Österreich

Kommentar von Matthias Reith

Die Rezession ist vorbei, die Probleme bleiben

Konjunkturelle Schwankungen kommen und gehen, strukturelle Probleme bleiben – und davon gibt es nicht gerade wenige. EU-weit wird der langfristige Ausblick nur für Estland noch verhaltener beurteilt. Um die „Fitness“ der österreichischen Wirtschaft ist es derzeit folglich nicht sonderlich gut bestellt. Im Wettlauf mit den anderen Ländern geht Österreich schneller die Puste aus.

Interview

Köppl-Turyna: „Stillstand bei der Wettbewerbsfähigkeit bedeutet Rückschritt“

Österreich nimmt im IMD-World Competitiveness Ranking 2025 erneut den 26. Platz ein – seit dem Jahr 2020 verlor man damit zehn Ränge und rutschte in der Wettbewerbsfähigkeit hinter Standorte wie Litauen, China und Deutschland zurück. Top-Länder wie Schweden oder die Schweiz zeigen, dass auch für Österreich mehr möglich wäre. „Unsere Ansprüche müssten eigentlich viel höher sein“, so Ökonomin Monika Köppl-Turyna (EcoAustria). Ihr fehle es im aktuellen Regierungsprogramm jedoch am nötigen Reformwillen, um die Trendwende einzuleiten. Auch müsse man aufpassen, dass die Budgetkonsolidierung nicht zu kurzsichtigen Einsparungen im Infrastrukturbereich führe.

Monika Köppl-Turyna ist Direktorin von EcoAustria © EcoAustria/Montage: Selektiv
Kommentar von Alexander Purger

Vom Schweigen der Regierung

Auffällig, wie wenig Wert die neue, seit nunmehr rund hundertzehn Tagen im Amt befindliche Dreierkoalition auf ihre Außenwirkung legt: wenige Interviews, wenige Pressekonferenzen, wenig selbstverliebte Fotos, Videos und Kurznachrichten auf den sogenannten Sozialen Medien. Nicht, dass deswegen irgendjemandem etwas abgehen würde. Echt nicht! Aber nach Monaten und Jahren, in denen Selbstbespiegelung das wichtigste Betätigungsfeld der österreichischen Politik zu sein schien, ist es immerhin ungewöhnlich.

Kommentar von Heike Lehner

Warum Österreich von hohen Zinsen profitieren würde

Je produktiver eine Volkswirtschaft ist, desto höher kann auch ihr natürlicher Realzins sein. Wenn Investitionen wieder echte Renditen versprechen, Innovationen sich auszahlen und Unternehmen produktiver arbeiten, steigt auch die „gesunde“ Zinsgrenze – also das Niveau, über dem Geldpolitik überhaupt erst als bremsend wirkt. Und je höher eben dieses Niveau ist, desto mehr Spielraum hat die EZB, die Zinsen zu senken.

Kommentar von Georg Renner

Graz und andere Katastrophen: Was die Politik tun kann

Über die Morde von Graz ist schon vieles gesagt worden, und das allermeiste davon klingt unendlich hohl im Angesicht einer solchen Tragödie. Aber man kann das als Beispiel nehmen, wie gute Politik in einer Krisensituation geht – und wie nicht.

Kommentar von Markus Hengstschläger

Künstliche Intelligenz: Europa hat eine zweite Chance

Der Mensch ist ein Meister der Abstraktion, er kann aber auch scheinbar unwichtige Details erfassen und später verwenden. Er kann Ergebnisse im gesellschaftlichen Kontext oder unter ethischen Gesichtspunkten bewerten und er hat Intuition und Empathie. KI hat keinen eigenen Willen, verfolgt keine Interessen, hat kein echtes Verständnis von der Welt und auch kein Bewusstsein. Folgerichtig liegt die Zukunft in der „kooperativen Intelligenz“.

Kommentar von Matthias Reith

Mietpreisdeckel: Bärendienst statt Befreiungsschlag

Der Mietpreisdeckel ist ein Rezept mit Risiken und Nebenwirkungen – und mit zweifelhaftem Nutzen. Denn wer steigenden Mieten per Mietpreisdeckel Einhalt gebieten will, setzt lediglich bei den Symptomen an. Und nicht bei den Ursachen steigender Mieten, die abseits der reinen Inflationsanpassung eben auch Spiegelbild von Knappheit sind. Was knapp und begehrt ist, wird zumeist schneller teurer. Der Wohnungsmarkt stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar.

Interview

Startup-Investor: „Alle versuchen, ihr Portfolio zu retten“ 

Niki Futter gehört zu den bekanntesten Business Angels in Österreich. Futter führte 35 Jahre lang das Familienunternehmen Compass-Gruppe gemeinsam mit seinem Bruder, bevor er sich hauptberuflich seinen Startup-Investments widmete. Im Interview spricht er über das derzeit schwierige Finanzierungsumfeld, den in Österreich unterentwickelten Kapitalmarkt und welche Maßnahmen in Österreich Kapital für (junge) Unternehmen freisetzen würden.

Niki Futter ist Business Angel © beigestellt / Montage: Selektiv
Kommentar von Rainer Nowak

Christian Stockers 100 Tage

Die aktuelle Regierung agierte bisher nur unauffällig und dabei erstaunlich fehlerfrei. Das Sparpaket hatte den großen Vorteil, dass es eigentlich von FPÖ und ÖVP in deren Regierungsverhandlungen geschnürt wurde und dann vom SPÖ-Finanzminister mit ideologischer Todesverachtung auf den Weg gebracht wurde. Laut Umfragen ist die Begeisterung in der Bevölkerung über die Bitterschokolade-Zuckerlkoalition zwar überschaubar, aber nicht wenige professionelle Beobachter erfreuen sich nicht daran, wer regiert. Sondern wer nicht regiert.