Morning in Brief ・ 07.04.2026

Morning in Brief, 7. April 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 🇪🇺 Zehetner verteidigt Spritpreisbremse, will weitere Schritte auf EU-Ebene. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner verteidigte in der ZIB2 erneut die Spritpreisbremse. Es sei darum gegangen, rasch zu handeln, es handle sich aber um eine globale Krise und man könne die Folgen für Österreich nur abmildern. Zu stark in die Preise einzugreifen, gefährde die Versorgungssicherheit. Die Umsatzsteuer ist seit 23. Februar ungefähr um 10 Cent pro Liter gestiegen – ob geplant sei, die Steuersenkung von derzeit 5 Cent zu erhöhen, will Moderator Martin Thür wissen. Nach einem Monat wird evaluiert und dann „gegebenfalls nachgeschärft“, so Zehetner, die überzeugt ist, mit der Spritpreisbremse die Inflation einzudämmen: „Wir müssen an dieser Formel 2-1-0 festhalten“. Die Frage nach stärkeren Eingriffen bei Energie- und Lebensmittelpreisen beantwortet sie so: Derzeit reichen die gesetzten Maßnahmen, aber „man wird immer neu bewerten müssen, wie sich die Situation entwickelt“. Sie fordert ein rasches Handeln auf EU-Ebene. Eine IHS-Analyse zeige u. a. die Komplexität der Preisbildung und dass sich die Preise für Benzin und Diesel primär auf internationaler Ebene bilden und nicht auf nationaler Ebene. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer fordert zudem die Schaffung eines Mechanismus auf europäischer Ebene, „der extreme Preisspitzen in Krisenzeiten verhindert“. [Quellen: ZIB2, BMWET | Grafik: Spritpreise steigen in Österreich stärker]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Preise für Diesel lagen am 1. April noch bei 2,199 Euro pro Liter und für Benzin bei 1,869 Euro. Nach Inkrafttreten der Spritpreisbremse waren es am 2. April dann 2,132 Euro für Diesel und 1,784 Euro für Benzin. Heute liegen die mittleren Preise bei 2,118 Euro für Diesel und 1,754 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni liegt bei 111,47 Dollar, ein Anstieg um 2,2 %. Gas wurde seit vergangenem Donnerstag nicht mehr gehandelt – zuletzt lag der Preis des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts bei knapp unter 50 Euro pro MWh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

Kommentar: Österreichs Heiligeküheherde – Heute die Antiatomkraft
von Rainer Nowak

Österreich hat sich jahrelang erfolgreich eingeredet, man könne Kernkraft moralisch ächten und sie trotzdem (in)direkt importieren. In der heimischen Herde der heiligen Kühe wiederkäut die Antiatomkraft gleich neben der Neutralität und der Gentechnik-Freiheit. Genau diese Selbsttäuschung ist in der Energiekrise zumindest auf der mittleren politischen IQ-Ebene implodiert.

💡 Österreich Drittletzter bei Wirtschaftsstimmung. Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im März deutlich eingetrübt. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) fiel von 98,2 auf 96,6 Punkte. Österreich rutschte um 1,2 Punkte auf nur noch 91,9 Punkte ab und liegt damit auf dem drittletzten Platz in der Eurozone. Nur Estland (91,2) und Belgien (89,5) verzeichnen schlechtere Werte. Auch im Wifo-Konjunkturklimaindex musste Österreich einen Rückgang von minus 0,9 Punkten auf minus 1,7 Punkte hinnehmen. Ein Lichtblick war die Bauwirtschaft. Die Erwartungen verbesserten sich hier um 4,8 Punkte auf nun plus 2,1 Punkte. [Quellen: Economic Sentiment IndicatorWifo | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 🇪🇺 5 EU-Finanzminister fordern EU-weite „Übergewinnsteuer“ für Ölkonzerne. In einem Brief an die EU-Kommission fordern Finanzminister Markus Marterbauer sowie seine Amtskollegen aus Deutschland, Spanien, Italien und Portugal vor dem Hintergrund steigender Ölpreise die Entwicklung einer EU-weiten „Übergewinnsteuer“ für Mineralölkonzerne. Diese soll ergänzend zu nationalen Maßnahmen eingeführt werden. Dadurch sollen vorübergehende Entlastungen, insbesondere für Verbraucher, finanziert und die steigende Inflation gedämpft werden, ohne die öffentlichen Haushalte zusätzlich zu belasten, so die Finanzminister in dem vorliegenden Schreiben. Dafür sollen auch Auslandsgewinne multinationaler Mineralölkonzerne einbezogen werden. [Quelle: Politico – Brief der Finanzminister]

🇦🇹 Hattmannsdorfer will strategische Gasreserve verlängern. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer drängt auf die Verlängerung der strategischen Gasreserve um 2 Jahre bis 2029. Der Gesetzesentwurf hierzu befindet sich in „koalitionsinterner Koordinierung“, offen dürfte dabei die Finanzierung der Speicherkosten sein. Die strategische Gasreserve umfasst 20 Terawattstunden (TWh), was ungefähr einem Viertel des österreichischen Jahresverbrauchs entspricht. Derzeit sind die Gasspeicher zu 34 % gefüllt. Energie-Experte Johannes Benigni betonte bereits bei Ausbruch der Krise gegenüber Selektiv, dass das Wiederauffüllen der Gasspeicher „zu einem Problem“ werden wird. „Derzeit ist einfach keine ökonomische Motivation fürs Auffüllen gegeben, weswegen wir mit sehr niedrigen Gasspeicherständen in den nächsten Winter gehen werden“, so Benigni. [Quellen: BMWET, Medienberichte, Energie.gv.at, Benigni im Selektiv-Interview | Reaktionen: FPÖ | Grafik: Wie viel Gas Österreich noch bleibt]

🇦🇹 Schultz streicht Wirtschaftsbund-Vizepräsidenten. WKÖ- und Wirtschaftsbund-Präsidentin Martha Schultz will laut Krone im Wirtschaftsbund künftig mit 2 statt bisher 5 Vizepräsidenten auskommen. Alle bisherigen Vizes verlieren ihren Posten, darunter auch der Wiener WK-Chef Walter Ruck. Neue Stellvertreter sollen Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl und der burgenländische WK-Präsident Andreas Wirth werden. [Quelle: Krone]

🇦🇹 Stromimporte im Februar um ein Fünftel gestiegen. Im Februar 2026 mussten 997 Gigagwattstunden (GWh) Strom importiert werden, ein Anstieg um 20,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Am 1. Februar wurde mit einem Import-Saldo von 106 GWh ein neues historisches Tagesmaximum erreicht. Die Versorgungssicherheit konnte laut dem Übertragungsnetzbetreiber APG nur dank Stromimporten und Gaskraftwerken gewährleistet werden. Die Stromproduktion aus Erneuerbaren ist im Februar 2026 um 26 % gestiegen, der Stromverbrauch um 15 %. Erneuerbare konnten so zwei Drittel des Bedarfs decken. [Quelle: APG]

🇦🇹 Strom-Neukundentarife um 13,9 % teurer. Seit 1. März sind die günstigsten Neukundentarife für Strom um durchschnittlich 13,9 % gestiegen und damit weniger stark als die Großhandelspreise mit 21,2 %. „Eine Preisgarantie schützt vor späteren Anpassungen. „Wer jetzt wechselt, kann sich gegen mögliche weitere Erhöhungen absichern“, so Stefan Spiegelhofer von Durchblicker. Derzeit seien noch Fixpreisangebote mit einer Preisgarantie bis 1. Jänner 2028 verfügbar. [Quelle: Durchblicker]

🇪🇺 🇨🇳 China beschließt neue Regeln für den Online-Handel. China hat neue Leitlinien für seinen Online-Handel verabschiedet, die darauf abzielen, den digitalen Handel mit internationalen Märkten in Einklang zu bringen. Die gemeinsame Erklärung mehrerer Ministerien und Aufsichtsbehörden sieht u. a. ein Gleichgewicht zwischen Förderung und Regulierung, eine bessere Verknüpfung von digitaler und realer Wirtschaft sowie die Einrichtung neuer Pilotzonen für den grenzüberschreitenden Handel vor. „Wir werden E-Commerce-Unternehmen ermutigen, direkte Beschaffungsstandorte im Ausland einzurichten, Importe hochwertiger und unverwechselbarer Produkte auszuweiten und eine ‚E-Commerce-Schnellspur‘ für globale Waren in den chinesischen Markt zu schaffen“, heißt es in der Erklärung. Dies geschah wenige Tage, nachdem zum ersten Mal seit 8 Jahren eine Delegation von EU-Parlamentariern nach China gereist war. Thema des Besuchs war u. a. der starke Anstieg chinesischer Warenexporte in die EU sowie der eingeschränkte Zugang von EU-Firmen zum chinesischen Markt. [Quelle: Reuters]

🌐 Lufthansa-Vorständin befürchtet Kerosin-Engpässe durch längeren Irankrieg. Grazia Vittadini, Vorständin für Technik, IT und Innovation bei der Lufthansa, befürchtet bei einem längeren Andauern des Irankriegs Engpässe in der Kerosinversorgung des Luftverkehrs. Bereits jetzt sei die Verfügbarkeit von Kerosin „an einigen asiatischen Flughäfen“ schwierig, erklärte sie gegenüber der Welt am Sonntag. Der Preisanstieg betrage teilweise mehr als 100 %, wogegen die Lufthansa nur bedingt abgesichert sei. Für den Bereich der Passagierflüge bestehe zwar eine Absicherungsquote von 80 % des Treibstoffbedarfs im laufenden Jahr, dennoch dürften sich die steigenden Kerosinkosten zumindest zeitversetzt oder anteilig auf die Flugpreise auswirken. [Quelle: Welt am Sonntag]

🌐 Bei mehr als 40 Tagen Irankrieg drohen Auswirkungen auf Lebensmittelpreise und Angebot. Der Irankrieg habe sich bisher nur moderat auf die globalen Lebensmittelpreise ausgewirkt. Bei einer Dauer von über 40 Tagen würden jedoch die gestiegenen Inputkosten und die niedrigen Margen der Landwirte Auswirkungen auf die zukünftigen globalen Lebensmittelpreise und das Lebensmittelangebot haben, so Máximo Torero, Chefvolkswirt der Food and Agriculture Organization (FAO) der UN. Im März stieg der FAO-Lebensmittelpreisindex im Vormonatsvergleich um 2,4 % und im Vorjahresvergleich um 1 %. Grund hierfür seien die steigenden Energiekosten infolge des Irankriegs. [Quelle: United Nations]

🌐 OPEC+ Staaten erhöhen Ölproduktion ab Mai. Die 8 OPEC+-Mitglieder Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien, Oman und Kasachstan haben am Sonntag beschlossen, ihre Ölförderung insgesamt um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Entscheidend sei jedoch die Sicherung der internationalen Seewege für einen ununterbrochenen Energiefluss. Die Staaten zeigten sich besorgt angesichts der Angriffe auf die Energieinfrastruktur und wiesen darauf hin, dass die Wiederherstellung der vollen Kapazitäten beschädigter Energieanlagen teuer und zeitaufwendig sei, was Auswirkungen auf die allgemeine Versorgungssicherheit habe. Das nächste Treffen findet am 3. Mai statt. [Quelle: OPEC]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Auktionstermin für österreichische Bundesanleihe

Heute, Wien: KV-Verhandlungen Finance 4. Runde

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Großhandelspreise für März

10:00 Uhr, Klagenfurt: Sitzung des Kärntner Landtags mit Wahl des neuen Landeshauptmanns

10:00 Uhr, Frankfurt: S&P Global gibt Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen EU, Eurozone und Deutschland für Februar bekannt.

10:30 Uhr, Frankfurt: Bekanntgabe Sentix-Investorenvertrauen der Eurozone für den März

Wochenvorschau

Am heutigen Dienstag findet die 4. Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für den Bereich Finance statt. In Klagenfurt wählt der Landtag einen neuen Landeshauptmann für Kärnten. Die Bundesfinanzierungsagentur führt eine Auktion für österreichische Bundesanleihen durch. Die Statistik Austria veröffentlicht die Großhandelspreise für März. In Frankfurt werden zudem der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich der Eurozone sowie das Sentix-Investorenvertrauen bekannt gegeben.

Am Mittwoch veröffentlicht die Statistik Austria den Umsatz des heimischen Einzelhandels im Februar. In Luxemburg werden der Einzelhandelsumsatz und die Erzeugerpreise der Eurozone im Februar vermeldet.

Am Donnerstag beginnen die Kollektivvertragsverhandlungen für die Elektro- und Elektronikindustrie. Zudem gibt die Statistik Austria die Außenhandelsdaten für Jänner bekannt.

Am Freitag präsentieren das Wifo und das IHS ihre gemeinsame Konjunkturprognose für die Jahre 2026 und 2027 und die Industriellenvereinigung gibt das IV-Industriestrategiebarometer bekannt. Die Statistik Austria veröffentlicht die Produktionsindizes für Februar sowie die Kfz-Neuzulassungen im März. 

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Madlene Feyrer ist die neue Leiterin des Kulturressorts „Musik und Theater“ des ORF. Katharina Rossek übernimmt die Leitung des Bereichs „Society, Talk und Factual Entertainment“ und Rebecca Truska die Leitung des Bereichs „Kabarett und Comedy“. Dominik Jelovic ist neuer Creative Director bei Scholz & Friends. Zum 1. Oktober soll Christof Splechtna neuer Vorstandsvorsitzender der Hypo Vorarlberg werden. Phillip Hämmerle und Stephan Sausgruber werden ebenfalls in den Vorstand berufen. Werner Gumprecht wird Regionalmanager für Wien, Niederösterreich und das Burgenland bei der Postbus AG.

Geburtstage: Wir gratulieren Cyriak Schwaighofer zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: Preisverleihung „Journalismuspreis der Industrie“ im Haus der Industrie [invite only]

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