Morning in Brief ・ 26.02.2026

Morning in Brief, 26. Februar 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Christoph Hofer, Maximilian Kern und David Schima – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 🇪🇺 Österreich will über US-Sonderzölle auf Stahl reden. Heute treffen sich die Finanz- und Wirtschaftsminister der EU zu einem Wettbewerbsfähigkeits-Rat in Brüssel. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will die „Gunst der Stunde“ nutzen, die sich durch das Urteil des US-Höchstgerichts gegen die US-Zölle ergeben habe, und die Sonderzölle auf Stahl und Aluminium nachverhandeln. Außerdem will er in Brüssel den Druck erhöhen, den abermals verschobenen „Industrial Accelerator Act“ schnell auf den Weg zu bringen, da davon auch ein „patriotisches“ Beihilfen- und Beschaffungsrecht sowie die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren abhänge. Am Rande des Rats werde Österreich mit 8 weiteren Ländern einen Vorschlag gegen den „Österreich-Aufschlag“ abstimmen, der in weiterer Folge der EU-Kommission übermittelt werden soll. [Quellen: Hintergrundgespräch BMWET, Tagesordnung]

„USA im Spitzenfeld qualifizierter Zuwanderer“
Interview mit René Tritscher

René Tritscher, Geschäftsführer der Austrian Business Agency (ABA), zieht trotz geopolitischer Unsicherheiten und Schwächeln des traditionell stärksten Markts Deutschland eine positive Bilanz für 2025: Die ABA begleitete Investitionen von 900 Mio. Euro und die Schaffung 2.800 neuer Arbeitsplätze. Besonders stark wuchsen Projekte aus Nordamerika (USA/Kanada), dem CEE-Raum, sowie in der IKT-Branche (72 Projekte). Inzwischen werden jährlich rund 10.000 positive Bescheide der Rot-Weiß-Rot-Karte ausgestellt – dennoch muss die Zuwanderung qualifizierter Kräfte weiter steigen. „Auf Basis der demografischen Daten, die wir haben, wird es weiterhin einen Arbeitskräftemangel geben und der wird nicht durch inländisches Personal allein abgedeckt werden können.“

💡 Fertilitätsrate auf Allzeit-Tief gesunken. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei 1,29 und erreichte damit ein neues historisches Tief (2024: 1,31). Im Vorjahr wurden in Österreich 75.718 Kinder lebend geboren (-2 % zu 2024), 86.766 Personen sind verstorben (-1,9 %). Es gab somit 11.048 mehr Sterbefälle als Geborene, die Geburtenbilanz war das 6. Jahr in Folge negativ. Nur Wien (+2.950), Vorarlberg (+240) und Salzburg (+31) verzeichneten eine positive Geburtenbilanz. In den anderen Bundesländern war die Bilanz negativ, insbesondere in Niederösterreich (-5.354). In ihrer jüngsten Bevölkerungsprognose erwartet Statistik Austria erstmals einen Rückgang der österreichischen Bevölkerung ab den 2040er-Jahren. Für eine Stabilisierung der Bevölkerung müssten durchschnittlich 2,1 Kinder pro Frau zur Welt kommen („Reproduktionsniveau“). [Quelle: Statistik Austria – Gesamtfertilitätsrate, Geburtenbilanz 2025, Bevölkerungsprognose 2025 | Grafik von Stephan Frank]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Erbschaftssteuer für Marterbauer „leistungsfreundlich“. Der gestern von den Grünen im Nationalrat eingebrachte „dringliche Antrag“ zu Erbschaftssteuern fand wie erwartet keine Mehrheit. Finanzminister Markus Marterbauer bezeichnete eine Erbschaftssteuer als „besonders leistungsfreundlich“. Die Steuer werde zwar in dieser Legislaturperiode nicht kommen, „aber danach“. Die stellvertretende SPÖ-Klubvorsitzende Julia Herr wies darauf hin, dass die SPÖ bereits größere Beiträge „starker Schultern“ erreicht habe, etwa die Bankenabgabe, während die Grünen in ihrer Regierungszeit „das Gegenteil“ gemacht hätten. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer schloss neue „Massensteuern“ erneut aus. Es werde weder eine Erbschaftssteuer noch die vollständige Reaktivierung der Kalten Progression kommen. Bezüglich einer Lohnnebenkostensenkung meinte er, man müsse realistisch sein – in den anstehenden Budgetverhandlungen stehe die Konsolidierung im Vordergrund. Zu der von Finanzminister Markus Marterbauer geforderten Gegenfinanzierung meinte er, dass die Antwort auf Steuersenkungen nicht neue Steuern sein könne. [Quellen: Hintergrundgespräch BMWET, SPÖ/Marterbauer, SPÖ/Herr, Parlamentskorrespondenz | Reaktionen: IV, FPÖ, Land&Forst Betriebe Österreich, Die Grünen]

🇦🇹 Gesetz gegen „Shrinkflation“ beschlossen. Der Nationalrat hat gestern mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, Neos und Grünen das „Anti-Mogelpackungs-Gesetz“ verabschiedet. Die FPÖ stimmte dagegen und ortet in der Neuregelung ein „Bürokratiemonster“. Produkte, deren Füllmenge bei gleicher Verpackungsgröße gesunken ist (sogenannte „Shrinkflation“), müssen ab April 2026 entweder direkt am Produkt, am Regal oder in „unmittelbarer Umgebung“ 60 Tage lang dementsprechend gekennzeichnet werden. Bei Verstößen drohen Geldstrafen bis zu 15.000 Euro. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will nannte die Regelung zuletzt „extrem bürokratisch, nicht verursachergerecht und leider auch sehr beschäftigungsintensiv“. [Quellen: Parlamentskorrespondenz, Selektiv-Interview mit Rainer Will | Reaktionen: FPÖ, SPÖ]

🇦🇹 Inflation im Jänner bei 2,0 %. Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im Jänner um 2,0 % gegenüber dem Vorjahr, nach 3,8 % im Dezember. So niedrig war die Inflation in Österreich zuletzt im Dezember 2024. Mit 2,0 % liegt die heimische Teuerungsrate zwar noch über dem Eurozonen-Schnitt von 1,7 %, aber genau beim langfristigen Zielwert der EZB. Preisdämpfend wirkten v. a. die Stromkosten (-8,2 %) durch den Basiseffekt und die Senkung der Elektrizitätsabgabe. Ohne diese Entwicklung läge die Inflation im Jänner bei 3,0 %. Zusätzlich sanken die Preise für Treibstoffe (-6,5 %) und Heizöl (-9,4 %). Stärkste Inflationstreiber waren Gastronomie und Hotellerie (+4,9 %) sowie Wohnungsmieten (+3,8 %). Auch die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zogen an (+2,6 %), allerdings nicht so stark wie zuletzt. Gegenüber Dezember 2025 sank das durchschnittliche Preisniveau um 0,7 % – getrieben durch höhere Tarife und Gebühren (+1,6 %) und gedämpft v. a. durch Pauschalreisen (-12,7 %). [Quellen: Statistik Austria, Eurostat | Reaktionen: HBM Marterbauer, ÖVP, SPÖ, Neos, FPÖ, ÖGB, Wirtschaftsbund, ÖAAB | Interview: „Inflation könnte im Jahresschnitt unter 2,0 % sinken“ | Grafik: Österreichs Inflation erreicht EZB-Zielwert]

🇦🇹 Industriekonjunktur verbessert, jedoch weiterhin ohne Wachstum. Der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg von 47,2 Punkten im Januar auf 49,4 Punkte im Februar. Damit blieb der Wert unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Gleichzeitig handelt es sich um den zweithöchsten Wert seit dem Einbruch der Industriekonjunktur im Jahr 2022. Der bisherige Höchststand in diesem Zeitraum wurde im November 2025 mit 50,4 Punkten verzeichnet. Während der Auftragseingang und die Produktion positiver bewertet werden, nahm der Stellenabbau im Februar wieder zu. Die Erwartungen der österreichischen Industrieunternehmen stiegen auf 62,6 Punkte und erreichten damit den höchsten Stand seit 4 Jahren. [Quelle: UniCredit Bank Austria – Februar, Jänner, November 2025]

🇦🇹 Regierung kürzt bei Umwelt- und Mobilitätsförderungen. Der Endbericht der Fördertaskforce soll in den nächsten Wochen im Ministerrat beschlossen werden. Für 2027-2029 sind dabei Einsparungen von 400 bis 800 Mio. Euro geplant – für heuer 150 Mio. Euro. Der Löwenanteil der Förder-Kürzungen entfällt jedoch nicht auf die Maßnahmen der Taskforce, sondern auf das Zurückfahren von Umwelt- und Mobilitätsförderungen (2026: 80 %). Daneben werden weitere Einschnitte bei Entwicklungshilfe (-40 Mio. Euro), Kultur (-5 Mio. Euro), Sport (-20 Mio. Euro) und Landwirtschaft (-25 Mio. Euro) gesetzt. [Quellen: APA via Medienberichte, Förderungsbericht 2024 | Grafik: Förderungen fallen auf Vorkrisenniveau]

🇦🇹 Österreich soll neue Wasserkraftwerke bekommen. In der Industriestrategie ist ein weiterer Ausbau der Wasserkraft in Österreich festgelegt. Dazu soll es laut Wirtschaftsministerium bis Jahresende eine Potenzialanalyse für Laufwasserkraftwerke an Flüssen geben. Wasserkraft wird auch bei den Vorgaben an den Erneuerbaren-Ausbau für die Bundesländer eine Rolle spielen. Das dafür zuständige überarbeitete Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) wurde vom Wirtschaftsministerium an die Koalitionspartner zur Koordinierung übermittelt – ursprünglich sollte es Ende Februar fertig sein, wie es nach der Regierungsklausur im Jänner hieß. Auf dieser Basis müssen die Bundesländer Beschleunigungszonen für den Erneuerbaren-Ausbau nach Brüssel melden – Österreich ist hier wie fast alle anderen EU-Länder säumig. Rund die Hälfte der 27 Terawattstunden, die bis 2030 zur Erreichung der Ziele ausgebaut werden müssen, wird im EABG in konkreten Technologien vorgegeben. Über die andere Hälfte können die Länder technologieoffen entscheiden. [Quellen: Hintergrundgespräch BMWET, Ergebnisse Regierungsklausur, Industriestrategie]

🇦🇹 Ein Fünftel weniger Wärmepumpen installiert. Die Zahl der in Österreich neu installierten Wärmepumpen ist im Vorjahr von 46.000 auf 36.000 Stück gesunken (-21,7 %). Der Absatz von Gas- und Ölkessel ist im Vorjahr hingegen um 12,9 % auf 35.000 Stück gestiegen, jener von Biomasse- und Pelletskessel um 30 % auf 21.000 Stück gefallen. Richard Freimüller, Präsident des Verbands Wärmepumpe Austria, fordert mehr Planungssicherheit und kritisiert, immer von Förderungen abhängig zu sein. Freimüller denkt ein Erneuerbaren-Gebot beim Heizungstausch und eine Außerbetriebnahme-Verpflichtung für fossile Heizkessel an. Knapp 13 % der Haushalte in Österreich sind derzeit mit einer Wärmepumpe ausgestattet. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Gewerbeanmeldung nun auch digital möglich. Seit gestern sind Gewerbeanmeldungen sowie Änderungen eines Gewerberechts auch rein elektronisch im Gewerbeinformationssystem Österreich (GISA) möglich. Voraussetzung für den sogenannten „GISA-Express“ ist u. a. die ID-Austria. Sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, entfällt laut Wirtschaftsministerium die manuelle Behördenprüfung und die Berechtigung wird sofort öffentlich nachweisbar freigegeben. „Das ist gelebte Entbürokratisierung und ein konkreter Beitrag zu mehr Tempo, Wettbewerbsfähigkeit und Gründerfreundlichkeit am Standort“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. [Quelle: BMWET]

🇦🇹 Kein Ergebnis bei KV-Verhandlungen im Finanzsektor. Die 1. KV-Verhandlungsrunde für die rund 68.000 Beschäftigten im österreichischen Finanzsektor ging ohne Ergebnis zu Ende. Die Gewerkschaft fordert eine dauerhafte Erhöhung der Mindestgehälter „über der Inflationsrate“, einen zusätzlichen persönlichen Freizeittag sowie ein Recht auf Aufstockung der Stunden bei Teilzeitarbeit. Laut GPA wurde seitens der Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 17. März statt. [Quelle: GPA]

🇩🇪 Deutsche Wirtschaft zum Jahresende gewachsen. Im 4. Quartal 2025 stieg das deutsche BIP im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 % und im Vorjahresvergleich preis- und kalenderbereinigt um 0,4 %. Für das Gesamtjahr 2025 ergab sich ein kalenderbereinigtes Plus von 0,3 %. Getragen wurde diese Entwicklung primär von staatlichen und privaten Konsumausgaben. Aktuelle Umfragedaten für Februar deuten jedoch auf einen Rückgang des Konsumklimas hin, während die Sparneigung der privaten Haushalte den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008 erreichte. Das Staatsdefizit erhöhte sich nominal um 3,9 Mrd. Euro auf 119,1 Mrd. Euro, während die Defizitquote mit 2,7 % auf dem Niveau des Vorjahres blieb. [Quellen: Statistisches Bundesamt – BIP, Staatsdefizit; Nürnberg Institut für Marktentscheidungen]

🇩🇪 Deutsche Unternehmen planen wieder vermehrt Stellenabbau. Nach einer vorübergehenden Stabilisierung im Jänner rechnen deutsche Unternehmen für die kommenden 3 Monate wieder mit sinkenden Mitarbeiterzahlen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sank von 93,4 auf 93,1 Punkte. Während in der Industrie und insbesondere in der Automobilindustrie weiterhin ein Abbau von Arbeitsplätzen geplant ist, rechnen einzelne Dienstleistungsbranchen und das Baugewerbe für den gleichen Zeitraum mit einem Stellenaufbau. [Quelle: Ifo-Institut]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Treffen der internationalen Sonderkoordinatoren für den Wiederaufbau der Ukraine u. a. mit EIB-Vizepräsident Nehammer

Heute, Wien: Außenministerin Meinl-Reisinger empfängt Amtskollegen der Republik Moldau, Popşoi

10:00 Uhr, Brüssel: EU-Ministerrat (Allgemeine Angelegenheiten) mit Landwirtschaftsminister Totschnig [Info]

10:00 Uhr, Brüssel: EU-Ministerrat (Wettbewerbsfähigkeit) mit Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer [Info]

10:00 Uhr, Nikosia: Informelle Tagung der EU-Gesundheitsminister (letzter Tag)[Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Bekanntgabe des Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone für Februar

14:00 Uhr, Wien: Bekanntgabe des Wifo Konjunkturtests [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Ursula Reiter ist neue steirische Landesbäuerin. Ute Van Goethem wurde zur Präsidentin des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) gewählt. Marina Begic ist neue Leiterin der Campus Wien Academy. Anna Jasper-Martens ist die neue Vorstandsvorsitzende der illwerke vkw AG. Marco Pozzo wird mit 1. März neuer Vorstandsvorsitzender von Wolford. Michael Munterl wird neues Vorstandsmitglied der Wiener Privatbank.

Neuerscheinung: „Gemeinsam stark.“ von Martin Kocher und Matthias Sutter ab heute im Handel. [Info]

Sehen & gesehen werden:

19:30 Uhr, Wien: Chinesisches Neujahrskonzert 2026 im Wiener Konzerthaus [Info]

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