Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Bundesregierung senkt MöSt und beschränkt Tankstellen-Gewinne. Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, die Mineralölsteuer zu senken und die Gewinnmargen zu beschränken – ob an den Tankstellen oder bei den Raffinerien dürfte noch unklar sein. Die MöSt wird zunächst um je 5 Cent für Benzin und Diesel gesenkt – „budgetneutral“, wie die Regierung betont. Gemeinsam mit der Margenbeschränkung soll der Preis für einen Liter Treibstoff im Durchschnitt um 10 Cent sinken. Der Anstieg der Margen soll „im Vergleich zum Vorkrisenniveau halbiert“ werden, so Vizekanzler Andreas Babler. Bei Gefährdung der Versorgungssicherheit kann der Eingriff ausgesetzt werden. Bundeskanzler Christian Stocker erhofft sich, „Inflationsschübe zu dämpfen, die Treibstoffpreise zu stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“. Im Nationalrat braucht es nächste Woche eine Zweidrittelmehrheit, damit die Verordnung ab 1. April in Kraft treten kann. Dann gelten beide Maßnahmen für einen Monat, bevor sie neu evaluiert werden müssen. Die Verordnung soll mit Jahresende 2026 auslaufen. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr sagte in der ZIB2, dass man mit den Maßnahmen noch hätte warten können. Er rechnet mit einer Dämpfung der Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte, wobei die Teuerung dennoch auf ungefähr 2,9 % steigen werde. [Quellen: Pressefoyer, BKA, MRV, ZIB2 | Reaktionen: SPÖ, FPÖ, Die Grünen, WKÖ, Wirtschaftsbund, AK, ÖGB, ÖAMTC]
Kommentar: Willkommen im roten Kompromismus
von Sara Grasel
Am Regierungs-Steuer scheint jetzt endgültig die SPÖ zu sitzen, die ganz konsequent ihren Plan durchsetzt – wenn ein Kompromiss gefragt ist, und das ist in dieser Konstellation Dauerprogramm, wissen die Roten genau, was sie wollen. Welche wichtigen Dinge auch immer im Gegenzug für die vielen schmerzhaften Markteingriffe herausschauen – sie sind als Signale nicht einmal halb so stark. Kein Wunder, dass niemand beruhigt ist, wenn die ÖVP versucht, ihre Wähler beim Thema Erbschaftssteuer oder Grundsteuererhöhung zu kalmieren. Wer weiß, im Gegenzug für eine Lohnnebenkosten-Senkung vielleicht?
💡 Wohnbausektor verzeichnet Rekordrezession. Mit einem Minus von 21,7 % vom 1. Quartal 2022 bis zum 4. Quartal 2025 muss der heimische Wohnbausektor die tiefste Rezession in 30 Jahren hinnehmen. Zuletzt gab es rund um die Jahrtausendwende einen vergleichbaren Rückgang (-20,7 %). „Die österreichische Wohnbaurezession sucht europaweit fast ihresgleichen. Auch 2026 dürfte für den Wohnbausektor ein Rezessionsjahr sein, Bauzäune und Kräne haben im Landschafts- und Stadtbild mittlerweile Seltenheitswert“, so Raiffeisen-Research-Ökonom Matthias Reith. [Quelle: RBI/Raiffeisen Research | Grafik von Christoph Hofer]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die durchschnittlichen Preise für Benzin liegen heute in Österreich bei 1,789 Euro pro Liter und für Diesel bei 1,994 Euro – Erhöhungen sind nur noch am Montag, Mittwoch und Freitag möglich. Der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent lag Donnerstagfrüh bei 112,64 Dollar, der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF lag gestern zu Handelsschluss bei 54,662 Euro pro MWh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis Brent, Gaspreis TTF]
🇦🇹 Inflation im Februar bei 2,2 %. Die Inflationsrate betrug im Februar 2,2 %, nachdem sie im Jänner noch bei 2 % gelegen hatte. Das durchschnittliche Preisniveau stieg von Jänner auf Februar um 0,8 %. Dieser Anstieg resultiere primär daraus, dass die Preisrückgänge bei Haushaltsenergie und Treibstoffen geringer ausfielen, während die Preise für Tabakwaren gegenüber dem Jänner deutlich stiegen, so Statistik-Austria-Direktorin Manuela Lenk. In der Eurozone stieg die Inflationsrate im Februar auf 1,9 %, nach 1,7 % im Jänner. Im Februar 2025 lag sie bei 2,3 %. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat]
🇦🇹 Weniger Insolvenzen im 1. Quartal. Im 1. Quartal mussten in Österreich 1.687 Unternehmen Insolvenz anmelden – 6 % weniger als im Vorjahresvergleich. 44 % der Insolvenzen gehen auf Unternehmen aus den Bereichen Handel, Baugewerbe und der Gastronomie sowie Beherbergung zurück. 41 % der insolventen Unternehmen können die Kosten von 4.000 Euro für die Eröffnung eines ordentlichen Insolvenzverfahrens nicht finanzieren. Karl-Heinz Götze, Leiter des KSV1870 Insolvenz, regt daher an, „sich konkret Gedanken zu machen, wie man aus gesetzlicher Sicht mit derartigen Fällen in Zukunft umgehen möchte“. [Quelle: KSV 1870]
🇦🇹 Cyber-Angriffe auf Unternehmen stark gestiegen. In Österreich hat sich der Anteil jener Unternehmen, die fast täglich durch Ransomware angegriffen werden, 2025 im Jahresabstand auf 28 % verdoppelt. Vor Inkrafttreten der EU-Cyber-Security-Richtlinie NIS2 am 1. Oktober haben 23 % der Unternehmen ihre Vorbereitungen abgeschlossen, 9 % haben noch keine konkreten Pläne. [Quelle: Deloitte]
🇦🇹 Erstes Treffen der WKÖ-Reformgruppe am 24. März. Die von WKÖ-Präsidentin Martha Schultz angekündigte Reformgruppe tritt am kommenden Dienstag zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen, wie die Grüne Wirtschaft gegenüber der APA bestätigte. Ein Zwischenbericht soll bis Juni vorliegen. Die Industriellenvereinigung fordert im Zuge der Reform u. a. eine Verschlankung der Strukturen sowie eine schrittweise Senkung der Hebesätze für die Kammerumlage 1 und 2 um insgesamt 30 % über 3 Jahre. Während die Grüne Wirtschaft u. a. die Abschaffung der Fachgruppen auf Landesebene, den Entfall der Kammerumlage 2 sowie eine Deckelung der Grundumlagen für Ein-Personen-Unternehmen auf 100 Euro verlangt, liegen auch von weiteren Fraktionen Forderungen vor. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 🇪🇺 Österreich setzt sich für Prüfung des Emissionshandelssystems ein. In einem gemeinsamen Schreiben an EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordern Bundeskanzler Christian Stocker und 9 weitere EU-Staats- und Regierungschefs eine „grundsätzliche Überprüfung des Emissionshandelssystems (ETS)“. Ziel der Initiative ist es, die Auswirkungen des ETS auf die Strompreise abzufedern und das Risiko von CO2-Preisschwankungen zu verringern. Zudem plädieren die Unterzeichner dafür, die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten im Rahmen des ETS 1 über das Jahr 2034 hinaus zu verlängern. Bis spätestens Ende Mai solle die EU-Kommission die Überprüfung des EU-ETS vorlegen. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktion: Die Grünen, IV | Grafik: So teuer ist eine Tonne CO2 in…]
🇪🇺 „EU Inc.“: Unternehmen gründen um 100 Euro. Die EU-Kommission hat gestern ihren Vorschlag für die sogenannte „EU Inc.“ vorgestellt – einen digitalen europäischen Unternehmensrahmen. Dieses Modell soll ein einheitlich harmonisiertes Regelwerk schaffen, das Unternehmen optional wählen können, um der Komplexität der 27 unterschiedlichen nationalen Rechtssysteme zu entgehen. Innerhalb dieses Rahmens soll eine Unternehmensgründung von jedem Ort in der EU aus vollständig online, innerhalb von 48 Stunden sowie für unter 100 Euro und ohne Mindestkapitalanforderungen möglich sein. Das EU-Parlament und der Rat beraten nun über den Entwurf. Eine Einigung wird bis Ende 2026 angestrebt. [Quelle: EU-Kommission | Reaktionen: ÖVP, SPÖ, Junge Wirtschaft, ÖGB]
🇪🇺 Worüber die EU-Regierungschefs heute beraten. Ganz oben auf der Agenda des heutigen Treffens des Europäischen Rates steht der Krieg im Iran sowie dessen Auswirkungen auf die europäische Energieversorgung und die Energiepreise. Im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit beraten die Staats- und Regierungschefs über den im Februar angekündigten Plan „One Europe, one Market“, dessen offizielle Präsentation für den März-Gipfel vorgesehen war. Weitere zentrale Themen sind der neue Mehrjährige Finanzrahmen für den Zeitraum 2028 bis 2034, die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine inklusive des 90-Mrd.-Euro-Hilfspakets sowie Fragen der europäischen Verteidigung, Sicherheit und Migration. [Quelle: Europäischer Rat]
🇪🇺 Abstimmung über EU-US-Zolldeal heute. Das EU-Parlament wird heute im Ausschuss für internationalen Handel über das Handelsabkommen mit den USA abstimmen. Diese Abstimmung beendet eine mehrwöchige Blockade, nachdem die Abgeordneten die Ratifizierung aufgrund rechtlicher Unsicherheiten zunächst aufgeschoben hatten. Hintergrund ist das Urteil des US-Supreme-Court aus dem Februar, welches wesentliche Zollbestimmungen des Turnberry-Abkommens für verfassungswidrig erklärte. Die finale Abstimmung im Plenum des EU-Parlaments wird voraussichtlich im Zeitraum März oder April stattfinden. Erst nach einem positiven Votum des Plenums kann das EU-Parlament Verhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission aufnehmen, um die endgültige Umsetzung des Kompromisses zu regeln. [Quellen: Agenda Handelsausschuss, Bernd Lange auf X, Politico]
🇪🇺 🇦🇹 Österreich unterschreibt Mercosur-Abkommen. Per Umlaufbeschluss hat der Ministerrat beschlossen, das Mercosur-Abkommen zu unterschreiben und einer vorläufigen Anwendung nach Genehmigung durch den Nationalrat zuzustimmen. Da es im Jänner bei einer Abstimmung in der EU eine Mehrheit für das Abkommen gab, ist Österreich – wie alle anderen Länder – zur Unterzeichnung verpflichtet. Österreich setzt sich für eine konsequente Umsetzung beschlossener Schutzmaßnahmen ein. [Quelle: Umlaufbeschluss | Grafik: Oberösterreich profitiert am meisten von Mercosur]
🇺🇸 US-Leitzinsen bleiben unverändert, Konjunkturprognose angehoben. Die US-Notenbank Fed ging gestern mit ihrer Zinspause in die Verlängerung und beließ die Spanne bei 3,50-3,75 %. Es ist wie erwartet die zweite Pause in Folge. Die Konjunkturprognosen hat die Fed etwas nach oben korrigiert – für die USA erwartet sie heuer ein BIP-Wachstum von 2,4 % (zuvor 2,3 %) und für 2027 von 2,3 % (zuvor 2,0 %). Die Prognose rechnet für heuer mit einer US-Inflation von 2,7 % (zuvor 2,4 %). [Quelle: Fed – Zinsbeschluss, Prognosen]
🇮🇶 Irak exportiert wieder etwas Öl. Der Irak exportiert nun 250.000 Barrel Öl pro Tag über den türkischen Hafen Ceyhan. Vor der Hormuz-Sperre lagen die Ölexporte bei rund 3,5 Mio. Barrel pro Tag. [Quelle: Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, Brüssel: Europäischer Rat u. a. mit Bundeskanzler Christian Stocker (bis 20.3.) [Info]
Heute, Genf: Die Welthandelsorganisation veröffentlicht den „Global Trade Outlook and Statistics“.
Heute, Chisinau: Sozialkonferenz des Europarates u. a. mit Petra Bayr (letzter Tag)
10:30 Uhr, Wien: Präsidiale des Nationalrats
14:15 Uhr, Frankfurt: EZB Bekanntgabe des Zinsbeschlusses
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Tiana Majstorovic wird mit dem 1. April Leiterin des Bereichs Investor Relations & Capital Markets bei der UNIQA Inscurance Group. Karl Gruber wird mit Mai 2026 Geschäftsführer der ImWind Gruppe. Kathrin Gaál ist ab dem 1. April neues Mitglied des Sozialbau-Vorstandes. Generalmajor Friedrich Schrötter übernimmt die Führung der Landesverteidigungsakademie.
Geburtstage: Wir gratulieren Elisabeth Zehetner, Sonja Wehsely, Sigrid Maurer und Wolfgang Ambros zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
18:00 Uhr, Wien: Der Verband Österreichischer Zeitungen lädt zur Verleihung der ADGAR Awards für die besten Werbeanzeigen des Landes ins Konzerthaus [invite only]