Michael Zettel ist Accenture-Österreich-Chef und Präsident der AmCam © Accenture / Montage: Selektiv
Michael Zettel ist Accenture-Österreich-Chef und Präsident der AmCam © Accenture / Montage: Selektiv
Interview

AmCham-Präsident: „Verzicht auf US-Technologie würde uns massiv Wohlstand kosten“

In der aktuellen geopolitischen Lage rückt das Souveränitätsbestreben der EU im digitalen Bereich verstärkt in das Rampenlicht, doch laut Michael Zettel, Chef von Accenture Österreich und Präsident der AmCham, bleibt eine „völlige digitale Souveränität“ letztlich „eine Illusion“. Im Interview analysiert Zettel den „signifikanten Aufholbedarf“ Europas und erklärt, warum ein Verzicht auf US-Technologie gerade bei der KI wohlstandsgefährdend wäre. Er fordert eine Abkehr von überbordender Bürokratie und mahnt zur Eile bei der Rechtssicherheit sowie der digitalen Erwachsenenbildung, um insbesondere den Mittelstand nicht zu verlieren. Sein Appell für den Standort ist deutlich: „Wir dürfen Unternehmen nicht mit Regulierung erdrücken, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben“, damit Österreich und Europa bei der nächsten technologischen Welle nicht nur zusehen, sondern die Führung in der Anwendung übernehmen.

Spätestens durch Trumps zweite Amtszeit, Chinas Handels- und Rohstoffpolitik sowie wachsende geopolitische Unsicherheiten ist die Welt volatiler geworden. Europa und Österreich reagieren darauf mit einem verstärkten Streben nach Souveränität – so auch im digitalen Bereich. Was verstehen Sie konkret unter digitaler Souveränität?

Michael Zettel: Souveränität ist in erster Linie Unabhängigkeit, und diese hat in Bezug auf die Technologie unterschiedliche Dimensionen: Es gibt eine technologische, organisatorische und rechtliche Ebene der Unabhängigkeit.

In der Diskussion werden diese Ebenen sehr oft vermischt. In der heutigen, sehr vernetzten Welt ist so etwas wie eine völlige digitale Souveränität jedenfalls eine Illusion. Wir werden es – zumindest nicht kurzfristig – nicht schaffen, als Kontinent autark zu agieren. Weder auf der untersten Ebene der Rohstoffe noch auf der obersten Ebene der technologischen Souveränität.

Österreich hat 2025 die EU-weite Erklärung zur Europäischen Digitalen Souveränität initiiert, die alle 27 Mitgliedsstaaten unterschrieben haben. Wie realistisch ist digitale Souveränität in der aktuellen geopolitischen Lage – und wo liegen die praktischen Grenzen?

Grundsätzlich sind Souveränitätsbestrebungen zu begrüßen. Es ist positiv, dass sich Europa auf eigene Beine stellen will, und es geht in die richtige Richtung. Zwei große Themen sind damit verbunden:

Erstens, Souveränität ist mit signifikanten Kosten verbunden. Das ist in der aktuellen Zeit der budgetären Herausforderungen, vor der wir in Österreich und ganz Europa stehen, schwieriger zu bewerkstelligen als in Zeiten, wo man aus dem Vollen schöpft.

Zweitens bedeutet Souveränität, dass ich länger brauche, um diese Unabhängigkeit herzustellen. Wir haben im Moment nicht die Zeit, die wir benötigen werden, um in kurzer Zeit souverän zu werden. Daher finde ich es richtig, dass wir langfristig auf Souveränität setzen und gezielt in diese Richtung arbeiten.

Wir dürfen dabei aber gleichzeitig – und das ist aus meiner Sicht die große Gefahr – nicht kurzfristig aus dem Blick verlieren, dass wir signifikanten Aufholbedarf haben. Das gilt insbesondere in der Digitalisierung, der digitalen Transformation und in Bezug auf Künstliche Intelligenz (KI). Gerade in diesen Bereichen, insbesondere in Bezug auf KI, ist der Verzicht auf US-Technologien wohlstandsgefährdend. Ich bin ein starker Gegner davon, Souveränität als Ausrede für das Nichtstun zu verwenden.

Österreich zeigt laut dem Digital Decade Country Report 2025 ein starkes Momentum bei der KI-Nutzung, liegt aber u. a. beim Glasfaserausbau und der Digitalisierung vieler Unternehmen hinterher. Wo sehen Sie die größten Baustellen auf nationaler Ebene?

In Kürze erscheint wieder unsere jährliche Studie zur digitalen Dividende. Darin stellen wir den Stand der digitalen Transformation in Österreich dar, betrachten die Nutzung in den Unternehmen und insbesondere die ökonomischen Auswirkungen der digitalen Transformation. Österreich liegt tatsächlich im oberen Drittel in Bezug auf die Nutzung von KI in Unternehmen, und das ist grundsätzlich positiv.

Die österreichische Wirtschaft hat jedoch die besondere Herausforderung im internationalen Vergleich, dass sie besonders KMU-dominiert ist. Wir sehen hier zwei Dinge: Das eine ist – und das ist eine wesentliche Erkenntnis –, dass KI grundsätzlich für alle Unternehmensgrößen geeignet ist. Also auch für Klein- und Mittelunternehmen und nicht nur exklusiv für die großen Unternehmen. 

Das Zweite, was wir sehen, ist, dass gerade die Klein- und Mittelunternehmen im Einsatz ein wenig hinterherhinken. Der volkswirtschaftliche Fokus muss daher auf den KMUs liegen, weil das das Rückgrat unserer Wirtschaft und die große Breite unserer Unternehmen darstellt. Andererseits muss der Fokus auf der Bevölkerung liegen. Das ist eine Initiative, die grundsätzlich von der Bundesregierung und dem Digitalisierungsstaatssekretär vorangetrieben wird.

Welche konkreten Hebel braucht es, damit vor allem KMU bei der Digitalisierung vorankommen?

Ein ganz wesentlicher Faktor ist die Rechtssicherheit in Bezug auf den Einsatz von KI. Europa hat in den letzten Jahren eine signifikante Anzahl an Rahmenwerken geschaffen, die auf den Digitalbereich wirken. Mittlerweile gibt es nicht nur eines, sondern mehrere solcher Regelwerke.

Sogar die Datenschutzgrundverordnung selbst – die erste Gesetzgebung, die in den Digitalbereich eingedrungen ist – stellt bis heute ein Innovationshemmnis dar in der Art und Weise, wie sie umgesetzt wurde. Die Intention der Gesetzgebung ist zwar nachvollziehbar und verständlich. Durch den großen Graubereich und die damit geschaffene Unsicherheit ist sie jedoch definitiv ein Hindernis für die Innovation und den Einsatz von KI.

Auch der AI-Act ist in der vorliegenden Fassung nicht förderlich, sondern erhöht die bürokratischen Kosten und hemmt generell den Nutzungseinsatz. Was wir brauchen, ist Rechtssicherheit und ein klares Rahmenwerk, das klar festlegt, was alles geht und wie man dorthin kommt. Das wäre eine ganz wesentliche Rahmenbedingung: eine Vereinfachung und auch eine Reduktion der Regulierung.

Der AI-Act ist in der vorliegenden Fassung nicht förderlich, sondern erhöht die bürokratischen Kosten und hemmt generell den Nutzungseinsatz.

Michael Zettel

Braucht es neben Freihandelsabkommen auch spezifische digitale Abkommen mit Drittstaaten wie z.B. den USA, um einheitliche Rechtsrahmen für Bereiche wie Cloud und KI zu schaffen?

Aus meiner Sicht gibt es einen bedeutenden Partner für Europa, und das sind die USA. Ich unterstelle, dass die USA aus vielen Gründen ein wesentlicher Partner für uns sind, insbesondere aufgrund der Wertegemeinschaft – stärker als China. Daher wäre jedes Abkommen mit den USA zu begrüßen.

Es gibt grundsätzlich ein Rahmenabkommen zwischen der EU und den USA. Dieses ist aber dahingehend nicht hinreichend, dass aus europäischer Sicht immer noch Rechtsunsicherheit in Bezug auf US-Behördenzugriffe auf europäische Daten besteht. Diese Rechtsunsicherheit müsste im Zuge eines Abkommens geklärt werden, sodass das wünschenswerte Szenario eintritt: Dass wir US-Technologie in Europa uneingeschränkt in der Rechtssicherheit verwenden können, die wir uns wünschen.

So ein Abkommen braucht es noch, wobei aus meiner Sicht ein Abkommen zwischen der EU und den USA ausreicht. Unabhängig davon haben Europa und die österreichische Regierung gerade einen Schwerpunkt in Bezug auf die Beziehung zu Indien. Das ist der zweite weltweit besonders relevante Player, wo ebenfalls ein Abkommen wünschenswert wäre, um Indien – wenn man so will – aus der digitalen Perspektive wie einen Teil der EU zu behandeln.

Man kann ja auch mal auf die Idee kommen, dass konstruktive Themen ebenfalls vorangetrieben werden.

Michael Zettel

Wie realistisch wäre ein solches Abkommen derzeit mit den USA?

Das kann man nicht vorhersagen, und es ist natürlich nicht naheliegend. Auf der anderen Seite werden gerade viele Dinge in Frage gestellt. Man kann ja auch mal auf die Idee kommen, dass konstruktive Themen ebenfalls vorangetrieben werden.

Wo liegt für Sie die Grenze zwischen Offenheit/Innovation und notwendiger Regulierung – besonders bei kritischer Infrastruktur, Gesundheitssystem oder Verwaltung, wenn die Technologie aus Drittstaaten kommt?

Das eine ist die Frage der internationalen Partnerschaften. Hier ist es meine feste Überzeugung, dass Europa klare Abkommen schließen sollte – in erster Linie mit den USA – und für diese EU-ähnliche Bedingungen schaffen sollte. Mit den USA deshalb, weil es eine Wertegemeinschaft ist und sie technologisch führend sind. Der Verzicht auf US-Technologie würde uns massiv Wohlstand kosten.

In Bezug auf die Grenze zur Regulierung denke ich, es ist ein wesentlicher Fehler, dass wir regulieren, bevor wir wissen, welche Auswirkungen die Technologie hat. Wir machen die Abgrenzung zwischen dem, was verboten und was erlaubt ist, nicht sauber. Das ist das große Problem: Die Grauzone des Verbotenen wird immer größer und ist mit drakonischen Strafen bedroht.

Anstatt das Erlaubte klar zu definieren, schaffen wir Unsicherheit. Unternehmen brauchen aber Investitionssicherheit und klare Rahmenbedingungen, mit denen man arbeiten kann. Wir regulieren zu früh, wenn man noch gar nicht weiß, in welche Richtung sich die Technologie entwickelt. Die KI ist ein gutes Beispiel dafür.

Ziel muss sein, die KI an allen Stellen im Unternehmen einzubringen, nicht nur an einzelnen.

Michael Zettel

Europa hat Aufholbedarf bei der digitalen Transformation – wo muss man jetzt priorisiert ansetzen?

Die Antwort hat unterschiedliche Dimensionen. Auf der Unternehmensebene gilt es, beherzt in die digitale Transformation und insbesondere in KI zu investieren. Wir müssen weggehen von einer Einzelfall-basierten Anwendung hin zu einer prozessorientierten Sicht. Ziel muss sein, die KI an allen Stellen im Unternehmen einzubringen, nicht nur an einzelnen. Je mehr große Unternehmen hier voranschreiten, desto mehr ziehen diese auch die kleinen und mittleren Unternehmen mit.

Auf der individuellen Ebene gilt es, in die eigene Bildung zu investieren. Jeder Einzelne muss sich ausreichend Zeit nehmen, um sich mit den Technologien auseinanderzusetzen, da sie einen massiven Einfluss auf unsere Zukunft haben werden.

Aus der volkswirtschaftlichen Perspektive gilt es, all das zu fördern, was auf der individuellen und auf der Unternehmensebene getan werden muss. Dafür müssen möglichst einfache Rahmenbedingungen gesetzt werden, damit man unbürokratisch Investitionen tätigen und in Weiterbildung investieren kann. Zudem muss aus staatlicher Perspektive die Digitalkompetenz der Auszubildenden erhöht werden. Das sind die Hebel, um den Aufholbedarf nachhaltig zu decken. Da bin ich klar dafür, wobei die Frage, ob jetzt genau diese eine Maßnahme die richtige ist, mir viel zu singulär betrachtet wäre.

Die größten Tech-Konzerne sind US-amerikanisch. Wie kann Europa aus der Zusammenarbeit mit ihnen lernen und langfristig eigene wettbewerbsfähige Player aufbauen?

Viel wesentlicher als von den US-Playern zu lernen, ist, dass wir in Europa generell im Technologieeinsatz offensiver oder mutiger werden. Es gibt in Europa Technologieunternehmen, auf die wir bald sehr stolz sein werden. Auf SAP sind wir das schon heute, und Stackit ist vielleicht ein Unternehmen, von dem wir in wenigen Jahren noch viel mehr hören werden.

Bis es so weit ist, sind wir aus meiner Sicht fast gezwungen, US-Technologien insbesondere im Bereich der KI einzusetzen. Dabei müssen wir danach trachten, die nächste Ebene der KI richtig zu machen. Wir haben einige Themen verpasst, wie zum Beispiel Cloud Computing oder eben die KI. Das haben wir in Europa verschlafen oder nicht die richtigen Voraussetzungen dafür gehabt. Die USA haben hier bessere Voraussetzungen als wir. Aber wir können in der nächsten Welle, in der Anwendung, Vorreiter sein.

Die Magie von KI entsteht im Zusammenspiel von Fachwissen, Daten und Algorithmen beziehungsweise Modellen. Das Fachwissen und die Daten – beispielsweise in der Industrie – sind in Europa viel stärker vorhanden als derzeit in den USA. Das ist ein Bereich, in dem Europa führend sein kann und immer noch die Führung übernehmen kann, weil wir bei der Anwendung von KI auf die Industrie erst am Anfang stehen.

Österreich hat 2020 eine Digitalsteuer eingeführt, die hauptsächlich US-Unternehmen trifft. Trump hat dafür vergangenes Jahr Vergeltungszölle erwogen. Halten Sie es für realistisch, dass das noch kommt?

Es wäre naiv zu glauben, dass die US-Administration diese Konsequenzen nicht sieht oder Verständnis für einseitige Maßnahmen hat. Grundsätzlich ist die Digitalsteuer aus Sicht der aktuellen US-Regierung unerwünscht. Das ist auf lange Sicht sicherlich schlecht für Österreich, gerade in Bezug auf die für uns so wichtigen US-österreichischen Handelsbeziehungen.

Wir dürfen Unternehmen nicht mit Regulierung erdrücken, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben.

Michael Zettel

Europa fehlt es oft nicht an Start-up-Ideen, sondern am Kapitalmarkt, um sie groß zu machen. Wie lässt sich das ändern?

Wir brauchen in mehreren Bereichen eine Vertiefung der europäischen Zusammenarbeit, insbesondere am Kapitalmarkt und weg von einer nationalstaatlichen Betrachtung. Das fehlt Europa auf jeden Fall. Aber das ist nur ein Teil der Gleichung. Der zweite Teil der Gleichung ist natürlich generell ein investitionsfreundlicheres Klima.

Die Gründung muss einfacher sein. Es muss für Unternehmen klar sein, dass man rechtssicher Cloud-Technologien einsetzen und KI verwenden kann. Wir dürfen Unternehmen nicht mit Regulierung erdrücken, bevor sie das Licht der Welt erblickt haben.

Liegt ein Teil des Problems an mangelnder digitaler Kompetenz? Was halten Sie vom Vorschlag, Informatik zu „Informatik und KI“ auszubauen und das Fach „Medien + Demokratie“ einzuführen?

Ich bin kein Bildungsexperte, daher maße ich mir kein Urteil über den konkreten Vorschlag an. Was ich sagen kann, ist, dass Bildung und Digitalkompetenz generelle Faktoren für die Nutzung sind. In Österreich haben wir davon definitiv zu wenig. Ich begrüße grundsätzlich jede Maßnahme, die diese sowohl bei Schülern als auch in der Erwachsenenbevölkerung erhöht.

Kurzfristig ist mir der Fokus eigentlich zu sehr auf der Diskussion Latein versus Informatik. Viel wichtiger ist: Die Veränderung der Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren wird dramatischer als die in den letzten 50 Jahren. Wir stehen vor einer Veränderung, die unbeschreiblich groß ist. Das betrifft die Zielgruppe, über die wir reden, erst in ein paar Jahren.

Wir müssen uns dringend darüber Gedanken machen, wie wir schleunigst eine Erwachsenenbildung und Bildungsoffensive durchführen. Diese muss die Digitalkompetenz der im Arbeitsleben stehenden Bevölkerung erhöhen.

Je höher der Digitalisierungsgrad, desto größer ist die Nachhaltigkeit.

Michael Zettel

Wie hängt Digitalisierung eigentlich mit Nachhaltigkeit zusammen? Bringt sie netto mehr Umweltschutz – etwa durch Effizienzgewinne in Industrie, Verkehr oder Ressourcenmanagement – oder überwiegen die negativen Effekte?

Nein, es gibt einen ganz klar positiven Zusammenhang. Das zeigen viele unserer Studien. Je höher der Digitalisierungsgrad, desto größer ist die Nachhaltigkeit.

Natürlich sind Rechenzentrumskosten mit Stromerzeugung verbunden, aber in Summe trägt die Digitalisierung maßgeblich zur Nachhaltigkeit bei. Einfaches Beispiel: Es sind sehr viele Wege und Fahrten dadurch vermieden, dass ich ein Meeting nicht mehr physisch, sondern auch virtuell machen kann.

Das ist nur ein kleines Beispiel. Wir haben das über viele Branchen dekliniert und sind in der Studie zu dem klaren Ergebnis gekommen, dass die Digitalisierung in Summe sehr viel zur Nachhaltigkeit beiträgt.

Welche Sektoren und realistischen Chancen sehen Sie für Österreich als Tech-Standort in den nächsten Jahren – und wo liegen für Sie die größten Potenziale heimischer Unternehmen?

Das Entscheidende ist, dass wir mit der Digitalisierung unsere Stärken stärken. Österreich hat mehrere Branchen, in denen wir heute schon weltweit führend sind. Das beginnt in den Industrienischen: Österreich ist Spitzenreiter in Bezug auf Weltmarktführer in Nischenmärkten. Diese können wir durch den Einsatz von KI noch mehr stärken.

Ein anderes Beispiel ist die Bahnindustrie: Wir haben in Österreich eine weltweit relevante Bahnindustrie, die wir noch mehr stärken und herausarbeiten können. Wir haben zudem eine sehr starke Halbleiterindustrie. Und um ein Beispiel aus dem öffentlichen Sektor zu nennen: In der Gesundheit sind wir im Kernfach der medizinischen Leistungserbringung immer noch weltweit führend. Wir haben herausragende Medizinerinnen und Mediziner. Wenn es uns gelingt, das mit der Digitalisierung zu verbinden, dann können wir in diesen Bereichen Weltspitze bleiben oder werden. Das muss der Anspruch sein.

In der Technologie sind wir zudem im Quantencomputing in der Forschung weltweit führend. Wenn wir unsere Stärken mit einer vernünftigen oder eben beherzten digitalen Transformation verbinden, dann sind wir in der Lage, unseren Vorsprung beizubehalten oder auszubauen.

Sie sind seit 2022 Präsident der Amerikanischen Handelskammer, einer freiwilligen Interessenvertretung für Unternehmen, die in Österreich und den USA tätig sind. Wie haben sich seither die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Österreich/Europa verändert?

Die Bedeutung der USA als Handelspartner für Österreich hat stetig zugenommen, und zwar in beide Richtungen. Auch die österreichischen Investitionen in den USA sind kontinuierlich gewachsen. Die Besonderheit der Beziehungen zwischen den USA und Österreich liegt darin, dass der Handel insbesondere von Hochtechnologie-Gütern dominiert wird.

Die USA sind nach Deutschland unser zweitwichtigster Handelspartner. Daher ist es aus meiner Sicht essenziell, dass wir uns – unabhängig von der aktuellen politischen Situation – bewusst machen, wie wichtig die USA als Handelspartner für uns sind.