Morning in Brief ・ 16.03.2026

Morning in Brief, 16. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 OMV-Chef wehrt sich gegen Übergewinn-Vorwurf. OMV-Chef Alfred Stern verteidigt sich gegen die Vorwürfe, mit hohen Spritpreisen Übergewinne zu erzielen. Der wahre Profiteur sei der Finanzminister, der pro Liter Benzin 90 Cent einstreife. „Ohne Steuern und Abgaben könnte die OMV Sprit um 80 Cent pro Liter verkaufen“, so Stern im Interview mit der Presse. Nach Abzug der Kosten für Rohöl bleiben der OMV pro Liter überhaupt nur 25 Cent, „um das Öl von irgendwo auf der Welt nach Italien zu bringen, dann durch die 400 Kilometer lange Pipeline nach Schwechat zu transportieren, die Raffinerie zu betreiben und die Tankstellen zu erhalten“. Er empfiehlt eine Senkung von Mehrwertsteuer und CO2-Steuer. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim sieht das anders und forderte gestern: „Ziehen wir krisenbedingten Übergewinnen von Öl-Multis den Stecker.“ IHS-Chef Holger Bonin plädierte in der ORF-Pressestunde auf ein behutsames Vorgehen. Das IHS prüfe derzeit im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Entwicklung der Margen bei den Raffinerien. Ende März liege der Bericht vor, der die Grundlage für Entscheidungen zu möglichen Eingriffen sein soll. „Wenn es Hinweise auf Absprachen gibt, greifen wir sofort ein“, sagte BWB-Chefin Natalie Harsdorf gestern in der ZIB2. Die BWB habe aber keinen unmittelbaren Hebel, um Preise zu senken, langfristig müsse man den Wettbewerb stärken. Vor Preiseingriffen bei Tankstellen warnt sie – 1.000 der 2.700 Tankstellen in Österreich sind unabhängig – die könnten es sich laut Harsdorf „nicht lange leisten, zu verkaufen, wenn sie ihre Kosten nicht decken können“. [Quellen: Die Presse, Ö1-Mittagsjournal am Samstag, Seltenheim, Bonin in der ORF-Pressestunde, Harsdorf in der ZIB2]

„Verzicht auf US-Technologie würde uns massiv Wohlstand kosten“
Interview mit Michael Zettel

Eine vollständige digitale Souveränität bleibt für AmCham-Präsident und Accenture-Österreich-Chef Michael Zettel eine Illusion. Im Interview analysiert Zettel den Aufholbedarf Europas und erklärt, warum ein Verzicht auf US-Technologie gerade bei KI wohlstandsgefährdend wäre. Er fordert eine Abkehr von überbordender Bürokratie und mahnt zur Eile bei der Rechtssicherheit sowie der digitalen Erwachsenenbildung, um insbesondere den Mittelstand nicht zu verlieren. Sein Appell: „Wir dürfen Unternehmen nicht mit Regulierung erdrücken, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben“, damit Österreich und Europa bei der nächsten technologischen Welle nicht nur zusehen, sondern die Führung in der Anwendung übernehmen.

💡 Österreich rutscht bei wirtschaftlicher Freiheit ab. Österreich fällt im „Index of Economic Freedom“ der Heritage Foundation von Platz 18 (2006) über Platz 28 (2016) auf Platz 33 (2026) zurück. Im gleichen Zeitraum kann die Schweiz von Platz 15 (2006) auf den starken 2. Platz (2026) klettern. Schweden verbessert sich von Rang 19 (2006) auf Platz 11 (2026). Deutschland befindet sich wie Österreich auf einem Abwärtstrend und verlor seit 2016 (Rang 17) 7 Plätze (2026: Rang 24). Besonders schlecht schneidet Österreich in den Bereichen „Staatsausgaben“ und „Steuerlast“ ab. [Quellen: Index of Economic Freedom – 200620162026 | Grafik von Christoph Hofer] 

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🌐 Internationale Ölreserven teilweise schon verfügbar. Die Internationale Energieagentur hat ein Update zur Freigabe der Ölreserven veröffentlicht. Die Bestände in Asien und Ozeanien seien ab sofort verfügbar, Öl aus Europa und Amerika folge Ende März. Zugesagt sind insgesamt 271,7 Mio. Barrel Öl aus staatlichen Reserven und 116,6 Mio. Barrel aus vorgeschriebenen Industriebeständen. Aus Europa werden insgesamt 107,5 Mio. Barrel erwartet, aus Amerika 172,2 Mio. „But the most important factor in ensuring a return to stable flows is the resumption of regular transit of shipping through the Strait of Hormuz“, schreibt die IEA. Einzelne Schiffe aus Indien ließ der Iran laut Berichten bereits passieren. US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende relativ unkonkret die Entsendung internationaler Kriegsschiffe an der Seite der USA zur Sicherung der Straße von Hormuz in Aussicht gestellt. Er hoffe, dass China, Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien und andere Länder Schiffe schicken. Die US-Regierung hatte am Donnerstag den Verkauf von russischem Rohöl und russischen Erdölprodukten, die vor dem 12. März um 0.01 Uhr auf Schiffe verladen wurden, bis zum 11. April erlaubt. Der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent lag Montagfrüh bei 104,8 Dollar. [Quellen: IEA, Reuters, Trump af Truth Social, Ölpreis Brent]

🇦🇹 Wohnungsmieten im 4. Quartal 2025 gestiegen. Die durchschnittliche Monatsmiete inklusive Betriebskosten ist im 4. Quartal 2025 auf 10,4 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Im 3. Quartal 2025 lag der Durchschnitt bei 10,2 Euro pro Quadratmeter und im 4. Quartal 2024 bei 9,9 Euro. Die Mieten exklusive der Betriebskosten erhöhten sich im Vorjahresvergleich um 30 Cent auf 7,8 Euro pro Quadratmeter. Die Betriebskosten stiegen im selben Zeitraum um 1,3 % auf 2,6 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise im Durchschnitt auf 172,5 Euro pro Wohnung und Monat. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Grüne wollen höhere Bankenabgabe verlängern. Die Grünen wollen, dass die erhöhte Bankenabgabe verlängert wird. Die Bankenabgabe wurde vergangenes Jahr im Zuge der Budgetsanierung von 200 auf 500 Mio. Euro pro Jahr erhöht – beschränkt auf 2 Jahre. 2027 würde sie also wieder auf 200 Mio. Euro sinken. Die Grünen wollen eine Verlängerung bis 2029. Außerdem wollen sie grundsätzlich eine Besteuerung von „Übergewinnen“ statt der Bilanzsumme. Die Partei will einen entsprechenden Antrag im Nationalrat einbringen. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Wasserkraft im Jänner historisch niedrig. Am 25. Jänner verzeichnete die Laufwasserkraft mit einer Erzeugung von 27,7 GWh ein historisches Tagesminimum. Insgesamt ist die Wasserkraftproduktion im Jänner 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,2 % gesunken. Die Stromproduktion aus Windkraft konnte um 29,2 % zulegen. Da die Sonneneinstrahlung um fast 60 % niedriger war, konnte auch Photovoltaik weniger Strom liefern. Insgesamt lieferten Erneuerbare um 17,1 % weniger Strom als im Jänner 2025. Gleichzeitig ist der Stromverbrauch um 8,7 % gestiegen. „Im Jänner konnten wir die Versorgungssicherheit nur durch Gaskraftwerke und Importe gewährleisten“, so APG-Vorstand Gerhard Christiner. Die Importe haben das APG-Übertragungsnetz dabei „bis an den Grenzbereich“ ausgenutzt. [Quelle: APG]

🇦🇹 Baukosten im Februar steigen im Monats- und Jahresvergleich. Im Februar sind die Baukosten im Hoch- und Tiefbau sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich gestiegen. Im Vorjahresvergleich verteuerte sich der Wohnungsbau um 1,9 %, der Brückenbau um 1,7 %, der Siedlungswasserbau um 1,3 % und der Straßenbau um 0,6 %. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 KI soll Verwaltung entlasten. Die Bundesregierung will das Allgemeine Verwaltungsverfahrensgesetzes (AVG) novellieren, um u. a. den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Chatbots in Verwaltungsverfahren zu ermöglichen. Chatbots sollen z. B. Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen leisten. Bürger sollen ihre Anliegen aber auch „direkt und jederzeit über einen Chatbot“ einbringen können. Auch wird eine gesetzliche Grundlage für vollständig automatisierte Entscheidungen in einfachen und standardisierten Fällen geschaffen, bisher braucht jede Entscheidung einer Behörde eine menschliche Genehmigung. [Quelle: BKA | Reaktion: Grüne]

🇪🇺 EU-Kommission startet Prozess zur vorläufigen Anwendung des EU-Mercosur-Deals. Die EU-Kommission hat die erforderlichen Verfahrensschritte eingeleitet, um die vorläufige Anwendung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur zu implementieren. Dies bestätigte der stellvertretende Sprecher der Kommission, Olof Gill, gegenüber Politico. Sobald die formalen Schritte zur vorläufigen Anwendung von beiden Seiten vollzogen wurden, kann das Abkommen am ersten Tag des zweiten Monats nach Abschluss der Formalitäten in Kraft treten. Gill konnte gegenüber Politico kein exaktes Datum bestätigen. Es wird jedoch angenommen, dass das Handelsabkommen Anfang Mai in Kraft treten wird. [Quelle: Politico]

🇪🇺 EU-Staaten für Verschiebung von KI-Regulierung. Der Rat der EU-Mitgliedsländer hat sich dafür ausgesprochen, den „AI Act“ und damit die strengen Regeln für KI um 16 Monate zu verschieben und erst ab Dezember 2027 anzuwenden. Ursprünglich wären Teile davon bereits ab August 2026 in Kraft getreten. Die EU-Kommission hatte die Verschiebung vorgeschlagen. Nun ist das EU-Parlament am Zug. [Quelle: EU-Rat]

🇪🇺 Industrieproduktion in der Eurozone im Jänner rückläufig. Die Industrieproduktion in der Eurozone sank im Jänner im Vergleich zum Dezember 2025 um 1,5 % und im Vorjahresvergleich um 1,2 %. Damit setzte sich der Abwärtstrend fort, nachdem bereits im Dezember ein Rückgang von 0,6 % verzeichnet worden war. Vor allem die Produktion von Verbrauchsgütern ging zurück, während die Energiesparte sowohl im Vormonats- als auch im Jahresvergleich Zuwächse von 4,7 % bzw. 5,8 % verbuchte. In Österreich stieg die Industrieproduktion im Jänner im Vormonatsvergleich um 0,5 % und im Vorjahresvergleich um 2,1 %. Deutschland verzeichnete hingegen ein Minus von 1,3 % im Vergleich zum Vormonat und ein Minus von 1,6 % gegenüber dem Vorjahr. [Quelle: Eurostat]

🇺🇸 US-Wirtschaft schwächer gewachsen. Die US-Wirtschaft ist im Schlussquartal 2025 deutlich schwächer gewachsen als zunächst ermittelt. Statt annualisierten 1,4 % lag das BIP-Plus nur bei 0,7 %. Im 3. Quartal lag die aufs Jahr hochgerechnete Wachstumsrate noch bei 4,4 %. Die Abschwächung vom 3. auf das 4. Quartal wird durch einen Rückgang der Staatsausgaben, der Exporte sowie schwächerer Konsumausgaben erklärt, welche aber teilweise durch einen Anstieg der Investitionen ausgeglichen wurden. Im Gesamtjahr 2025 ist die US-Wirtschaft somit um 2,1 % gewachsen. Jüngste Daten der Universität Michigan zeigen im März einen weiteren Rückgang der Konsumstimmung um 1,9 % im Monatsabstand bzw. 2,6 % im Jahresabstand. Mit 55,5 Punkten fiel der Wert jedoch besser aus als erwartet (55,0). [Quelle: BEA, University of Michigan, Reuters]

🌐 5. Konferenz für Ukraine-Wiederaufbau. Die 5. Konferenz für den Wiederaufbau der Ukraine findet am 25. und 26. Juni im polnischen Danzig statt. Der Schwerpunkt soll auf der ukrainischen Energie- und Verkehrsinfrastruktur liegen. [Quelle: Ukrinform]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Bekanntgabe des Konjunkturindikators März der UniCredit Bank Austria

9:00, Brüssel: Staatssekretärin Zehetner beim EU-Rat zu „Verkehr, Telekommunikation und Energie“ [Info]

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht Zahlen zu Familien, Haushalten, Lebensformen 2025

9:30 Uhr, Wien: Finanzminister Marterbauer stellt die Zollbilanz 2025 vor

10:00, Brüssel: Außenministerin Meinl-Reisinger beim EU-Rat zu „Auswärtige Angelegenheiten“ [Info]

Wochenvorschau

Am Montag ist Staatssekretärin Elisabeth Zehetner beim EU-Energie-Rat und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger beim EU-Rat für Äußeres in Brüssel. In Wien gibt die Bank Austria ihren Konjunkturindikator bekannt und das Finanzministerium präsentiert die Zollbilanz 2025. Am Dienstag zieht das Verteidigungsministerium Bilanz zum Bundesheer 2025. 

Am Mittwoch trifft sich der Ministerrat. Die EU-Kommission veröffentlicht eine Mitteilung zum „28. Regime“ für Unternehmen. Am Abend steht der Zinsbeschluss der US-Notenbank Fed an – veröffentlicht werden auch Projektionen zu Wachstum, Inflation, Zinsen und Arbeitslosenrate.

Am Donnerstag folgt die EZB mit ihrem Zinsbeschluss und Projektionen. In Wien stellt die Oecd gemeinsam mit Außen- und Wirtschaftsministerium das „Economic Survey“, den neuen Wirtschaftsbericht der Oecd zu Österreich, vor. Bundeskanzler Christian Stocker ist beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Auf der Agenda: Ukraine, Iran, Wettbewerbsfähigkeit, EU-Mehrjahresbudget für 2028-2034, Verteidigung, Sicherheit und Migration. 

Am Freitag wird in Brüssel der EU-Gipfel fortgesetzt und in Wien informiert die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) über aktuelle Entwicklungen bei Zinssätzen, Krediten, Einlagen und Wohnimmobilien. Eurostat veröffentlicht Zahlen zur EU-Handelsbilanz im Jänner.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Madlen Stottmayer ist neue Chefreporterin der Tageszeitung Die Presse. Martin Heinzl wurde zum Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft gewählt. Elisabeth Salzer kommuniziert gemeinsam mit Valentin Petritsch für WKÖ-Präsidentin Martha Schultz. Daniel Huppmann ist neuer Leiter des Climate Change Center Austria. Martin Heinzl bleibt Chef der Polizeigewerkschaft. Stefan Amon ist seit März neuer Schulinspektor der NÖ Landwirtschaftlichen Fachschulen. Günther Oswald unterstützt seit Anfang März die Presseabteilung der BKS Bank in Klagenfurt. Franz Xaver Brandmayr wird neuer Rektor des Österreichischen Pilger-Hospizes in Jerusalem.

Geburtstage: Wir gratulieren Nora Zoglauer zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

11:00 Uhr, Klagenfurt: Diskussionsveranstaltung zu „Europa ist die Lösung, nicht das Problem“ im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung u. a. mit Landeshauptmann Peter Kaiser und Paul Schmidt

17:00 Uhr, Graz: Verleihung der Josef Krainer-Wissenschaftspreise 2026 im Meerscheinschlößl [invite only]

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