Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Mehr Erwerbstätige, aber Österreich arbeitet weniger. In Österreich ist die erwerbstätige Bevölkerung in den letzten 20 Jahren seit 2005 um 750.000 Personen gewachsen. Treiber waren vor allem die Frauenerwerbstätigkeit, die um 9,9 Prozentpunkte auf 71 % (2025) gestiegen ist, die Gruppe der 55- bis 64-Jährigen (+ 31 Pp auf 60,9 %) sowie ausländische Staatsangehörige (+ 9,5 Pp auf 21,2 %). Dennoch ist das Arbeitsvolumen, also die insgesamt pro Jahr gearbeiteten Stunden in Österreich, kaum gestiegen (+2,1 %). Schuld ist nicht nur der Teilzeit-Trend, sondern auch der Rückgang der Überstunden um 52 %. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist um 5,3 Stunden auf 29,4 Stunden gesunken. [Quellen: Statistik Austria, Pressekonferenz, Arbeitsmarktdaten Q4 2025 | Reaktionen: IV, WKÖ | Interview: „Teilzeitarbeit gehört unattraktiver gemacht“]
Kommentar: Für China ist der Irankrieg ein katastrophales Erdbeben
von Bernhard Seyringer
Chinas außenpolitische Architektur im Nahen Osten ist wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Der Iran war die wichtigste Säule im diplomatischen Konzept in einer Region, über die Peking bis dato weder Expertise oder Erfahrung hatte. China verliert dadurch massiv an Einfluss.
💡 Weniger als 7 % der Erwerbstätigen wollen mehr arbeiten. Rund 80 % der Erwerbstätigen in Österreich sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. 14,5 % wollen weniger Arbeiten, auch wenn damit finanzielle Einbußen verbunden wären. Nur 6,7 % würden gerne mehr arbeiten. Je höher der Bildungsabschluss, desto häufiger wird der Wunsch nach Arbeitszeitreduktion geäußert. Sind es bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss nur 8,4 %, die gerne weniger arbeiten wollen würden, so sind es bei Akademikern bereits 20 %. „Viele Menschen wünschen sich eine bessere Work-Life-Balance. Mittelfristig ist kein massiver Wunsch nach mehr Arbeitsstunden zu erwarten“, so Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk. [Quelle: Statistik Austria – Aussendung, Präsentation, Pressegespräch | Grafik von Stephan Frank]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 ÖVP und SPÖ weiter uneins über Spritpreisdeckel. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte gestern erneut, dass er einen Spritpreisdeckel ablehnt. „Wir haben nichts davon, wenn wir mit irgendwelchen Preisdeckeln Preise festsetzen und Österreich dann nicht mehr beliefert wird und die Tankstellen leer sind“, so der Minister zu Ö1. Die höheren Steuereinnahmen – die Finanzminister Markus Marterbauer am Mittwoch mit rund 10 Mio. Euro bezifferte – müssten „auch wieder zurückgegeben werden“, so Hattmannsdorfer weiter. Der Staat dürfe sich nicht „auf dem Rücken der Autofahrer bereichern“. Die SPÖ reagierte mit „großem Unverständnis“ auf Hattmannsdorfers Aussagen. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim und SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll forderten erneut einen Preiseingriff. „Eine Spritpreisbremse muss kommen“, so Schroll. „Die Politik muss eingreifen, die Preise müssen runter. Der zuständige Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer wäre gut beraten, in die Gänge zu kommen“, so Seltenheim. Bundeskanzler Christian Stocker sprach sich gestern laut Salzburger Nachrichten für ein Einfrieren der Steuern auf Treibstoffe auf dem Niveau vor dem Krieg aus – das sei bereits eingepreist. [Quellen: Hattmannsdorfer zu Ö1, SPÖ/Schroll, SPÖ/Seltenheim, SN | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 Meinl-Reisinger interessiert an kroatischem Spritpreis-Deckel. Außenministerin und Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger will sich das kroatische Modell eines Spritpreis-Deckels genau ansehen. Es handle sich dabei nicht um einen „absoluten Deckel“, sondern um eine dynamische Margenbeschränkung für Zwischenhändler zwischen Raffinerien und Tankstellen. Einen „absoluten Preisdeckel“ lehnt sie ab. In Kroatien werden Benzin und Diesel seit Dienstag auf 1,50 bzw. 1,55 Euro gedeckelt. Ökonomen warnen davor, dass eine Deckelung der Spritpreise zu Engpässen führen könnte. EcoAustra-Chefin Monika Köppl-Turyna äußerte im Gespräch mit Selektiv auch Zweifel, dass ein Deckel die Inflation niedrig halten könne. [Quelle: APA via Medienberichte, Selektiv]
Sinkende China-Exporte schlimmer als steigende China-Importe
Interview mit Günther Kerle
Die Verluste der europäischen Autohersteller am chinesischen Absatzmarkt haben wesentlich stärkere Auswirkungen auf die Jobverluste in der europäischen Autoindustrie als der verstärkte Import chinesischer Fahrzeuge, erklärt der Sprecher des Arbeitskreises der Automobilimporteure, Günther Kerle. Denn in China war in den letzten zehn Jahren „das große Geld zu machen“. Auch die US-Zölle belasten die Autobauer, Kerle erwartet daher weitere „Hiobsbotschaften“.
🇦🇹 Wertpapierbesitzer sorgen für Pension vor. 31 % der Österreicher besitzen laut einer aktuellen Umfrage Wertpapiere. Die Zahl stagniert damit im Jahresvergleich (2024: 30 %), seit 2022 ist der Anteil aber um 6 Prozentpunkte gewachsen. Einen stärkeren Anstieg gab es im Vorjahresvergleich bei ETFs und Investmentfonds sowie Anleihen, während es beim Aktienbesitz so gut wie keine Bewegung gab. Die Hauptmotivation ist die Pensionsvorsorge, gleichzeitig ist die Risikobereitschaft eher niedrig. Daraus schließt Aktienforums-Präsidentin Angelika Sommer-Hemetsberger, dass es keineswegs um Spekulation geht, sondern um langfristige Vorsorge. IV, Aktienforum und Wiener Börse bekräftigen ihren Ruf nach einem Vorsorgedepot oder einer Behaltefrist. Im Regierungsprogramm ist davon keine Rede. Die dort festgeschriebene Stärkung der 2. Säule (betriebliche Vorsorge) solle nun rasch umgesetzt werden, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer – mehr sei in dieser Regierungskonstellation schwer möglich. Wiener-Börse-Chef Christoph Boschan wies darauf hin, dass mehr inländisches Kapital mobilisiert werden müsse, um die zunehmende Kreditfinanzierung einzudämmen. Er empfiehlt eine Allokation von 2,5 % aus dem sozialstaatlichen Umlageverfahren auf dem Kapitalmarkt nach dem Vorbild von Schweden. Österreich sei in diesem Punkt ein Nachzügler. [Quelle: Pressekonferenz, Aktienbarometer]
🇦🇹 Keine Einigung zum Tourismus-KV. Die Verhandlungen zum Tourismus-KV brachten gestern in der 1. Runde kein Ergebnis. Die Arbeitnehmer fordern eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 3,8 %, für die Arbeitgeber ist das „wirtschaftlich nicht machbar“. Die rollierende Inflation liegt bei 3,6 %. [Quellen: WKÖ, vida]
🇦🇹 Reale Kaufkraft stagniert. Im Vorjahr ist die Kaufkraft in Österreich nominell um 3,1 % gestiegen. Angesichts der Jahresinflation von 3,6 % hat sich real jedoch ein Kaufkraftverlust ergeben. Seit 2015 ist die Kaufkraft nominell von 20.646 auf 29.282 Euro (+42 %) gestiegen, real zeigt sich jedoch kein Zuwachs. Im europäischen Vergleich liegt Österreich laut Regiodata aber „weiterhin im oberen Feld der kaufkraftstärksten Länder und deutlich über dem Europadurchschnitt“. [Quelle: Regiodata]
🇦🇹 Mehr Geld für Wiens Bezirke und ein Quantentechnologie-Zentrum. Wiens Bezirke bekommen 2027 insgesamt 10 % bzw. 27 Mio. Euro mehr Budget von der Stadtregierung. Zudem soll ein Quantentechnologie-Zentrum in Wien Neu Marx errichtet werden. [Quellen: Michael Ludwig auf X – Bezirksbudgets, Quantentechnologie-Zentrum]
🇪🇺 🇮🇷 Iran – EU hat derzeit keine Angst vor Engpässen. „10 Tage Krieg haben die europäischen Steuerzahler bereits zusätzliche 3 Mrd. Euro für Einfuhren fossiler Brennstoffe gekostet. Das ist der Preis unserer Abhängigkeit“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch vor dem EU-Parlament. Weder bei Öl noch bei Gas bestehe derzeit Sorge vor Engpässen, sagte eine Kommissions-Sprecherin nach der Tagung der EU-Expertengruppen. Die EU wollte der IEA noch am Abend koordiniert mitteilen, wie sie sich an der Freigabe von Ölreserven beteiligt. IEA-Mitgliedsländer hatten sich am Vortag darauf geeinigt, 400 Mio. Barrel Öl freizugeben. Die Agentur sprach gestern von einer bereits spürbaren Marktberuhigung. Der Ölpreis der Sorte Brent hat die Marke von 100 Dollar gehalten, der Gaspreis (Dutch TTF) ist mit rund 51 Euro ebenfalls stabil geblieben. Das nächste Meeting der Öl-Expertengruppe der EU tagt am 19. März, die Gas-Gruppe trifft sich kommende Woche. [Quellen: Rede von der Leyen, EU-Kommission Sprecherin, IEA, Ölpreis Brent, Gaspreis TTF]
🇪🇺 6 größte EU-Volkswirtschaften für zentralisierte Kapitalmarktaufsicht. In einem Brief an die EU-Kommission sprechen die Finanzminister Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Spaniens, Polens und der Niederlande ihre Unterstützung für die Idee einer zentralisierten Kapitalmarktaufsicht in der EU aus. Der Vorschlag der EU-Kommission aus dem Dezember 2025 sieht vor, die systemrelevanten, grenzüberschreitenden Finanzmarktinfrastrukturen zentralisiert zu beaufsichtigen. Bis Mitte des Jahres soll eine gemeinsame Position zu den Vorschlägen unter allen EU-Mitgliedstaaten erreicht werden. Sobald alle nationalen Regierungen eine gemeinsame Position festgelegt haben, kann der Vorschlag der EU-Kommission mit dem EU-Parlament verhandelt werden. [Quelle: Reuters, EU-Kommission]
🇺🇸 🇪🇺 US-Regierung prüft Handel mit EU auf Überkapazitäten. Die US-Regierung kündigte an, Untersuchungen gegen Handelspartner wie u. a. die EU einzuleiten. Sie sieht in bestimmten Fertigungssektoren strukturelle Überkapazitäten, die für die US-Wirtschaft nachteilig sind. Dies könnte in der Folge zu neuen Zöllen führen. Ein Sprecher der EU-Kommission entgegnete, dass man sich an den EU-US-Zolldeal halten solle. Die EU teile zwar die Sorge struktureller Überkapazitäten in der Weltwirtschaft, sehe diese aber nicht in der EU. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktion: Bernd Lange auf X]
🇩🇪 Irankrieg dämpft deutsches Wirtschaftswachstum, aber kein Einbruch. Obwohl die wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges das Wachstum belasten, erwarten führende Forschungsinstitute eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung. Trotz nach unten korrigierter Prognosen bleibt der Grundtenor positiv. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert für 2026 ein BIP-Wachstum von 1 % und für 2027 von 1,4 %, während die Inflationsrate für 2026 auf 2,4 % geschätzt wird. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel hat seine Erwartung für 2026 auf 0,8 % gesenkt und rechnet für 2027 mit einem Plus von 1,4 % bei einer Inflation von 2,5 % im laufenden Jahr. Das Ifo-Institut arbeitet mit zwei Szenarien. Bei einer Deeskalation wird ein Wachstum von 0,8 % für 2026 und 1,2 % für 2027 bei einer Teuerungsrate von 2,2 % erwartet. Im Falle einer Eskalation läge das BIP-Wachstum 2026 bei 0,6 % und 2027 bei 0,8 %, während die Inflation 2,5 % betragen würde. [Quellen: DIW, Ifw, Ifo]
🇺🇸 Noch keine US-Eskorte für Öltanker – Sanktionen gelockert. Laut US-Energieminister Chris Wright sind die USA derzeit „einfach noch nicht bereit“, Schiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren. US-Präsident Trump hatte Eskorten durch die US-Navy bereits am 3. März angekündigt. Laut Wright arbeiten die USA weiter daran, das zu ermöglichen. „Gegen Ende des Monats“ könnten dann Eskorten für Öltanker möglich sein, so Wright. US-Finanzminister Scott Bessent hat indes eine vorübergehende Lockerung der Russland-Sanktionen verabschiedet. Russisches Öl und Treibstoffe, die vor dem 12. März auf Tankschiffe verladen wurde, dürfen bis 11. April verkauft werden. [Quellen: CNBC/Wright, Bessent auf X, Department of Treasury]
🇺🇸 US-Exporte steigen, Handelsdefizit schrumpft. Das Außenhandelsdefizit der USA ist im Jänner um ein Viertel auf 54,5 Mrd. Dollar geschrumpft. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Defizit von 66,6 Mrd. Dollar erwartet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Exporte um 10,4 % gestiegen und die Importe um 11,3 % gesunken. [Quellen: BEA, Reuters]
Selektive Agenda:
9:00 Uhr, Wien: Sozialministerin Schumann nimmt am Pflege-Management-Forum „Pflege trifft Politik“ teil
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Wohnkosten für 4. Quartal und Gesamtjahr 2025 sowie Baukostenindex für Februar 2026
11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Industrieproduktion der Eurozone im Jänner
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Alexa Lutteri leitet seit Anfang März die Pressestelle des WWF Österreich. Christian Kapar wird neuer Leiter des Bereichs Operations bei CC4, Michael Emele übernimmt die Leitung Sales & Customer Care. Rudolf Smolej ist neuer FPÖ-Abgeordneter im burgenländischen Landtag, Michael Gmeindl und Thomas Karacsony übernehmen die Funktionen des FPÖ-Landesparteisekretärs. Martina Salomon bleibt für 2 weitere Jahre Herausgeberin des Kurier, Martin Gebhart für 3 Jahre Chefredakteur.
Geburtstage: Wir gratulieren Martin Engelberg und Joesi Prokopetz zum Geburtstag. Am Sonntag hat Christopher Drexler Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
12:30 Uhr, Wien: Europa Club Wien – „Europa in der neuen Weltordnung: Was muss geschehen, um den Stresstest zu bestehen?“ mit Reinhold Lopatka, Evelyn Regner, Werner Kogler, Dominik Oberhofer und Paul Schmidt im Haus der Europäischen Union [Info]
Sonntag, 11:00 Uhr, Wien: Saisoneröffnung Schweizerhaus