Weekender ・ 21.03.2026

Weekender, 21. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel – ich melde mich aus Wien.

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Editor’s Note: Mit der Gießkanne im Krisengarten
von Sara Grasel

Sara Grasel Illustration

Österreich steckt noch immer in einer wirtschaftlich gelinde gesagt schwierigen Situation. Ja, das Bruttoinlandsprodukt ist schon vergangenes Jahr wieder gewachsen. Aber! Es waren nur 0,6 % und ein genauerer Blick ergibt ein sehr differenziertes Bild: Der Staatssektor ist um 2,8 % gewachsen, während zum Beispiel die Bauwirtschaft um 2,9 % geschrumpft ist. Und es gibt durchaus Grund zur Sorge, dass die tiefste Wohnbaurezession in den letzten 30 Jahren erneut in die Verlängerung geht. Da derzeit geopolitisch kein Stein auf dem anderen bleibt und die Katastrophe am Energiemarkt täglich um eine Facette reicher wird, könnte das auch heuer ein Wachstum bedeuten, das man kaum als solches bezeichnen kann. 0,9 % prognostiziert die Bank Austria, die Teile der Irankrieg-Folgen schon eingepreist hat. 1,1 % sagte die OECD vergangenen Donnerstag, gesteht aber ein, dass der Krieg in der Prognose noch keine Rolle gespielt hat. Gleichzeitig steigen die Inflationsprognosen – Wifo-Chef Gabriel Felbermayr geht heuer von 2,9 % aus. 

Ungeachtet der Lehren der Vergangenheit setzt die Bundesregierung in dieser heiklen Situation auf blanken Populismus. Der Gewinndeckel für Tankstellen und Raffinerien ist vielleicht etwas flexibler als ein schnöder Preisdeckel, unangenehme Nebenwirkungen hat das Trostpflaster für Pendler dennoch. Kurzfristig sieht die Story so aus: Gepaart mit einer Mini-Steuersenkung soll Sprit um 10 Cent pro Liter billiger werden. Das bringt pro Tankfüllung vielleicht 5 bis 6 Euro Ersparnis. Die Inflation könnte dadurch laut Felbermayr kurzfristig um 0,2 % gedrückt werden – also überschaubar. Nach Jahren der „Krisenbekämpfung“ gibt es aber durchaus Erfahrung mit solchen angeblich Wähler-beruhigenden Gießkannen. Was sich Haushalte, die es sich leisten können, hier ersparen, geben sie eben woanders aus und dann steigen dort die Preise. Anfang 2027 könnte es dann wieder zu einem kleinen nationalen Inflationsschock kommen – Sie erinnern sich an das Auslaufen der Strompreisbremse mit Jahresbeginn 2025? Damals kamen zwar auch noch höhere Netzentgelte etc. dazu, die Auswirkungen auf die Inflation waren aber so oder so beträchtlich.   

Kommentar: Willkommen im roten Kompromismus

Interview: FPÖ-Energiesprecher – „Steuereinnahmen sprudeln wie noch nie“

Kommentar: Einfach mal tanken lassen

In die Gewinne von Unternehmen einzugreifen, hat jedoch noch andere Effekte. Die Margen decken in diesem konkreten Fall vielleicht nicht einmal mehr die Transportkosten, wie OMV-Chef Alfred Stern vor einer Woche vorrechnete: Der OMV bleiben 25 Cent pro Liter, um das bereits gekaufte Öl nach Österreich zu bringen, die Raffinerie zu betreiben und Tankstellen zu erhalten. Dass dann kein Spielraum mehr für Zukunftsinvestitionen oder den Aufbau neuer Kapazitäten bleibt, ist klar. 

Und nicht zuletzt: Die Nachfrage wird sich ohne entsprechendes Preissignal nicht an den Markt anpassen. Das wiederum führt schon kurzfristig womöglich zu Engpässen. Denn, dass wir derzeit bei Öl- und Diesel-Importen nicht aus dem Vollen schöpfen können, ist klar. Stern betonte, dass allein die Berichte über eine mögliche Mangelsituation die Menschen zu den Tankstellen trieb. Das lässt normalerweise die Preise steigen, wodurch sich das Problem über normale Marktmechanismen regelt – Sie wissen schon: Angebot und Nachfrage. Die Internationale Energieagentur hat gestern ausgesprochen, was eigentlich eine logische Reaktion sein sollte: Wir sollten weniger Öl verbrauchen. Wer auf das Auto unausweichlich angewiesen ist und sich die höheren Preise tatsächlich nicht leisten kann, dem sollte natürlich geholfen werden – aber bitte gezielt, ohne folgenreichen Gießkannen-Populismus.

[Quellen und mehr Info: Konjunktur – BIP 2025, OECD, Bank Austria, Spritpreise –MRV, Felbermayr, OMV-Stern]

News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:

🇦🇹 Marterbauer will 2-Mrd-Euro-Sparpaket. Finanzminister Markus Marterbauer rechnet laut Krone im nächsten Doppelbudget mit einem zusätzlichen Sparbedarf von bis zu 2 Mrd. Euro für 2028 – das seien „ganz andere Dimensionen“ als 2026 als es um 9 Mrd. Euro ging. Im Gesundheitsbereich rechnet er mit Mehrausgaben, die mit Effizienzmaßnahmen gedämpft werden sollen. Von der Reformpartnerschaft werden kurzfristig noch keine Effekte zu erwarten sein. Spielraum für neue Kampfjets sieht er derzeit noch nicht – das würde eine Lohnnebenkosten-Senkung gefährden, so Marterbauer. [Quelle: Krone]

🇦🇹 Preiseingriffe in Begutachtung. Die Regierung senkt die Mineralölsteuer um 5 Cent pro Liter und plant Eingriffe in die Gewinnmargen von Tankstellen und Raffinerien. Dazu braucht es eine Änderung des Preisgesetzes, der im Nationalrat zwei Drittel zustimmen müssen. Am Montag gibt es hierfür eine Sondersitzung des Nationalrats, die Begutachtung läuft bis Dienstag und am Mittwoch oder Donnerstag kann der finale Beschluss fallen. Ab 1. April will die Regierung dann in die Preise eingreifen. Nach einem Monat wird evaluiert und mit Jahresende läuft die Maßnahme aus. Greifen soll der Mechanismus, wenn die Nettopreise laut EU-Kommission im Abstand von 2 Monaten um mehr als 30 % steigen – von Jänner auf März waren es rund 40 %. Die Kontrolle liegt bei der E-Control. Die Erdölindustrie warnte vor Engpässen, der Mechanismus soll in diesem Fall ausgesetzt werden können. Kritik kam auch von den Tankstellenbetreibern – Pächter würden nur 1-1,5 Cent pro Liter verdienen. Die MöSt-Senkung soll budgetneutral erfolgen – Finanzminister Markus Marterbauer sprach von Mehreinnahmen durch die gestiegenen Spritpreise über die Mehrwertsteuer von rund 10 Mio. Euro pro Monat. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr rechnet mit einer Dämpfung der Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte, wobei die Teuerung dennoch auf ungefähr 2,9 % steigen werde. [Quellen: Begutachtungsentwurf, Weekly Oil Bulletin, Pressefoyer, BKA, MRV, ZIB2, Parlamentskorrespondenz, APA via Medienberichte, Ö1-Morgenjournal, Tankstellen | Kommentar: Willkommen im roten Kompromismus

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update: Diesel über 2 Euro. Die durchschnittlichen Preise für Benzin lagen am Freitag in Österreich bei 1,849 Euro pro Liter und für Diesel bei 2,109 Euro – Erhöhungen sind nur noch am Montag, Mittwoch und Freitag möglich. Der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent lag zum Handelsschluss am Freitag bei 112,19 Dollar, der Gaspreis laut dem für Europa richtungsweisenden Terminkontrakt TTF lag gestern zu Handelsschluss bei 59,300 Euro pro MWh. Die USA haben gestern bis 19. April Sanktionen auf iranisches Öl auf Schiffen gelockert. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis Brent, Gaspreis TTF]

🇦🇹 Insolvenzen zu Jahresbeginn gesunken. Im 1. Quartal mussten in Österreich 1.687 Unternehmen Insolvenz anmelden – 6 % weniger als im Vorjahresvergleich. 41 % der insolventen Unternehmen können die Kosten von 4.000 Euro für die Eröffnung eines ordentlichen Insolvenzverfahrens nicht finanzieren. [Quelle: KSV 1870]

💡 Rekordrezession im Wohnbau. Mit einem Minus von 21,7 % vom 1. Quartal 2022 bis zum 4. Quartal 2025 muss der heimische Wohnbausektor die tiefste Rezession in 30 Jahren hinnehmen. Zuletzt gab es rund um die Jahrtausendwende einen vergleichbaren Rückgang (-20,7 %). [Quelle: RBI/Raiffeisen Research | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Nach Ostern wird das Doppelbudget verhandelt. Das Finanzministerium wird nach den Osterfeiertagen mit den Verhandlungen für das Doppelbudget 2027/28 beginnen – am 31. März liegen die endgültigen Defizitzahlen für 2025 inklusive Ländern und Gemeinden vor. Dann ist klar, ob das angepeilte Defizit von 4,5 % des BIP eingehalten werden konnte. Der Bund hatte mit einem Minus von 14,4 Mrd. Euro um 3,7 Mrd. Euro besser abgeschnitten als erwartet. 2027 soll das gesamtstaatliche Budgetdefizit auf 3,5 % des BIP sinken und 2028 wieder die Maastricht-Grenze von 3 % unterschreiten. Am 10. Juni hält Finanzminister Marterbauer seine Budgetrede, einen Monat später wird das Budget im Nationalrat beschlossen. [Quelle: APA via Medienberichte | Kommentar: Kanzler Babler und welche Steuern 2027 erhöht werden | Interview: Meinl-Reisinger: „Erbschaftssteuer wird jedenfalls nicht kommen“]

🇦🇹 Hürden für Börsengang werden gesenkt. KMU soll ein leichterer Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht werden. Eine entsprechende Änderung von Börsegesetz, Kapitalmarktgesetz, Referenzwerte-Vollzugsgesetz und Wertpapieraufsichtsgesetz hat diese Woche den Finanzausschuss passiert. Für einen Börsengang muss eine AG dann ein Jahr statt bisher drei etabliert sein und einen statt bisher drei Jahresabschlüsse veröffentlicht haben. Ein Wertpapierprospekt muss ab einem Emissionsvolumen von 12 Mio. Euro statt bisher 5 Mio. Euro aufgelegt werden. Mit 6. Juni soll der „Listing Act“ in Kraft treten. [Quelle: Parlamentskorrespondenz]

💡 Militär-Investitionen seit 2015 um rund 820 % gestiegen. Die Investitionen des Bundesheeres steigen von 188 Mio. Euro im Jahr 2015 auf geplante 1,73 Mrd. Euro im Jahr 2026 – ein Plus von rund 820 %. Der starke Anstieg begann ab 2023, ausgelöst durch den Ukraine-Krieg. Vergangenes Jahr wurden u. a. 12 Leonardo M-346 Kampfflugzeuge, 315 unbemannte militärische Luftfahrzeuge und 80 neue Gruppentransportfahrzeuge gekauft. [Quellen: BMF-Teilhefte UG 14, 2017–2026, BMLV | Grafik von David Schima und Maximilian Kern]

🇪🇺 🇦🇹 EU-Emissionshandel wird evaluiert. Die EU-Kommission wird bis spätestens Juli eine Überprüfung des Emissionshandelssystems (ETS) vorlegen, um u. a. die Schwankungen des CO2-Preises zu verringern und die Energiepreise zu senken. Bundeskanzler Christian Stocker sprach nach dem EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in der Nacht auf Freitag von einem „sehr guten Ergebnis“ und erklärte, dass es „temporäre Ausnahmen“ beim Handel mit den ETS-Zertifikaten geben werde, wodurch der Gaspreis sinke. Gleichzeitig hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, rund 30 Mrd. Euro aus den ETS-Einnahmen zur Unterstützung der Transformation der Industrie bereit zu stellen. Bis Ende des Jahres soll es zudem Lösungen für den „Österreich-Aufschlag“ geben und die Verhandlungen über den digitalen Euro, die neue europäische Unternehmensform „EU-Inc.“ sowie das EU Grids Package abgeschlossen werden. Die EU-Inc. soll eine Unternehmensgründung von jedem Ort in der EU aus vollständig online ermöglichen, innerhalb von 48 Stunden sowie für unter 100 Euro und ohne Mindestkapitalanforderungen. [Quellen: Europäischer Rat, Doorstep Stocker, EU-Kommission | Reaktionen: FPÖ, WKÖ, IV | Grafik: So teuer ist eine Tonne CO2 in…]

🇪🇺 Zentralbanken verlängern Zinspause. EZB und US-Notenbank Fed haben die Leitzinsen diese Woche unangetastet gelassen. Bei der EZB liegt der Zinssatz für die Einlagefazilität weiterhin bei 2 %, der Hauptrefinanzierungszinssatz bei 2,15 % und der Spitzenrefinanzierungszinssatz bei 2,4 %. Im April könnte eine Zinserhöhung anstehen, deutete der Deutsche-Bundesbank-Chef Joachim Nagel bei Bloomberg an. Die Inflationsprognose für den Euroraum wurde nach oben revidiert: Für 2026 werden 2,6 % erwartet (zuvor 1,9 %). Die BIP-Prognosen wurden für 2026 auf 0,9 % (zuvor 1,2 %) sowie für 2027 auf 1,3 % gesenkt. Die Fed beließ die Zinsspanne bei 3,50-3,75 %. Die Konjunkturprognosen hat die Fed etwas nach oben korrigiert – für die USA erwartet sie heuer ein BIP-Wachstum von 2,4 % (zuvor 2,3 %) und für 2027 von 2,3 % (zuvor 2,0 %). Die Prognose sieht für heuer eine US-Inflation von 2,7 % vor (zuvor 2,4 %). [Quellen: EZB – März, Dezember, Bloomberg, Fed – Zinsbeschluss, Prognosen | Kommentar: Der Nährboden der nächsten Inflationswelle | Grafik: Leitzinsentwicklung in USA und Eurozone]

🌐 LNG-Produktion von Katar auf Jahre beeinträchtigt. Nach einem Angriff des Iran auf LNG-Anlagen in Katar ist ein Sechstel der LNG-Exportkapazitäten betroffen. Die Schäden könnten jahrelang Auswirkungen auf die LNG-Produktion haben. [Quellen: Reuters I, Reuters II | Grafik: EU-Flüssiggas – Russland bleibt zweitgrößter Lieferant]

🌐 Welthandels-Wachstum schwächt sich 2026 ab. Das Wachstum des Welthandels von Waren soll sich 2026 verlangsamen und 1,9 % betragen, nach 4,6 % im Jahr 2025. Sollte der Irankrieg und der dadurch ausgelöste Ölpreisschock länger andauern, könnte sich das Wachstum auf 1,4 % verlangsamen. Auch das Wachstum des Dienstleistungshandels soll mit 4,8 % heuer geringer ausfallen als 2025 (5,3 %). [Quelle: WTO]

🇩🇪 Deutsches Sondervermögen auf Pump wird zweckentfremdet. Die Analyse des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und des Ifo-Instituts zeigen, dass die Mittel des Sonderbudgets für Infrastruktur-Investitionen im Jahr 2025 überwiegend zur Entlastung des Budgets zweckentfremdet wurden. Das IW kommt in seinen Berechnungen auf eine Zweckentfremdungsquote von 86 %, während das Ifo-Institut den Anteil zweckentfremdeter Mittel sogar auf 95 % beziffert. Das Sondervermögen beträgt 500 Mrd. Euro für die nächsten 12 Jahre und ist kreditfinanziert. [Quellen: IW Köln, Ifo-Institut, Finanzministerium]

Wochenendprogramm:

Meistgelesener Kommentar der Woche. Sara Grasel: „Willkommen im roten Kompromismus“ [Hier lesen, alle Kommentare]

Meistgelesenes Interview. FPÖ-Energiesprecher: „Steuereinnahmen sprudeln wie noch nie“ [Hier lesen]

Long Read I. Thomas Mayer war Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe und zuvor u. a. beim Internationalen Währungsfonds in Washington tätig. Jetzt ist er Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute mit Sitz in Köln und analysiert im Cicero, wie sich Ölpreisschocks, Inflation und Rezession als Folgen von Kriegen in Nahost wiederholen: „Nahost-Déjà-vu: Wiederholt sich die Wirtschaftgeschichte?“ [Hier lesen]

Long Read II. Die Statistik Austria veröffentlicht jährlich eine anschauliche Broschüre mit den aktuellen Zahlen, Daten und Fakten zu Österreich. [Hier lesen]

Long Read III. Für den Pragmaticus hat sich Roman Sandgruber angesehen, „wie man ein ganzes Land kauft“. Große Eroberungen gehen in die Geschichte ein, aber wie expandieren Staaten sonst? [Hier lesen]

Journal zu Gast. Finanzminister Markus Marterbauer [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]

Pressestunde. mit Anton Mattle, Landeshauptmann Tirol und Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz [Sonntag, 11.05 Uhr, ORF 2] 

Das Gespräch. Zum Thema „Preis-Schock: Ist die Energie-Krise aufzuhalten?“ diskutieren Helene Schuberth, Hanno Lorenz, Johannes Benigni und Thomas Hofer [Sonntag, 22:10 Uhr, ORF 2] 

Hohes Haus. Energiesprecher von FPÖ und ÖVP, Paul Hammerl und Laurenz Pöttinger, diskutieren zu Spritpreisen. [Sonntag, 12:00 Uhr, ORF 2] 

Kulinarisches Briefing
16.-21. März

Business-Lunch-Geheimtipps gesucht? Ein Überblick über die wichtigsten Restaurantkritiken und kulinarischen Neuigkeiten der Woche. – von Dominik Futschik  

GUIDE MICHELIN 2026

Diesen Mittwoch wurde die neue Sterne-Selektion des Guide Michelin Österreich 2026 präsentiert. 101 Sternerestaurants zählt das Land nun insgesamt – Platz drei weltweit pro Kopf, hinter der Schweiz und Luxemburg. Ähnlich erfolgreich ist Österreich nur noch in der Industrie – auch hier belegt die Alpenrepublik Platz 3 bei den Weltmarktführern in Relation zur Bevölkerung. Jedenfalls ein voller Erfolg für den (Gourmet-) Standort.

Hier geht es zur Gesamtliste als Download

ARTNER AM FRANZISKANERPLATZ

Institution mit Substanz. Das Artner am Franziskanerplatz gehört seit 2008 zu jenen Wiener Adressen, die man gerne als Lunch Geheimtipp weitergibt – obwohl es längst keiner mehr ist. Im Zentrum steht das Rind: fein marmoriert, Monate gereift, nachhaltig aufgezogen und butterzart. Wer abseits vom Steak bestellt, wird ebenfalls belohnt. Die geröstete Kalbsleber mit Schmorzwiebelsaft und Erdäpfelpüree ist Wiener Wirtshausklassik auf hohem Niveau, der Ochsenmarkknochen aus dem Feuer mit Kräuterkruste und Röstbrot ein Gericht für alle, die sich vor dem Deftigen nicht fürchten. Dazu Weine aus dem hauseigenen Weingut – eine Kombination, die in Wien selten geworden ist. Lage direkt an einem der schönsten Plätze (!) Wiens, Montag bis Samstag bis Mitternacht geöffnet. Fazit der Selektiv-Redaktion: Verlässliche Adresse mit Tiefgang.

LANZ LAMIAN

Nachtrag aus Die Presse. Die bereits letzte Woche besprochene Nudelattraktion am Hohen Markt bekommt nun auch von Bernadette Bayrhammer eine ausführliche Würdigung. Ihr Tipp: die breiten Biang-Biang-Nudeln statt der klassischen Suppe bestellen. Elastisch und bissfest, „da können sich manche Italiener noch etwas abschauen“. Besonders die klassische Variante mit würzigem Rindfleisch, Sprossen, Pak Choi und butterweich geschmorten Fleischstücken überzeugt. Die dünneren Suppennudeln in der Signature-Rinderbrühe sind solide, leiden aber an zu wenig Einlage. Weiterhin gilt: Das Mini-Lokal nimmt keine Reservierungen an, ein Platz findet sich aber fast immer.

ALI GRILLHOUSE

Exquisit türkisch essen bei der Oper? Das ALi Grillhouse in der Operngasse ist laut Severin Corti die beste Adresse für türkische Küche in Wien. Allein die Meze sind eine Wucht: Bezirgani aus sonnengedörrten Paprika mit scharfer Paprikapaste, rauchige Melanzanicreme, eingelegter wilder Thymian mit Granatapfelmelasse. Die hausgemachten Ev Mantısı – murmelkleine Ravioli in Paprikabutter auf geknofeltem Joghurt – lassen laut Corti ganz viele Italiener der Stadt alt aussehen. Unbedingt Platz lassen für das Dessert: Kürbis in ungelöschtem Kalk mariniert, mit Kajmak und Tahini – glasig splitternd, zart schmelzend, sensationell. Atmosphärisch ausbaufähig (Leuchtwand mit Wien-Klischees) – kulinarisch auf einem anderen Level.

CONTIGO IM SENHOR VINO

Stockfisch am Morgen. Das seit 23 Jahren etablierte portugiesische Restaurant Senhor Vino im 5. Bezirk in Wien öffnet neuerdings schon ab halb neun als „Contigo“ – mit Frühstück und Brunch auf Portugiesisch. Stockfisch-Kroketten, Sardinen auf Toast, Rissois, Empadas und an guten Tagen hausgemachte Pastel de Nata. Die knusprigen Petiscos stillen die Sehnsucht nach Lissabonner Vormittagen ganz wunderbar, findet Severin Corti. Nicht alles gelingt: Der Oktopussalat war zu stark gesäuert und diffus fischig. Fazit: Für den portugiesischen Frühstücks-Snack bei ein paar Croquetes und einem tadellosen Café schon jetzt empfehlenswert – das richtige Essen plant man in diesem Restaurant aber weiterhin am Abend ein.

DAS WOLF

Gibt es eine Renaissance der alten Klassiker? Im „Das Wolf“ in Langenlebarn nahe Tulln deutet vieles darauf hin. Am Herd steht seit Kurzem Christian Butzi, der unter anderem bei den Obauers in Werfen und im Steirereck kochte. Sein Programm: Fine Dining mit vier- bis achtgängigen Menüs unter der Woche, am Wochenende eine À-la-carte-Karte mit Klassikern, die man anderswo kaum noch findet. Halbes Stubenküken im Blätterteig mit Pilzfülle, gebackene Dukatenschnitzel, Schwammerlrisotto – und Marillenpalatschinken Suzette als grandioser Abschluss. Herbert Hacker vergibt im Kurier starke 93 von 100 Punkten. Von Wien mit dem Auto knapp eine Stunde – oder bequem per Zug, der Bahnhof liegt direkt gegenüber.

RESTAURANT SIMON

Tiroler im House of Strauss. Simon Steindl, Tiroler und Absolvent des legendären Caminada-Förderprogramms und mit Stationen im Steirereck, kocht seit Oktober im Restaurant Simon in Wien-Döbling. Das Interieur im House of Strauss – Blumenstraußtapete, Neon-Gitarren am Plafond – bleibt gewöhnungsbedürftig, die Küche überzeugt dafür umso mehr. Die Karte ist knackig kurz: drei Vorspeisen, vier Hauptspeisen, zwei Desserts, kein Menüzwang. Highlight laut Anna Burghardt: glasig gegarter Saibling mit einer brillanten Sauce aus fermentierten Karotten und Petersilpesto. Auch die Focaccia als Basis für gebeizte Lachsforelle mit Schafkäse und Dillemulsion überzeugt. Ass im Ärmel: der Gastgarten im einstigen Gartenpalais Zögernitz, pünktlich zur Saison.

Das Kulinarische Briefing, jetzt jeden Samstag im Weekender!

Nächste Woche auf der Agenda:

Politik Österreich. Am Montag kommt der Nationalrat zu einer Sondersitzung zusammen – die Regierungsparteien bringen die Spritpreisbremse als Initiativantrag ein. Die Steuerungsgruppe zur Reformpartnerschaft trifft sich im Bundeskanzleramt und EU-Industriekommissar Séjourné ist zu einem Arbeitsbesuch bei Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer zu Gast. Am Dienstag kommt der Ministerrat zusammen. Am Mittwoch trifft sich wieder der Nationalrat – diesmal steht eine StVO-Novelle zu E-Mopeds und E-Scootern sowie die Frauenquote in Aufsichtsräten auf der Agenda. Am Donnerstag widmet sich der Nationalrat Vereinfachungen beim Börsengang und dem „Mittleren Management“ in Schulen. Am Freitag segnet der Bundesrat die jüngsten Beschlüsse ab.

Politik international. In Italien findet von Sonntag bis Montag eine Volksabstimmung über die Justizreform statt. Die Führungsspitze der rechtspopulistischen Europapartei „Patrioten für Europa“ (PfE) trifft sich am Montag in Budapest. Von der FPÖ nimmt Harald Vilimsky teil. Dänemark wählt am Dienstag ein neues Parlament. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger reist von Mittwoch bis Freitag nach New York. Auf der Agenda stehen Termine bei der UNO.

Daten und Fakten. Am Dienstag veröffentlicht die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ihren Geschäftsbericht für 2025 und eine neue Wirtschaftsprognose. Der WKÖ-Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder präsentiert seinen Immobilienpreisspiegel für 2026. Die Statistik Austria veröffentlicht am Donnerstag Tourismuszahlen für Februar sowie Daten zu den Häuserpreisen im 4. Quartal und Gesamtjahr 2025. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) veröffentlicht ihre Jahresbilanz 2025. Die Bank Austria veröffentlicht am Freitag ihren Einkaufsmanagerindex für März.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Helmut Ettel, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), wird für die Funktionsperiode vom 1.11.2026 bis 31.10.2028 als Exekutivdirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF) nominiert. Boris Vujčić wird mit dem 1. Juni neuer Vizepräsident der EZB. Christiane Flehberger wird ab dem 1. Juli neue Vorständin für Privatkunden und KMU der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien. Robert Zadrazil ist neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien. Katja Tauscher ist neues Mitglied im Aufsichtsrat der Casinos Austria und Roland Mechtler ist neues Mitglied des Aufsichtsrats der Österreichischen Lotterien. Generalmajor Friedrich Schrötter übernimmt die Führung der Landesverteidigungsakademie. Michaela Mayr wird ab 1. April neue Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek; Richard Starkel bleibt wirtschaftlicher Geschäftsführer. Sara Leitão ist neue Vizepräsidentin des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI). Madlen Stottmeyer ist neue Chefreporterin des Medienhauses „Die Presse“.

Am Programm. In Tulln findet am Wochenende eine Kulinarik-Messe mit internationalen Food- und Getränke-Trends sowie Streetfood statt. In Graz geht das Diagonale Filmfestival über die Bühne. 

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