffe und Heizöl zurück. Bisher wirkten die Energiepreise preisdämpfend (Februar -4,1 %), im März stiegen sie im Jahresvergleich jedoch um 6,1 %. Auch Dienstleistungen verteuerten sich um 4,5 %. Die Preisanstiege bei Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol entwickelten sich mit 2,4 % noch unterdurchschnittlich, auch Industriegüter legten nur um 0,5 % zu. Finanzmarktexperte Peter Brezinschek erwartet auch in diesen Bereichen „mittelfristig negative Auswirkungen“ und hält einen Anstieg der Inflation auf „deutlich über 4 %“ für realistisch. [Quellen: Statistik Austria, Brezinschek auf Linkedin | Grafik: Irankrieg befeuert Inflation erneut | Reaktionen: FPÖ/Belakowitsch, FPÖ/Kassegger, Grüne, SPÖ NÖ, ÖGB, Volkshilfe]
🇦🇹 Verfügbares Einkommen der Österreicher 2025 gesunken. Das verfügbare Einkommen, das nicht für den Konsum verwendet wird, ist in Österreich im Jahr 2025 real um 1,6 % gesunken. Im Jahr 2024 ist es noch real um 3,5 % gestiegen. Im vergangenen Jahr sparten die Österreicher 9,9 % ihres verfügbaren Einkommens. 2024 lag die Sparquote bei 11,7 %; zwischen 2020 und 2023 bewegte sie sich zwischen 13,6 % und 8,6 %. Einnahmenseitig stiegen die Arbeitnehmerentgelte nominell um 3,7 % und die monetären Sozialleistungen um 5,9 %. Das Selbstständigeneinkommen, der Betriebsüberschuss und das Vermögenseinkommen gingen hingegen um 3,7 % zurück. Ausgabenseitig mussten die Haushalte 4,9 % mehr Steuern von ihrem Einkommen zahlen sowie 5 % mehr für Sozialbeiträge ausgeben. Der Konsum stieg nominell um 3,2 % und real um 0,5 %. [Quelle: Statistik Austria – 2025, Übersicht]
🇦🇹 Bund drängt zu rascherer Einigung bei Reformpartnerschaft. Die Reformpartnerschaft zwischen Bund, Ländern und Gemeinden hat sich ursprünglich einen Zeitrahmen von 18 Monaten, also bis Ende 2026 gegeben. Im Gesundheitsbereich sei bereits „ein gutes Stück des Weges zurückgelegt“, so das Bundeskanzleramt zur APA. Der Bund drängt nun auf eine „politische Einigung“ bis Juni, bis dahin soll auch das Doppelbudget 2027/2028 stehen. Landeshauptleutekonferenz-Vorsitzender Anton Mattle sieht ebenfalls Fortschritte, will aber den Zeitraum bis Jahresende voll ausnutzen. Auch Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl hält im Selektiv-Interview fest, dass Fragen zur Zuständigkeit im Gesundheitssystem „keine Fragen eines Doppelbudgets“ sind. Langfristreformen würden ihre Zeit brauchen, um „bis Ende des Jahres 2026 ausdiskutiert und abgeschlossen werden zu können“, so Pressl. [Quellen: APA via Medienberichte, Pressl im Selektiv-Interview | Reaktion: Grüne]
🇦🇹 Wirtschaft warnt vor Einführung einer neuen Plastiksteuer. WKÖ und Handelsverband fordern, die Einführung der geplanten Steuer auf nicht-recycelbares Plastik auszusetzen. Diese Maßnahme ist als Teil der Gegenfinanzierung für die Senkung der Lebensmittel-Mehrwertsteuer vorgesehen. Nach Angaben der Verbände seien die Rohstoffpreise für Kunststoff und in der Folge für Verpackungen infolge des Irankrieges bereits stark gestiegen. Zudem würden auch die damit verbundenen höheren Transportkosten die Unternehmen zusätzlich belasten. Vor diesem Hintergrund würde eine zusätzliche Steuer „die Inflation weiter anheizen, statt sie zu bremsen“, so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. In den betroffenen Bereichen des Handels würde die „Plastiksteuer“ zu Preiserhöhungen von bis zu 10 % für die Konsumenten führen, während die Entlastung durch die Mehrwertsteuersenkung lediglich 5 % betrage. [Quellen: Handelsverband, WKÖ, WKÖ Fachverband Lebensmittelhandel]
🇦🇹 🇪🇺 Eine Stunde Arbeit kostete 2025 im Durchschnitt 46,30 Euro. Nach vorläufigen Berechnungen kostete eine Stunde Arbeit die Arbeitgeber in Österreich im Jahr 2025 durchschnittlich 46,30 Euro. Dies entspricht einem nominalen Anstieg von 2 Euro im Vergleich zu 2024 sowie einer Steigerung von rund 42,5 % seit 2016. In der gesamten Eurozone stiegen die durchschnittlichen Stundenarbeitskosten 2025 um 3,8 %. Am teuersten war eine Arbeitsstunde in Luxemburg mit 56,80 Euro. Österreich belegt hinter Belgien und den Niederlanden den 4. Platz innerhalb der Eurozone. Die größten prozentualen Anstiege im Jahresvergleich verzeichneten die östlichen Mitgliedstaaten, während auf Malta der einzige Rückgang festgestellt wurde. [Quelle: Eurostat – Übersicht, Daten]
🇪🇺 Inflation im Euroraum steigt auf 2,5 %. Gemäß erster Schätzungen liegt die Inflationsrate in der Eurozone im März bei 2,5 %, nachdem sie im Februar noch 1,9 % betragen hatte. Die Entwicklung der Energiepreise, die in den letzten Monaten inflationsdämpfend gewirkt hatte und im Februar noch bei minus 3,1 % lag, ist im März auf 4,9 % gestiegen. Die höchsten Inflationsraten des Euroraums verzeichneten Kroatien (4,7 %), Litauen (4,5 %) und Luxemburg (3,8 %). In der Slowakei und in Slowenien sind die Inflationsraten gesunken, während sie in Italien bei 1,5 % stabil blieb. Die niedrigsten Raten verzeichnen Italien und Zypern mit je 1,5 % sowie Frankreich mit 1,9 %. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 EU-Kommission fordert zum Treibstoffsparen auf. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat die EU-Mitgliedsstaaten aufgerufen, „rechtzeitige und koordinierte Vorbereitungen zu treffen, um die Versorgung mit Öl und raffinierten Erdölerzeugnissen“ sicherzustellen. Insbesondere sollen die EU-Staaten „Maßnahmen zur Nachfrage-Einsparung“ ergreifen und sich dabei am 10-Punkte-Plan der IEA orientieren. Umgekehrt soll von Maßnahmen abgesehen werden, die den Kraftstoffverbrauch erhöhen oder den freien Verkehr von Erdölerzeugnissen einschränken könnten. Kommissar Jørgensen gab weiter bekannt, dass die EU-Kommission an einem Maßnahmenpaket arbeitet, das den Mitgliedsstaaten weitere Unterstützungsleistungen für „Familien und Unternehmen“ ermöglichen soll. Auch die Maßnahmen zur Wiederauffüllung der Gasspeicher sollen über die Kommission koordiniert werden. [Quelle: EU-Kommission – Pressestatement Jørgensen, Koordinationsaufruf]
🇩🇪 Deutsche Schuldenquote stieg 2025 auf 63,5 %. Die deutschen Staatsschulden sind im Jahr 2025 um 144 Mrd. Euro auf insgesamt rund 2,84 Billionen Euro gestiegen. Dadurch erhöhte sich die Schuldenquote gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozentpunkte auf 63,5 %. Nach 4 Jahren rückläufiger Quote ist der Wert damit erstmals wieder gestiegen und liegt weiter über der Maastricht-Grenze von 60 %. Auf Bundesebene nahmen die Schulden um 107 Mrd. Euro zu, auf Länderebene um 19 Mrd. Euro und auf Gemeindeebene um 25 Mrd. Euro. [Quelle: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt]
🌐 IWF sorgt sich um Nahrungsmittelpreise. Durch die Straße von Hormus fließen nicht nur ein Viertel des weltweiten Öls und ein Fünftel des LNG, sondern auch ein Drittel der weltweiten Düngemittel. Der Ausfall zu Beginn der Aussaat in der Nordhalbkugel gefährdet „Erträge und Ernten das ganze Jahr über“ und wird die Lebensmittelpreise „in die Höhe treiben“. Der IWF zeigt sich darüber zunehmend „besorgt“, vor allem Niedriglohnländer wären davon betroffen. „Jeder sprunghafte Anstieg der Düngemittel- und Lebensmittelpreise wird nicht nur zu einem wirtschaftlichen, sondern auch zu einem gesellschaftspolitischen Problem“, so die Analyse. Auch bei Helium, Nickel und Schwefel könnte es zu Engpässen in der Lieferkette und Preissprüngen kommen. [Quelle: IWF]
Selektive Agenda:
Heute, Österreich: Inkrafttreten des Sommer-Niederarbeitspreises und des Sozialtarifs
Heute, Österreich: Bekanntgabe der österreichischen Arbeitsmarktdaten für März
10:00 Uhr, Frankfurt: Bekanntgabe S&P Global Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe Eurozone [Info]
11:00 Uhr, Luxemburg: Bekanntgabe der europäischen Arbeitsmarktdaten für Februar
13:00 Uhr, Wien: Demonstration und Traktor-Konvoi der Landwirte in der Wiener Innenstadt [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Theresia Vogel wird stellvertretende Vorsitzende des Rates für Forschung, Wissenschaft, Technologie und Innovation (FORWIT). Rainer Vogelmann übernimmt die Funktion des designierten Landesdirektors der DONAU Landesdirektion Wien. Gerhard Rauniak übernimmt die Führung der Direktion 4 – Logistik des österreichischen Bundesheeres. Siegfrid Skudnigg wird stellvertretender Leiter. Peter Pertl wird Leiter der Direktion für Rüstung und Beschaffung. Jürgen Schlechter übernimmt die Leitung des Amts für Rüstung und Wehrtechnik.
Geburtstage: Wir gratulieren Katharina Liensberger, Barbara Weinzierl und Toni Innauer zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
ab 11:00 Uhr, Wien: Frühlingserwachen und Osterstories beim Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz (bis 12.4.) [Info]