Morning in Brief ・ 03.03.2026

Morning in Brief, 3. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Maximilian Kern und David Schima – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇮🇷 🌐 Iran-Konflikt treibt Energiepreise weiter. Der Preis für eine Megawattstunde Gas an der Amsterdamer Börse (Dutch TTF) ist über das Wochenende um über 40 % auf rund 45 Euro pro Megawattstunde (MWh) gestiegen; der Preis für ein Barrel Öl Nordseesorte Brent legte bis heute Früh um rund 11 % auf 80 US-Dollar zu. Die heimische Inflation könnte durch den Anstieg der Energiepreise um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte höher ausfallen, so IHS-Ökonom Sebastian Koch zur APA. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht die heimische Versorgung „gesichert“, es bestehe kein Anlass zur Sorge. Eine „Taskforce Versorgungssicherheit“ soll im Wirtschaftsministerium eingerichtet werden, um die Versorgungslage und Preisentwicklung laufend zu beobachten. SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt drängt auf die Umsetzung des „Energie-Krisenmechanismus“, der den Arbeitspreis bei Strom auf 10 Cent/kWh deckeln soll und fordert weiters eine „Abschaffung oder umfassende Reform“ der Merit Order. [Quellen: DutchTTF, Brent, APA via Medienberichte, BMWET/Hattmannsdorfer, BMWKKMS/Schmidt | Reaktionen: SPÖ/Babler, SPÖ/Schroll, FW, HV]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Arbeitslosenquote steigt im Jahresvergleich. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung ist im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozentpunkte auf 8,3 % gestiegen. Gegenüber dem Jänner (8,8 %) verringerte sich die Quote hingegen. Nominal waren im Februar rund 20.000 Personen weniger arbeitslos oder in Schulung gemeldet als im Vormonat. Den höchsten prozentualen Anstieg im Jahresvergleich verzeichneten Personen mit akademischer Ausbildung mit einem Plus von 11 %. Regional betrachtet sank die Arbeitslosigkeit in Wien, Kärnten und Oberösterreich, während sie v. a. in Vorarlberg (+5,7 %) und Niederösterreich (+5,4 %) stieg. [Quelle: AMS | Reaktionen: BMASGPK, Die Grünen, IV, AK, Wirtschaftsbund, FPÖ]

🇦🇹 Österreichischer Handel verzeichnete 2025 erstmals seit 2021 reales Wachstum. Zwischen Jänner und November 2025 stiegen die Umsätze im österreichischen Handel real um 0,4 %, nachdem zuletzt 2021 ein Plus zu verzeichnen war. Mit einem realen Zuwachs von 3,4 % wuchs die Kfz-Wirtschaft am stärksten, während der Einzelhandel ein reales Plus von 0,7 % erreichte (EU-Schnitt: 2,3 %). Trotz dieser Entwicklung wurden 2025 im Handel mit 1.192 Fällen die meisten Unternehmensinsolvenzen Österreichs gemeldet. Vor dem Hintergrund der Situation im Iran warnt der Handelsverband nun vor steigenden Energiepreisen, Transportkosten und Inflation, die eine „neue Welle an Preisdruck“ sowie Investitionszurückhaltung auslösen könnten. Damit verbunden sind Forderungen nach einer Diversifikation der Energiequellen, der Abschaffung des Merit-Order-Prinzips und einer Erhöhung der „Lieferketten-Resilienz“. [Quellen: WKÖ, KSV 1870, Handelsverband]

Kommentar: Inflation ebbt ab, Aufräumarbeiten dauern an
von Matthias Reith

Die Inflation ist vom Gipfel herabgestiegen und wieder im Tal angekommen. Ist jetzt alles „wieder gut“? Nein. Denn ungeschehen macht das die letzten Jahre des inflationären Ausnahmezustands nicht. Die Inflation ist wieder auf dem Niveau des Frühjahrs 2021 angekommen, das Preisniveau ist es nicht. Konsumentinnen und Konsumenten müssen heute um 28 % tiefer in die Tasche greifen als vor fünf Jahren.

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9. DHK Technologieforum 2026

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🇦🇹 🇩🇪 Felbermayr könnte „Wirtschaftsweiser“ in Deutschland werden. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr könnte in den deutschen Sachverständigenrat („Wirtschaftsweise“) berufen und damit zu einem der obersten Wirtschaftspolitik-Berater der deutschen Bundesregierung werden. Noch handelt es sich dabei um Gerüchte, die das Handelsblatt aus „Regierungskreisen“ erfahren hat. Aus dem Wifo gibt es dazu „keinen Kommentar“. [Quellen: Handelsblatt, Selektiv] 

„Anstieg an der Zapfsäule kommt wie das Amen im Gebet“
Interview mit Johannes Benigni

Energie-Experte Johannes Benigni von JBC Vienna sieht den Iran-Konflikt derzeit in der ersten Stufe eines zweistufigen Eskalationsszenarios. Bis die Märkte sich neu kalibriert haben, werde es kurzfristige Preisanstiege geben. Sollte der Konflikt weiter eskalieren und auch Energieproduktionsanlagen unter Beschuss kommen, könnten die Preise längerfristig hoch bleiben und inflationär wirken. Dabei werden auch die niedrigen Gasspeicherstände zum Problem: „Wir werden mit sehr niedrigen Gasspeicherständen in den nächsten Winter gehen“ und die Energieversorger werden „von der Hand in den Mund leben“, so Benignis Einschätzung.

🇪🇺 Industriestimmung in der Eurozone im Februar verbessert. Mit 50,8 Punkten nach 49,5 im Jänner stieg der Einkaufsmanagerindex (EMI) von S&P Global für die Industrie in der Eurozone erstmals seit August letzten Jahres wieder über die neutrale 50-Punkte-Marke. Dies signalisiert das stärkste monatliche Wachstum im verarbeitenden Gewerbe der Eurozone seit Juni 2022. Auf Länderebene notierten 6 der 8 erfassten Nationen im expansiven Bereich. Deutschland verzeichnete mit 50,9 Punkten den kräftigsten Zuwachs seit knapp 4 Jahren, während die Dynamik in Frankreich weitgehend zum Stillstand kam. In Spanien stagnierte der Sektor, in Österreich schrumpfte die Industriekonjunktur (49,4 Punkte). [Quellen: S&P Global]

🇪🇺 🇮🇷 Iran-Konflikt: EU aktiviert Energie-Krisenstab. Infolge der geopolitischen Eskalation im Iran und der damit verbundenen Volatilität an den Energiemärkten beruft die EU-Kommission in Zusammenarbeit mit der Internationalen Energieagentur eine Taskforce für den Energiesektor ein. Parallel dazu wird die Überwachung potenzieller Lieferkettenunterbrechungen intensiviert, insbesondere mit Fokus auf die Straße von Hormus – eine Schlüsselroute, über die rund ein Fünftel des globalen Erdölhandels abgewickelt werden – sowie das Rote Meer. Um die Evakuierungs- und Rückführungsmaßnahmen der Mitgliedstaaten zu unterstützen, stellt die EU zudem Ressourcen des Katastrophenschutzverfahrens sowie das Notfallabwehrzentrum bereit. [Quelle: EU-Kommission]

🇪🇺 Treffen der Europaminister nach Drohnenangriff vertagt. Das informelle Treffen der EU-Europaminister in Nikosia wurde kurzfristig verschoben. Grund ist ein Drohnenangriff auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri, der zu Beeinträchtigungen des zivilen Flugverkehrs von und nach Zypern führte. Die für gestern und heute angesetzten Beratungen hätten u. a. den mehrjährigen Finanzrahmen (2028-2034) sowie die EU-Erweiterungsstrategie zum Thema gehabt. Ein Nachholtermin für das Treffen steht noch nicht fest. Auch das informelle Treffen der EU-Kulturminister am Donnerstag und Freitag wurde abgesagt. [Quellen: Rat der EU – auf X, Europaministerrat, Kulturministerrat; Politico]

🇪🇺 🇨🇭 Kooperation zwischen der EU und der Schweiz wird erweitert. Nachdem der Rat der EU bereits letzte Woche grünes Licht gegeben hatte, erfolgte gestern in Brüssel die offizielle Unterzeichnung eines Vereinbarungspakets zwischen der EU und der Schweiz. Dieses umfasst u. a. eine Überarbeitung von Abkommen im Bereich des Zugangs der Schweiz zum EU-Binnenmarkt und zum Agrarhandel sowie neue Übereinkommen in den Bereichen Gesundheit und Elektrizität. Zudem ist die Teilnahme der Schweiz an Teilen des EU-Weltraumprogramms sowie ein dauerhafter und fairer Finanzbeitrag der Schweiz zum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der EU vorgesehen. In der Folge ist noch die Zustimmung des EU-Parlaments sowie der Schweizer Seite erforderlich. In der Schweiz wird dazu eine Volksabstimmung durchgeführt. [Quellen: EU-Kommission, Rat der EU, SRF]

🇮🇹 Italiens Wirtschaft wächst 2025 real um 0,5 % bei sinkendem Defizit. Das preisbereinigte BIP Italiens stieg im Jahr 2025 um 0,5%. Zu diesem Ergebnis trugen höhere Investitionen, steigende Konsumausgaben und Zuwächse bei den Exporten bei. Während die Inlandsnachfrage das Wachstum stützte, wirkten der Außenhandel und die Lagerbestände bremsend. Den deutlichsten Zuwachs auf Sektorebene verzeichnete das Baugewerbe mit einem Plus von 2,4 %. Das Staatsdefizit verringerte sich auf 3,1 % des BIP gegenüber 3,4 % im Vorjahr. Damit liegt der Wert weiterhin über der EU-Obergrenze von 3 % gemäß den Maastricht-Kriterien. [Quelle: Istat]

🇯🇵 Geschäftsklima in Japans Industrie auf 4-Jahres-Hoch. Der S&P Global Einkaufsmanagerindex (EMI) stieg von 51,5 Punkten im Jänner auf 53 Punkte im Februar. Damit markiert der Index den höchsten Stand seit 4 Jahren. Die Produktion, der Auftragseingang und die Beschäftigung in japanischen Industrieunternehmen verzeichneten im Februar das stärkste Wachstum seit Jänner 2022. [Quelle: S&P Global]

🇺🇸 Stimmung in der US-Industrie leicht eingetrübt. Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe der USA verzeichnete im Februar einen moderaten Rückgang. Der ISM-Einkaufsmanagerindex sank gegenüber dem Vormonat um 0,2 Zähler auf 52,4 Punkte, notiert damit jedoch weiterhin stabil über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Während der Teilindex für die Einkaufspreise mit einem Plus von 11,5 Punkten einen deutlichen Anstieg des Kostendrucks signalisierte und auch die Beschäftigung leicht zunahm (+0,7 Punkte), gab es bei der Produktion (-2,4 Punkte) und den Neuaufträgen (-1,3 Punkte) Rückgänge zu verzeichnen. [Quelle: ISM]

Selektive Agenda:

5:30 Uhr, Oberösterreich: Streik in den oberösterreichischen Ordensspitälern [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Frühschätzungen zu Industrie und Bau für Jänner und Verbraucherpreisindex (VPI) Schnellschätzung für Februar

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die Schnellschätzung Verbraucherpreise (HVPI) Eurozone für Februar.

13:30 Uhr, Rom: Außenministerin Meinl-Reisinger trifft Amtskollegen der Westbalkanstaaten

14:30 Uhr, Wien: EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, Albuquerque, trifft Nationalratsabgeordnete

17:00 Uhr, Wien: Rede von Bundespräsident Van der Bellen anl. Weltfrauentag

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Josef Schlagenhaufen ist neuer Leiter der Teams Produktmanagement & Beratung bei Kwizda Agro. Marco Geiger ist seit Jahresbeginn neuer Director im Bereich Technology & Transformation bei Deloitte Österreich. Florian Vetter ist neuer Referent in der Geschäftsstelle des Presserates.

Geburtstage: Wir gratulieren Christoph Boschan zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

16:30 Uhr, Wien: „OeNB Women’s Forum: Finanzielle Unabhängigkeit – echt jetzt?!“ u. a. mit Eva‑Maria Holzleitner, Martin Kocher, Edeltraud Stiftinger, Monika Rosen, Marina Delcheva, Ingrid Reischl uvm. [invite only]

19:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation Wien: Rudi Anschober – „ErMUTigung“ in der Thalia-Buchhandlung auf der Mariahilfer Straße [Info]

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