Österreich

Kommentar von Barbara Schmidt

Land am Strome: Vom Ausbau zur Unabhängigkeit

Bis 2040 soll der heimische Energiebedarf vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Daran arbeiten die Unternehmen der Energiewirtschaft mit Hochdruck. Was noch fehlt, ist das rot-weiß-rote Mindset für den Umbau des Energiesystems, in dem die Kosten als Investitionen in unsere resiliente Zukunft und die Projekte weniger als Störung des Landschaftsbildes, sondern als Zeichen der Souveränität gesehen werden.

Kommentar von Alexander Purger

Die Neutralität – Knien vor einem Mythos

Vor 70 Jahren wurde eine Volksabstimmung über die Einführung der Neutralität 1955 aus dem Grund unterlassen, da sie mit einem glatten Nein geendet hätte. Heute ist es umgekehrt. Heute würde eine Volksabstimmung über die Abschaffung der Neutralität mit einem glatten Nein ausgehen, denn mittlerweile ist sie den Österreichern so ans Herz gewachsen, dass selbst die ÖVP, die immer wieder gerne an dem Mythos gekratzt hatte, kapituliert hat und den Mythos mit-anbetet. Tatsächlich befindet sich Österreich mit seiner zweideutigen Neutralsolidarität bzw. Solidarneutralität in einer komfortablen Situation.

Interview

Hattmannsdorfer: „Wasserstoff wird kein Preistreiber für Haushalte“

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hält die Ziele der österreichischen Wasserstoffstrategie für „sehr ambitioniert“, will aber mit neuen Fördermillionen und Verordnungen Tempo machen. Für die Übergangszeit will er sich auf EU-Ebene für die von der Industrie geforderte Verlängerung der CO2-Freizertifikate einsetzen. „Solange CO₂-arme Technologien noch nicht flächendeckend wirtschaftlich einsetzbar sind, braucht es eine faire Übergangsphase. Ohne eine Verlängerung der Gratiszertifikate riskieren wir, dass Wertschöpfung und Emissionen einfach nur verlagert werden“, so Hattmannsdorfer.

Wolfgang Hattmannsdorfer ist Wirtschaftsminister in Österreich © BKA/Andy Wenzel/Montage: Selektiv
Kommentar von Georg Renner

Ja, wir müssen über Migration und Stadtbild reden

Dass man klar benennen sollte, was für offen sichtbare Folgen es hat, dass Deutschland wie Österreich Zuwanderungsländer sind, kann man 2025 außer Streit stellen. Ja, vor allem die größeren Städte unserer Länder verändern sich sichtbar – durch Moscheen und „Kulturvereine“, durch türkische Bäckereien, afghanische Supermärkte, durch Standlreihen voller verhüllter Frauen – und ja, auch durch pöbelnde Jugendbanden in Parks und auf Bahnhöfen. Die politische Kunst wäre es, öffentlich auszudifferenzieren, was man davon gut findet und was nicht.

Kommentar von Heike Lehner

Die Inflation ist der falsche Feind

Im kommenden Jahr wird von der Nationalbank eine Inflationsrate von 2,4 Prozent prognostiziert. Das ist beruhigend: Österreich lag historisch oft etwas über dem Euroraum. 0,4 Prozentpunkte über dem EZB-Ziel sind verkraftbar. Diese Prognosen, gepaart mit bislang großteils vernünftigen, maßvollen Lohnabschlüssen, die die Preise im kommenden Jahr nicht noch weiter in die Höhe treiben sollen, zeichnen ein positives Bild. Doch es gibt einen Schuldigen, der dieses Bild zerstören könnte.

ZeitGeschichten von Gerhard Jelinek

Japans Aufbruch in die Moderne begann auch in Wien

Am vergangenen Montag schloß die EXPO 2025 in Osaka ihre vielen Pforten. Nach anfänglichen Problemen wurde die Weltausstellung doch noch ein Publikumserfolg. Vor ziemlich genau 152 Jahren besuchte eine kleine japanische Abordnung die Wiener Weltausstellung im Prater.

Interview

Wiener-Börse-Chef: „Österreich verharrt im Sparbuch-Schneckenhaus“

„Europas Kapitalmärkte verlieren an Wettbewerbsfähigkeit“, mahnt der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan. Für mehr Innovation und Wachstum müssen Liquiditätspools geschaffen werden: „Die mutigen Entscheidungen müssen auf nationaler Ebene fallen. Allein hier liegt die politische Zuständigkeit für Steuern und Pensionssystem“. In anderen europäischen Ländern würden längst „Kapitalmarkt-Raketen“ gezündet. „IPO-Kosten steuerlich absetzen? Für Österreich klingt das nach einer liberalen Verschwörung, in Griechenland ist das Wirtschaftspolitik“, führt Boschan als Beispiel an.

Christoph Boschan ist CEO der Wiener Börse © Wiener Börse/Daniel Hinterramskogler/Nik Pichler / Montage: Selektiv
Kommentar von Gerald Loacker

Leistung muss sich immer lohnen, nicht erst ab 65

Die hohe Abgabenlast auf Arbeit schadet der Volkswirtschaft: Die Überstundenbereitschaft sinkt, pro Kopf wird von Jahr zu Jahr weniger gearbeitet. Entlastung ist also richtig – aber sie muss dort greifen, wo die zusätzliche Leistung entsteht: im Erwerbsalter. Eine Begünstigung nur für Pensionisten ist unfair gegenüber den Jüngeren, die heute den Großteil der Abgaben tragen, und bringt der Wirtschaft nur homöopathische Effekte.