Morning in Brief ・ 12.03.2026

Morning in Brief, 12. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern, Stephan Frank und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Regierung ebnet Weg für rasche Eingriffe bei Spritpreisen, wenn notwendig. Direkte Eingriffe bei den Spritpreisen wurden gestern im Ministerrat nicht beschlossen, allerdings wurde der Weg geebnet, diese rascher umsetzen zu können, sollten sie doch noch notwendig werden. Eingriffe bei „außerordentlichen“ Gewinnen oder Staatseinnahmen sollen ohne parlamentarischen Prozess direkt per Verordnung möglich sein. Ab 1. Juli kann außerdem der Energiekrisenmechanismus bei Strom in Kraft treten. Man werde genau auf die Margen schauen, aber auch beim Finanzminister dürfen keine „Krisengewinne“ anfallen – für Eingriffe in diesen Fällen werden die gesetzlichen Grundlagen geschaffen, so Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger in der ZIB2. Laut Finanzminister Markus Marterbauer haben die höheren Spritpreise bisher für steuerliche Mehreinnahmen von 10 Mio. Euro gesorgt. Grundsätzlich sei es positiv, dass man nun keine Preiseingriffe beschlossen habe, so EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna zu Selektiv. Preisbeschränkungen wären eine Gießkannen-Maßnahme und würden nicht gegen einen Inflationsanstieg helfen, so die Expertin. Dass Preiseingriffe künftig einfach per Verordnung möglich sind, sieht sie kritisch – das öffne die Tür für Missbrauch. Tankstellen dürfen zudem nur noch am Montag, Mittwoch und Freitag die Preise erhöhen, statt wie bisher täglich. Das soll laut Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die Volatilität einschränken. Deutschland will dem Beispiel Österreichs folgen und Preiserhöhungen nur noch einmal täglich erlauben.  [Quellen: BKA, Ministerrat, Pressefoyer, ZIB2, Köppl-Turyna zu Selektiv, Handelsblatt | Reaktionen: IV, WKÖ, WKK, ÖAMTC, SPÖ, FPÖ, LKÖ, PRO-GE, AK

„Regierung hat keinen Plan, wie sie aus Fossilen aussteigen wird“
Interview mit Leonore Gewessler

Grünen-Chefin Leonore Gewessler wirft der Bundesregierung in der aktuellen Energiepreiskrise vor, nur Überschriften zu produzieren, aber bei der Umsetzung hinter den Ankündigungen zurückzubleiben. Die gestern präsentierten Maßnahmen sind für Gewessler „per se sinnvoll“, sie fordert jedoch Tempo bei den ausstehenden Erneuerbaren-Gesetzen EABG und EGG ein und nimmt auch die westlichen Bundesländer in die Pflicht: „Es kann jedenfalls nicht sein, dass wir bei der nächsten Energiekrise immer noch Bundesländer haben, in denen kein einziges Windrad steht.“ Die in Gewesslers Amtszeit vergebenen Förderungen, die unter anderem für das derzeitige Budgetdefizit verantwortlich gemacht werden, verteidigt sie weiterhin: „Jeder einzelne Euro, der in den Heizkesseltausch gegangen ist, war es wert“, so die ehemalige Energieministerin im Interview.

💡 Regierung will bei Förderungen rund 2 Mrd. Euro sparen. Die von der Bundesregierung eingesetzte „Förder-Taskforce“ hat letzte Woche ihren ersten Bericht vorgelegt. Ausgehend von der ermittelten Summe von 7,7 Mrd. Euro an „gestaltbarem Fördervolumen“ sollen nächstes Jahr 3,2 %, im Jahr 2028 dann 5,8 % und im Jahr 2029 schließlich 8,4 % eingespart werden. Kumuliert ergibt das ein Einsparvolumen von 1,35 Mrd. Euro – hier hinzu kommen bereits konkretisierte Einsparungen von 150 Mio. Euro jährlich von 2026 bis 2029, insgesamt also 1,95 Mrd. Euro. [Quelle: Bericht Förder-Taskforce | Grafik von Christoph Hofer] 

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Regierung gibt strategische Ölreserve frei. Die Regierung hat gestern den Freigabeprozess für die strategische Ölreserve gestartet – Österreich folgt damit dem Beschluss der IEA, die Reserven international koordiniert freizugeben, um Engpässe zu vermeiden. Die österreichische Reserve umfasst 2,5 Mio. Tonnen Öl, die dem nationalen Bedarf von 3 Monaten entsprechen, wovon 325.000 Tonnen freigegeben werden sollen. International geht es um die Freigabe von 400 Mio. Barrel Rohöl durch 32 Länder, Deutschland will 19,5 Mio. Barrel freigeben, die USA 172 Mio. Die Freigabe soll über 3 Monate erfolgen, wodurch in dieser Zeit in Österreich um 12 % zusätzliche Menge am Markt wären. Für die Freigabe ist im Nationalrat eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Die Regierung erwartet dadurch vor allem einen psychologischen Effekt und auch EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna geht von einer Marktberuhigung aus. Sie betont jedoch, dass es derzeit keine Engpässe gäbe, es fließe noch genug Öl nach Österreich. Der Iran setzt weiterhin alles daran, den Öl-Transport durch die Straße von Hormuz zu blockieren – Berichten zufolge soll die Meerenge mittlerweile vermint sein. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent hat heute Früh trotz Freigabe der Ölreserven wieder die Marke von 100 Dollar erreicht. [Quellen: BMWET, Pressefoyer, IEA, US-Energieministerium, Köppl-Turyna zu Selektiv, Reuters, Ölpreis Brent]

🇦🇹 2050 fehlen in Österreich 120.000 Arbeitskräfte. Laut AMS-Berechnungen fehlen in Österreich 2050 rund 120.000 Arbeitskräfte in Österreich. Grundlage für die Berechnungen sind die Bevölkerungsprognose und die Erwerbspersonenprognose der Statistik Austria. Nur in Wien wird die Erwerbsbevölkerung bis 2050 durch Zuwanderung um 16 % wachsen – überall anders ist mit deutlichen Rückgängen zu rechnen. Der Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte könne die Lücke in Österreich nicht kompensieren, da der Wettbewerb um internationale Fachkräfte zu hart ist, so AMS-Chef Johannes Kopf. Stattdessen müsse man verstärkt inländische Potenziale heben: Geflüchtete, Vertriebene, Frauen, Ältere und Lehrlinge. [Quelle: Pressegespräch via APA]  

🇦🇹 Mehr als 120.000 Jugendliche weder in Ausbildung noch Job. In Österreich waren 121.930 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren weder in Ausbildung, noch in einer AMS-Schulung, noch erwerbstätig (Stand: Oktober 2023). Der Anteil der sogenannten NEETs (Not in Education, Employment or Training) in dieser Altersgruppe lag bei 12,9 %. Mehr als die Hälfte der NEETs haben Migrationshintergrund (51,8 %). In Wien war der Anteil der NEETs mit 17,7 % am größten, in Oberösterreich mit 10,5 % am niedrigsten. [Quelle: Statistik Austria | Reaktionen: Volkshilfe, ÖGB]

🇦🇹 Erneuerbaren-Produktion 2025 um ein Fünftel gefallen. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern ist im Vorjahr um 19,1 % zurückgegangen. 78,9 % des Stromverbrauchs konnten aus Erneuerbaren gedeckt werden (2024: 94 %). Verantwortlich für den Rückgang war vor allem die Wasserkraft mit einem Minus von 24,8 %. Nachdem Österreich im Jahr 2024 mit einem Überschuss von 4.747 Gigawattstunden (GWh) zum Stromexporteur wurde, mussten im Jahr 2025 wieder 5.360 GWh importiert werden. „In den Wintermonaten konnten wir die Versorgungssicherheit nur aufrechterhalten, weil die Gaskraftwerke auf Hochtouren gefahren sind und wir Strom importieren konnten“, so APG-Vorstand Gerhard Christiner. [Quelle: APG | Grafik: Österreich im Winter von Strom-Importen abhängig]

🇦🇹 Budget-Fahrplan fixiert. Die Präsidiale des Nationalrats hat den Fahrplan für die Budgetverhandlungen abgesegnet. Wie geplant findet die Budgetrede des Finanzministers am 10. Juni statt, am 11. Juni folgt die „Erste Lesung“ im Nationalrat, am 26. Juni startet der Budgetausschuss die Beratungen mit einem Experten-Hearing und am 8. Juli startet das Finale im Nationalrat, der am 10. Juli zu einem Beschluss der Bundesfinanzgesetze für 2027 und 2028 kommen soll. [Quelle: Parlamentskorrespondenz]

🇦🇹 Mehrwertsteuersenkung in Begutachtung geschickt. Das Finanzministerium hat das Gesetz zur MwSt-Senkung auf Lebensmittel gestern in Begutachtung geschickt. Stellungnahmen sind bis 8. April 2026 möglich. Auf 12 Produkte bzw. Produktkategorien soll der Steuersatz ab 1. Juli 2026 von 10 auf 4,9 % herabgesetzt werden: Milch, Joghurt, Butter, Eier, frisches und gefrorenes Gemüse, genießbare Früchte, Reis, Mehl, Teigwaren, Brot und Speisesalz. Für das laufende Jahr nimmt das Finanzministerium Kosten von 135 Mio. Euro an, dann 400 Mio. pro Jahr. Bis 2030 entstehen Mindereinnahmen von 1,7 Mrd. Euro. Zur Gegenfinanzierung plant die Regierung eine Abgabe auf nicht-recyclebares Plastik sowie eine Abgabe auf Pakete aus Drittstaaten. [Quellen: Parlament, Gesetzestext, wirkungsorientierte Folgenabschätzung]

🇦🇹 Badelt für Erhöhung des Pensionsalters. Fiskalrats-Chef Christoph Badelt sprach sich gestern im Klub der Wirtschaftspublizisten für eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters aus. Er warf den Gegnern einer Erhöhung „mangelnde Intelligenz“ vor, da man aktuellen Pensionisten suggeriere, es werde ihnen etwas weggenommen. Eine Erbschaftssteuer oder eine Grundsteuer-Erhöhung sieht er nicht als geeignetes Mittel, um kurzfristig Budgetlöcher zu stopfen. Er sprach sich dringlich für Maßnahmen bei monetären Sozialleistungen, Pensionen und Gesundheit aus. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktionen: IV, Grüne]

🇪🇺 Kommende EZB-Sitzung von Unsicherheit geprägt. Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rates findet am 19. März statt. Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde lassen sich aufgrund der aktuellen Marktvolatilität derzeit keine Prognosen über künftige Beschlüsse treffen. Innerhalb des Rates bestehen unterschiedliche Positionen zum weiteren Vorgehen: Während der slowakische Notenbankpräsident Peter Kazimir aufgrund der neuen Inflationsrisiken eine frühere Zinserhöhung für möglich hält, warnt Bundesbank-Präsident Joachim Nagel vor voreiligen Schritten, betont aber die Bereitschaft zu entschlossenem Handeln. Auch EZB-Vizepräsident Luis de Guindos verwies darauf, in der aktuellen Situation ohne voreilige Schlüsse zu agieren. [Quellen: APA via Medienberichte – Kazimir/Lagarde, De Guindos, Nagel]

🇩🇪 Deutsche Inflationsrate sinkt im Februar auf 1,9 %. Die Inflationsrate in Deutschland ist im Februar auf 1,9 % zurückgegangen, nachdem sie im Januar bei 2,1 % und im Dezember 2025 bei 1,8 % gelegen hatte. Laut Ruth Brand, der Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, ist diese Entwicklung maßgeblich auf eine geringere Preissteigerung bei Nahrungsmitteln zurückzuführen. Durch den Iran-Krieg werden die Auswirkungen auf das deutsche Wirtschaftswachstum laut Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung moderat ausfallen, sofern der stärkste Preisanstieg bereits erfolgt ist. Für das Jahr 2026 wird ein BIP-Wachstum von 1 % (zuvor 1,3 %) und für 2027 von 1,4 % (zuvor 1,6 %) erwartet. Die Inflationsrate für das Gesamtjahr 2026 wird auf 2,4 % geschätzt, wobei für diesen Zeitraum nicht mit Zinsschritten der EZB gerechnet wird. [Quelle: Statistisches Bundesamt, DIW Konjunkturprognose – Frühjahr 2026, Winter 2025]

🇺🇸 US-Inflation bei 2,4 %. Die Verbraucherpreise in den USA sind im Monatsabstand um 0,3 % gestiegen. Im Jahresabstand lag die Inflation im Februar bei 2,4 %. Wohnkosten sind um 0,2 %, Nahrungsmittel um 0,4 % und Energiepreise um 0,6 % gestiegen. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten, dass die US-Inflation im März durch gestiegene Öl- und Treibstoffpreise um bis zu 1 Prozentpunkt höher ausfallen könnte. [Quelle: Bureau of Labor Statistics, Reuters]

Selektive Agenda:

Heute, Straßburg: Letzter Plenartag des EU-Parlaments [Info]

Heute, Zagreb, Kroatien: Außenministerin Meinl-Reisinger in Kroatien

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Arbeitsmarktdaten für das 4. Quartal 2025 und präsentiert den „Strukturwandel des Arbeitsmarkts 2005-2025“

9:00 Uhr, Wien: Sitzung des Bundesrats [Info]

9:30 Uhr, Wien: IV und Aktienforum präsentieren Aktienbarometer 2026 [Info]

10:30 Uhr, Wien: 1. KV-Verhandlungsrunde im Tourismus

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Doris Lippert wird neue Geschäftsführerin von Cloudflight Österreich. Nina Neubauer verstärkt das Management Team von LHH | OTM Karriereberatung. Simone Engels ist HR-Managerin von Lease a Bike Österreich. Seit Jahresanfang sind Sabrina Glechner, Jacqueline Guger, Leo Haslhofer und David Melingo Partner der Kanzlei Schramm Öhler. Jörg Neumayer wurde mit 96 % als SPÖ-Bezirksparteivorsitzender in Meidling bestätigt. Petra Kotzbeck wird Direktorin von Coremed. 

Geburtstage: Wir gratulieren Petra Aigner und Max Müller zum Geburtstag!

Sehen & gesehen werden:

Heute, Schruns: CIO Kongress West „Inteam“ (letzter Tag) [Info]

8:30 Uhr, Wien: 9. Deutsch-Österreichisches Technologieforum im Novotel Hauptbahnhof u. a. mit Christoph Knogler, Gerhard Dimmler, Rainhill Freitas uvm. [Info]

13:15 Uhr, Wien: Diskussionsrunde zum Thema „Die Rolle der
Regionen und des nächsten EU-Finanzrahmens für Europas
Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand“ u. a. mit Raffaele Fitto und Anton Mattle im Haus der Europäischen Union

17:00 Uhr, Wien: Verleihung des Phönix Gründungspreises im Haus der Industrie [invite only]

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