Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Maximilian Kern und David Schima – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹🌐 Gas- und Spritpreise weiter gestiegen – Regierung plant Eingriff. Nach einem Anstieg auf knapp 120 Dollar pro Fass hat sich der Ölpreis (Brent) heute Früh mit rund 95 Dollar (rund 81 Euro) wieder unter der 100-Dollar-Marke eingependelt. Der Gaspreis (Dutch TTF) ist weiter auf 56 Euro pro MWh gestiegen. Die Literpreise für Benzin (1,729 Euro) und Diesel (1,959 Euro) sind ebenfalls weiter gestiegen. Christian Stocker spricht sich daher für eine „temporäre Senkung der Steuern auf Sprit“ aus, der Staat dürfe „nicht zum Krisenprofiteur werden“. Vizekanzler Andreas Babler präferiert hingegen einen Preisdeckel. Welches Modell am treffsichersten und effektivsten sei, wird derzeit in der Bundesregierung „intensiv geprüft und verhandelt“, so Bundeskanzler Stocker. Die Finanzminister der G7 haben sich gestern auf „notwendige Maßnahmen“ zur Absicherung der globalen Energieversorgung verständigt, die strategischen Ölreserven werden vorerst aber nicht freigegeben. Zugleich haben Ungarn und Kroatien eine Deckelung der Treibstoffpreise angekündigt. [Quellen: Ölpreis, Gaspreis, Spritpreis, Stocker auf X, Reuters (G7), Orbán auf Facebook, Plenković auf X | Reaktionen: SPÖ, FPÖ (Hammerl), FPÖ (Kickl), ARBÖ, NÖ-Landesreg. | Grafiken: Entwicklung Öl- und Gaspreis, Entwicklung Benzin- und Dieselpreis]
„Das ist ein Teufelskreis der digitalen Abhängigkeit“
Interview mit Johannes Wolf
„Es schmerzt mich persönlich, wenn ich sehe, wie europäisches Geld in US-Tech-Riesen fließt und dieses Spielgeld dann verwendet wird, um europäische Player zu kaufen“, sagt Johannes Wolf, der mit Copa-Data einen Industrie-Software-Marktführer aus Österreich leitet. Es bräuchte seiner Meinung nach Anreize, damit heimische Gründer das Kapital aus einem Exit wieder in heimische Startups reinvestieren. Zudem plädiert er darauf, stärker auf Technologien aus Europa oder Österreich zu setzen. Diese seien aber noch zu wenig sichtbar. „Ich weiß nicht, ob das ein Österreich-Phänomen ist, dass man zuerst große internationale Kunden braucht, bevor man die Brauerei ums Eck für sich gewinnen kann“, so Wolf.
💡 Größtes Handelsbilanzdefizit seit 13 Jahren. Im Jahr 2025 sind Österreichs Importe um 4,1 % auf 196,72 Mrd. Euro gestiegen, während die Exporte um 0,5 % auf 190,14 Mrd. Euro gesunken sind. Insgesamt ergibt sich ein Handelsbilanzdefizit von 6,58 Mrd. Euro, das tiefste Defizit seit 2012. Jedes Monat wies im Vorjahr eine negative Handelsbilanz auf. Österreichs Außenhandelsbilanz ist im langjährigen Trend negativ, nur in 3 von 30 Jahren konnte ein Überschuss erzielt werden – jener aus dem Jahr 2024 war mit 2,19 Mrd. Euro der höchste. Deutschland war auch im Vorjahr der wichtigste Handelspartner Österreichs. Die Importe aus Deutschland stiegen um 4,1 %, während die Exporte um 1,2 % sanken. Zweitwichtigster Exportmarkt waren die USA, hier sind die Exporte im Vorjahr jedoch um 20 % gefallen. Zweitwichtigster Importmarkt war China, hier stiegen die Importe um 14 %. Für Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer zeigt die negative Handelsbilanz, dass die österreichische Wettbewerbsfähigkeit „massiv unter Druck steht“. [Quellen: Statistik Austria, Pressekonferenz | Grafik von Stephan Frank]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Bank Austria hebt Inflationsprognose auf 2,5 % an. Die Bank Austria hat ihre Inflationserwartung für 2026 von 1,9 % auf 2,5 % nach oben korrigiert. Hintergrund sind steigende Energiepreise infolge des Iran-Krieges. Während der Preisanstieg bei Treibstoffen bereits unmittelbar spürbar sei, dürften zeitverzögert auch die Kosten für Haushaltsenergie steigen und die Inflation ab März antreiben, so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Parallel dazu wurde die Prognose für das BIP-Wachstum um 0,1 Prozentpunkte gesenkt: Für 2026 werden nun 0,9 % und für 2027 etwa 1,4 % erwartet. [Quelle: UniCredit Bank Austria]
🇦🇹 Industriestrategie für Produktivitätsrat zu unkonkret. Die Industriestrategie ist nicht konkret genug für die Umsetzung. Zu diesem Urteil kommt der Produktivitätsrat. Rund 60 % der 117 Maßnahmen seien eher „Absichtserklärungen oder allgemeine Problembeschreibungen“. Nur bei etwas mehr als der Hälfte handle es sich klar um neue Maßnahmen. Auch bei der Finanzierung seien noch viele Fragen offen. Die 9 Schlüsseltechnologien sind laut der Analyse so breit gefasst, dass eine „substanzielle Prioritäten(neu)setzung“ bei den Förderungen fraglich sei. 80-90 % der FTI-Förderungen würden bereits jetzt in diese Bereiche fließen. Zudem sind die für die Schlüsseltechnologien reservierten 2,6 Mrd. Euro bereits im FTI-Pakt fix eingeplant und damit sei „von keinen zusätzlichen monetären Impulsen bis 2029 auszugehen“. „Für mehr als die Hälfte der Maßnahmen bleibt unklar, ob sie mit budgetären Mehrbelastungen verbunden sind“, urteilt der Produktivitätsrat. [Quelle: Produktivitätsrat]
Kommentar: Wie sich der Finanzminister die Industrie schön rechnet
von Sara Grasel
Mit der Industriestrategie ist der Regierung tatsächlich etwas gelungen. Es gibt viel Lob für den Fokus auf Schlüsselindustrien – endlich ist sie da, die wirtschaftspolitische Vision, die so lange gefehlt hat. Die Herzen erobert hat die Regierung aber mit dem klaren Ziel, bis 2035 in die Top 10 der Industrienationen innerhalb der Oecd aufzusteigen. Die Glücksgefühle sind so stark, dass offenbar niemand genauer hingesehen hat.
🇦🇹 Neos wollen Bundesrat und 15a-Vereinbarungen abschaffen. In einem Positionspapier spricht sich der Neos-Parlamentsklub für eine umfassende Föderalismusreform aus. So sollen etwa der Bundesrat sowie nicht-amtsführende Stadträte abgeschafft werden. Die Abschaffung des Bundesrats würde 8,5 Mio. Euro einsparen – der Mehrwert der Länderkammer liege „bei Null“, so Neos in einer Aussendung. In den Bereichen Bildung, Gesundheit, Verwaltung und Energie sollen die Kompetenzen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden neu geordnet werden. Hierfür müsse man auch die 15a-Vereinbarungen beenden, diese seien zu einem „undurchsichtigen Vertragsdschungel“ geworden, so Neos-Klubchef Yannick Shetty. Stattdessen fordern die Neos mehr Steuerautonomie für Länder und Gemeinden. Diese sollen künftig Zuschläge auf die Einkommensteuer einheben können, allerdings ohne gleichzeitigen Anstieg der Gesamtsteuerbelastung. [Quelle: Neos | Reaktionen: Bundesratspräsident, Neos Wien]
🇦🇹 35 Mio. Euro für 6 innovative Forschungsprojekte. Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) fördert 6 „hochinnovative“ Forschungsprojekte an österreichischen Institutionen mit insgesamt 35 Mio. Euro über einen Zeitraum von 5 Jahren. Die Vergabe erfolgte im Rahmen des Programms „Emerging Fields“, dessen Ziel die Unterstützung innovativer und kooperativer Projekte mit dem Potenzial für einen Paradigmenwechsel ist. Den Teams stehen jeweils bis zu 7 Mio. Euro zur Verfügung. Die 6 geförderten Projekte umfassen die Bereiche Krebsforschung, Molekularbiologie, Mathematik, Umweltforschung, Verhaltensforschung sowie Design und Kunst. [Quelle: FWF, Emerging Fields]
🇦🇹 🇺🇸 Neue US-Zölle belasten Österreichs Industrie. Durch die im Februar verhängten US-Zölle von 10 % könnte das österreichische BIP um 0,11 % zurückgehen. Zwar ist die heimische Wirtschaft von den Exporten in die USA kaum direkt betroffen, im EU-Schnitt droht jedoch ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,26 % – und das hat Folgen für Österreich: „Gerade in stark verflochtenen Industrien wirken sich selbst kleine Nachfragerückgänge in großen EU-Ländern überproportional auf österreichische Zulieferer aus“, so Klaus Friesenbichler, stv. Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Am stärksten betroffen seien Bergbau und Rohstoffgewinnung (-0,58 %), gefolgt von der Herstellung chemischer Erzeugnisse (-0,51 %), Metallerzeugung und -bearbeitung (-0,30 %) und der Produktion von Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 %). Vor diesem Hintergrund empfehlen die Ökonomen des ASCII und des Wifo eine Diversifizierung der Exportmärkte, Unterstützung für besonders betroffene Industriesegmente sowie eine koordinierte Industrie- und Handelspolitik auf EU-Ebene. [Quelle: ASCII]
🇪🇺 🇦🇹 EU-Mitgliedsstaaten bezogen 2025 13 % ihres Rohöls aus dem Nahen Osten. Die EU-Mitgliedstaaten importierten im Jahr 2025 insgesamt 429,3 Mio. Tonnen Rohöl, wovon 13 % (55,9 Mio. Tonnen) aus dem Nahen Osten stammten. Die wichtigsten Lieferanten dieser Region waren Saudi-Arabien (6,9 %) und der Irak (5,9 %). Österreich bezog im Jahr 2024 rund 16 % seiner Rohöl-Importe aus dem Nahen Osten: 12,1 % aus Saudi-Arabien, 3,2 % aus dem Irak und 0,6 % aus Israel. Mehr als die Hälfte seines Rohöls (55,8 % bzw. rund 4,3 Mio. Tonnen) bezog Österreich aus Kasachstan. Libyen war mit 13,8 % der zweitwichtigste Partner vor Saudi-Arabien. [Quellen: Statistisches Bundesamt, WKÖ (S.21)]
🇪🇺 Konjunkturstimmung im Euroraum im März rückläufig. Der Sentix-Konjunkturindex für den Euroraum ist im März um 7,3 Punkte auf minus 3,1 gesunken. In den vorangegangenen drei Monaten war der Index gestiegen und lag im Februar bei 4,2 Punkten. Infolge des Krieges im Iran verschlechterte sich die Lageeinschätzung der befragten Anleger von minus 6,8 auf minus 9,5 Punkte. Die Konjunkturerwartungen gingen um 12,3 Punkte auf 3,5 Punkte zurück. Ein Rückgang der Konjunkturstimmung wurde in allen Weltregionen verzeichnet. In Österreich sank der Index um 0,9 Punkte auf minus 3,8 Punkte, jedoch erreichte die Einschätzung der aktuellen Lage den höchsten Wert (-6,8 Punkte) seit Juni 2023. [Quelle: Sentix]
🇩🇪 Weniger Aufträge für die deutsche Industrie im Jänner. Der Auftragseingang in der deutschen Industrie ist im Jänner im Vormonatsvergleich um 11,1 % gesunken. Im Dezember hatte der Auftragsvolumen-Index den höchsten Wert seit Februar 2022 erreicht. Der aktuelle Rückgang umfasst sowohl die Inlandsaufträge als auch die Auslandsbestellungen aus der Eurozone sowie aus Drittstaaten. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang zwischen November 2025 und Jänner 2026 um 7,4 % höher als in den 3 Monaten davor. Auch die Produktion verzeichnete im Jänner einen Rückgang gegenüber dem Vormonatsniveau, stieg aber im Dreimonatsvergleich um 0,9 %. In den energieintensiven Industriezweigen sank die Produktion hingegen auch im Dreimonatsvergleich um 1,8 %. [Quelle: Statistisches Bundesamt – Industrieaufträge, Produktion]
🇨🇳 Chinesischer Außenhandel legt stark zu. China konnte seine Exporte im Jänner und Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,2 % steigern. Auch die Importe stiegen mit 17,1 % ähnlich stark. Insgesamt ergibt sich für die beiden Monate ein Handelsbilanzüberschuss von 1,51 Billionen Yuan bzw. rund 188 Mrd. Euro. [Quellen: Chinesische Zollbehörde, Xinhua]
🌐 2025 wieder steigende Dynamik auf dem Private Equity Markt. Im Jahr 2025 stieg das weltweite Volumen der Unternehmenskäufe (Buyouts) im Vorjahresvergleich um 44 % auf 904 Mrd. US-Dollar und das der Verkäufe (Exits) um 47 % auf 717 Mrd. US-Dollar. Besonders kräftig war das Wachstum in der DACH-Region mit einem Plus von 136 % auf 61 Mrd. US-Dollar. Während die Anzahl der Transaktionen insgesamt um 6 % sank, trieben 13 Großdeals über jeweils 10 Mrd. US-Dollar den Gesamtwert nach oben. [Quelle: Bain & Company – Pressemeldung, Bericht]
Selektive Agenda:
Heute, Straßburg: 2. Plenartag des EU-Parlaments (bis 12.3.) [Info]
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Kfz-Neuzulassungen im Februar und Produktionsindex für Jänner
9:00 Uhr, Brüssel: EU-Finanzministerrat (ECOFIN) mit Finanzminister Marterbauer [Info]
12:30 Uhr, Wien: Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer präsentiert das „Digital Skills Barometer 2025/26“ [Info]
15:30 Uhr, Straßburg: EU-Kommission präsentiert Mitteilung zu zukünftiger Entwicklung und Einsatz kleiner modularer Reaktoren in Europa [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Ingrid Thurnher übernimmt interimistisch als ORF-Generaldirektorin. Niki Riegler ist neuer Sprecher der österreichischen CulturBrauer. Gerhard Schagerl und Nikolaus Keuth sind neu bei EY Österreich im Bereich Künstliche Intelligenz mit Fokus auf industrielle Anwendungen. Stefan Trojer ist neuer Geschäftsführer von Nespresso Österreich.
Geburtstage: Wir gratulieren Laura Rudas, Anton Mattle, Friedrich Roithner, Helmut Lang, Thomas Desi und Toni Polster zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:00 Uhr, Wien: „Tirol-Empfang“ anlässlich des Vorsitzes des Landes Tirol im Bundesrat im Parlament u. a. mit Anton Mattle, Markus Stotter und Toni Faber. [Info]