Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Budgetverhandlungen starten – Indexierungen auf der Waagschale. Am Freitag starten nach der Veröffentlichung der Frühjahrsprognose von Wifo und IHS die Budgetgespräche. Den Auftakt bilden Einzelgespräche der Ressortleiter mit Finanzminister Markus Marterbauer sowie den Staatssekretären Barbara Eibinger-Miedl und Josef Schellhorn, danach folgen rund 4 Wochen Verhandlungen. Finanzminister Marterbauer geht von einem Sparbedarf von 2 Mrd. Euro für 2027 und 2028 aus. EcoAustria-Chefin Monika Köppl-Turyna sieht kurzfristig das realistischste Sparpotenzial beim Aussetzen der Indexierung von Pensionen und in einer pauschalen Kürzung aller Förderungen um 10 %. Die Beamtenlöhne müssten heuer wohl wieder unter der Inflation angepasst werden. Auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayr hat sich bereits für ein Aussetzen der Indexierung oder die Verwendung des BIP-Deflators ausgesprochen, der nur die Preise von im Inland produzierten Waren berücksichtigt. Abseits davon kursieren derzeit vor allem Ideen für Steuererhöhungen, etwa durch die Abschaffung des Familienbonus, die laut Köppl-Turyna wie eine Lohnsteuererhöhung wirken würde. Auch eine Grundsteuererhöhung oder eine Verlängerung der erhöhten Bankenabgabe hält die Ökonomin für kritische Punkte in den Verhandlungen. [Quellen: BMF, Köppl-Turyna via Selektiv, Felbermayr via X | Grafik: Höhere Steuern oder mehr sparen?]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,188 Euro für Diesel und 1,751 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juni lag heute Früh bei 94,81 Dollar, ein deutlicher Rückgang um 13,6 %. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag gestern zum Handelsschluss bei 52,42 Euro pro MWh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
„Teilzeitarbeit führt auch zu einer Teilzeitpension“
Interview mit Beate Wolf
Beate Wolf, Co-Vorständin der APK Pensionskasse plädiert für eine grundlegende Weiterentwicklung der heimischen Vorsorgekassen. „Hier gebe es noch viel Potential“, so Wolf. Statt des starren Kapitalgarantiemodells schlägt sie zwei Varianten vor: ein Modell mit jederzeitiger Verfügbarkeit und ein langfristiges Vorsorgemodell mit deutlich höherer Aktienquote. Kritisch sieht sie das Mindset vieler Österreicher: „In Österreich herrscht bei sehr vielen Menschen ein unbekümmertes Denken vor: Für mich gibt es keine Pension mehr oder ich bin sowieso versorgt.“
💡 Hohe Pro-Kopf-Verschuldung im Osten Österreichs. Mit 8.611 Euro pro Kopf (Land und Gemeinden) ist die Steiermark 2025 das am höchsten verschuldete Bundesland Österreichs. Am anderen Ende befindet sich Tirol mit einer Verschuldung von 3.285 Euro pro Kopf. Während der Westen Österreichs geringere Schuldenstände aufweist, sind vor allem östliche Bundesländer höher verschuldet. Steirische (2.770 Euro) und Vorarlberger (2.856 Euro) Gemeindekassen sind am stärksten belastet, Salzburger (709 Euro) und Kärntner (637 Euro) am geringsten. Den höchsten Anstieg der Schulden haben Salzburg (+18,0 %) und das Burgenland (+17,8 %) zu verzeichnen. [Quellen: Statistik Austria I, Statistik Austria II | Grafik von Christoph Hofer]

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Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 APG-Chef warnt vor Photovoltaik als Kostentreiber. „PV erfordert einen massiven Netzausbau für nur wenige Stunden am Tag und verteuert damit den Strom“, sagte APG-Chef Gerhard Christiner am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Besser sei der Fokus auf Windkraft, die auch im Winter Strom liefere, „wo wir ihn dringend brauchen“. Die APG plant bis 2035 Investitionen von rund 9 Mrd. Euro in den heimischen Netzausbau – darunter 1.700 km neue Leitungen und 71 Umspannwerke. Ziel ist die Integration erneuerbarer Energien, der Anschluss von Industrie und Rechenzentren sowie mehr Versorgungssicherheit. Aktuell verursache der mangelhafte Netzausbau jährlich zusätzliche Kosten von rund 1 Mrd. Euro. Die Netzinfrastruktur sei „der zentrale Standortfaktor“, betonte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Bei dem Erneuerbaren-Ausbau sei es wichtig, alle Akteure mitzunehmen, statt „ideologisch getrieben“ Vorschriften zu erlassen. Das habe sich in der Vergangenheit nicht bewährt. [Quellen: Pressekonferenz, BMWET, APG | Reaktionen: FPÖ | Interview: APG-Vorstand: „Europäisches Stromsystem ohne Atomkraft im Winter undenkbar“ | Grafik: Erneuerbaren-Ausbau stockt in Westösterreich]
🇦🇹 Kerosin-Versorgung am Wiener Flughafen gesichert. Über das Wochenende verdichteten sich die Meldungen, dass an einigen italienischen Flughäfen das Kerosin knapp wird. In Brindisi beispielsweise sei kein reguläres Auftanken mehr möglich, Airlines müssen entsprechend planen. Einschränkungen gibt es auch in Reggio Calabria und Pescara. In Wien sei die Versorgung aktuell gesichert und es gäbe keine Anzeichen, dass sich das ändert, sagte ein Sprecher des Flughafens. Der Flugverkehr entwickle sich nach wie vor planmäßig. Auch in einer Aussendung von Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hieß es gestern, dass „die grundlegende Erreichbarkeit Österreichs sowie die operative Stabilität des Luftverkehrsstandorts derzeit gewährleistet“ sind. [Quellen: WSJ, Flughafen Wien via Selektiv, Aussendung BMWET]
🇦🇹 Ölpreise treiben Großhandelspreise im März in die Höhe. Im März sind die Großhandelspreise in Österreich im Jahresabstand um 4,5 % gestiegen und im Monatsabstand um 3,9 %. Die Großhandelspreise gelten als Frühindikator für die Inflation. Treiber waren Mineralölerzeugnisse (+35,6 % zu 2025) und Treibstoffe (+27,2 % zu 2025). Den stärksten Rückgang gab es bei Getreide, Saatgut und Futtermitteln (-14,9 %). Düngemittel zogen im Vergleich zu Februar um 4 % an, während Obst, Gemüse und Kartoffeln um 4,6 % billiger wurden. [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 KV-Verhandlungen für Finanzsektor sowie Hotellerie und Tourismus bleiben ohne Ergebnis. Gestern fand die 4. Runde der KV-Verhandlungen für den Finanzsektor statt. Im Vorfeld des Termins lud die Gewerkschaft zu einer Kundgebung, da „trotz Rekordgewinnen kein Angebot vorgelegt und eine Abgeltung der Inflation pauschal ausgeschlossen“ wurde. Die zugrunde liegende Inflation liegt bei 3,6 %. Die Arbeitgeberseite legte ein erstes Angebot vor, das u. a. eine Gehaltserhöhung um 2,3 % sowie einen Fixbetrag von 20 Euro vorsah. Dieses lehnte die Arbeitnehmerseite jedoch ab. Am 15. April geht es somit in die 5. Verhandlungsrunde. Zudem fand auch die 2. KV-Runde für den Tourismus- und Gastronomiesektor statt, diese blieb jedoch ebenfalls ohne Ergebnis. Die für Donnerstag angesetzte 2. Verhandlungsrunde zum KV der Elektro- und Elektronikindustrie wurde um 2 Wochen auf den 24. April verschoben. Am 29. April kann eine allfällige 3. Runde stattfinden. [Quellen: Finanz – GPA, Ergebnis; Tourismus – WKO, Vida; FEEI]
🇦🇹 🇪🇺 Hauspreise stiegen im 4. Quartal 2025. Im 4. Quartal 2025 stiegen die Hauspreise in Österreich um 3,7 % im Vorjahresvergleich. Im Vergleich zum 3. Quartal entspricht dies einem Anstieg von 0,9 %. Damit fiel der Zuwachs geringer aus als in der Eurozone, in der er im Schnitt 5,2 % im Vorjahresvergleich betrug. Den größten Anstieg verzeichnete Ungarn mit plus 21,2 %, gefolgt von der Slowakei mit plus 12,8 %. Einzig in Finnland sanken die Hauspreise (-3,1 %), während in Luxemburg mit plus 0,1 % nur ein minimaler Anstieg verzeichnet wurde. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 Ein CBAM-Zertifikat kostet 75,36 Euro im 1. Quartal 2026. Die EU-Kommission hat den Preis für die Zertifikate des CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) im 1. Quartal 2026 veröffentlicht. Demnach belaufen sich die Kosten für den Import betroffener Güter aus Drittstaaten auf 75,36 Euro pro Tonne CO2. Unternehmen müssen diese Zertifikate ab Februar 2027 erwerben und rückwirkend für das Jahr 2026 bezahlen. Während die Preise für die 3 weiteren Quartale des Jahres 2026 jeweils zum Quartalsende bekannt gegeben werden, soll die Veröffentlichung ab 2027 in einem wöchentlichen Rhythmus erfolgen. [Quellen: EU-Kommission – Bericht, CBAM Preisübersicht]
🇪🇺 Starker Rückgang der Konjunkturstimmung in der Eurozone im April. Die Frühschätzung des Sentix-Konjunkturindex für den Euroraum im April beträgt minus 19,2 Punkte. Im März lag der Index noch bei minus 3,1 Punkten. Besonders die Erwartungen der Investoren gingen stark zurück – von plus 3,5 im März auf minus 15,5 Punkte im April. Im Februar lagen diese noch bei plus 15,8 Punkten. Für Österreich fiel der Gesamtindex um 21,2 Punkte auf minus 25 Punkte. In Deutschland liegt dieser mit minus 27,7 Punkten noch tiefer. Auch der Global Aggregate Index sank um 13,8 Punkte auf minus 2,9 Punkte, und die globalen Erwartungswerte betragen mit minus 6,6 Punkten den tiefsten Stand seit April 2025. Das Thema „Rezession“ stehe damit unweigerlich wieder auf der Agenda, schreibt Sentix. [Quelle: Sentix]
🇪🇺 Geschäftsaktivität der Dienstleister in der Eurozone sank im März. Der S&P Global Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sank von 51,9 Punkten im Februar auf 50,2 Punkte im März und erreichte damit ein 10-Monatstief. Auch der Gesamtindex, der als Mittelwert aus dem Industrie- und dem Dienstleistungsindex der Eurozone berechnet wird, fiel auf ein 9-Monatstief von 50,7 Punkten. Dabei war der Dienstleistungssektor für den Rückgang verantwortlich, dessen Wachstum laut S&P Global „nahezu zum Erliegen kam“, während die Industrieproduktion gesteigert wurde. Die Auftragseingänge verzeichneten jedoch zum ersten Mal seit dem vergangenen Sommer ein Minus. Die Einkaufspreise stiegen so stark wie seit 3 Jahren nicht mehr. Im verarbeitenden Gewerbe erhöhte sich der Preisindex um elf Punkte, was einen Rekordanstieg darstellt. [Quelle: S&P Global]
🇺🇸 🇮🇷 Ölpreis fällt nach Einigung auf Waffenruhe zwischen USA und Iran. In den frühen Morgenstunden nahmen die USA und Vertreter des Iran den Vorschlag des pakistanischen Premier Shehbaz Sharif für eine zweiwöchige Waffenruhe an. Der Iran bestätigte, in dieser Zeit die Blockade der Straße von Hormus einzustellen. Dies war eine Bedingung der USA. In Folge der Einigung gab der Ölpreis stark nach und lag heute Früh bei 94,81 Dollar. [Quellen: Pakistanischer Premier auf X, Donald Trump auf TruthSocial, Iranischer Außenminister, Ölpreis]
🇩🇪 Geschäftsklima in deutscher Autoindustrie im März gesunken. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für die Autoindustrie ist im März um 3 Punkte auf 18,7 Punkte gesunken. Die aktuelle Geschäftslage wurde schlechter beurteilt, während die Erwartungen anstiegen. Auch der Auftragsbestand verbesserte sich, wenngleich er im negativen Bereich blieb. Zum 4. Mal in Folge stiegen die Exporterwartungen, und es gibt Anzeichen dafür, dass sich der Beschäftigungsabbau in den kommenden Monaten abschwächen könnte. Der zugehörige Index stieg von minus 44 Punkten im Februar auf minus 19,8 Punkte im März. Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl sieht darin ein mögliches Ende des Rückgangs an neuen Stellen. [Quelle: Ifo-Institut]
🌐 Chef der Internationalen Energieagentur warnt vor „schwarzem April“. In einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro sprach IEA-Chef Fatih Birol von einer Unterbrechung der Energieversorgung, wie sie die Welt noch nicht erlebt habe. Der März sei bereits schwierig gewesen, doch man müsse sich bewusst sein, dass der April „noch viel schlimmer wird“. Am stärksten betroffen seien die Entwicklungsländer. Sollte die Straße von Hormus den ganzen April über blockiert bleiben, würde man doppelt so viele Rohöl- und Raffinerieprodukte verlieren wie im März. Zudem wären u. a. auch Düngemittel, Petrochemikalien und Helium betroffen. Claudia Kemfert, Energieökonomin und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin, stimmt Birol zu und spricht von der „schwersten fossilen Energiekrise unserer Zeit“. [Quellen: APA via Medienberichte, DIW Berlin]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: 4. KV-Verhandlungsrunde für die privaten Bildungseinrichtungen
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Umsatzindex Einzelhandel für Februar
10:00 Uhr, Wien: Ministerrat
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt Einzelhandelsumsatz Eurozone und EU-Erzeugerpreise für Februar bekannt
11:00 Uhr, Wien: Angelobung von Daniel Fellner als Landeshauptmann von Kärnten durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Daniel Fellner wurde zum neuen Landeshauptmann Kärntens gewählt und wird morgen durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt. Ricardo-José Vybiral wurde für weitere 5 Jahre als CEO des KSV1870 bestätigt. Dominik Schilling ist neuer Head of Sales von Lease a Bike Österreich. Julia Loibner übernimmt ab sofort die neu geschaffene Position als Head of Media Deals & Partnerships bei dem Süßwarenunternehmen hitschies. Karin Bergmann wird Interims-Intendantin der Salzburger Festspiele. Mimi Boyer wurde in den Vorstand von designaustria gewählt. Helmut Prattes übernimmt die Funktion als Head of Product & Partner Management der ÖBB Werbung.
Geburtstage: Wir gratulieren Dominik Heinzl und Wolfgang Aigner zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
15:00 Uhr, Graz: Präsentation Wein Steiermark „Jahrgang 2025 aus der Steiermark“ in der Stadthalle Graz [Info]
18:00 Uhr, Raaba-Grambach, Steiermark: 36. Konjunkturgespräch Steiermark 2026 „Sicherheit im Wandel – Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft“ u. a. mit Christian Helmenstein, Wolfgang Plasser, Velina Tchakarova und Harald Vodosek in der RLB Steiermark [Anmeldung]