Die Lohnpolitik wird vorsichtiger, aber auch komplizierter
Die Frühjahrslohnrunde 2026 steht unter anderen Vorzeichen als noch vor wenigen Monaten erwartet. Damals lasen wir Prognosen, nach denen die Inflation wieder …
Gerald Loacker ist Jurist und geschäftsführender Gesellschafter bei der BWI Unternehmensberatung GmbH, die auf Vergütungssysteme und Gehaltsvergleiche spezialisiert ist. Außerdem arbeitet er als Sachverständiger für Berufskunde, Arbeitsorganisation und Betriebsorganisation. Bis Oktober 2024 war er als Abgeordneter zum Nationalrat in den Bereichen Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wirtschaft sowie als stellvertretender Klubobmann der NEOS tätig.
Die Frühjahrslohnrunde 2026 steht unter anderen Vorzeichen als noch vor wenigen Monaten erwartet. Damals lasen wir Prognosen, nach denen die Inflation wieder …
Österreich entdeckt seine Wehrhaftigkeit wieder. Notgedrungen. Die Welt ist rauer geworden, und wer Verteidigung ernst meint, muss sie auch glaubwürdig absichern. Nur läuft die Debatte gerade in eine Richtung, die politisch bequem, aber generationenpolitisch unfair ist.
Wer gleiche oder gleichwertige Arbeit leistet, darf nicht deshalb weniger verdienen, weil er Frau oder Mann ist. Daran gibt es nichts zu relativieren. Die offene Frage ist aber, ob die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie dieses Ziel mit Augenmaß verfolgt, oder ob sie mit komplexen Berichts- und Auskunftspflichten insgesamt übers Ziel hinausschießt.
Aus der SPÖ erschallt der Ruf, die Höchstbeitragsgrundlage in der Krankenversicherung abzuschaffen. Das soll bis zu 1,2 Milliarden Euro zusätzlich in die ÖGK spülen. Der Vorschlag klingt nach „Gerechtigkeit“. In Wahrheit ist er vor allem eines: die bequemste Form, ein strukturelles Problem mit noch mehr Geld zuzuschütten.
Viele Branchen starteten unter spürbarem wirtschaftlichem Druck in diese Herbstlohnrunde. Die kräftigen KV-Erhöhungen der vergangenen drei Jahre haben das Lohnkostenniveau nachhaltig angehoben, …
Stabil und unbeeindruckt steht der Koloss Wirtschaftskammer da, nachdem sich das Brausen gelegt hat: mit weiterhin teuren Kammerumlagen, der 4,2%-igen Gehaltserhöhung der WK-Beschäftigten, den zwei Milliarden Euro an Rücklagen und den exorbitanten Erhöhungen der Bezüge vieler Funktionäre. Manche Beobachter fragen sich, wie es das alles geben kann: Keine Konsequenzen für irgendetwas oder irgendjemanden. Aber so funktioniert das Kammerwesen in Österreich. Es gibt zwar Kontrolle, aber keine funktionierende.
Die ÖGK pfeift finanziell aus dem letzten Loch, obwohl die aktuelle Bundesregierung bereits Maßnahmen beschlossen hat, die dem größten Krankenversicherungsträger schon 2025 mehrere hundert Millionen und ab 2026 ungefähr eine Milliarde Euro jährlich an zusätzlichen Einnahmen bescheren. Sich still zu freuen ist aber nicht die Sache von Andreas Huss. Er bläst zum Angriff auf die Wahlärzte.
Die hohe Abgabenlast auf Arbeit schadet der Volkswirtschaft: Die Überstundenbereitschaft sinkt, pro Kopf wird von Jahr zu Jahr weniger gearbeitet. Entlastung ist also richtig – aber sie muss dort greifen, wo die zusätzliche Leistung entsteht: im Erwerbsalter. Eine Begünstigung nur für Pensionisten ist unfair gegenüber den Jüngeren, die heute den Großteil der Abgaben tragen, und bringt der Wirtschaft nur homöopathische Effekte.
Große Aufregung in Österreich: Lebensmittelhersteller verkleinern ihre Verpackung, aber der Preis bleibt gleich: Die Kunden kaufen um denselben Preis weniger Gegenleistung ein. Dasselbe Vorgehen, das beim Lebensmittelhersteller zu heller Empörung führt, lässt alle kalt, wenn es die öffentliche Hand wählt. Die fährt nämlich auch Leistungen zurück, lässt aber den Preis gleich.
Die aktuelle Pensionserhöhung zeigt einmal mehr, dass die Politik das Pensionssystem lieber mit kosmetischen Maßnahmen behandelt, als sich offen den großen Fragen zu stellen. Eine nachhaltige Sicherung der Pensionen erfordert Mut, Ehrlichkeit und eine klare Orientierung am Versicherungsprinzip. Wer jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt hat, darf nicht der Verlierer von politischen „Sozialstaffeln“ sein.
Kaum ein Thema entzündet die innenpolitische Debatte derzeit so sehr wie die Arbeitszeitfrage. Zwischen „Lifestyle-Teilzeit“ und dem Fingerzeig auf ausbeuterische Unternehmen versinkt eine komplexe gesellschaftliche Realität in groben politischen Schwarz-Weiß-Mustern. Doch wer wirklich verstehen will, warum in Österreich so viel in Teilzeit gearbeitet wird, muss tiefer graben: in den Sozialstaat, in die Steuerlogik, in die Motive der Menschen selbst.
Neue Spielräume für betriebliche Lösungen – nicht nur Prozentsätze zählen Die Frühjahrslohnrunde 2025 ist abgeschlossen. Die Kollektivverträge zahlreicher Branchen – von Banken …
Die Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das das Pensionssystem zukunftsfitter machen soll. Ein genauer Blick zeigt: Viele der versprochenen Einsparungen beruhen auf optimistischen Annahmen oder betreffen nur einzelne Jahrgänge. Oft fehlen konkrete Zahlen und Wirkannahmen. Viele Maßnahmen könnten richtig sein, doch sie bleiben im Klein-Klein stecken.
Österreich steht vor einer doppelten Kostenwelle: steigende Pensions- und Pflegeausgaben. Für die Pensionsreform ist es – zumindest mit Blick auf die Boomer – zu spät. Aber für die Pflegefinanzierung bleibt uns noch ein kleines Zeitfenster. Dieses sollten wir nützen. Nicht, um alten Menschen etwas wegzunehmen, sondern um den kommenden Generationen nicht alles aufzubürden.
Die zuletzt präsentierte Pensionsreform der Bundesregierung wird mit starken Worten beworben. Ein genauer Blick zeigt: Es sind durchaus wichtige Schritte dabei, aber von einer echten, nachhaltigen Reform sind wir noch ein gutes Stück entfernt.
Doch kann es wirklich sein, dass das milliardenschwere Finanzierungsproblem der gesetzlichen Pensionen primär an einer halben Million Selbständiger liegt – und nicht an den 5,7 Millionen Versicherten in der Pensionsversicherungsanstalt (PV)?