Morning in Brief ・ 09.03.2026

Morning in Brief, 9. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🌐 Ölpreis steigt weiter – Ruf nach Lockerung von Sanktionen. Der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent ist Montagfrüh weiter auf bis zu 117,45 Dollar gestiegen, ein Anstieg um mehr als 20 % seit Freitag. Der katarische Energieminister sprach gegenüber der Financial Times davon, dass der Ölpreis bald die Marke von 150 Dollar erreichen könnte. Katar sieht sich aufgrund höherer Gewalt gezwungen, seine Ölproduktion stark zu drosseln – das werden bald alle Golfstaaten müssen, so der Minister. Auch Kuwait reduzierte daraufhin die Ölproduktion. Die irakische Ölproduktion soll bereits um 60 % eingebrochen sein. US-Finanzminister Scott Bessent denkt eine Lockerung der Russland-Sanktionen an, um das globale Ölangebot zu erhöhen. „Es gibt Hunderte Millionen Barrel sanktionierten Rohöls auf See. Wir prüfen die Möglichkeit, durch die Aufhebung der Sanktionen das Angebot zu erhöhen“, so Bessent. Ähnliches fordert die FPÖ: „Die Regierung muss auf EU-Ebene die Auslösung des Krisenmechanismus bei den Russland-Sanktionen erwirken“, so die FPÖ-Energiesprecher. [Quellen: Entwicklung Brent-Preis, Financial Times, Bloomberg, Reuters – Katar, Kuwait, Bessent; FPÖ]

Kommentar: Überlebenskünstler Babler und das Lob der Grabrede
von Rainer Nowak

Die altehrwürdige Tätigkeit des Grabredners bekommt viel zu wenig Respekt in der Öffentlichkeit. Ohne getragene Worte mit der richtigen Mischung aus Pathos, Trost und Feierlichkeit ist der letzte Gang nicht perfekt. Spätestens seit vergangenem Samstag wissen wir: Das gilt auch für Parteitage. Da engagiert man den Parteitagsredner. Der dreht die schlechte Stimmung durch Umfragetief, Koalitionspartner, Sparpaket oder dem Fehlen einer stringenten inhaltlichen Strategie. Die SPÖ hat das enorme Glück, für Andreas Babler nicht einmal ein Zusatzhonorar bezahlen zu müssen. Der macht das gratis für das eigene Überleben.

💡 Österreich bei Wachstum an drittletzter Stelle in der Eurozone. Im 4. Quartal 2025 ist Österreichs Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,7 % gewachsen. Gegenüber dem 3. Quartal 2025 ist ein Nullwachstum zu verzeichnen. Im Schnitt wuchs die Eurozone gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,2 %. Spitzenreiter ist Malta mit einem deutlichen Wachstum von 6,4 %. Nur Finnland (+0,1 %) und Deutschland (+0,4 %) wuchsen langsamer als Österreich. [Quelle: Eurostat | Grafik von Christoph Hofer] 

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 „Aktion Scharf“ bei Treibstoffpreisen. Der Preis für einen Liter Diesel ist seit Ende Februar um über 20 % auf 1,889 Euro/Liter gestiegen, der Benzinpreis um knapp 13 % auf 1,689 Euro/Liter. Das Wirtschaftsministerium hat am Freitag einen Prüfauftrag an das Institut für Höhere Studien (IHS) und die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) erteilt, um die aktuelle Preisentwicklung „genau und umfassend“ zu überprüfen. „Jeder Hinweis auf wettbewerbswidriges Verhalten wird konsequent verfolgt“, so Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer. Die FPÖ erneuerte ihre Forderungen nach einem Herabsetzen der Mineralöl- sowie einem Ende der CO2-Steuer. Die WKÖ sieht durch die Preissteigerungen „Übergewinne“ beim Finanzminister, da dieser bei steigenden Preisen auch von steigenden Steuereinnahmen profitiere und fordert diese Mehreinnahmen „eins zu eins“ zurück. [Quelle: E-Control/Spritpreise | Reaktionen: FPÖ, ARBÖ, ÖGB, WKÖ | Service: BWB-Branchenuntersuchung Kraftstoffmarkt 2022]

🇦🇹 „Klima-Check“ für Gesetze präzisiert. Die „Wirkungsorientierte Folgenabschätzung“ für neue Gesetze enthielt schon bisher neben finanziellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen einen Check zu Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen, der nun präzisiert wurde und ab einem Anstieg um 8.500 Tonnen CO2 in den nächsten 5 Jahren greift. Der Klima-Check „bringt Transparenz über die Auswirkung von neuen Gesetzen auf den Treibhausgasausstoß, die Kohlenstoffspeicherung sowie auf die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel“, so Klima- und Umweltminister Norbert Totschnig. Der Klima-Check wird von den jeweils zuständigen Ministerien in der Vorbereitungsphase eines rechtlichen Vorhabens durchgeführt. [Quellen: BMLUK, Georg Renner auf X | Reaktionen: SPÖ, FPÖ]

🇦🇹 Großhandelspreise steigen auch im Februar. Im Februar sind die Großhandelspreise gegenüber dem Jänner um 0,7 % und im Vorjahresvergleich um 1,1 % gestiegen. Im Jänner wurde ein Anstieg von 0,7 % im Monatsvergleich und 0,4 % im Jahresvergleich verzeichnet. Teurer wurden im Vorjahresvergleich v. a. Uhren und Schmuck, Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze sowie Altmaterial und Reststoffe. Günstiger wurden im Februar Getreide, Saatgut und Futtermittel, Gummi und Kunststoffe sowie sonstige Mineralölerzeugnisse. [Quelle: Statistik Austria – Februar, Übersicht]

🇦🇹 Mehrkosten längerer Wehrpflicht bis zu 1,7 Mrd. Euro. Laut Modellrechnungen der Ökonomin Gudrun Biffl für die Kronen Zeitung könnte eine verlängerte Wehrpflicht unter Einbeziehung indirekter volkswirtschaftlicher Effekte insgesamt zwischen 1,3 und 1,7 Mrd. Euro kosten. Gegenüber Selektiv betonte Wifo-Ökonom Michael Böheim jüngst, dass die Kosten eines Berufsheers für die Wirtschaft geringer wären, aber für die öffentliche Hand höher: „Es gibt keine Lösung, die keine Probleme mit sich bringt, weil dann hätten wir sie schon längst umgesetzt.“ [Quelle: Kronen Zeitung | Interview: Böheim: „Kosten für die Wirtschaft wären bei einem Berufsheer geringer“]

🇦🇹 Rechnungshof: Keine Kostenersparnis durch GIS-Aus. Bei der Umstellung von der gerätebasierten GIS-Gebühr auf den haushaltsbasierten ORF-Beitrag ergaben sich entgegen der Erwartungen keine Einsparungen, sondern ein Mehraufwand von 1,45 Mio. Euro. Ein Anstieg der Beschwerden führte zu einem gestiegenen Personalaufwand, auch entstand ein Sachaufwand von 8,31 Mio. Euro für den Versand von Zahlungsaufforderungen. Der RH kritisiert weiters eine „Vielzahl externer Dienstleister“ – so hätte etwa der Kundendienst des ORF genutzt werden können, anstatt externe Callcenter zu beauftragen. Mängel im Kundendienst wären bereits aus den Jahren vor der Umstellung bekannt gewesen, so der RH. Auch habe die OBS GmbH mit der Auftragsvergabe an Externe darauf verzichtet, „eigenes Know-how für den laufenden Betrieb des Unternehmens aufzubauen“. [Quelle: Rechnungshof – Aussendung, Prüfbericht | Reaktion: FPÖ]

🇦🇹 ÖGK kürzt ab Mai Leistungen. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) kürzt ab 1. Mai einige Leistungen und erhöht gleichzeitig die Selbstbehalte. So werden etwa Sekundärtransporte zwischen Krankenanstalten nicht mehr über die Sozialversicherung abgerechnet, Hörgeräte nur mehr alle 6 statt 5 Jahre ersetzt sowie der Familienzuschlag beim Krankengeld gestrichen. Der Selbstbehalt bei unentbehrlichem Zahnersatz steigt von 25 auf 30 %, sinkt für Rezeptgebührenbefreite aber auf 20 %. Kritik folgte aus allen politischen Lagern. Sozialministerin Korinna Schumann verwies auf die Selbstverwaltung der ÖGK, Änderungen könnten nur bei Rechts- oder grober Zweckwidrigkeit abgelehnt werden. [Quellen: ÖGK, Medienberichte | Reaktionen: FPÖ, Grüne, Seniorenbund, Pensionistenverband, Arbeiterkammer]

🇪🇺 Europäische Waffenimporte um 210 % gestiegen. Im Zeitraum 2021-2025 sind die Waffenimporte europäischer Staaten um 210 % gestiegen. Europa ist damit zur größten Importregion der Welt geworden und bezog mit 48 % fast die Hälfte seiner Waffen aus den USA, größter Abnehmer war die Ukraine. China importierte um 72 % weniger Waffen als im Vergleichszeitraum und setzt zusehends auf Eigenproduktion. Das Ranking der Exporteure führen die USA an, der Anteil ihrer weltweiten Waffenexporte stieg von 33 % auf 42 %. [Quelle: SIPRI]

🇩🇪 Erneuerbare Stromproduktion Deutschlands stagniert. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 256,9 Terawattstunden (TWh) aus erneuerbaren Quellen produziert, ein Rückgang um 0,1 % gegenüber 2024. Insgesamt stieg die Stromerzeugung und Netzeinspeisung im Jahresabstand um 1,4 % auf 438,2 TWh, der Anteil der Erneuerbaren ist damit von 59,5 % auf 58,6 % gesunken. Die Einspeisung von Strom aus Photovoltaik ist um 17,4 % auf den neuen Höchstwert von 70,1 TWh gestiegen, auch Gas legte um 10,2 % auf 70,6 TWh zu. Windkraft (-3,6 %) und Wasserkraft (-22,5 %) lieferten letztes Jahr weniger Strom. Die finalen Daten zur Stromproduktion Österreichs im Jahr 2025 werden am Dienstag präsentiert. [Quelle: Destatis]

🇩🇪 Verlust von 150.000 Jobs in Metall- und Elektroindustrie. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall erwartet heuer den Verlust von bis zu 150.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. „Wir sind mitten in einer Deindustrialisierung und die Aussichten sind sehr düster. Die Situation ist wirklich dramatisch“, so Gesamtmetall-Geschäftsführer Oliver Zander. Die Ursachen sieht Zander in „zu hohen Energiekosten, zu hohen Unternehmenssteuern, zu hohen Sozialabgaben und zu viel Bürokratie“. [Quelle: dpa via Medienberichte]

🇺🇸 166 Mrd. Dollar an US-Zöllen vor Rückzahlung. Die US-Zollbehörde will innerhalb der nächsten 45 Tage ein System aufsetzen, um insgesamt 166 Mrd. Dollar an zu Unrecht eingehobenen Zöllen an rund 330.000 Importeure auszuzahlen. Betroffene Importeure müssen keine eigene Klage einbringen, so der zuständige Richter des Handelsgerichts. [Quelle: Reuters]

Selektive Agenda:

Heute, Brüssel: Digitale Konferenz zum Irankrieg mit EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen, EU-Ratspräsident Costa und Staats- und Regierungschef aus Nahem Osten und Golfregion

Heute, Straßburg: Plenarsitzungswoche des EU-Parlaments startet (bis 12.3.) [Info]

8:00 Uhr, Wiesbaden: Bekanntgabe der deutschen Industrieproduktion im Jänner

8:45 Uhr, Brüssel: Beginn der EU-Botschafterkonferenz (bis 13.3.); Eröffnung durch Außenbeauftragte Kallas; Rede von der Leyen um 10 Uhr [Info]

8:50 Uhr, Brüssel: EU-Sozialministerrat [Info]

10:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht die Außenhandelszahlen für Dezember 2025 sowie das Gesamtjahr 2025 [Info]

10:00 Uhr, Egerszalók, Ungarn: Innenminister Karner nimmt am Treffen der Innenminister der Visegrad-Staaten teil

10:30 Uhr, Frankfurt: Bekanntgabe des Sentix-Investorenvertrauen Eurozone März

15:00 Uhr, Brüssel: Treffen der Finanzminister der Eurogruppe mit Finanzminister Marterbauer [Info]

Wochenvorschau

Am heutigen Montag beginnt in Straßburg die Plenarsitzungswoche des Europäischen Parlaments, die bis inklusive Donnerstag dauert. In Brüssel findet eine digitale Konferenz zum Irankrieg, die jährliche EU-Botschafterkonferenz sowie der EU-Sozialministerrat und das Treffen der Finanzminister der Eurogruppe statt. Statistik Austria und Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer präsentieren in Wien die Außenhandelsstatistik 2025. 

Am Dienstag folgen die Kfz-Neuzulassungen im Februar sowie der Produktionsindex im Jänner. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer präsentiert das „Digital Skills Barometer 2025/26“. In Brüssel findet der EU-Finanzministerrat (ECOFIN) statt. Die EU-Kommission plant, eine Mitteilung zur „Zukünftigen Entwicklung und Einsatz kleiner modularer Reaktoren in Europa“ zu veröffentlichen. 

Am Mittwoch findet im Bundeskanzleramt der Ministerrat mit anschließendem Pressefoyer statt. Fiskalratspräsident Christoph Badelt ist zu Gast im Klub der Wirtschaftspublizisten. Am Nachmittag findet eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag im Parlament statt, abends wird das 9. Deutsch-Österreichische Technologieforum im Novotel Hauptbahnhof eröffnet und OeNB-Gouverneur Martin Kocher präsentiert sein neues Buch „Gemeinsam stark.“ im Thalia auf der Mariahilfer Straße.

Am Donnerstag findet die 987. Sitzung des Bundesrats statt. Statistik Austria veröffentlicht die Arbeitsmarktdaten für das 4. Quartal 2025 und präsentiert den „Strukturwandel des Arbeitsmarkts 2005-2025“. Die Industriellenvereinigung präsentiert gemeinsam mit dem Aktienforum das „Aktienbarometer 2026“.

Der Freitag bringt die Veröffentlichung der Wohnkosten für das Gesamtjahr 2025 durch Statistik Austria sowie der Industrieproduktion im Jänner durch Eurostat. Mittags findet eine Diskussionsrunde mit österreichischen EU-Parlamentariern zum Thema „Europa in der neuen Weltordnung: Was muss geschehen, um den Stresstest zu bestehen?“ im Haus der Europäischen Union statt.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Eva-Maria Holzleitner wurde mit 98,92 % als SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende wiedergewählt. Andreas Babler wurde mit 81,51 % als SPÖ-Bundesparteivorsitzender wiedergewählt. Markus Ulram ist neuer Präsident des burgenländischen Gemeindebunds. Hannes Tschürtz wurde in das Präsidium des Fachverbandsausschuss der Film- und Musikwirtschaft in der WKÖ berufen.

Sehen & gesehen werden:

19:00 Uhr, Wien: Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts „La clemenza di Tito” in der Wiener Staatsoper [Info]

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