Morning in Brief ・ 05.03.2026

Morning in Brief, 5. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Regierung will bei Förderungen rund 2 Mrd. Euro sparen. Die von der Bundesregierung eingesetzte „Förder-Taskforce“ hat ihren ersten Bericht vorgelegt. Ausgehend von der ermittelten Summe von 7,7 Mrd. Euro an „gestaltbarem Fördervolumen“ sollen nächstes Jahr 3,2 %, im Jahr 2028 dann 5,8 % und im Jahr 2029 schließlich 8,4 % eingespart werden. Diese Prozentsätze sind laut Förderbericht auf die „Förderungen der jeweiligen Untergliederungen bzw. die Gesamtvolumina auf Ressortebene rechnerisch umzulegen“, die finale Zuteilung erfolgt dann im Rahmen des Doppelbudgets. Das Einsparungsvolumen soll im Zeitraum von 2026 bis 2029 insgesamt 1,95 Mrd. Euro betragen. Weiters wurden von der Taskforce 9 Grundprinzipien sowie eine Checkliste für Förderungen erarbeitet, die den Grundstein für eine bundesweite Förderstrategie legen sollen. [Quellen: BMF, Ministerratsvortrag, Download des Fördertaskforce-Berichts | Grafik: Förderungen fallen auf Vorkrisenniveau]

„Der Finanzminister ist der ärmste Hund von allen“
Interview mit Hanno Lorenz

Hanno Lorenz, stv. Direktor der Agenda Austria, lehnt Erbschafts- und Vermögenssteuern zur Budgetsanierung ab. Das Problem seien nicht fehlende Einnahmen, sondern die massiv gestiegenen Ausgaben seit der Corona- und Energiekrise. „Es ist absurd zu sagen, es fehlt an den Einnahmen“, so Lorenz. Wären die Ausgaben seit 2019 nur mit der Inflation gestiegen, lägen sie 2025 knapp 30 Milliarden Euro niedriger. Stattdessen explodieren demografiebedingte Ausgaben wie Pensionen, Pflege und Gesundheit. Neue Steuern lösen das nicht, sondern bergen das Risiko von Kapitalflucht und ausbleibenden Investitionen.

💡 Ein Viertel der Konsumausgaben entfällt auf Wohnen und Energie. Die monatlichen Konsumausgaben der österreichischen Haushalte liegen laut Konsumerhebung 2024/2025 bei durchschnittlich 4.170 Euro, ein Anstieg um 28,3 % im Vergleich zur letzten Erhebung (2019/2020). Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im selben Zeitraum um 26,9 %. Mehr als ein Viertel der monatlichen Haushaltsausgaben entfällt auf Wohnen und Energie. Hier werden monatlich 1.100 Euro ausgegeben, um 309 Euro mehr als vor 5 Jahren. Danach folgen Ausgaben für Verkehr, wo monatlich 567 Euro aufgewandt werden (+112 Euro). Für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke werden monatlich 484 Euro (+92 Euro) ausgegeben. [Quellen: Statistik Austria – Aussendung, Konsumerhebung, Pressekonferenz | Grafik von Stephan Frank]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Länder fordern Steuersenkung auf Energie, Gewessler Beschluss des Krisenmechanismus. Die LH-Stellvertreter aus Niederösterreich und Oberösterreich fordern angesichts des Iran-Kriegs steuerliche Entlastungen im Bereich Energie. Der niederösterreichische LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) schlägt die Aussetzung der CO₂-Bepreisung bzw. die Senkung der Mineralölsteuer vor. Weiters müsse die Merit Order reformiert werden, so Pernkopf. Der oberösterreichische LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) fordert, die CO₂-Kosten für Kraftwerksbetreiber aus den Einnahmen des CO₂-Handels zu kompensieren, um einen Anstieg der Strompreise zu verhindern. In der ZIB2 sprach sich Grünen-Chefin Leonore Gewessler erneut für einen schnellen Beschluss des Energiekrisen-Mechanismus aus: „Nur da fehlt jeder Plan, da fehlt jedes Gesetz. Also da ist die Regierung gefordert, in die Gänge zu kommen.“ [Quellen: Pernkopf, Haimbuchner, FPÖ, ZIB2]

🇦🇹 Spritpreise laut ÖAMTC „unverhältnismäßig“ hoch. Der österreichische Automobilclub ÖAMTC bezeichnet die jüngsten Preisanstiege bei Treibstoffen als „unverhältnismäßig“. Binnen einer Woche ist der Dieselpreis um 17 Cent und der Preis für Superbenzin um 12 Cent gestiegen. Die Literpreise betragen derzeit durchschnittlich 1,739 Euro für Diesel und 1,639 Euro für Super. Der aktuelle Erdölpreis liegt aber in etwa auf dem Niveau von Jänner 2025, wo die Tankstellenpreise jedoch „spürbar niedriger als heute“ waren, so der ÖAMTC. [Quelle: ÖAMTC | Interview: „Anstieg an der Zapfsäule kommt wie das Amen im Gebet“]

🇦🇹 Wirtschaftserholung durch Iran-Krieg „stark gefährdet“. Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr sieht die Erholung der österreichischen Wirtschaft im Kurier-Interview zwar noch nicht „abgesagt“ aber „stark gefährdet“. Wenn die Straße von Hormus länger gesperrt bleibt, könnten die Energiepreise „kritisch“ werden, die Inflation befeuert und das Wachstum gebremst werden. Die Krise würde aber nicht so dramatisch wie vor 4 Jahren werden, dennoch sollte Österreich steigende Energiepreise „nicht wieder so durchrauschen lassen“, so Felbermayr. [Quelle: Kurier]

🇦🇹 Haushaltsenergie im Jänner billiger. Die Preise für Haushaltsenergie sind im Jänner um 4,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Im Vergleich zum Vormonat Dezember 2025 ergibt sich ein Rückgang von 1,6 %. Strom war im Jahresabstand um 8,2 % und im Monatsabstand um 5,9 % billiger. Gaspreise sanken im Vorjahresvergleich um 1,1 %, stiegen jedoch vor allem aufgrund gestiegener Netzkosten im Monatsabstand um 5 %. Die Preise für Holzpellets stiegen im Jahresabstand um 18,3 % und im Monatsabstand um 2,2 %. Der Iran-Krieg und die Folgen für die Energiemärkte sind in diesen Daten noch nicht enthalten. „Sollte die Lage über einen längeren Zeitraum angespannt und Lieferungen unsicher bleiben, sind Endkunden-Preissteigerungen insbesondere bei Erdgas, aber auch bei Strom zu erwarten“, so Lukas Zwieb von der Österreichischen Energieagentur. [Quellen: Österreichische Energieagentur]

🇦🇹 Eurofighter-Nachfolge soll bald feststehen. Die Entscheidung zum Nachfolgemodell der österreichischen Eurofighter wird in den nächsten 3 Monaten geklärt werden, so Generalleutnant Bruno Hofbauer gegenüber der Presse. Die Planungen würden auf Hochtouren laufen, aber die Finanzierung müsse in einem eigenen Gesetz beschlossen werden, so Hofbauer. Im Rahmen eines Budget-Begleitgesetzes zum Doppelbudget 2027/2028 soll der „Grundstein für die Finanzierung“ gelegt werden – Hofbauer nennt hier eine Summe von „ungefähr 10 Mrd. Euro“. Die ersten Flugzeuge würden dann ab Mitte der 2030er-Jahre in Dienst gehen. Allgemein soll das Verteidigungsbudget von heuer 5,2 Mrd. auf 6,2 Mrd. im kommenden Jahr und weiter auf 6,9 Mrd. im Jahr 2028 steigen, so Hofbauer. [Quelle: Die Presse]

🇦🇹 KV-Einigung bei Privatkrankenanstalten und Zeitungsbranche. In der 5. Verhandlungsrunde bei den Privatkrankenanstalten konnte eine Einigung auf einen Zweijahresabschluss erzielt werden. Ab 1. April 2026 werden Gehälter bis 3.750 Euro um 3 % erhöht, darüber um 2,75 % bzw. mindestens 73 Euro. Ab 1. April 2027 werden Gehälter und Zulagen um 85 % der rollierenden Inflation angehoben. Schon in der 1. Verhandlungsrunde gab es eine Einigung für die kaufmännischen Angestellten in der Zeitungsbranche – hier steigen die Gehälter mit 1. April 2026 je nach Gehaltsgruppe zwischen 2,65 und 3,2 %. In der 2. Verhandlungsrunde für die Speditions- und Lagereiarbeiter gab es hingegen keine Einigung. [Quellen: Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs, VÖZ, ÖGB]

🇪🇺 Industrial Accelerator Act vorgestellt. Die EU-Kommission hat gestern den Legislativvorschlag zum Industrial Accelerator Act (IAA) präsentiert. Als Kernstück des Clean Industrial Deals soll das Gesetz den Anteil der Industrie am EU-BIP bis 2035 von 14,3 % (2024) auf 20 % steigern. Im Fokus stehen die Stärkung der industriellen Basis sowie die Dekarbonisierung in strategischen Sektoren: Stahl, Aluminium, Zement, Automobilbau und klimaneutrale Technologien. Die Kommission prognostiziert bis 2030 u. a. einen Mehrwert von über 600 Mio. Euro in den energieintensiven Industrien, 10,5 Mrd. Euro in der Automobil-Wertschöpfungskette sowie eine Gesamteinsparung von rund 30,1 Mio. t CO₂. Ein Kernelement ist die „Made in EU“-Klausel: Öffentliche Aufträge und Förderungen sollen an die Verwendung von Komponenten gebunden werden, die innerhalb der EU hergestellt wurden. Drittstaaten können einbezogen werden, sofern der Marktzugang auf dem Prinzip der Reziprozität beruht; eine länderspezifische Liste liegt hierzu nicht vor. Zudem sieht der Entwurf u. a. beschleunigte Genehmigungsverfahren für Industrieprojekte und Bedingungen für ausländische Investitionen vor. [Quellen: EU-Kommission – Übersicht, Q&A, Gesetzesentwurf | Reaktionen: SPÖ, Neos, IV, WKÖ, ÖGB, PRO GE, BDI, Ifw Kiel | Service: Clean Industrial Deal]

🇪🇺 Arbeitslosenquote in der Eurozone gesunken. Die Arbeitslosenquote im Euroraum ist im Januar 2026 auf 6,1 % gesunken. Im Dezember 2025 hatte sie noch bei 6,2 % und im Vorjahresmonat bei 6,3 % gelegen. Dies entspricht schätzungsweise 10,77 Mio. Erwerbslosen. Auch die Jugendarbeitslosigkeit verzeichnete einen Rückgang von 15 % im Vormonat auf nun 14,8 %. Innerhalb der Eurozone weist Finnland mit 10,2 % die höchste Quote auf. Den niedrigsten Wert im Währungsraum verzeichnet Neumitglied Bulgarien mit 3,1 %. In Österreich sank die Quote nach EU-Berechnung von 5,8 % auf 5,6 % – laut nationaler Berechnungsmethode lag die österreichische Arbeitslosigkeit im Jänner bei 8,9 %. [Quelle: Eurostat, AMS]

🇩🇪 Deutsche Neuwagenzulassungen gestiegen. In Deutschland wurden im Februar 2026 insgesamt 211.262 Pkw neu zugelassen. Dies entspricht einer Steigerung von 3,8 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der gewerbliche Anteil an diesen Zulassungen belief sich auf 68,5 %, während 31,5 % auf private Halter entfielen. Hybrid-Fahrzeuge machten rund 40 % der Neuzulassungen aus und Elektro-Pkw erreichten einen Anteil von 21,9 %. Zeitgleich hat sich das Geschäftsklima in der Automobilindustrie im Februar verbessert. Die Unternehmen berichten von einer Zunahme der Aufträge und erwarten bessere Geschäfte im Ausland. [Quellen: KBA, Ifo-Institut]

🇺🇸 US-Privatsektor verzeichnet Stellenaufbau im Februar. Die Beschäftigung im privaten Sektor der USA ist im Februar 2026 um 63.000 Stellen gestiegen. Laut dem „ADP National Employment Report“ erhöhten sich die Löhne im Vorjahresvergleich um 4,5 %. ADP-Chefökonomin Nela Richardson verwies auf solide Lohnzuwächse insbesondere für Arbeitnehmer in bestehenden Beschäftigungsverhältnissen. [Quelle: ADP]

🇺🇸 US-Zollerhöhung „wahrscheinlich“ noch diese Woche. Der globale US-Zollsatz von 10 % soll laut US-Finanzminister Scott Bessent „wahrscheinlich“ noch in der laufenden Woche auf 15 % angehoben werden. Da das US-Höchstgericht die meisten Trump-Zölle jüngst für illegal erklärt hatte, wählte die US-Regierung nun eine andere rechtliche Grundlage. Mit dieser können höhere Zölle aber maximal 150 Tage in Kraft bleiben. Laut Bessent würde ein Weg gefunden werden, die Zölle auch längerfristig höher zu halten. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zollsätze innerhalb von fünf Monaten wieder auf ihr altes Niveau zurückkehren werden“, so Bessent zu CNBC. EU-Vertreter erwarten laut Bloomberg, dass die EU von den Zollerhöhungen ausgenommen sein wird, eine offizielle Bestätigung dazu liegt jedoch nicht vor. Gleichzeitig entschied ein Richter am Gericht für internationalen Handel in New York, dass Unternehmen einen Anspruch auf die Rückzahlung bereits gezahlter Zölle haben, die der US Supreme Court für unrechtmäßig erklärt hat. [Quellen: CNBC, Bloomberg, New York Times]

Selektive Agenda:

Heute, Rom: Europaministerin Bauer trifft italienischen Amtskollegen Foti und Familienministerin Roccella

Heute, Vatikan: Papst Leo XIV. empfängt Bundespräsident Van der Bellen zur Audienz

Heute, Brüssel: EU-Innenministerrat u. a. mit Innenminister Karner [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Einzelhandelsumsatzindex für Jänner sowie Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Hauptaggregate für 4. Quartal und Gesamtjahr 2025

11:00 Uhr, Europäische Union: Außenbeauftragte Kallas, die EU-Außenminister und Vertreter der Golf-Staaten halten eine Videokonferenz zur Lage in Nahost ab [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt Einzelhandelsumsatz Eurozone für Jänner bekannt

12:00 Uhr, Wien: Start der KV-Verhandlungen in der Elektro- und Elektronikindustrie

14:00 Uhr, Wien: Sicherheitsupdate des Außenministeriums zur Situation in Nahost

14:30 Uhr, Washington D. C.: Bekanntgabe der US-Handelsbilanz und Import- und Exportpreise Jänner

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Gabriel Felbermayr wird „Wirtschaftsweiser“ in Deutschland. Joachim Schönbeck bleibt für 5 weitere Jahre CEO von Andritz. Claudia Süssenbacher ist neu im Vorstand der Bayerischen Landesbank. Die ÖVP hat neue Bereichssprecher gewählt: Der ehemalige Bereichssprecher für Kunst und Kultur, Laurenz Pöttinger, übernimmt die Agenden für Energie von Tanja Graf. Tanja Graf wird neue Bereichssprecherin für Wirtschaft und Industrie. Lukas Brandweiner übergibt die Agenden für Lehrlinge an Klaus Mair und bleibt Bereichssprecher für den Zivildienst. Der Bereich Kunst und Kultur, vormals bei Laurenz Pöttinger, wird von Daniela Gmeinbauer übernommen.

Geburtstage: Wir gratulieren Thomas Prinzhorn und Franz Scharl zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

8:00 Uhr, Bregenz: CEO I CFO Forum Bodensee u. a. mit Monika Rosen, Martin Ohneberg und Magnus Brunner im Festspielhaus Bregenz (bis 6.3.) [Info]

18:00 Uhr, Wien: C3 Business Talk mit Leonore Gewessler im Management Club [invite only]

18:30 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Auslaufmodell Neutralität?“ von und mit Franz Cede und Ralph Janik im Wien Museum [Info]

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