Morning in Brief ・ 27.02.2026

Morning in Brief, 27. Februar 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern, Sara Grasel und Christoph Hofer – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Erneuerbaren-Branche fordert „Konsequenzen“ für säumige Bundesländer. Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) kritisiert, dass bis zum Ablauf der Frist kein einziges Bundesland EU-rechtskonforme Beschleunigungsgebiete gemäß der Renewable Energy Directive III (RED III) ausgewiesen hat und weiterhin kein neuer Entwurf des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetzes (EABG) vorgelegt wurde. Stattdessen haben manche Bundesländer sogar „Ausschlusszonen“ für gewisse Energieträger definiert, das müsse der Bund sofort unterbinden, so EEÖ. Der im Herbst zur Begutachtung vorgelegte EABG-Entwurf sei „zahnlos“, das Gesetz müsse mehr Verpflichtung und Verbindlichkeit herstellen sowie Konsequenzen für Bundesländer bei Nichterfüllung der Ziele vorsehen. EEÖ schlägt hierzu beispielsweise vor, den Finanzausgleich an verbindliche Zielerfüllung zu koppeln oder die Widmungsdurchbrechung anzuwenden. „Es muss Konsequenzen haben, wenn ein Bundesland nicht kooperiert“, so EEÖ-Geschäftsführerin Martina Prechtl-Grundnig. [Quelle: EEÖ – Hintergrundgespräch, Aussendung | Interview: „Müssen aufpassen, dass wir nicht in eine Bananenrepublik abdriften“ | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]

Kommentar: Don’t look up – die Politik ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt
von Georg Renner

Wer den Film „Don’t Look Up“ kennt, erinnert sich an die Metapher: Ein Asteroid rast auf die Erde zu, aber die Politik ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um hinzuschauen. Das, was da in der Langfristprognose steht, ist unser Asteroid: Zu wenige Kinder, alternde Boomer, hohe Lebenserwartung, ständig steigende Pensionen und dazu die immer radikalere Ablehnung von Migration, um die arbeitsfähige Bevölkerung zu erhalten: Das wird sich nicht ausgehen.

💡 Burgenland ist Klimamusterschüler. Laut Berechnungen von IG Windkraft und PV Austria ist vor allem in Westösterreich noch ein deutlicher Ausbau von Windenergie und Photovoltaik nötig, um die Zielvorgaben des EABG-Entwurfs bis 2030 zu erfüllen. Während das Burgenland 2024 bereits 65 % des Windkraft-Ziels und 84 % des Photovoltaik-Ziels erfüllt hat, liegt Tirol bei der Photovoltaik erst bei 41 %. Salzburg, Tirol und Vorarlberg stehen bei Windkraft weiterhin bei 0 % des jeweiligen Landes-Zielwerts. Die Hälfte der EABG-Ausbauziele ist technologiegebunden (Wind, PV etc.). [Quellen: IG Windkraft, PV Austria | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Banken fürchten Verlängerung von Abgabe. Die Bankenbranche fürchtet, dass die zur Budgetsanierung erhöhte Bankenabgabe angesichts der Budgetverhandlungen in die Verlängerung gehen könnte. Die Abgabe von insgesamt 500 Mio. Euro pro Jahr ist auf 2 Jahre befristet und sollte damit nächstes Jahr auslaufen. Michael Höllerer, Obmann der WKÖ-Bundessparte Bank und Versicherung kündigte in einem Hintergrundgespräch Widerstand an. [Quelle: Kurier Freitagsausgabe]

🇦🇹 Volumen der Immobilien-Transaktionen wieder auf Vorkrisenniveau. Das Transaktionsvolumen am österreichischen Immobilienmarkt stieg im Jahr 2025 im Vorjahresvergleich um 44 % auf 4,2 Mrd. Euro an. Damit erreichte der Markt wieder das Niveau der Jahre 2021 und 2022 vor Beginn der Zinsanhebungen. Vor allem die Marktanteile der Segmente Wohnimmobilien (+93 %) und Hotels (+154 %) verzeichneten deutliche Zuwächse. Im Wohnbereich verdoppelte sich das Volumen nahezu auf rund 1,3 Mrd. Euro. Das Segment Industrie und Logistik legte absolut auf 604 Mio. Euro zu, verlor jedoch im Vergleich zum starken Wohnsektor an relativem Marktanteil. [Quelle: Otto Immobilien]

🇦🇹 Streiks in der IT-Branche. Da die 6. KV-Verhandlungsrunde für die rund 90.000 Beschäftigten in der IT-Branche letzte Woche kein Ergebnis brachte, hat die GPA nun Streikfreigabe erteilt. Am 3. und 4. März soll es österreichweit Warnstreiks geben. Laut GPA beträgt das Arbeitgeberangebot 2,5 % Erhöhung für die Mindestgehälter sowie 2,0 % für die Ist-Gehälter, was die Gewerkschaft aber als „unzureichend“ ansieht. Am 10. März soll die 7. Verhandlungsrunde stattfinden. [Quelle: ÖGB]

🇦🇹 Start EU-weiter e-Medikamentenrezepte in Österreich. Seit Februar können in Österreich ausgestellte e-Rezepte auch im EU-Ausland eingelöst werden. Dies ermöglicht es Österreichern, die sich im Ausland aufhalten, ihre verschriebenen Medikamente direkt in Apotheken vor Ort zu beziehen. In den kommenden Wochen folgt die Einführung der EU-Patientenkurzakte. Österreichische Ärzte können dann auf die medizinischen Zusammenfassungen ausländischer Patienten zugreifen. Für Österreicher im EU-Ausland ist vorerst nur das e-Rezept nutzbar. Die grenzüberschreitende Patientenakte ist für einen späteren Zeitpunkt geplant. Beide Systeme basieren auf Freiwilligkeit. Bisher hat neben Österreich nur Tschechien dieses System umgesetzt. Bis 2029 soll das e-Rezept in allen EU-Mitgliedstaaten verfügbar sein. [Quelle: BMASGPK]

🇦🇹 100 Mio. Euro Kreditprogramm für Tourismus. Die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (OeHT) stellen gemeinsam 100 Mio. Euro für kleine und mittlere Tourismusbetriebe bereit, die im Rahmen der Gewerblichen Tourismusförderung des Bundes eingesetzt werden. Davon sollen KMU in allen Regionen Österreichs profitieren, insbesondere „familiengeführte Hotels und regionale Betriebe“. 30 % der Mittel sind dabei für Klimamaßnahmen bzw. für Investitionen in Energieeffizienz vorgesehen. „Mit solchen Partnerschaften helfen wir Betrieben, in Qualität, Modernisierung und Nachhaltigkeit zu investieren – und sichern damit Wertschöpfung in allen Regionen Österreichs“, so EIB-Vizepräsident Karl Nehammer. [Quelle: OeHT]

🇦🇹 Versicherungen mit höheren Prämieneinnahmen 2025. Im Geschäftsjahr 2025 stiegen die Prämieneinnahmen der österreichischen Versicherungswirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 % auf 22,4 Mrd. Euro. Den stärksten Zuwachs verzeichneten die privaten Krankenversicherungen mit einem Plus von 8,4 %. Die Auszahlungen in der Schaden- und Unfallversicherung beliefen sich auf rund 8,8 Mrd. Euro, was einem Rückgang von 2,8 % gegenüber 2024 entspricht. Dieser Rückgang ist auf die hohen Schadensleistungen infolge des Hochwassers im Vorjahr zurückzuführen. Zudem wurden in der Lebensversicherung mit 6,3 Mrd. Euro insgesamt 6,2 % weniger ausgezahlt als 2024. [Quelle: VVO]

🇦🇹 Energiepreise sind die größte Wohnsorge in Österreich. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung nennt die Energiekosten als größte Sorge im Bereich Wohnen. In der Steiermark, in Niederösterreich und in Kärnten liegt dieser Anteil bei über 40 %. Der Westen Österreichs liegt hingegen unter dem bundesweiten Durchschnitt. Nach den Energiekosten folgt die Sorge vor Zahlungsunfähigkeit bei Miet- oder Kreditraten. 39 % der Mieter berichten über Sorgen aufgrund der Wohnkosten. Insgesamt äußern Immobilieneigentümer weniger Sorgen als Mieter. [Quelle: Immoscout24]

🇪🇺 Wirtschaftsstimmung in der Eurozone im Februar gesunken. Die wirtschaftliche Stimmung in der Eurozone ist nach einer Erholung im Jänner im Februar wieder zurückgegangen. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) sank von 99,3 auf 98,3 Punkte und notiert damit weiterhin unter seinem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten. Auch die Erwartungen der Unternehmen gaben nach. Den deutlichsten Stimmungsrückgang verzeichnete der Dienstleistungssektor, während das Minus in der Industrie mit 0,2 Punkten moderat ausfiel. Unter den 6 größten EU-Volkswirtschaften war der Rückgang in Frankreich (-2,6 Punkte), Polen (-1,9) und Italien (-0,6) am stärksten. In Deutschland und den Niederlanden betrug das Minus jeweils 0,2 Punkte, während die Stimmung in Spanien unverändert blieb. [Quelle: EU-Kommission – Februar, Jänner]

🇪🇺 EU-Parlament fordert höhere Schwellenwerte für KMU. Drei zuständige Fachausschüsse des EU-Parlaments haben sich für eine Anhebung der Schwellenwerte in der neuen Unternehmenskategorie der Small Mid-Cap Enterprises (SMCs) ausgesprochen. Demnach sollen Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis zu 200 Mio. Euro in diese Kategorie fallen. Damit geht das Parlament über den Vorschlag der EU-Kommission hinaus, die Schwellenwerte von 750 Mitarbeitern und 150 Mio. Euro Umsatz vorgesehen hatte. Ziel der SMC-Einführung ist es, dass Erleichterungen aus dem 4. Omnibus-Paket der EU zur administrativen Vereinfachung nicht abrupt enden, wenn Unternehmen über die KMU-Schwelle hinauswachsen. Das EU-Plenum soll im März darüber abstimmen, bevor die Verhandlungen mit dem Rat der EU beginnen. [Quelle: EU-Parlament | Service: 4. Omnibus-Paket]

🇺🇾 🇪🇺 Uruguay hat Mercosur-Abkommen ratifiziert. Uruguay hat als erstes Land das Mercosur-Freihandelsabkommen mit der EU ratifiziert. In den kommenden Tagen sollen Argentinien und Brasilien folgen. Die EU hat noch nicht entschieden, ob das Abkommen vorläufig in Kraft gesetzt werden soll – das EU-Parlament hatte eine Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) angeordnet. [Quelle: Agencia EFE]

🇵🇱 Polen erhöht Verteidigungsausgaben auf 4,8 % des BIPs. Polen plant für 2026 Verteidigungsausgaben von 4,8 % des BIPs oder rund 46,6 Mrd. Euro – über die Hälfte davon für neue Ausrüstung. Bereits 2025 lagen die Ausgaben bei 4,7 %. Die NATO einigte sich im Juni 2025 auf ein neues Mindestziel von 3,5 % des BIP für Verteidigung plus 1,5 % für verteidigungsrelevante Infrastruktur – insgesamt 5 % bis spätestens 2035. Außenminister Radosław Sikorski begründet den Kurs mit der Notwendigkeit, eine Armee aufzubauen, die Putin „dauerhaft abschreckt“. [Quelle: Rede Sikorski | Grafik: Europa rüstet auf]

Selektive Agenda:

Heute, Wien: Die Statistik Austria veröffentlicht die Ankünfte und Nächtigungen, die Frühschätzung zu Industrie und Bau, den Erzeugerpreisindex des produzierenden Bereichs im Jänner 2026 sowie die Konjunkturstatistik (Produktion inkl. Bauwesen) des Novembers 2025.

Heute, Brüssel: EU-Ministerrat zur Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung u. a. mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner [Info]

Heute, Nürnberg: Bekanntgabe der deutschen Arbeitsmarktdaten Februar

Heute, Wiesbaden: Bekanntgabe der vorläufigen deutschen Verbraucherpreise im Februar

Heute, Washington D. C.: Bekanntgabe der US-Erzeugerpreise im Jänner

12:15 Uhr, Zürich: Vierertreffen der deutschsprachigen
Wirtschaftsministerinnen und -minister mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Marie-Valerie Brunner ist als Vorstandsmitglied der Raiffeisen Bank International (RBI) vom Aufsichtsrat um fünf Jahre verlängert worden. Konstantin Oberleitner wird Kommandant des Truppenübungsplatzes Allentsteig in Niederösterreich. Tamás Szűcs wird ab März Country Director für JYSK in Österreich und Ungarn.

Geburtstage: Wir gratulieren Brigitte Ederer zum Geburtstag! Am Samstag haben Erika Pluhar, Franz Voves und Eva Glawischnig Geburtstag, am Sonntag Franzobel (Franz Stefan Griebl).

Sehen & gesehen werden:

14:00 Uhr, Innsbruck: MCI, IV und WKÖ laden zum Gespräch mit US-Botschafter Arthur Graham Fisher in den Festsaal der Wirtschaftskammer Tirol [Info]

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