Morning in Brief ・ 25.03.2026

Morning in Brief, 25. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Grüne Zustimmung zu Spritpreisbremse noch offen. Heute soll die geplante Spritpreisbremse der Regierung beschlossen werden, wofür im Nationalrat eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Die Verhandlungen dazu mit den Grünen wurden gestern am späten Abend ohne Ergebnis beendet und sollen heute fortgesetzt werden. In der ZIB1 zeigte sich Grünen-Chefin Leonore Gewessler noch „nicht überzeugt“. Die Verordnung, die den konkreten Eingriff in die Gewinne regelt, sei mit den Grünen besprochen worden und nun werden Änderungen eingearbeitet, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer in der ZIB2. Die Verordnung sehe einen Eingriff am Beginn der Wertschöpfungskette in Österreich vor, also bei Raffinerien und Steuertanklagern. Die geplante Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent könne im Folgemonat angehoben werden, wenn sich herausstellt, dass die zusätzlichen Einnahmen über die Mehrwertsteuer noch höher ausfallen, erklärte Hattmannsdorfer. Insgesamt rechnet er mit einer Dämpfung der Inflation um 0,25 Prozentpunkte. Heute soll auch die Freigabe der strategischen Ölreserve besiegelt werden. [Quellen: Die Grünen, Parlament, ZIB1, ZIB2]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Preise für Benzin liegen heute in Österreich bei 1,858 Euro pro Liter und für Diesel bei 2,149 Euro. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent hat erneut die Marke von 100 Dollar erreicht. Der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF ist um knapp 6 % gefallen und lag zu Handelsschluss bei 53,3 Euro pro MWh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

Kommentar: Österreich exportiert viel, aber zu wenig Neues
von Laura Raggl

Exportwachstum gibt es in Österreich vor allem innerhalb bestehender Handelsbeziehungen. Neue Märkte, neue Produkte und neue Unternehmen spielen eine geringe Rolle. Österreich lebt wirtschaftlich von dem, was es gestern schon gut konnte – und genau das wird zum Problem, wenn die Dynamik nachlässt. Wir diskutieren, wie wir bestehende Industrien absichern. Wie wir Exportquoten stabil halten. Wie wir „unsere Stärken“ bewahren. Aber die eigentliche Herausforderung ist eine andere: neue Stärken zu schaffen. Neue Unternehmen. Neue Exportschlager.

🇦🇹 OeNB warnt vor Stagflationsgefahr durch Irankrieg. Der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten trübt den Konjunkturausblick für Österreich deutlich. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) senkt ihre Wachstumsprognose für 2026 auf nur noch +0,5 %, ein Minus von 0,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Dezember-Prognose. Gleichzeitig soll die Inflation auf 2,7 % steigen (+0,6 Prozentpunkte). OeNB-Gouverneur Martin Kocher: „Der am 28. Februar ausgebrochene Krieg und die in der Folge deutlich gestiegenen Energiepreise bringen erneut große Unsicherheit mit sich und trüben die weiteren wirtschaftlichen Aussichten signifikant.“ Im ungünstigsten Szenario droht sogar eine leichte Rezession (-0,2 %) bei gleichzeitig 4,2 % Inflation – damit würde Österreich in eine Stagflation rutschen. [Quelle: OeNB | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Strom- und Gasverträge werden teurer. Die Gas-Arbeitspreise für eine Kilowattstunde (kWh) sind laut dem Vergleichsportal Durchblicker seit Februar von 3,85 Cent netto auf 5,20 Cento netto gestiegen, ein Anstieg um 35 %. Die Gas-Gesamtrechnung für einen Musterhaushalt fällt durch diverse Boni um 190 Euro bzw. rund 17 % höher aus als vor Ausbruch des Irankriegs. Die Strom-Arbeitspreise sind um 15 % von 9,10 auf 10,50 Cent gestiegen. Die Gesamtrechnung für einen Musterhaushalt steigt um 70 Euro bzw. rund 8 %. Das Vergleichsportal empfiehlt den Umstieg auf Fixpreis-Tarife. „Die Nachfrage nach Fixpreis-Gastarifen ist im Vergleich zu Anfang Februar um 41 % gestiegen“, so Florian Koiner von Durchblicker. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Immobilienkäufe 2025 österreichweit gestiegen. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Immobilientransaktionen in Österreich im Vorjahresvergleich um rund 9 % auf 91.000. Damit stabilisierten sich die Werte nach einem Rückgang von knapp 38,5 % zwischen dem Jahr 2021 mit 127.000 Transaktionen und dem Jahr 2023 mit 78.000 Transaktionen. Während der Erwerb von Bauland als einziger Bereich rückläufig war, stieg der Kauf von Wohnimmobilien um knapp 21 %. Roman Oberdorfer, Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKÖ, bezeichnet dies als eine „gesunde und vernünftige“ Entwicklung des österreichischen Immobilienmarktes. [Quellen: WKÖ – Pressekonferenz, Presseaussendung]

🇦🇹 Startup-Standort Österreich rutscht ab. Das Finanzierungsvolumen österreichischer Startups ist im Vorjahr um 56 % eingebrochen, womit Österreich im Europavergleich von Platz 15 auf Platz 20 abrutschte. BIP-bereinigt fällt der Vergleich noch ungünstiger aus – Österreich erwirtschaftet 2,7 % der europäischen Wirtschaftsleistung, kann aber nur 0,4 % der Venture-Capital-Investitionen verbuchen. Von den theoretisch möglichen 1,5 Mrd. Euro Kapital wurden im Vorjahr mit 253 Mio. Euro also nur rund 17 % der theoretisch möglichen Investitionssumme lukriert. „Es ist kein Mangel an Ideen, sondern ein Mangel an Kapitalgröße, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit begrenzt“, so Florian Haas von EY Österreich. In den ersten beiden Monaten 2026 haben heimische Startups mit 200 Mio. Euro bereits 80 % des Vorjahresniveaus erreicht, ein laut EY „bemerkenswerter Start“. [Quellen: Brutkasten, Trending Topics; EY Startup Barometer 2025 (Dezember)]

🇦🇹 OeNB halbiert Fehlbetrag im Geschäftsergebnis 2025. Die OeNB verzeichnet 2025 erstmals wieder einen Aufwärtstrend. Der Jahresfehlbetrag sank auf -1,023 Mrd. Euro – damit war er nur noch halb so hoch wie im Vorjahr (-2,122 Mrd. Euro). „Die geldpolitischen Belastungen aus der expansiven Geldpolitik bis 2022 werden sich weiter verringern. Danach sind wieder Gewinne zu erwarten“, erklärte Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger. Der Bilanzverlust beträgt minus 5,207 Mrd. Euro. Die Bilanzsumme stieg auf 256 Mrd. Euro (+8 %) – wesentlicher Grund hierfür ist der 2025 um rund 65 % (in US-Dollar) gestiegene Goldpreis. [Quelle: OeNB]

🇦🇹 Zement- und Betonbranche wegen Bauflaute unter Druck. Die größte Sorge der Zement- und Betonhersteller in Österreich ist die derzeit schleppende Entwicklung der Baukonjunktur. Man brauche „dringend klare politische Rahmenbedingungen“, sagt Anton Glasmaier, Vorstandsvorsitzender von Beton Dialog Österreich. „Wichtig ist einerseits die Bündelung zentraler Kompetenzen rund um Bauen, Wohnen, Infrastruktur und Baustoffpolitik in einem Ressort. Andererseits braucht es im Rahmen des Finanzausgleichs deutlich mehr Mittel für Gemeinden.“ [Quelle: Beton Dialog]

🇦🇹 KV-Einigung für Papier- und Kartonverarbeiter. Nach 6 Verhandlungsrunden einigten sich der Fachverband der industriellen Hersteller von Produkten aus Papier und Karton (PROPAK) und die Gewerkschaft GPA auf einen neuen Kollektivvertrag. Die KV-Löhne, Ist-Löhne und Gehälter werden rückwirkend zum 1. März um 2,65 % erhöht. Die Erhöhung beträgt mindestens 90 Euro und maximal 145 Euro pro Monat. Gestern startete die Chemieindustrie ihre Frühjahrslohnrunde mit der Übergabe der Forderungen der Gewerkschaft – verhandelt wird wieder am 9. April. [Quellen: Propak – WKÖ, ÖGB; Chemie – ÖGB]

🇦🇹 🇪🇺 Nach 2 Jahren wieder mehr Patente aus Österreich. Aus Österreich wurden 2025 mit 2.253 Patenten im Jahresabstand um 5 % mehr beim Europäischen Patentamt (EPA) angemeldet. In den 2 Jahren davor waren die Anmeldungen rückläufig. Mit 245 Anmeldungen pro 1 Mio. Einwohner liegt Österreich gemessen an der Bevölkerung weltweit auf Platz 8. An der Spitze liegt die Schweiz, gefolgt von Finnland, Schweden, Dänemark, Niederlande, Deutschland, Südkorea und eben Österreich. Insgesamt stiegen die Anmeldungen beim EPA von 2024 auf 2025 um 1,4 %, der EU-Schnitt liegt bei +0,7 %. [Quelle: EPA

🇪🇺 Wachstum in Eurozone beinahe zum Stillstand gekommen. Das Eurozone-Wachstum ist laut dem Einkaufsmanagerindex von S&P Global im März beinahe zum Stillstand gekommen. Die Neuaufträge waren rückläufig und der Kostenauftrieb aufgrund des Kriegs im Nahen Osten so stark wie seit etwas über 3 Jahren nicht mehr. Die gestörten Lieferketten äußern sich in der deutlichsten Verlängerung der Lieferzeiten seit über dreieinhalb Jahren. Der Dienstleistungs-Index sank auf 50,1 Punkte, jener für die Industrie stieg hingegen auf 51,4 Punkte und erreichte damit ein 45-Monats-Hoch. In Deutschland fiel das Produktionswachstum in der Industrie dank des verstärkten Zuwachses beim Neugeschäft so kräftig aus wie zuletzt vor etwas über 4 Jahren (Index bei 53,7). [Quellen: S&P Global – Eurozone, Deutschland]

🇪🇺 EU-Automarkt erholt sich leicht. Im Februar 2026 sind die Pkw-Neuzulassungen in der EU im Jahresabstand um 1,4 % gestiegen. Durch das Minus von 3,9 % im Jänner ergibt sich im laufenden Jahr noch ein Rückstand von 1,2 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In Österreich stiegen die Neuzulassungen in den ersten beiden Monaten um 10,4 %. Die Zulassungszahlen von reinen Elektroautos stiegen in Österreich um 13,5 % und EU-weit um 22,3 %. [Quelle: ACEA | Interview mit dem Sprecher der Automobilimporteure]

🇩🇪 Deutsche Regierung überlegt Mehrwertsteuer-Erhöhung. Die deutsche Regierung erwägt laut Handelsblatt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 21 %, um im Gegenzug die Einkommensteuer oder die Sozialbeiträge zu senken. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf bestimmte Produkte könnte von derzeit 7 auf 4 % gesenkt werden – für Lebensmittel könnte er sogar auf 0 % fallen. Die Anhebung um 1 Prozentpunkt könnte dem Staat Mehreinnahmen von 15 Mrd. Euro bringen. Entschieden ist aber noch nichts, vor allem die Preissteigerungen aufgrund des Irankriegs könnten den Plänen einen Strich durch die Rechnung machen. [Quelle: Handelsblatt]

🇺🇸 US-Wirtschaftsaktivität sinkt. Die Wirtschaftsaktivität in den USA hat sich infolge des Irankriegs im März eingebremst. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft ist um 0,5 Punkte gefallen und verzeichnet mit 51,4 Zählern ein 11-Monatstief. Getrieben wurde die negative Entwicklung von den Dienstleistern, wo die Geschäftsaktivität um 0,6 Punkte auf 51,1 Zähler zurückging – ebenfalls ein 11-Monatstief. Die US-Industrie verzeichnete hingegen sowohl beim Produktions- als auch beim Einkaufsmanagerindex einen Anstieg. Die Daten zeigen eine „unerwünschte Kombination aus langsamerem Wachstum und steigender Inflation“, so S&P-Chefökonom Chris Williamson. Die Umfragedaten ergeben für das 1. Quartal ein Wirtschaftswachstum von annualisierten 1,3 % und einen Anstieg der Inflation auf 4 %. [Quelle: S&P Global

Selektive Agenda:

Heute, New York, USA: Außenministerin Meinl-Reisinger bei der UNO (bis 27.3.)

Heute, Brüssel: Eurostat gibt Asylzahlen für 2025 bekannt.

9:00 Uhr, Wien: Sitzung des Nationalrats u. a. mit Abstimmungen zu Frauenquoten in Aufsichtsräten und Spritpreispaket (bis 26.3.) [Info]

15:00 Uhr, Brüssel: Plenartagung des EU-Parlaments (bis 26.3.) [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Michael Zettel wird Mitglied des Europa-Vorstands von Accenture. Christian Winkelhofer übernimmt die Position des Country Managing Directors von Accenture Österreich. Patrick Stelzl ist neuer Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Josef Krankenhaus Wien. Mariana Kühnel vertritt die FMA im obersten Gremium der europäischen Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht EIOPA. Eva Skergeth-Lopič wurde als Vorsitzende von dabei austria bestätigt. Tilman Königswieser wird nach Ostern neuer Geschäftsführer der Oberösterreichischen Gesundheitsholding. Meinhard Lukas wird ab 1. Juni Leiter des Kepler Uniklinikums Linz. Tanja Graf ist die neue Obfrau des Wirtschaftsausschusses des Nationalrats. 

Geburtstage: Wir gratulieren Jürgen Czernohorszky zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

19:00 Uhr, Wien: Vortrag „Wer verteidigt Europa?“ u. a. mit Franz-Stefan Gady im Bruno Kreisky Forum [Info]

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