Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Christoph Hofer, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Österreichs Bevölkerung wächst 2025 um 0,2 %. Zwischen Anfang 2025 und Anfang 2026 nahm die Bevölkerung um 21.900 Personen bzw. 0,2 % zu und erreichte 9,22 Mio. Menschen. Im Jahr 2024 ist die Bevölkerung um 0,4 % gewachsen. Den stärksten Zuwachs 2025 verzeichnete Wien, gefolgt von Tirol, während es nur im Burgenland einen Rückgang gab. Rund 1,9 Mio. Menschen und damit knapp über 20 % der Bevölkerung sind ausländische Staatsangehörige. Den höchsten Ausländeranteil weist Wien mit 37 % auf, gefolgt von Salzburg (21,1 %) und Vorarlberg (21 %). Den niedrigsten Anteil hat das Burgenland mit 11,7 %. [Quelle: Statistik Austria]
Kommentar: Farce und Tragödie der Regierung Stocker
von Georg Renner
Statt bei Regierungsklausur und Kanzlerrede weitere solide Reformen zu präsentieren – sagen wir eine Bundesstaatsreform, die neue Sozialhilfe oder ein Klimagesetz, mit dem man langfristig planen könnte – ist die schwarz-rot-pinke Truppe völlig aus dem Tritt geraten und flüchtet sich in Kleinklein, von der unleistbaren Gießkannen-Steuersenkung über die Zahl der Lateinstunden in einer Handvoll Schulen bis zu dieser lachhaften Volksbefragungsankündigung.
💡 Anteil über 64-Jähriger steigt rasant. Von 2024 bis 2050 wächst die Gruppe der über 64-Jährigen um rund 700.000 Personen – von 1,84 Mio. auf dann 2,56 Mio. Im selben Zeitraum sinkt die Zahl der unter 20-Jährigen um etwa 200.000 Personen auf 1,58 Mio. Laut Hauptszenario der Bevölkerungsprognose erreichte die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) 2024 mit 5,57 Mio. ihren Höchststand – bis 2050 sinkt diese Zahl um knapp 330.000 auf 5,24 Mio. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
🇦🇹 Haushaltsenergiepreise im Dezember gesunken. Im Dezember sind die Preise für Haushaltsenergie laut dem Energiepreisindex der Energieagentur im Monatsvergleich um 1,2 % gesunken. Im Jahresvergleich stiegen die Preise um 9 %. Strom wurde im Jahresabstand um 41,9 % teurer, im Monatsvergleich nur um 0,3 %. [Quelle: Energieagentur]
🇦🇹 Konjunkturerwartungen in Österreich gesunken. Nachdem im Vormonat mit -1,9 Punkten der höchste Wert seit Juni 2022 verzeichnet worden war, sank der Sentix-Konjunkturindex für Österreich auf -2,9 Punkte. Ursache ist v. a. ein Rückgang der Erwartungen, während die aktuelle Lage besser beurteilt wird. Im Euroraum stieg der Index um 6 Punkte auf 4,2 Punkte und verzeichnete damit den 3. Anstieg in Folge. Der deutsche Gesamtindex legte um 9,5 Punkte auf -6,9 Punkte zu, die Erwartungen stiegen um 10,8 Punkte auf 16,3 Punkte. [Quelle: Sentix – Februar, Januar]
🇦🇹 AMS-Sanktionen zu lasch. Das Arbeitsmarktservice (AMS) verhängte im Jahr 2025 exakt 162.391 Sperren von Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe – fast genauso viele wie im Vorjahr wie Die Presse berichtet. Etwa die Hälfte der Sanktionen betraf Fälle mangelnder Arbeitswilligkeit: In 35.944 Fällen wurde das Geld für sechs Wochen gestrichen, weil Betroffene zumutbare Jobs oder Schulungen verweigerten oder vereitelten. Bei extremer Arbeitsunwilligkeit – also dreimaliger Sabotage einer zumutbaren Arbeitsaufnahme – kam es zu 1.733 gänzlichen Sperren, ein Anstieg um 17 % gegenüber 2024. Der Wiener AMS-Chef Winfried Göschl kritisiert, dass solche Härtefälle den Anspruch viel zu leicht zurückerwerben können: Schon ein einziger Beschäftigungsmonat reiche aus. [Quelle: Die Presse]
🇦🇹 KV-Verhandlungen bei Papier- und Kartonprodukten stocken. Die Verhandlungen zum Kollektivvertrag bei den Herstellern von Papier- und Kartonprodukten ist auch in der 3. Runde ergebnislos geblieben. Die Gewerkschaft weist das Angebot der Arbeitgeber als zu niedrig zurück – es liege aktuell zwischen 0 und 1 %. Im 1. Halbjahr 2025 lagen die Umsätze in der Branche 4,4 % unter dem Vorjahreszeitraum, die Exporte sind um 6,6 % zurückgegangen. Die Branche klagt über hohen Kostendruck – viele Unternehmen würden bereits über Outsourcing und Verlagerungen nachdenken. Am 24. Februar wird weiter verhandelt. [Quellen: GPA, Propak]
🇦🇹 Immobilien-Kauflaune verhalten, Wunsch nach Eigentum hoch. In einer Immobilien-Befragung für Österreich gaben rund 20 % an, in den kommenden 2 Jahren eine Wohnung oder ein Haus kaufen zu wollen. 78 % halten den Erwerb für kaum finanzierbar. Grundsätzlich würden 79 % gerne im Eigentum wohnen. Die größten Hürden: das Preisniveau, restriktive Finanzierungsvoraussetzungen, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie Gebühren. [Quelle: BDO]
🇦🇹 Mehr Pflegegeldbezieher 2025. Die Zahl der Pflegegeldbezieher stieg im Vorjahresvergleich um 2,3 % auf über 500.000, davon waren 61 % Frauen und 39 % Männer. Die Ausgaben für das Pflegegeld erhöhten sich um 6 % auf 3,63 Mrd. Euro und lagen damit um knapp 1 Mrd. Euro über dem Niveau von 2019, als es rund 464.000 Pflegegeldbezieher gab. Die durchschnittliche monatliche Leistung lag 2025 bei 604 Euro. [Quelle: Statistik Austria | Grafik: Wie viel die Alterung der Gesellschaft kostet]
🇦🇹 Drittgrößter Sojaproduzent in der EU. Österreich war 2025 erstmals drittgrößter Sojaproduzent in der EU hinter Italien und Frankreich. Laut AMA wurden vergangenes Jahr hierzulande 272.000 Tonnen Soja geerntet. Mit 86.000 Hektar Anbaufläche schafft es Österreich unter die Top-5. Soja spielt eine wichtige Rolle in der österreichischen Eiweißstrategie, die auf den Selbstversorgungsgrad abzielt. [Quelle: BMLUK]
🇪🇺 Rechnungshof warnt vor Unsicherheiten bei neuer EU-Agrarpolitik. Der Europäische Rechnungshof warnt vor Unsicherheiten durch den EU-Haushaltsplan 2028–2034 im Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Seit 1962 gibt es für die GAP eigene Fonds im EU-Haushalt, die einerseits die Förderung von Landwirten sowie des Agrar- und Lebensmittelsektors und andererseits die Entwicklung des ländlichen Raums abdecken. Im neuen Haushaltsplan soll die GAP hingegen aus einem Europäischen Fonds in Höhe von 865 Mrd. Euro auf Grundlage nationaler Pläne finanziert werden, wobei min. 293,7 Mrd. Euro an die Landwirte fließen sollen. Der Rechnungshof weist jedoch darauf hin, dass die komplexen Veränderungen zu Unsicherheiten führen können. Zu den möglichen Folgen zählen u. a. Planungsunsicherheit für die Mittelempfänger, fehlende Vergleichbarkeit mit dem aktuellen Haushalt und unterschiedliche nationale Umsetzungen. [Quelle: Europäischer Rechnungshof]
🇪🇺 Industrie kritisiert EU-Pläne zu Ausnahmen beim CO₂-Grenzausgleich. Vertreter europäischer Industriebranchen, die unter das CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) fallen, warnen vor einer Abschwächung des Instruments durch Pläne der EU-Kommission, für bestimmte Produkte Ausnahmen vorzusehen. Branchenvertreter aus u. a. der Stahl-, Zement-, Aluminium-, Wasserstoff- und Elektrizitätsindustrie befürchten, dass die geplante Ausnahmeklausel Investitionen verunsichern und die Umsetzung von Dekarbonisierungsprojekten verzögern könnte. Auslöser der Debatte ist, dass mehrere Mitgliedstaaten eine Ausnahme für Düngemittel fordern, um höhere Importkosten für Landwirte zu vermeiden. Auch im EU-Parlament gibt es Kritik an den Plänen. Abgeordnete warnen vor einem Dominoeffekt weiterer Ausnahmen, der den CBAM insgesamt schwächen könnte. [Quellen: Politico]
🇩🇪 Krisen kosten Deutschland fast 1 Bio. Euro. Das IW Köln schätzt in einer neuen Studie: Die Dauerkrisen seit 2020 (Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, US-Zollkonflikte) haben Deutschland einen preisbereinigten BIP-Ausfall von 940 Mrd. Euro gekostet. Das entspricht über 20.000 Euro pro Erwerbstätigem. Die laufende Dekade belastet die Wirtschaft stärker als frühere Krisen (Finanzkrise 2008/09: 525 Mrd. €). Seit 2019 stagniert das reale BIP. 2025 wuchs die deutsche Wirtschaft real um 0,2 %. [Quelle: IW Köln]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: Auktionstermin für österreichische Bundesanleihe
Heute, Straßburg, Frankreich: Europaparlament tagt; u. a. Abstimmungen zu Mercosur-Schutzklauseln und EU-Klimazielen 2040 (bis 12.2.) [Info]
8:30 Uhr, Wien: Enquete im Finanzministerium „für gerechten Wettbewerb – Strategien gegen Steuerbetrug und Lohndumping“ mit Finanzminister Marterbauer (SPÖ), Sozialministerin Schumann (SPÖ) und Finanz-Staatssekretärin Eibinger-Miedl (ÖVP) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Registrierungen und Insolvenzen 4. Quartal sowie Gesamtjahr 2025, Produktionsindex Dezember, Kfz-Neuzulassungen Jänner sowie Baupreisindex 4. Quartal und Gesamtjahr 2025
9:30 Uhr, Wien: Tschechischer Ministerpräsident Babiš trifft Bundeskanzler
Stocker
14:15 Uhr, Bratislava, Slowakei: Bundeskanzler Stocker beim Slavkov-Gipfel; Treffen mit slowakischem Ministerpräsidenten Fico und tschechischem Ministerpräsidenten Babiš
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Wolf Heinrich Reuter ist seit dem 1. Februar der neue Leiter der Hauptabteilung Volkswirtschaft der Oesterreichischen Nationalbank. Michael Wagner ist neuer Präsident der Österreichischen Plattform Patientensicherheit. Seit Anfang 2026 sind Sabine Berger, Madeleine Grünsteidl und Gernot Kraus Teil des Führungsteams im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich. Lorenz Wiltschke ist neuer External Affairs Manager bei British American Tobacco Austria.
Geburtstage: Wir gratulieren Eduard Mainoni zum Geburtstag!
Sehen & gesehen werden:
Save the date. Von 18.-22. Mai findet das 30. Europa-Forum Wachau statt u. a. mit Anders Fogh Rasmussen, Thani bin Ahmed Al Zeyoudi, Alexander Van der Bellen, Christian Stocker, Wolfgang Hattmannsdorfer, Claudia Bauer, Beate Meinl-Reisinger, Gerhard Karner, Magnus Brunner, Alexander Pröll, Elisabeth Zehetner, Johanna Mikl-Leitner uvm. [Info]
18:00 Uhr, Wien: HR After Work Clubbing in der Hilton SELLENY’S BAR [Info]
18:30 Uhr, Linz: Podiumsdiskussion Academia Superior „MUT.Talk – Geschlechtergerechtes Lernen: Ein Bildungssystem für alle!?“ u. a. mit Martin Halla, Margarethe Überwimmer und Anja Weiermann in der JKU Linz [Info]