Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Maximilian Kern und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Spritpreisbremse in Kraft – Senkung um bis zu 12 Cent. Seit gestern ist die Spritpreisbremse in Kraft. Die Senkung um jeweils 5 Cent bei Mineralölsteuer und Margen sind als Nettobeträge zu verstehen, stellte WKÖ-Fachverbandsobmann Jürgen Roth gestern auf Ö1 klar – die Senkung an betroffenen Tankstellen liegt also bei je 6 Cent, insgesamt 12 Cent. Das war auch genau der Betrag, um den eine von Ö1 besuchte Tankstelle um 12 Uhr die Preise senkte. Am Tag zuvor wurden die Preise an dieser Tankstelle um 9 Cent (Benzin) bzw. 11 Cent (Diesel) angehoben. Für die Spritpreisbremse gibt es zahlreiche Ausnahmen, wodurch etwa an Autobahntankstellen und kleineren Tankstellen nur die bereits am Mittwoch erfolgte MÖSt-Senkung weitergegeben wird. Kleinere Tankstellen hätten laut Roth sogar einen Wettbewerbsnachteil, da sie keine 5-Cent-Senkung von Vorlieferanten erhalten würden, sondern direkt am Spotmarkt einkaufen müssen. Bundeskanzler Christian Stocker betonte in der ZIB2, dass es derzeit keine Engpässe gebe. Energiesparmaßnahmen seien eine freiwillige Entscheidung, mit der jeder selbst seine Kosten senken könne. [Quellen: Ö1 Mittagsjournal 2.4., ZIB2 2.4.]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Preise für Diesel lagen am Mittwoch bei 2,199 Euro pro Liter und für Benzin bei 1,869 Euro. Nach Inkrafttreten der Spritpreisbremse waren es gestern dann 2,132 Euro für Diesel und 1,784 Euro für Benzin. Wifo-Ökonom Michael Böheim schätzt, dass die Spritpreisbremse „ungefähr einen Viertelprozentpunkt von der Inflationsrate dämpft“. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni liegt heute bei 109.24 Dollar, ein Anstieg um 8,0 %. Der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF lag zu Handelsschluss bei 50,08 Euro pro MWh, ein Anstieg um 5,4 %. [Quellen: Spritpreise, Ö1, Ölpreis, Gaspreis]
„Es wird schwieriger, Abnehmer für PV-Strom zu finden“
Interview mit Horst Brandlmaier und Gerhard Röthlin
Die Abwicklungsstelle für Ökostrom AG (kurz OeMAG) ist seit knapp 20 Jahren für die Förderabwicklung der erneuerbaren Energien in Österreich zuständig. Die OeMAG-Vorstände Horst Brandlmaier und Gerhard Röthlin sprechen im Selektiv-Interview über ihre Erwartungen an die Fördernachfrage im Schatten der derzeitigen Energiekrise. Vor allem die laufenden Betriebsförderungen über die Marktpreisbilanzgruppe würden zunehmend an Bedeutung gewinnen, „da es für Erzeuger zunehmend schwierig wird, Abnehmer für ihren PV-Strom zu finden“, erklärt Gerhard Röthlin. Die OeMAG hingegen biete einen „sicheren Hafen“ und würde auch keine laufenden Verträge kündigen, versichern die Vorstände.
💡 Bundesländer verringerten Defizit im Jänner und Februar. Die Statistik Austria hat erstmals Daten zu den Einnahmen und Ausgaben der Bundesländer auf Monatsbasis veröffentlicht. Dazu war eine Verordnung notwendig, die Finanzminister Markus Marterbauer Mitte Februar unterschrieben hatte. Bisher wurden die Länderdaten nur einmal pro Jahr, Ende März, veröffentlicht. In der Steiermark und im Burgenland hat sich das Defizit Jänner-Februar im Jahresabstand vergrößert, während es in allen anderen Ländern gesunken ist. In Niederösterreich drehte der Saldo ins Positive (von -495,92 Mio. Euro auf 85,9 Mio. Euro). Auch Vorarlberg lag leicht im Plus. Alle anderen Länder hatten einen negativen Nettofinanzierungssaldo. In Salzburg, Tirol, Vorarlberg und dem Burgenland sanken die Ausgaben – in Vorarlberg um mehr als 20 %. Das kumulierte Bundesländer-Defizit beläuft sich in den ersten 2 Monaten auf -439 Mio. Euro, eine Verbesserung um 943 Mio. Euro im Jahresabstand. Für den Bund lag der Nettofinanzierungssaldo bei -2,2 Mrd. Euro, eine Verbesserung um 897 Mio. Euro. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Christoph Hofer]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
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🇦🇹 Aktienumsätze auf Rekordwert gestiegen. Im 1. Quartal 2026 sind die Aktienumsätze an der Wiener Börse auf 26,07 Mrd. Euro gestiegen, der höchste Q1-Wert seit 15 Jahren. Am 18. Februar 2026 verzeichnete der Aktienindex ATX inklusive Dividenden mit 14.195,81 Punkten ein Rekordhoch, das jedoch vom Irankrieg beendet wurde. Mit derzeit 13.214,71 Punkten hat der Index seitdem 6,9 % verloren. Davon sollte man sich jedoch nicht beunruhigen lassen, so der CEO der Wiener Börse, Christoph Boschan. „Für Anlegerinnen und Anleger gilt: Ruhe bewahren und sich nicht von kurzfristigen Schwankungen verunsichern lassen. Wer langfristig denkt und global streut, setzt mit Aktien auf die ertragreichste Form der Veranlagung“, so Boschan. [Quelle: Wiener Börse]
🇦🇹 Plus 3,57 % Lohn für Seilbahner. Die Kollektivvertragsverhandlungen in der österreichischen Seilbahnwirtschaft haben für die rund 17.500 Beschäftigten eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 3,57 % bzw. mindestens 80 Euro ergeben. Der Einstiegslohn wurde auf 2.218 Euro brutto angehoben. Der neue Kollektivvertrag gilt ab 1. Mai 2026. [Quelle: ÖGB]
🇦🇹 WKÖ fordert Gewerbediesel. Die Sparte Transport und Verkehr der österreichischen Wirtschaftskammer fordert einen Gewerbediesel für die gesamte Branche, die Spritpreisbremse reiche nicht aus. „Steuermehreinnahmen, die der aktuelle Preisanstieg dem Finanzminister beschert, müssen 1:1 zurückgegeben werden“, so Bundesspartenobmann Alexander Klacska. Die heimischen Transport- und Busunternehmen würden derzeit unter monatlichen Mehrkosten von 130 Mio. Euro leiden. Für den geforderten Gewerbediesel soll die CO2-Bepreisung laut WKÖ-Vorstellungen „befristet ausgesetzt oder zumindest gesenkt werden“ und die Mineralölsteuer auf das EU-Mindestniveau gesenkt werden. „Das könnte ganz einfach in Form einer pauschalen Rückvergütung erfolgen“, so Klacska. [Quelle: WKÖ]
🇦🇹 Pensionskassen: 93 % des Kapitals fließt ins Ausland. Österreichische Pensionskassen verwalteten im 3. Quartal 2025 rund 30 Mrd. Euro und investieren dieses Kapital laut einer OeNB-Analyse zu 93 % direkt oder indirekt im Ausland. Zwar flossen 72 % der Mittel in heimische Investmentfonds, doch diese veranlagen ihrerseits über 90 % in ausländische Wertpapiere. Den größten Einzelposten im Portfolio bilden ausländische Fonds, allen voran aus Irland und Luxemburg, mit rund 15 Mrd. Euro, gefolgt von ausländischen Schuldverschreibungen (7,5 Mrd. Euro, vor allem aus den USA, Deutschland und Frankreich). Österreichische Anleihen lagen hingegen mit nur 0,7 Mrd. Euro in den Portfolios. Ähnlich bei Aktien: Von insgesamt 5,3 Mrd. Euro entfielen 2,9 Mrd. auf US-Titel, rund die Hälfte davon auf US-Technologiewerte, österreichische Aktien kamen auf 0,1 Mrd. Euro. [Quelle: OeNB]
🇦🇹 224 internationale Unternehmen ließen sich 2025 in Wien nieder. Laut Wirtschaftsagentur siedelten sich 2025 insgesamt 224 internationale Unternehmen aus 49 Ländern in Wien an. Zum Vergleich: 2024 waren es 218 Unternehmen, 2019 – vor der Corona-Pandemie – waren es 266. Die neuen Unternehmen lösten 2025 in Österreich 750 Mio. Euro an zusätzlicher Wertschöpfung aus und schufen 1.682 Arbeitsplätze – im Jahresabstand waren das um 80 % mehr Jobs durch neu angesiedelte Unternehmen. Mit 60 Unternehmen kam der größte Anteil aus den Bereichen IT, Telekommunikation und Software. [Quelle: Wirtschaftsagentur Wien]
🇪🇺 🇺🇸 EU-US-Gremium zur Umsetzung der EU-Digitalregeln geplant. Die EU-Kommission plant ein gemeinsames Gremium mit Vertretern der US-Regierung einzurichten, das in die Umsetzung der EU-Digitalgesetze sowie in Kartellverfahren gegen US-Tech-Konzerne eingebunden werden soll. Dies bestätigte die EU-Kommission gegenüber dem Handelsblatt. Eine Änderung der bestehenden EU-Digitalgesetze sei jedoch nicht vorgesehen. Vielmehr gehe es darum, den Austausch zu verbessern und potenziellen Konflikten präventiv zu begegnen. Im Gegenzug stellt die US-Regierung die Senkung von Zöllen auf europäische Maschinen, Spezialfahrzeuge sowie weitere Produkte aus Stahl und Aluminium in Aussicht. Unter den Mitgliedern des EU-Parlaments regt sich Widerstand gegen das Vorhaben der Kommission, man vermutet u. a. die absichtliche Verzögerung der aktiven Umsetzung des Digital Service sowie Digital Markets Acts. [Quellen: Handelsblatt, Politico]
🇩🇪 Deutscher Dieselpreis stieg gestern auf Rekordhoch. In Deutschland kostete ein Liter Diesel gestern durchschnittlich 2,415 Euro – ein neues Allzeithoch. Bereits am Mittwoch stieg der Dieselpreis um 7,4 Cent pro Liter – gestern um 11,8 Cent. Der Benzinpreis lag bei 2,198 Euro. Seit dem 1. April gilt in Deutschland das „Österreich-Modell“, wonach die Spritpreise nur einmal täglich angehoben, jedoch beliebig oft gesenkt werden dürfen. Der ADAC erachtet dies als nicht wirksam. Er vermutet stattdessen, dass die Mineralölkonzerne in der aktuell unsicheren Lage Preiserhöhungen vorab einpreisen. [Quelle: ADAC – Spritpreise, Steueranteil]
🇺🇸 US-Handelsbilanzdefizit vergrößerte sich im Februar. Im Februar stieg das Handelsbilanzdefizit der USA im Vergleich zum Jänner um 2,7 Mrd. US-Dollar auf insgesamt 57,3 Mrd. US-Dollar an. In den vergangenen drei Monaten weitete sich das Defizit damit um durchschnittlich 400 Mio. US-Dollar pro Monat aus. Im Vorjahresvergleich verzeichnete die Bilanz hingegen einen Rückgang des Defizits um 54,8 % bzw. 136,1 Mrd. US-Dollar. [Quelle: US Census Bureau]
🇺🇸 USA ändern Zölle für Arzneimittel und Stahl. Die US-Regierung ändert Zollsätze auf Arzneimittel sowie auf Stahl, Aluminium und Kupfer. Auf patentierte Arzneimittel soll künftig ein Zollsatz von 100 % gelten – für die EU soll weiterhin ein reduzierter Satz von 15 % angewendet werden. Bei Stahl-, Aluminium- und Kupferzöllen ändert die US-Regierung ihre Zollregeln. Der 50-%-Zoll soll künftig auf den Preis erhoben werden, der am US-Markt fällig wird. Produkte, die zu weniger als 15 % aus Stahl-, Aluminium- oder Kupfer bestehen sollen in Zukunft mit geringeren Zöllen belegt werden. [Quelle: White House – Executive Order, Fact Sheet]
🌐 OPEC+ berät am Sonntag über Erhöhung der Ölförderquoten. Acht Mitgliedstaaten der OPEC+ kommen am Sonntag zusammen, um über eine mögliche Ausweitung der Ölförderung im Mai zu beraten. Diese Maßnahme hätte zwar nur einen geringen unmittelbaren Einfluss, sei jedoch vielmehr als Signal der Bereitschaft zu verstehen, das Angebot zu erhöhen, sobald die Straße von Hormus wieder passierbar ist. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen der OPEC. [Quelle: Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, global: Die Börsen in Österreich, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, den USA und Hongkong sind geschlossen. Geöffnet sind die Börsen in Russland, China und Japan.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Marcus Paryzek übernimmt den Vorsitz der Niederösterreichische Vorsorgekasse (NÖVK). Simon Plank ist neu im Social Media Team der „ZIB“. Lukas Koo wurde zum Vizepräsidenten der Europäischen Normungsorganisation SBS gewählt. Annette Dasch wird neue Leiterin des Studio V der Wiener Volksoper. Ihr Vorgänger, Maurice Lenhard, wird ab Herbst Chefdramaturg und stellvertretender Intendant der Ruhrtriennale.
Geburtstage: Wir gratulieren Michael Ludwig und Birgit Minichmayr zum Geburtstag. Am Sonntag hat Johannes Gasser Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
Samstag, 11:00 Uhr, Bregenz: Eröffnung Festival „Bregenzer Literaturtage 2026 – Seestadt. Literatur im Weiherviertel“ im VLV (Veranstaltungssaal) [Info]
Sonntag, 10:00 Uhr, Rom: Festgottesdienst zum Ostersonntag; 12:00 Uhr: Segen „Urbi et orbi“ (live auf ORF 2)
Sonntag, 18:30 Uhr, Grafenegg, NÖ: Osterkonzert mit Erstaufführung „Pastorale“ für Streicher und zwei Hörner in G-Dur von Joseph Haydn [Info]