Morning in Brief ・ 20.03.2026

Morning in Brief, 20. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Gewinnmargen-Beschränkung nimmt Gestalt an. Um die Spritpreis-Maßnahmen schnell auf den Weg bringen zu können, gibt es am Montag eine Sondersitzung des Nationalrats. Die Begutachtung ist nur bis Dienstag angesetzt. Am Mittwoch und am Donnerstag folgen reguläre Sitzungen, in denen der Beschluss fallen kann. Die notwendigen Änderungen im Preisgesetz erfordern eine Zweidrittelmehrheit. Krisengewinne sollen laut Wirtschaftsministerium dann per Verordnung „von der Raffinerie bis zur Tankstelle“ verhindert werden. Greifen soll der Mechanismus, „wenn die im Weekly Oil Bulletin gemeldeten Netto-Preise gegenüber dem Stand zwei Monate zuvor um mehr als 30 Prozent gestiegen sind“. Unternehmen sollen weiterhin ihre Kosten decken und einen Gewinn machen können. Die Kontrolle der Margen liegt bei der E-Control. [Quellen: APA via Medienberichte, Begutachtungsentwurf, Parlamentskorrespondenz]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die durchschnittlichen Preise für Benzin liegen heute in Österreich bei 1,759 Euro pro Liter und für Diesel bei 1,969 Euro – Erhöhungen sind nur noch am Montag, Mittwoch und Freitag möglich. Der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent lag Freitagfrüh bei 106,58 Dollar, der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF lag gestern zu Handelsschluss bei 60,995 Euro pro MWh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis Brent, Gaspreis TTF]

Kommentar: Der Nährboden der nächsten Inflationswelle
von Heike Lehner

Die Zinsen halten still. Doch bei all dem Abwarten und Tee trinken dürfen wir nicht den Fehler machen, die Anfänge der letzten Hochinflationsphase vor ein paar Jahren mit der aktuellen zu vergleichen. Die Ausgangslage hat sich verändert. Damals kamen wir aus einem Jahrzehnt mit niedrigen Zinsen und niedriger Inflation. Heute rutschen wir von der einen Hochinflationsperiode potenziell in die nächste. Und genau dieser Nährboden ist es, wieso wir vorsichtig sein müssen.

💡 Österreich bei Spritpreisen im EU-Mittelfeld. Am 16. März kostete 1 Liter Benzin (Euro-Super 95) in Österreich 1,74 Euro. Im gewichteten EU-Durchschnitt mussten 1,84 Euro gezahlt werden. Besonders teuer ist der Liter Benzin in den Niederlanden (2,26 Euro), Dänemark (2,18 Euro) und Deutschland (2,09 Euro). Günstig tankt man in Malta (1,34 Euro) und Bulgarien (1,33 Euro). Bei den Kosten für Diesel lag Österreich mit 1,95 Euro je Liter genau im EU-Durchschnitt. [Quelle: Weekly Oil Bulletin | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 OECD hebt Wachstumsprognose für Österreich – jedoch ohne Iran-Folgen. Die OECD wartete gestern in Wien mit einer aufgehellten Wirtschaftsprognose für Österreich auf. Das BIP-Wachstum könnte 2026 bei 1,1 % liegen – im Dezember ging die OECD noch von 0,9 % aus. Die Folgen des Iran-Kriegs sind dabei aber noch nicht eingerechnet. 2027 sollen sich 1,3 % Wachstum ausgehen. Die Inflation könnte heuer auf 2,5 % steigen und im nächsten Jahr auf 2,2 % sinken. Die zentralen Herausforderungen laut OECD: Alterung der Gesellschaft, gestiegene Wohnkosten, gesunkene Wettbewerbsfähigkeit und die Budgetkonsolidierung. [Quelle: OECD, Präsentation | Reaktionen: BMEIA, IV, Neos, FPÖ]

🇦🇹 Erdölindustrie warnt vor Engpässen durch Markteingriff. Aufgrund der hohen Importquote bei Kraftstoffen drohen laut der Ölindustrie Versorgungsengpässe durch den geplanten Markteingriff der Regierung. Da ein erheblicher Teil der in Österreich verkauften Treibstoffe aus dem europäischen Ausland stammt, warnt Hedwig Doloszeski als Obfrau des Fachverbands für Energierohstoffindustrie der WKÖ vor einem Lieferstopp ausländischer Anbieter. Lieferungen könnten eingestellt werden, wenn in Österreich keine wettbewerbsfähigen Preise mehr erzielt werden können. Auch Jürgen Roth, Obmann des Fachverbands Energiehandel der WKÖ, warnte im Ö1-Morgenjounal vor Engpässen und Versorgungsproblemen bei einem Markteingriff. [Quellen: APA via Medienberichte, Ö1-Morgenjournal]

🇦🇹 Welche KI-Tools Beamte verwenden sollen. Per Ministerratsvortrag haben sich alle Bundesministerien auf 5 konkrete KI-Anwendungen in der öffentlichen Bundesverwaltung geeinigt. Unter der Bezeichnung „Public AI“ soll künftig allen Mitarbeitenden das KI-Tool „GovGPT“ für den Arbeitsalltag zur Verfügung stehen. Zudem ist die Integration von KI-Funktionen in den Elektronischen Akt sowie der Einsatz von KI zur Recherche und Konsolidierung bei parlamentarischen Anfragen vorgesehen. Ein weiteres System soll auf Basis der vorhandenen Schulungsunterlagen der Bundesverwaltung Wissen vermitteln, während autonome KI-Anwendungen künftig administrative Aufgaben wie die Terminkoordination selbstständig übernehmen sollen. Die technische Umsetzung von „Public AI“ erfolgt über eine souveräne KI-Infrastruktur des Bundesrechenzentrums. [Quelle: Bundespressedienst | Reaktion: Die Grünen]

🇪🇺 🇦🇹 Europäischer Rat beschließt Evaluierung des ETS-Systems bis Juli. Die EU-Kommission wird bis spätestens Juli eine Überprüfung des Emissionshandelssystems (ETS) vorlegen, um u. a. die Schwankungen des CO2-Preises zu verringern und die Energiepreise zu senken. Dies ist in den Schlussfolgerungen des Europäischen Rats festgehalten. Bundeskanzler Christian Stocker sprach von einem „sehr guten Ergebnis“ und erklärte, dass es „temporäre Ausnahmen“ bei dem Handel mit den ETS-Zertifikaten geben werde, wodurch der Gaspreis sinke. Zudem werde es bis Ende des Jahres Lösungen für den „Österreich-Aufschlag“ geben, so dass dieser verboten werde und sich Österreich rechtlich „zur Wehr setzen kann“. Außerdem sollen u. a. die Verhandlungen über den digitalen Euro, die neue europäische Unternehmensform „EU-Inc.“ sowie das EU Grids Package bis Jahresende abgeschlossen werden. [Quellen: Europäischer Rat, Doorstep Stocker | Grafik: So teuer ist eine Tonne CO2 in…]

🇪🇺 EZB lässt Leitzinsen unverändert, senkt BIP-Prognose und erhöht Inflationsprognose. Der EZB-Rat hat gestern beschlossen, die drei Leitzinssätze nicht zu ändern. Somit liegt der Zinssatz für die Einlagefazilität weiterhin bei 2 %, der Hauptrefinanzierungszinssatz bei 2,15 % und der Spitzenrefinanzierungszinssatz bei 2,4 %. Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges wurde die Inflationsprognose für den Euroraum nach oben revidiert: Für 2026 wird eine Gesamtinflation von durchschnittlich 2,6 % (vorher: 1,9 %) erwartet, für 2027 2,0 % und für 2028 2,1 %. Die BIP-Prognosen wurden für 2026 auf 0,9 % (vorher: 1,2 %) sowie für 2027 auf 1,3 % gesenkt. Für 2028 blieb die Prognose mit 1,4 % unverändert. [Quelle: EZB – März, Dezember | Grafik: Leitzinsentwicklung in USA und Eurozone]

🇪🇺 EU-Parlamentsausschuss stimmt für EU-US-Zoll-Deal. Der Ausschuss für internationalen Handel des EU-Parlaments hat das im Sommer 2025 ausgehandelte Zollabkommen zwischen der EU und den USA gebilligt. Eine Abstimmung im Plenum ist für nächste Woche angesetzt. Zuvor war es zu Verzögerungen gekommen, unter anderem durch US-Zolldrohungen gegen Grönland sowie ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, das für rechtliche Unsicherheiten sorgte. In diesem Zusammenhang passte der Ausschuss den ursprünglichen Vorschlag der Kommission an und ergänzte ein mehrstufiges Sicherheitsnetz, die sogenannten „fünf S“. Dieses Paket umfasst eine spezielle Lösung für Stahl und Aluminium, eine Sunrise-Klausel, eine Stillhalteklausel, einen Schutzmechanismus sowie eine verschärfte Aussetzungsklausel. [Quellen: EU-Parlament, Bernd Lange auf X | Grafik: USA & EU: füreinander wichtigster Exportmarkt]

🇪🇺 Produktion im Baugewerbe in der Eurozone rückläufig. Im Jänner sank die saisonbereinigte Produktion im Baugewerbe im Vorjahresvergleich im Euroraum um 1,9 % und im Vergleich zum Dezember 2025 um 0,1 %. In Österreich ging diese im Vorjahresvergleich um 7,6 % zurück und im Vormonatsvergleich um 1,8 %. Die stärksten Rückgänge im Vorjahresvergleich gab es in Polen (-9 %), Ungarn (-8,8 %) und der Slowakei (-5,4 %). [Quelle: Eurostat]

🇩🇪 🇮🇹 Deutscher Finanzminister will Übergewinnsteuer, Italien senkt MöSt. deutlich. Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will eine EU-weite Regelung für eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Die Einnahmen daraus sollen Pendlern zugute kommen. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) reagierte zurückhaltend – man brauche jetzt keinen „Aktionismus“. Italien senkt seit gestern die Mineralölsteuer um 25 Cent für 20 Tage. Die Kosten dafür sollen bei rund 500 Mio. Euro liegen. Österreich senkt die MöSt um 5 Cent und will das „budgetneutral“ umsetzen, wohl durch höhere Mehrwertsteuer-Einnahmen. [Quellen: Handelsblatt, Ital. Regierung

🌐 LNG-Produktion von Katar jahrelang beeinträchtigt. Der Gaspreis nach dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF ist gestern in der Früh auf 67,89 Euro pro MWh gestiegen und dann im Tagesverlauf auf 60,99 gesunken. Hintergrund waren Angriffe des Iran auf LNG-Anlagen in Katar. Ein Sechstel der LNG-Exportkapazitäten sollen betroffen sein. Die Schäden könnten jahrelang Auswirkungen auf die LNG-Produktion haben. US-Präsident Donald Trump soll Israel dazu angehalten haben, nicht mit Gegenangriffen auf iranische Gasanlagen zu antworten. [Quelle: Reuters I, Reuters II | Grafik: EU-Flüssiggas – Russland bleibt zweitgrößter Lieferant]

🌐 Wachstum des Welthandels schwächt sich 2026 ab. Das Wachstum des Welthandels von Waren wird sich 2026 verlangsamen und 1,9 % betragen, nach 4,6 % im Jahr 2025. Sollte der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste Ölpreisschock länger andauern, könnte sich das Wachstum auf 1,4 % verlangsamen. Auch das Wachstum des Dienstleistungshandelsvolumens soll mit 4,8 % 2026 geringer ausfallen als 2025 (5,3 %). [Quelle: WTO]

Selektive Agenda:

Heute, Brüssel: Europäischer Rat u. a. mit Bundeskanzler Christian Stocker (letzter Tag) [Info]

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die EU-Handelsbilanz Jänner

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Boris Vujčić wird mit dem 1. Juni neuer Vizepräsident der EZB. Robert Kugler ist neuer Vorsitzender der Bundesvertretung Unterrichtsverwaltung der GÖD, Angela Weilguny ist neue stellvertretende Vorsitzende. Christiane Flehberger wird ab dem 1. Juli neue Vorständin für Privatkunden und KMU der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien. Robert Zadrazil ist neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien. Katja Tauscher ist neues Mitglied im Aufsichtsrat der Casinos Austria und Roland Mechtler ist neues Mitglied des Aufsichtsrats der Österreichischen Lotterien.

Geburtstage: Wir gratulieren Ilse Bartenstein und Christoph Ransmayr zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Wien: CEU Presidential Lecture Series „The End of the Long 20th Century“ mit Ivan Krastev im Dachsaal der VHS Wiener Urania [Info]

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