Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Regierungsvorlage des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) vorgestellt. Das EABG regelt u. a. wie die bis zum Jahr 2030 nötige zusätzliche erneuerbare Stromerzeugung von 27 Terawattstunden (TWh) erreicht werden soll. Drei Viertel des Ausbaus werden technologisch vorgegeben, den Rest können die Bundesländer selbst festlegen. Im Vergleich zum Begutachtungsentwurf kommt 1 TWh Geothermie für Wärmeerzeugung hinzu. Es sind nun auch Sanktionen vorgesehen. Die Bundesländer müssen 2028 einen Fortschrittsbericht vorlegen und ab dann jährlich eine Zukunftsplanung. Erreichen die Bundesländer die vorgegebenen Ziele nicht, werden Fördermittel gestrichen. Sollten dem Bund bei Verfehlung der Ziele Strafzahlungen der EU drohen, werden die Bundesländer „zur Kasse gebeten werden“. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner ortet jedoch ein „starkes Commitment aller Bundesländer, ihre Beiträge einzuliefern“. Verbund-CEO Michael Strugl plädierte in der ZIB2 für einen Schulterschluss zwischen den Gebietskörperschaften. Der Erneuerbaren-Ausbau sei ein „rot-weiß-rotes Anliegen“. Das EABG bringt weiters konzentrierte Genehmigungsverfahren („One-Stop-Shop“) und die Einräumung des überragenden öffentlichen Interesses für Erneuerbare. Die Regierungsparteien wollen nun „sofort“ mit der Opposition verhandeln, um die nötige Zweidrittelmehrheit zu sichern. Die Grünen sehen „kleine Fortschritte“ im Gesetz, ihnen geht der Entwurf aber nicht weit genug. Der Oö. LH-Stv. Manfred Haimbuchner (FPÖ) lehnt den Gesetzesentwurf ab. [Quellen: Regierungsvorlage, Pressekonferenz, BMWET, ZIB2 | Reaktionen: Die Grünen, FPÖ OÖ, Neos Wien, IG Windkraft, PV Austria, E-Control, EEÖ, WKÖ, APG, IV, Oesterreichs Energie, Oecolution, AK Wien, Global2000, Stadt Wien]
Kommentar: Es gäbe ein besseres Mittel gegen hohe Gewinne – einen freien Markt
von Georg Renner
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten greift die Regierung in die Preiskalkulation von Unternehmerinnen und Unternehmern ein. Welches Licht es auf den ohnehin angeschlagenen Wirtschaftsstandort Österreich wirft – zum Beispiel unter Investorinnen und Investoren –, wenn die wirtschaftlichen Kapazunder am Ballhausplatz künftig festlegen, was gerade noch eine „volkswirtschaftlich gerechtfertigte Marge“ ist und was ein böser Übergewinn, der bei Strafe verboten ist, kann man sich ausmalen.
💡 Spritpreise steigen in Österreich deutlich stärker als im EU-Schnitt. Seit dem Ausbruch des Irankriegs am 28. Februar 2026 sind die Treibstoffpreise in Österreich deutlich gestiegen. Zwischen 23. Februar und 23. März 2026 verteuerte sich Diesel um 36,4 %, Benzin (Eurosuper 95) wurde um 22,0 % teurer. Damit liegt Österreich beim Anstieg des Diesel- sowie Benzinpreis in der EU auf Platz 5. Der gewichtete Durchschnittspreis der EU-27 stieg im selben Zeitraum um 29,4 % (Diesel) bzw. 15,6 % (Benzin). Besonders starke Anstiege verzeichneten auch Schweden, Tschechien und Polen. Nur gering gestiegen sind die Spritpreise in den österreichischen Nachbarländern Ungarn, Slowakei und Slowenien. [Quelle: Europäische Kommission | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Preise für Diesel liegen heute in Österreich bei 2,139 Euro pro Liter und für Benzin bei 1,838 Euro. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent notierte Freitagfrüh bei 107,4 Dollar. Der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF ist um knapp 3,4 % gefallen und lag zu Handelsschluss bei 55.45 Euro pro MWh. Der Energiepreisindex der österreichischen Energieagentur ist von Jänner auf Februar um 1,1 % gestiegen, im Jahresvergleich sind die Energiepreise um 4,1 % zurückgegangen. Holzpellets verteuerten sich mit 8,8 % im Monatsabstand am stärksten. Die Auswirkungen des Irankrieges sind in den Februar-Daten der Energieagentur noch nicht enthalten. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, Austrian Energy Agency]
🇦🇹 Nationalrat setzt EU-Richtlinie für neue Börsenregeln um. Der Nationalrat hat die EU-Richtlinie „Listing Act“ in nationales Recht umgesetzt, um den Kapitalmarkt attraktiver zu gestalten und kleinen sowie mittleren Unternehmen den Zugang zu Kapital zu erleichtern. Zu den beschlossenen Maßnahmen gehören u. a. die Senkung des Mindeststreubesitzes von 25 % auf 10 % sowie die Anhebung der Schwelle für die Prospektpflicht von 5 Mio. Euro auf 12 Mio. Euro. Für Emissionsvolumina zwischen 2 Mio. Euro und 12 Mio. Euro ist zukünftig ein vereinfachter Prospekt zu erstellen. Zudem wurde die erforderliche Dauer des Bestehens einer Aktiengesellschaft für eine Börsenzulassung von 3 Jahren auf 1 Jahr reduziert. [Quellen: Parlament, Gesetzesänderung | Reaktion: Wirtschaftsbund]
🇦🇹 18,3 % mehr Immobilienkäufe 2025 als im Vorjahr. Mit einem Anstieg von 18,3 % von 2024 auf 2025 sind die Immobilientransaktionen so stark gewachsen wie seit über 10 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig stiegen 2025 erstmals seit 2022 wieder die Preise für Wohnimmobilien. Von 2024 auf 2025 wurden diese um 2,6 % teurer. 2023 gab es einen Preisrückgang von 3,7 %, 2024 betrug der Rückgang 0,2 %. Die Preise für den bestehenden Wohnraum stiegen um 2,5 % und für neuen Wohnraum um 2,9 %. Die Hauspreise stiegen im Burgenland am stärksten (8,7 %), während sie in Wien um 1,5 % zurückgingen. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen am stärksten in Tirol (4,8 %), während sie in Salzburg um 0,8 % günstiger wurden. [Quellen: Statistik Austria: 2025, 2024, 2023]
🇦🇹 Nächtigungsrekord in der bisherigen Wintersaison. Von November 2025 bis Ende Februar 2026 verzeichneten die österreichischen Beherbergungsbetriebe insgesamt 54,25 Mio. Nächtigungen. Damit wurde der bisher höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Im Vergleich zum Zeitraum November 2024 bis Februar 2025 ist dies ein Anstieg von 5,5 %. Der bisherige Höchstwert einer gesamten Wintersaison (November bis April) wurde 2018/19 mit 72,92 Mio. Nächtigungen verzeichnet. [Quellen: Statistik Austria – 2025/26, 2024/25 | Reaktionen: BMWET, WKÖ, ÖGB]
🇦🇹 🇪🇺 EU-Fördergelder sollen von KTM entlassenen Arbeitnehmern helfen. Das EU-Parlament hat gestern den Vorschlag der EU-Kommission angenommen, die im April 2025 entlassenen Arbeitnehmer des Motorradherstellers KTM mit 1,8 Mio. Euro zu unterstützen. Die Mittel sollen für Berufsberatung, Unterstützung bei der Jobsuche, Weiterbildungen sowie Ausbildungsbeihilfen eingesetzt werden, um den Betroffenen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Bei geschätzten Gesamtkosten von 3 Mio. Euro übernimmt das AMS die verbleibenden 40 %. [Quelle: EU-Parlament | Reaktion: ÖVP, SPÖ, ÖGB]
🇪🇺 🇺🇸 Trilog Verhandlungen zum EU-US-Handelsdeal starten im April. Das EU-Parlament hat gestern eine gemeinsame Position zum Handelsübereinkommen zwischen der EU und den USA („Turnberry Agreement“) beschlossen. Der im Sommer 2025 geschlossene Zolldeal war eine Reaktion auf die Zollpolitik der USA und beinhaltet die Einigung, dass ein Großteil der EU-Exporte einem Zollsatz von 15 % unterliegt, während die EU im Gegenzug die Zölle auf Industrie- und Agrarprodukte streicht bzw. senkt. Das EU-Parlament hat die Legislativvorschläge der Kommission nun überarbeitet. Zu den Anpassungen gehört u. a. eine „Sunrise-Klausel“, nach der die neuen Zölle erst in Kraft treten, wenn die USA ihre Verpflichtungen erfüllen. Eine „Sunset-Klausel“ sieht zudem vor, dass die gesetzlichen Grundlagen zum 31. März 2028 auslaufen. Darüber hinaus wurden Schutzmaßnahmen für den Fall eingeführt, dass US-Importe der EU-Industrie schaden könnten. Die erste Trilog-Verhandlung zwischen Parlament, Rat und EU-Kommission ist für den 13. April angesetzt. Bernd Lange bewertet die Verhandlungsposition des Parlaments zur Durchsetzung dieser Änderungen als gut. [Quellen: Bernd Lange auf X, EU-Parlament – Zusammenfassung, Opening Statement Lange, Pressekonferenz | Reaktionen: Die Grünen | Service: Turnberry Agreement]
🇪🇺 EU-Warenhandelsüberschuss 2025 geringer als 2024. Im Jahr 2025 ergab sich im Warenhandel der EU ein Handelsbilanzüberschuss von 128 Mrd. Euro, 2024 betrug dieser 136 Mrd. Euro. Seit 2015 erzielte die EU mit Ausnahme des Jahres 2022 immer einen Handelsbilanzüberschuss mit dem Rest der Welt. Der einzige Sektor, in dem ein Defizit besteht, ist der Energiesektor. Dort stieg das Defizit von 226,4 Mrd. Euro im Jahr 2015 auf 298,9 Mrd. Euro im Jahr 2025. Die wichtigsten Exportziele der EU waren 2025 die USA, das Vereinigte Königreich und die Schweiz. Mit einem Anstieg von 6,4 % gegenüber 2024 importierten die EU-Mitgliedstaaten am meisten aus China, gefolgt von den USA. [Quelle: Eurostat]
🇪🇺 EU-Chemiebehörde empfiehlt PFAS-Verbot. Die European Chemicals Agency (ECHA) spricht sich für eine EU-weite Beschränkung von per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) aus. Diese auch „Ewigkeitschemikalien“ genannten Verbindungen sind laut ECHA „äußerst langlebig, verbleiben über lange Zeit in der Umwelt und verunreinigen Grundwasser und Boden“. Einige PFAS-Verbindungen würden auch krebserregend und fortpflanzungsschädigend wirken. „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen eindeutig, dass PFAS Risiken für Mensch und Umwelt verursachen können, wenn sie nicht angemessen kontrolliert werden. Eine EU-weite Beschränkung ist daher eine wirksame Maßnahme, um diese Risiken zu verringern“, so der Vorsitzende der ECHA-Risikoanalyse, Roberto Scazzola. Für Fälle, in denen ein sofortiges Verbot unter dem Strich mehr negative als positive Auswirkungen hätte, soll es gezielte Ausnahmeregelungen geben. Stellungnahmen zum Vorschlag der ECHA sind bis 25. Mai möglich. [Quelle: ECHA | Reaktionen: Greenpeace, Grüne]
🇪🇺 🌐 OECD revidiert Wachstumsprognosen nach unten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Erwartungen zur heurigen Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 % nach unten revidiert. Nächstes Jahr erwartet die OECD für die Eurozone ein BIP-Plus von 1,2 %, um 0,2 Prozentpunkte weniger als zuletzt. Weltweit soll die Wirtschaftsleistung 2026 unverändert um 2,9 % zulegen, die Prognose für 2027 wurde um 0,1 Prozentpunkte auf 3,0 % reduziert. Die Inflationserwartungen für die Eurozone liegen 2026 bei 2,6 % (plus 0,7 Prozentpunkte) und 2027 bei 2,1 % (plus 0,1 Prozentpunkt). [Quelle: OECD Interim Report]
🇩🇪 Deutscher Bundestag beschließt Spritpreis-Paket. Deutsche Tankstellen dürfen ihre Spritpreise in Zukunft nach „österreichischem Vorbild“ nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Zudem erhält das Bundeskartellamt erweiterte Befugnisse: Vorher lag die Beweislast beim Bundeskartellamt, das selbst nachweisen musste, ob Spritpreise missbräuchlich hoch waren – künftig müssen die Unternehmen bei Verdacht beweisen, dass ihre Preiserhöhungen gerechtfertigt sind. Im Bundestag stimmten die Fraktionen von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen für die Neuregelung, während die AfD und Die Linke dagegen votierten. Der AfD-Abgeordnete Leif-Erik Holm forderte stattdessen Steuersenkungen auf Treibstoffe, wie sie in Italien oder Österreich umgesetzt wurden. Christian Görke von der Linken forderte hingegen die Einführung einer sofortigen „Übergewinnsteuer“. [Quelle: Deutscher Bundestag]
🌐 OeNB: Ölpreis könnte noch weiter steigen. Durch die Schließung der Straße von Hormus fehlen laut Analyse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) täglich 20 Mio. Barrel Öl, was den Ölpreis auf eine Spanne von 101 bis 146 Dollar treiben würde. Die Analyse sieht jedoch 3 mildernde Faktoren: Über Pipelines können 5,7 Mio. Barrel umgeleitet werden, eine Ausnahmeregelung für iranische Tankschiffe brächte 1,5 Mio. Barrel und die Freigabe strategischer Ölreserven 3,3 Mio. Barrel. Diese Maßnahmen zur Milderung des Angebotsschocks könnten den Erdölpreis um 15 bis 38 Dollar drücken, der Preis würde sich dann zwischen 86 und 107 Dollar einfinden. Die OeNB-Analyse hält fest, dass die Nachfrage nach Öl kurzfristig stark preisunelastisch ist, da Verbraucher und Industrie nur langsam auf diese Preissteigerungen reagieren können. Der Umstieg auf Elektroautos oder andere Produktionstechnologien würde Jahre dauern. Das Potenzial zur Reduktion der Ölnachfrage ist außerdem bereits weitgehend ausgereizt. [Quelle: OeNB | Grafik: Auswirkungen des Irankriegs auf Österreich]
Selektive Agenda:
Heute, New York, USA: Außenministerin Meinl-Reisinger bei der UNO (letzter Tag)
Heute, Luxemburg: Treffen der Finanzminister der Eurogruppe, Thema u. a. Auswirkungen des Irankriegs auf Energiemärkte sowie polit. Maßnahmen [Info]
Heute, Wien: Moldauische Arbeitsministerin Plugaru in Österreich
10:00 Uhr, Yaoundé, Kamerun: WTO-Ministerkonferenz (bis 29.3.) [Info]
10:00 Uhr, Wien: Bank Austria gibt Einkaufsmanagerindex für März bekannt.
12:00 Uhr, Wien: Sitzung des Bundesrats, u. a. Abstimmung zum Spritpreispaket [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Nina Zimmer wird neue Belvedere-Generaldirektorin. Christoph Lach wurde zum neuen Landessprecher der Neos Burgenland gewählt. Roger Kearns wird CEO der Borouge Group International, Stefan Doboczky wird CCO, Hasan Karam COO und Daniel Turnheim Interim-CFO. Oliver Walther, Alexander Milla und Onurcan Arslan werden Partner der Wirtschaftsrechtskanzlei Hasch und Partner. Johannes Hartlieb wird Contract Partner von Haslinger / Nagele Rechtsanwälte. Moritz Mittermann wurde in das Vorsitzteam der Bundesjugendvertretung gewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren Harald Mahrer zum Geburtstag. Am Samstag haben Karoline Edtstadler, Barbara Wussow, Peter Hanke, Hans Dieter Pötsch und Robert Wiesner Geburtstag, am Sonntag Christoph Leitl.
Sehen & gesehen werden:
20:00 Uhr, Wels, OÖ: Welser Volksfest (bis 29.3.) [Info]