Morning in Brief ・ 31.03.2026

Morning in Brief, 31. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, Christoph Hofer und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Warnungen vor Tankstellen-Preiseingriffen. Bundeswettbewerbsbehörden-Chefin Natalie Harsdorf warnt vor Preiseingriffen auf Ebene der Tankstellen. Man muss hier „vorsichtig“ sein, denn die für den Wettbewerb „wichtigen“ unabhängigen Tankstellen könnten dadurch aus dem Markt gedrängt werden, so Harsdorf zur Tiroler Tageszeitung. Auch der österreichische Energiehandel befürchtet Marktverwerfungen und Versorgungsrisiken. Der Verordnungsentwurf des Wirtschaftsministeriums zur Margenbeschränkung würde „stark asymmetrisch“ wirken, die Existenz unabhängiger Marktteilnehmer gefährden und eine „klassische Lose-Lose-Situation“ hervorrufen. „Am Ende gefährdet diese Verordnung nicht nur unabhängige Betriebe, sondern auch die Versorgungssicherheit – bis hinein in kritische Infrastrukturen. Das ist energiepolitisch höchst problematisch“, so Jürgen Roth, Obmann des Energiehandels der WKÖ. Die Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie befürchtet zudem „unmittelbare Folgen auf die nationale Versorgungslage“, da Marktteilnehmer aufgrund von Rechtsunsicherheit ihre Geschäftstätigkeit in Österreich einschränken oder aussetzen könnten. Die Verordnung wird aktuell überarbeitet und soll mit Anfang April in Kraft treten. [Quellen: TT/Harsdorf, WKÖ/Energiehandel, WKÖ/Kraftstoffindustrie, BMWET | Reaktion: FPÖ]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Preise für Diesel liegen heute in Österreich bei 2,248 Euro pro Liter und für Benzin bei 1,914 Euro und sind damit geringfügig gestiegen. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent notierte heute Früh bei 112,9 Dollar, ein Rückgang um rund 1,3 % zum Vortag. Der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF lag zu Handelsschluss am Montag bei 54,7 Euro pro MWh. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

Kommentar: Kraftlos in die nächste (Energie-)Krise
von Gunter Deuber und Matthias Reith

Österreichs Wirtschaft gleicht einem Rekonvaleszenten, der sich bei der erstbesten Gelegenheit einen neuerlichen Infekt einfängt. Unsere „Abwehrkräfte“ sind deutlich schwächer als Anfang 2022, als wir ohne schweren Rucksack, dafür aber mit dem Schwung der Post-Corona Erholung in die durch den Ukrainekrieg eingeläutete Zeitenwende hineingeraten sind. Doch statt über Reformen, die langfristig Wachstum schaffen, reden wir momentan darüber, an wie vielen Tagen die Tankstellen die Preise erhöhen dürfen. Und das ist bitter. Denn gerade jetzt wäre es wichtig, die Wachstumsbremsen zu lösen.

💡 Österreich im EU-Spitzenfeld bei Energiekrisen-Kosten. Die staatlichen Hilfsmaßnahmen zur Abfederung der Energiekrise haben Österreich zwischen September 2021 und Jänner 2023 rund 2.375 Euro pro Kopf gekostet. Damit liegt man im EU-Vergleich auf Platz 2 hinter Luxemburg (3.898 Euro) und deutlich vor den Niederlanden (2.227 Euro), Malta (1.902 Euro) und Deutschland (1.894 Euro). Gemessen am BIP-Anteil (5,3 %) rangiert Österreich auf Platz drei. [Quellen: Bruegel, Financial Times | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Pläne für Margenkontrollen versetzen Lebensmittelbranche in Aufruhr. Die von der Regierung geplante Meldepflicht von Gewinnmargen entlang der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette stößt in der Branche auf scharfe Kritik. Der WKÖ-Fachverband der Lebensmittelindustrie hält die Maßnahme für praxisuntauglich und warnt vor Wettbewerbsnachteilen für Betriebe. Sollte es wie bei der Spritpreisbremse zu Margenbegrenzungen kommen, wäre dies ein „beispielloser Eingriff in die Marktwirtschaft“, so Fachverbandschefin Katharina Koßdorff. Klar sei, dass der Irankrieg zu steigenden Kosten bei Energie, Dünger und Fracht führe, die bald auch bei den Konsumenten ankommen dürften. Der Handelsverband (HV) kritisiert die geplanten Meldepflichten ebenso als überzogen und unverhältnismäßig. „Viele Lebensmittelhändler haben mehr als 25.000 Produkte im Sortiment. Eine pauschale Meldepflicht über alle Produkte hinweg wäre praxisuntauglich, schafft Rechtsunsicherheit und führt zu steil steigenden Administrationskosten“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. [Quellen: APA via Die Presse, Handelsverband | Interview: „Lebensmittelhandel ist Blitzableiter für politisches Versagen“]

🇦🇹 Geschäftsstimmung in Österreich gesunken. Der Wifo-Konjunkturklimaindex sank von minus 0,9 Punkten im Februar auf minus 1,7 Punkte im März. Die aktuelle Lageeinschätzung der Unternehmen ging im Vormonatsvergleich um 2,1 Punkte zurück und liegt mit minus 1,9 Punkten im „skeptischen Bereich“. Als Ursache hierfür werden die wirtschaftlichen Auswirkungen des Irankrieges angeführt. Auch die Erwartungen waren rückläufig, wenn auch weniger stark als die aktuelle Lageinschätzung – dieser Teilindex liegt bei minus 2,3 Punkten. Während sich die Stimmungslage in nahezu sämtlichen Wirtschaftssektoren verschlechterte, wurden in der Bauwirtschaft positive Entwicklungen verzeichnet. Dort stieg der Lageindex um 3 Punkte an, verbleibt jedoch mit minus 2,6 Punkten weiterhin im negativen Bereich. Die Erwartungen in der Bauwirtschaft verbesserten sich um 4,8 Punkte und drehten mit plus 2,1 in den positiven Bereich. [Quelle: Wifo]

🇦🇹 Sanierungen deutlich zurückgegangen. Trotz stark gestiegener Förderungen ist es in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Wohnbausanierungen gekommen. Wurden 2009 noch 55.000 Wohneinheiten umfassend thermisch-energetisch saniert, waren es seit 2019 weniger als 20.000 Einheiten. Die Sanierungsrate lag gemessen am Wohnungsbestand 2024 bei rund 1,5 %, während sie 2009 noch bei rund 2,1 % lag – zurückgegangen sind vor allem die umfassenden Sanierungen zugunsten von Einzelmaßnahmen. „Insgesamt haben etwa 32 % des österreichischen Wohnungsbestands einen unzureichenden thermischen Standard“, heißt es in einer aktuellen Studie, die von der Interessensvertretung der Dämmstoff- und Fensterindustrie (GDI) und dem WKÖ-Fachverband in Auftrag gegeben wurde. Um das Regierungsziel einer vollständigen Dekarbonisierung des Gebäudebestandes bis 2040 erreichen zu können, brauche es eine Verdopplung der Sanierungsrate. [Quellen: Aussendung GDI, Studie zu Sanierungsmaßnahmen]

🇦🇹 BIG leidet unter Mietpreisbremse. Die gesetzliche Aussetzung der Wertsicherung bei Mietverträgen zwischen der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und Bundesmietern führte im Vorjahr zu einem negativen Bewertungseffekt von -1,163 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) der BIG ist dadurch im Vorjahr um knapp ein Viertel auf 973 Mio. Euro und der Gewinn um 27,6 % auf 640 Mio. Euro gesunken. Das operative Ergebnis (EBITDA) ist um 0,45 % auf 884 Mio. Euro gestiegen. Ab dem heurigen Jahr erwartet die BIG einen realen Mietentgang von 50 Mio. Euro jährlich. Für das Geschäftsjahr 2025 wird eine Dividende in Höhe von 266 Mio. Euro an die ÖBAG und damit an die Republik ausgeschüttet. [Quelle: BIG]

🇦🇹 Erzeugerpreise im produzierenden Bereich gesunken. Im Februar gingen die Erzeugerpreise im produzierenden Bereich im Vorjahresvergleich um 1,4 % zurück. Damit entspricht die Veränderungsrate exakt dem Wert aus dem Jänner. Energie war um 6,1 % günstiger als im Februar 2025. Bereits im Jänner hatte der Rückgang 6 % betragen. Bei den Vorleistungsgütern stiegen die Kosten um 0,4 % und damit zum zweiten Mal in Folge. Ebenfalls Zunahmen verzeichneten die Preise für Investitions- und Konsumgüter. Der Umsatz im produzierenden Bereich stieg im Dezember im Vorjahresvergleich um 2,7 %. Dieses Plus setzt sich aus einer Steigerung von 3,5 % in der Industrie und einem Rückgang von 0,6 % im Baugewerbe zusammen. [Quelle: Statistik Austria – Februar, Dezember]

🇦🇹 Wochenende brachte Windkraft-Rekord. Am Freitag wurden in Österreich 87,2 Gigawattstunden (GWh) Strom aus Windkraft erzeugt und damit der bisherige Rekord von Jänner 2025 (81 GWh) gebrochen. Rund die Hälfte des Stromverbrauchs konnte so am Freitag aus Windkraft gedeckt werden, am Sonntag sogar zwei Drittel (81,2 GWh). „Dieser neue Spitzenwert zeigt, wie wichtig Windenergie gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist“, so IG-Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer. Im Vorjahr wurden insgesamt 8,5 TWh Strom aus Windkraft erzeugt, das sind 15,8 % der gesamten Stromerzeugung. [Quellen: IG Windkraft, Energy-Charts | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]

🇪🇺 EU-Kommission stellt 1,5 Mrd. Euro Förderungen für Verteidigung bereit. Im Rahmen des European Defence Industry Programme (EDIP) stehen ab heute 1,5 Mrd. Euro als Förderbeiträge für den Ausbau und die Modernisierung der europäischen Verteidigungsindustrie zur Verfügung. Von dieser Summe entfallen 700 Mio. Euro auf die Produktionsausweitung von Verteidigungskomponenten wie Drohnenabwehrsystemen und Raketen. Davon sind wiederum 260 Mio. Euro im Rahmen des Ukraine Support Instrument (USI) vorgesehen, um Produktionskapazitäten in der Ukraine und der EU zu erhöhen. Darüber hinaus werden Mittel in industrielle Kooperationsprojekte innerhalb der EU sowie mit Norwegen und der Ukraine investiert. Weitere Schwerpunkte bilden die gemeinsame Beschaffung sowie die Förderung von Startups im Verteidigungssektor. [Quellen: EU-Kommission | Reaktion: FPÖ | Service: EDIP]

🇪🇺 Eurozonen-Wirtschaftsstimmung im März gesunken. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) ist von 98,2 Punkten im Februar auf 96,6 Punkte im März gesunken. Zuletzt wurde im September 2025 ein niedrigerer Wert verzeichnet. In Österreich gab es einen Rückgang um 1,2 Punkte auf 91,9 Punkte. Innerhalb der Eurozone ist die Wirtschaftsstimmung nur in Estland (91,2) und Belgien (89,5) niedriger als in Österreich. [Quelle: Economic Sentiment Indicator]

🇪🇺 Totschnig will CBAM für Düngemittel aussetzen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig fordert eine „temporäre Aussetzung“ des europäischen CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM, um zusätzliche Kosten für die Landwirtschaft zu vermeiden. Seit Beginn der Krise hätten sich Stickstoffdünger wie Harnstoff von 480 Euro auf fast 700 Euro verteuert, so Totschnig. Hier brauche es eine „klare Ansage für die Märkte, damit eine Beruhigung eintritt und die Preise zurückgehen“. Die Preissprünge bei Düngemitteln und Vorprodukten würden „in 3 bis 4 Monaten“ auch bei den Lebensmitteln ankommen, warnt Totschnig. Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, sprach sich auf der anschließenden Pressekonferenz gegen die Forderung aus. Er betonte die Abhängigkeit der EU von Importen aus Drittstaaten und fügte hinzu, dass ein Aussetzen von CBAM diese Abhängigkeit vergrößern würde. Es müsse ein Mittelweg gefunden werden. [Quellen: Doorstep Totschnig, Pressekonferenz Hansen]

🇩🇪 Deutsche Inflationsrate steigt auf 2,7 %. Die Inflationsrate in Deutschland wird im März voraussichtlich bei 2,7 % liegen. Diese Prognose basiert auf den bisher vorliegenden Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes. Demnach stieg die Inflationsrate von Februar auf März um 1,1 %. Die Energiepreise liegen im Vorjahresvergleich um 7,2 % höher. Es handelt sich dabei zugleich um den ersten Energiepreisanstieg seit Dezember 2023. Die Energiepreise haben in den letzten Jahren in Deutschland inflationsdämpfend gewirkt. Nun dürfte es eine Umkehr dieses Trends geben. Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, sieht steigende Inflationsraten in den kommenden Monaten, da die höheren Energiekosten über Transport- und Produktionskosten an Waren und Dienstleistungen weitergegeben werden und sich dort preistreibend auswirken. [Quellen: Statistisches Bundesamt, Ifo-Institut]

🇨🇭 Konjunkturaussichten der Schweiz eingetrübt. Das Konjunkturbarometer der ETH Zürich ist im März von 103,8 Punkten um 7,7 Zähler auf 96,1 Punkte gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit Juni des Vorjahres. Nahezu alle Indikatoren entwickeln sich negativ, insbesondere die Indikatoren der Exportwirtschaft, der allgemeinen Geschäftslage sowie der Auftragslage stehen unter Druck. [Quelle: ETH Zürich]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria präsentiert Öffentliche Finanzen 2025, Einkommen und Sparen des Haushaltssektors 2025 sowie Schnellschätzung des Verbraucherpreisindex (VPI) für März

9:30 Uhr, EU: Informelle Videokonferenz der EU-Minister für Forschung und Innovation [Info]

10:00 Uhr, Frankfurt: S&P Global veröffentlicht Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe sowie Dienstleistungen EU, Eurozone und Deutschland für März

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat gibt EU-Arbeitsmarktdaten für Februar und Schnellschätzung der Verbraucherpreise (HVPI) in der Eurozone für März bekannt

11:00 Uhr, Wien: Innenminister Karner präsentiert die Kriminalstatistik 2025

15:00 Uhr, EU: Informelle Videokonferenz der EU-Minister für Energie [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: In der ordentlichen Hauptversammlung der Helvetia Versicherungen AG wurden Karina Schreiber und Christine Theodorovics in den Aufsichtsrat gewählt. Moritz Mittermann folgt Sebastian Stark für die JVP in den Vorsitz der Bundesjugendvertretung. Monika Köppl-Turyna ist die neue Präsidentin der European Public Choice Society. Andreas Mailath-Pokorny wurde als Geschäftsführer der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien wiederbestellt. Albert Angersbach wird neuer Risikovorstand der UniCredit Bank Austria. Michael Straberger wurde als Präsident des Österreichischen Werberates wiedergewählt.

Geburtstage: Wir gratulieren Wolfgang Nadvornik zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

11:00 Uhr, Klagenfurt: Empfang des Landes Kärnten anlässlich der Verabschiedung von Peter Kaiser (SPÖ) als Landeshauptmann im Konzerthaus Klagenfurt [invite only]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?