Morning in Brief ・ 11.03.2026

Morning in Brief, 11. März 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern und Stephan Frank – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Finanzminister will Margen der Raffinerien begrenzen. In Österreich wird weiter über Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise diskutiert. Die ÖVP befürwortet eine Steuersenkung, während die SPÖ einen Preisdeckel präferiert. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sagte gestern, dass er einen Steuer-Eingriff eher bei der Mineralölsteuer sehen würde als bei der Mehrwertsteuer. Finanzminister Markus Marterbauer meinte, man müsse „frühzeitig“ eingreifen, man könne aber nach kroatischen Vorbild auch die Margen der Raffinerien begrenzen – eine staatliche Preissetzung an den Tankstellen wäre nur für wenige Tage oder Wochen möglich. OeNB-Gouverneur Martin Kocher mahnte gestern Geduld ein, man solle nicht überhastet reagieren. Man könne sich nicht von der internationalen Entwicklung abkoppeln und die Spritpreise mit einem Fingerstreich ändern. Egal ob Preisdeckel oder Steuersenkung, dafür brauche es entweder „Geld aus dem Budget“ oder eine Rationierung. Die Literpreise betragen derzeit im Median 1,954 Euro für Diesel und 1,744 Euro für Super. Damit übersteigen die Preise die Werten aus dem Rekordjahr 2022 als der Jahresdurchschnittspreis für Diesel 1,816 Euro betrug mit zeitweisen Peaks über 2 Euro. In Deutschland hatten die Preise gestern bereits die 2-Euro-Marke überschritten. Ungarn setzt seit gestern auf einen Preisdeckel von umgerechnet 1,51 Euro pro Liter Benzin. [Quellen: Hattmannsdorfer, Marterbauer, Kocher, E-Control, ÖAMTC | Grafik von Christoph Hofer]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

Kommentar: Einfach mal tanken lassen
von Georg Renner

Der Iran-Krieg ist keine zehn Tage alt und die Republik hat schon zwei Ideen, wie man den Autofahrern das Tanken erleichtern könnte. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) will die Steuern auf Treibstoff vorübergehend senken (die FPÖ will sie überhaupt abschaffen), Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) schwebt ein Preisdeckel nach „kroatischem Vorbild“ vor. Es fehlt nur noch eine dritte Idee, die in Österreich so radikal ist, dass sie augenscheinlich niemandem in den Sinn kommt: den Markt einfach wirken lassen.

🇦🇹 IT-KV-Einigung nach 7 Runden. Nach 7 Verhandlungsrunden gab es gestern eine Einigung beim IT-Kollektivvertrag. Die Mindestgehälter steigen gestaffelt – im Schnitt ergibt das einen Anstieg um 2,9 %. Die Ist-Gehälter und die Zulagen steigen um 2,75 %. Die Arbeitgeber-Verhandler wollten eine Erhöhung der Ist-Gehälter ursprünglich aussetzen und boten dann eine Erhöhung um 2 % an – die Gewerkschaft antwortete mit Warnstreiks. „Mit diesem Kollektivvertragsabschluss ist aufgrund der aktuellen Situation die Schmerzgrenze erreicht“, kommentierte Arbeitgeber-Chefverhandler Martin Zandonella gestern das Ergebnis. [Quellen: WKÖ, GPA]

🇦🇹 Das Sparpotenzial von 50 weiteren Konsolidierungsmaßnahmen. Der Fiskalrat hat die Effekte weiterer Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung zusammengestellt. Die bereits von der Regierung beschlossenen Maßnahmen reichen laut Fiskalrat nicht aus, um das Defizit mittelfristig unter 3 % zu senken – mindestens 5 Mrd. Euro an Sparmaßnahmen würden dazu noch fehlen. Die Liste sei aber nicht als Empfehlung zu verstehen. Der Rat hat sich zunächst die Abschaffung von budgetrelevanten Maßnahmen angesehen, die seit 2019 eingeführt wurden. Ausgabenseitig würde eine Rücknahme diverser Vergünstigungen im Pensionsbereich und die Korrektur der Pensionsanpassung 2027 um die erhöhten Pensionsanpassungen 2019/22/22 insgesamt 1,7 Mrd. Euro bringen. Eine Abschaffung des Klimatickets Ö brächte 500 Mio. Euro. Bei zusätzlichen Maßnahmen listet der Fiskalrat diverse Steuererhöhungen auf, die kurzfristig wirken würden, darunter eine Anhebung der Umsatzsteuer um 1 Punkt auf 21 % (1,6 Mrd. Euro) sowie die Abschaffung diverser Steuerbegünstigungen für Autofahrer. Ausgabenseitig würde ein Aussetzen der Indexierung bei Pflegegeld, Pensionen und Mindestsicherung 1,6 Mrd. Euro bringen – alternativ schlägt der Fiskalrat eine Anpassung um den BIP-Deflator statt den VPI vor. Der Deflator orientiert sich rein an der inländischen Wertschöpfung. Eine Pensionsanpassung um 1 Prozentpunkt unter dem Anpassungsfaktor würde 600 Mio. Euro bringen. Erbschafts- und Vermögenssteuern, sowie eine höhere Grundsteuer würden laut Fiskalrat erst langfristig, also nach 2029 wirken. Dasselbe gilt für eine Anhebung des Pensionsantrittsalters um 1 Jahr auf 66 Jahre, die bis zu 2,5 Mrd. Euro bringen würde. In den vollständigen Listen sind rund 50 kurzfristige Einzelmaßnahmen bepreist. [Quelle: Fiskalrat | Reaktionen: Die Grünen]

🇦🇹 Kocher glaubt nicht an erneute Rezession durch Irankrieg. Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher geht nicht davon aus, dass der Irankrieg Österreich heuer wieder ein Rezessionsjahr bescheren könnte. Kommt es rasch zu einem Ende des Kriegs und zu einem „neuen Iran“ als Handelspartner, dann könnte es keine oder sogar leicht positive wirtschaftliche Auswirkungen geben. Die Markterwartung, die sich anhand der Futures-Preise ablesen lässt, sei derzeit aber, dass die Energiepreise noch eine Zeit lang hoch bleiben und dann im Jahresverlauf zurückgehen. Bei einem Jahresdurchschnitt von 85 Dollar pro Barrel Öl und 55 Dollar pro Megawattstunde Gas rechnet die OeNB mit 0,25 Prozentpunkten weniger BIP-Wachstum in Österreich und einer um 0,5 Prozentpunkte höheren Inflation. Bleiben die Energiepreise länger hoch und im Jahresschnitt bei 100 Dollar für Öl und 70 Dollar für Gas, könnte das Wachstum um 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen und die Inflation um 1,0 Prozentpunkte höher. Eingepreist wurden u. a. die Verunsicherung von Investoren und Konsumenten, ein Wechselkurseffekt durch den gestärkten Dollar und ein Engpass bei Düngemitteln, die über die Straße von Hormuz nach Europa gelangen. Der Wifo-Konjunkturtest ergab bereits für Februar eine Verschlechterung der Unternehmensstimmung in Österreich. [Quellen: OeNB, Wifo]

🇦🇹 Pkw-Zulassungen auch im Februar gestiegen. Nach einem Plus von 12,3 % im Jänner sind die Pkw-Neuzulassungen im Februar um 8,5 % gestiegen. Fast zwei Drittel der neu zugelassenen Pkw haben ein alternatives Antriebssystem. Der Anteil der rein elektrisch betriebenen Pkw lag im Februar bei 20,9 %. Ein deutliches Plus gab es auch bei den leichten Lkw (N1) mit 33,8 % mehr Zulassungen als im Vorjahresmonat. Insgesamt wurden im Februar 27.721 Kraftfahrzeuge zugelassen, ein Anstieg um 11,6 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Produktion wächst in der Industrie und sinkt im Bauwesen. Die Industrieproduktion nahm im Jänner im Vorjahresvergleich um 1,8 % zu, während die Produktion im Bauwesen um 7,6 % zurückging. Insgesamt stieg der Produktionsindex von Industrie und Bau im Jahresvergleich um 0,3 %. Im Vormonatsvergleich zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Industrieproduktion stieg saisonbereinigt um 1,2 %, die Bauproduktion ging um 1,8 % zurück. [Quelle: Statistik Austria]

🇦🇹 Längerer Krieg könnte Wohnbau-Rezession verlängern. Der Irankrieg könnte für die heimische Wohnbauwirtschaft ein weiteres Rezessionsjahr bedeuten. Wenn der Krieg lange andauert und die EZB zu Leitzinserhöhungen von 50-100 Basispunkten zwingt, würde das der Bausektor besonders stark spüren, da er zinssensitiver als andere Branchen ist, so die Ökonomen von Raiffeisen Research. Gleichzeitig würde auch der Immobilienmarkt, der sich gerade leicht erholt, wieder stark unter Druck geraten. In dem von den Analysten berechneten Extremszenario würde die Immobilienfinanzierung schwieriger werden: „Ende 2026 müssten für Zins und Tilgung 40 % des Monatseinkommens eingeplant werden, Ende 2027 wären es 41 %. Ohne „importierte“ (weil Öl-/Gaspreisbedingte) Inflation und EZB-Zinserhöhungen läge die Monatsrate 2026 und 2027 dagegen mit leicht steigender Tendenz bei etwa 38 %.“ [Quelle: Raiffeisen Research]

🇦🇹 Neue Gaskraftwerke gefordert, um „Dunkelflaute“ zu überbrücken. Zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 herrschte in der Hälfte aller Tage „Dunkelflaute“. Der österreichische Übertragungsnetzbetreiber APG spricht von Dunkelflaute, wenn Windkraft und Photovoltaik im Tagesmittel weniger als 10 % der installierten Maximalleistung liefern. Im genannten Zeitraum mussten 21 % des Strombedarfs durch Importe und weitere 21 % durch Gaskraftwerke gedeckt werden, da die Dunkelflaute auch durch unterdurchschnittliche Wasserkraftproduktion verschärft wurde. Die APG bemängelt eine fehlende langfristige Kraftwerksstrategie. Um Ausfälle und Dunkelflauten in Zukunft überbrücken zu können, wird es Investitionen in neue Gaskraftwerke brauchen, so APG-Vorstand Gerhard Christiner. [Quelle: APG Hintergrundgespräch | Interview: APG-Vorstand: „Europäisches Stromsystem ohne Atomkraft im Winter undenkbar“]

🇦🇹 Digitale Skills hinken technologischer Entwicklung hinterher. Die digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter hinken in Österreich der technologischen Entwicklung hinterher. Im „Digital Skills Barometer“ bewerteten die Befragten ihre digitalen Fähigkeiten im Schnitt mit 63 von 100 Punkten, im Test erreichten sie aber durchschnittlich nur 35 Punkte. Besonders niedrig waren die Ergebnisse bei Schlüsselbereichen wie Cloud (35 Punkte), KI (30) und Data (23). Gleichzeitig setzen aber 65 % Cloud-Anwendungen ein und 51 % KI-Anwendungen. [Quelle: Präsentation]

🇦🇹 Pensionskassen verwalten erstmals Vermögen von über 30 Mrd. Euro. Im 4. Quartal 2025 stieg das verwaltete Vermögen der österreichischen Pensionskassen auf 30,4 Mrd. Euro. Die Anzahl der Anwartschafts- und Leistungsberechtigten erhöhte sich im Vergleich zum 3. Quartal um 1,1 % auf 1,13 Mio. Personen. Das Vermögen der betrieblichen Vorsorgekassen stieg im 4. Quartal auf 23,6 Mrd. Euro, wobei die Anzahl der Anwartschaften 11,49 Mio. erreichte. Die Ganzjahresrendite 2025 betrug bei den Pensionskassen plus 4,86 % und bei den betrieblichen Vorsorgekassen plus 3,61 %. [Quelle: FMA | Kommentar: Brezinschek: „Die Börse war wieder ein Werk des Teufels“]

🇦🇹 Rund 1,1 Mrd. Euro Investitionen in Vorarlbergs Infrastruktur bis 2031. Bund, ÖBB und ASFINAG investieren bis 2031 insgesamt 1,085 Mrd. Euro in das vorarlbergische Verkehrsnetz. Die übergeordneten Ziele der Strategie sind die Stärkung Vorarlbergs als Wirtschafts- und Logistikstandort im Dreiländereck, die Sicherung der regionalen Mobilität sowie die Entlastung der Anrainergemeinden. Im Jahr 2026 fließen insgesamt 172 Mio. Euro in die Umsetzung dieser Infrastrukturmaßnahmen. [Quelle: Land Vorarlberg/ÖBB/ASFINAG/BMIMI]

🇪🇺 Von der Leyen fordert „Renaissance der Kernenergie“ in Europa. In den letzten Jahren erlebe man eine weltweite Renaissance der Kernenergie und an dieser wolle Europa nun teilhaben, so EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. In der Kombination aus erneuerbaren Energien und der Kernenergie sieht sie die Schlüsselrolle zur europäischen Unabhängigkeit, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Während die Fortschritte bei den Erneuerbaren gut seien, sei die stetige Verringerung der Kernenergie ein „strategischer Fehler“ gewesen. In diesem Kontext verwies sie auf geplante Investitionen von über 5 Mrd. Euro in die Kernforschung im nächsten EU-Haushalt. Ergänzend dazu wurde gestern eine neue europäische Strategie speziell für kleine modulare Reaktoren präsentiert. Diese sieht u. a. Förderungen in Höhe von 200 Mio. Euro für private Investitionen in innovative Kerntechnologien sowie eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen unter den Mitgliedstaaten vor. Ziel ist es, dass Europa „ein globales Zentrum der Kernenergie der nächsten Generation“ wird. [Quelle: EU-Kommission – Rede vdL, Q&A | Reaktion: SPÖ, Die Grünen, FPÖ]

Selektive Agenda:

Heute, Straßburg: 3. Plenartag des EU-Parlaments (bis 12.3.) [Info]

10:00 Uhr, Wien: Ministerrat im Bundeskanzleramt, anschl. Pressefoyer

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Guido Gluschitsch wird Pressesprecher der Verkehrsbetriebe Burgenland in der Landesholding. Alexandra Kaszay ist mit April neue Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule. Christoph Rommer wurde zum Partner des Steuerberatungsunternehmens TPA ernannt. Herbert Volkmann ist seit 1. März Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor der St. Anna Kinderspital GmbH. Hanna Zamernik ist neue Leiterin im Bereich Campaigning für Nutztierhaltung und Kleintiere bei Tierschutz Austria. Bernhard Turni wird mit dem 1. Mai Bezirkshauptmann von Feldkirchen. Marika Lagger-Pöllinger wird neue Landesrätin in Kärnten. Vincent Vertneg wird Partner der Kanzlei Petsche Pollak.

Geburtstage: Wir gratulieren Karin Gastinger und Katharina Straßer zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Heute, Schruns: CIO Kongress West „Inteam“ (bis 12.3.) [Info]

15:00 Uhr, Wien: „Demokratie braucht Frauen. Internationaler Frauentag im Parlament“ mit Doris Bures, Rosa Ecker, Juliane Bogner-Strauß, Sabine Schatz, Lisa Aldali und Meri Disoski [Info]

18:00 Uhr, Wien: 9. Deutsch-Österreichisches Technologieforum im Novotel Hauptbahnhof u. a. mit Nikolai Ardey (auch am 12.3.) [Info]

19:00 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Gemeinsam stark.“ von Martin Kocher und Matthias Suter im Thalia auf der Mariahilfer Straße [Info]

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