Österreich

Kommentar von Alexander Purger

Plädoyer für die Permanenz-Erklärung des Sommerlochs

Keine Frage: Wir befinden uns mitten im Sommerloch. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Zeitungssprache und kennzeichnet eine Zeitspanne, in der nachrichtenmäßige Flaute herrscht und sich das öffentliche Interesse daher automatisch der Flora und vor allem Fauna im schottischen Loch Ness zuwendet. Mittlerweile hat sich das Sommerloch aber auch als fixer Bestandteil des heimischen Politkalenders etabliert und bezeichnet eine Zeit, in der man als Politiker einfach nichts tun muss.

Purger
Kommentar von Rainer Nowak

Wehrpflicht für Frauen und der Nato-Beitritt als letzte Verteidigungstabus

In den vergangenen Jahrzehnten wurde zu wenig über das Heer gesprochen, zu wenig für das Militär gezahlt. Österreich machte das, was es am besten kann: den Kopf in den Sand stecken. Vogel Strauß ist unser politischer Leitstern. Die Neutralitätslüge half dem Staat, zumindest für ein Ressort wenig(er) Geld auszugeben. Die Verteidigung sollten im Notfall die unfreiwilligen Pufferstaaten rundherum übernehmen, die dumm genug sind, sicherheitspolitisch Verantwortung zu übernehmen. Auf gut Wienerisch: Österreich gibt das Schlaucherl Mittel- und Osteuropas.

Interview

Hattmannsdorfer: „Eine Staatsquote über 50 Prozent ist kein Ruhmesblatt“

Eine gemeinsame wirtschaftspolitische Vision der Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos dürfte sich laut Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer nur schwer ausgehen: „Man kann nur verteilen, was zuerst erwirtschaftet wurde. Da gibt es in der Koalition einen sehr großen Unterschied in der Sichtweise“, sagt er im Interview mit Selektiv.

Wolfgang Hattmannsdorfer ist Wirtschaftsminister in Österreich © BKA/Andy Wenzel/Montage: Selektiv
Kommentar von Barbara Schmidt

Wer Energie-Erzeugung belastet, zahlt doppelt

Der Vorschlag, einspeiseabhängige Netzentgelte für Erzeuger einzuführen, ist wenig zielführend. Was auf den ersten Blick wie eine fairere Verteilung von Kosten aussieht, wird sich am Ende als teurer Irrtum entpuppen. Gerade die großen Anlagen, die schon jetzt ihren Teil zu den Netzkosten beitragen, würden durch zusätzliche Belastungen gegenüber Anbietern in Nachbarländern ins Hintertreffen geraten. Die Folge: weniger Erzeugung in Österreich und mehr Stromimporte – mit negativen Auswirkungen auf Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Klimabilanz.

Interview

Erdgas: „Die EU ist dabei, den gleichen Fehler wieder zu machen“

Die Turkstream-Pipeline ist die letzte verbleibende Leitung, über die russisches Gas nach Europa fließt. Wird sie im Zuge des Ausstiegs aus russischem Gas für Lieferungen nach Europa geschlossen, hat das für Österreich Folgen: „Wenn die Turkstream-Pipeline auch noch ausbleibt, dann werden auch Ungarn, die Slowakei und schließlich auch die Ukraine über unsere Erdgasleitungen versorgt werden müssen. Dann wird der Preis nochmals steigen“, erklärt Energie-Experte Johannes Benigni.

Johannes Benigni ist Direktor von JBC Vienna © Benigni | Montage: Selektiv
Kommentar von Gerald Loacker

Frühjahrslohnrunde mit kreativen Abschlüssen

Neue Spielräume für betriebliche Lösungen – nicht nur Prozentsätze zählen Die Frühjahrslohnrunde 2025 ist abgeschlossen. Die Kollektivverträge zahlreicher Branchen – von Banken …

Zeitgeschichten von Gerhard Jelinek

Historische „Defizitverfahren“: Ein Niederländer als „Vizekaiser“ in Österreich

Nichts Neues unter der Sonne: Österreich steht bereits das vierte Mal unter finanzpolitische Vormundschaft. Tragisch? Diesmal nicht. Peinlich? Eher schon. Schon in der so fernen Ersten Republik hat der „Völkerbund“, die Vorläuferorganisation der heutigen UNO, zwei Mal „Kommissare“ nach Wien geschickt, die der österreichischen Regierung auf die Finger schauen sollten und grundlegende und schmerzhafte Reformen erzwangen.

Interview

Ökonom Kooths: „Deutsche Wirtschaftspolitik zielt kaum auf Wachstum ab“

Deutschland scheint sich von der Wirtschaftsschwäche schneller zu erholen als Österreich – allzu großen Optimismus hält Stefan Kooths, der Konjunkturchef des renommierten deutschen Instituts für Weltwirtschaft (ifW Köln), aber für übertrieben. Reformen brauche es hier wie dort im Pensionssystem, im Gesundheitssystem, aber auch im Steuertransfersystem. Bisher setze die Wirtschaftspolitik aber die falschen Schwerpunkte: „Die Vorstellung, ohne politisches Anschieben würde ein Wirtschaftsraum nicht wachsen, ist schon ein Großteil des Problems“.

Stefan Kooths ist Konjunkturchef des deutschen Instituts für Weltwirtschaft in Kiel © IfW Kiel / Montage: Selektiv
Kommentar von Georg Renner

Die Hausaufgaben, erledigt? Wo denn, bitteschön?

Dass die EU am Dienstag wie erwartet ein Defizitverfahren gegen Österreich eingeleitet hat, ist keine Tragödie. Aber dass der Finanzminister als Reaktion darauf behauptet, seine „Hausaufgaben bereits gemacht“ zu haben, sehr wohl. Dass die Koalition sich in dieser Situation etwa gerade einmal zu einer völlig zahnlosen einfachgesetzlichen „Nachhaltigkeitsklausel“ bei den Pensionen durchringen hat können, ist praktisch schon vorsätzliche Hausaufgabenverschleppung. Dasselbe gilt für die Weigerung, den Gehaltsabschluss mit den öffentlich Bediensteten nicht noch einmal nachzuverhandeln.

Interview

IV-Chef Knill: Erbschaftsteuer würde zu Unternehmens-Exodus führen

Die Industrie ist seit 3 Jahren in der Rezession und in Sachen Wettbewerbsfähigkeit ist Österreich weit abgeschlagen. Der Präsident der Industriellenvereinigung sieht das „Tal der Tränen“ noch nicht durchschritten. „Wir wünschen uns alle einen Aufschwung, aber woher soll er kommen“, fragt er im Interview mit Selektiv. Sollte Deutschland getrieben durch das Konjunkturpaket wachsen, könne Österreich nicht „automatisch im Fahrwasser mitschwimmen“.

Georg Knill ist Präsident der Industriellenvereinigung , geschäftsführender Gesellschafter der Knill Gruppe und Aufsichtsratsvorsitzender der Rosendahl Nextrom © IV/Philipp Horak/Montage: Selektiv