Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von David Schima und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 🇪🇺 Österreich bringt Initiative für mehr Transparenz am Strommarkt ein. Österreich fordert in einem Arbeitspapier im Rahmen des EU-Energieministerrates mehr Transparenz bei der Strompreissetzung, insbesondere darüber, welches Kraftwerk jeweils preisbestimmend ist. Zudem wird ein Mechanismus vorgeschlagen, der die durch den Emissionshandel eingepreisten CO₂-Kosten nicht vollständig auf private Haushalte und Unternehmen überträgt. Laut Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bestehe derzeit ein „Mechanismus, der grüne Energie verteuert“. Die Initiative soll dazu beitragen, die „strukturellen Wettbewerbsnachteile“ der EU zu verringern. Dabei gehe es jedoch nicht darum, das Merit-Order-System oder den Emissionshandel grundsätzlich infrage zu stellen oder auszusetzen. Des Weiteren wird im Rahmen des European Grid’s Package eine faire Verteilung der Netzausbaukosten gefordert; diese sollten nicht einseitig Österreich belasten, da das Land zugleich als Stromtransitland fungiere. [Quellen: Doorstep Zehetner | Reaktionen: FPÖ, IV, WKÖ, Oesterreichs Energie, Oecolution]
„Steuereinnahmen sprudeln wie noch nie“
Interview mit Paul Hammerl
Einen Preisdeckel oder eine Margenbeschränkung hält FPÖ-Energiesprecher Paul Hammer derzeit für eine falsche Antwort auf die hohen Spritpreise. Derzeit gebe es kein Marktversagen, das einen Eingriff rechtfertige: „Der Markt funktioniert grundsätzlich effizient, denn er hört auf die Marktsignale und richtet danach Angebot und Nachfrage aus“. Ansetzen würde er eher bei den Steuern: „Unsere Steuereinnahmen sprudeln in einer Dimension, wie sie es noch nie getan haben. Wir haben Rekordeinnahmen und werfen das Geld gleichzeitig mit beiden Händen beim Fenster hinaus. Das muss aufhören“.
💡Deutlicher Einbruch bei den Überstunden. In den letzten 20 Jahren hat sich das Arbeitsvolumen in Österreich nur schwach entwickelt (+2,1 %), obwohl die Zahl der Erwerbstätigen stark gestiegen ist (+20,1 %). Laut Statistik Austria ist ein Grund dafür auch der Einbruch bei den Mehr- und Überstunden. Seit einem Spitzenwert von 368 Mio. Überstunden im Jahr 2007 geht es bergab – 2025 lagen die Überstunden der unselbstständig Beschäftigten in Österreich in ihrer Haupttätigkeit bei 170,1 Mio. Stunden. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Sara Grasel]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Bank Austria senkt BIP-Prognose für 2026 auf 0,9%. Die Bank Austria hat ihre Konjunkturprognose für die Jahre 2026 und 2027 um jeweils 0,1 Prozentpunkte gesenkt. Für 2026 wird nun ein BIP-Wachstum von 0,9 % erwartet, für 2027 liegt die Prognose bei 1,4 %. Als Hintergrund für diese Anpassung wird der Irankrieg angeführt. Bereits vor einer Woche hatte die Bank Austria ihre Inflationsprognose für das Jahr 2026 von 1,9 % auf 2,5 % angehoben. [Quelle: UniCredit Bank Austria]
🇦🇹 Marterbauer: Staat verdient „kein Körberlgeld“ mit hohen Spritpreisen. Finanzminister Markus Marterbauer hat den Vorwurf, dass der Staat von den hohen Preisen an den Zapfsäulen durch mehr Steuereinnahmen stark profitiere, zurückgewiesen. Mineralölsteuer und CO2-Steuer seien Mengensteuern, hier werde die Steuerlast pro Tonne berechnet und sie sei nicht abhängig von den Treibstoffpreisen. Daher wies Marterbauer darauf hin, „dass sich der Staat kein Körberlgeld verdient.“ Bei der Umsatzsteuer rechnet der Finanzminister mit monatlichen Mehreinnahmen von rund 10 Mio. Euro, das seien lediglich 1,3 Cent pro Liter Treibstoff. In der Regierung wird eine Senkung der Umsatzsteuer diskutiert, wenngleich größere Steuersenkungen aufgrund des Budgetdefizits nicht möglich seien. Marterbauer kritisiert indes die hohen Margen der Raffinerien, will aber noch die laufende Untersuchung der Bundeswettbewerbsbehörde und des IHS abwarten. Erste Ergebnisse sollen kommende Woche vorliegen. [Quelle: APA via Medienberichte | Kommentar: Einfach mal tanken lassen | Interview: Anstieg an der Zapfsäule kommt wie das Amen im Gebet | Reaktion: Gabriel Felbermayr auf X]
🇦🇹 Budgetverhandlungen starten nach Ostern. Das Finanzministerium wird nach den Osterfeiertagen mit den Verhandlungen für das Doppelbudget 2027/28 beginnen. Damit bleiben rund 2 Monate für eine Einigung innerhalb der Regierung, denn die endgültigen Defizit-Zahlen für 2025 inklusive der Daten für die Länder und Gemeinden liegen am 31. März vor. Erst dann wird sich zeigen, ob das angepeilte Defizit von 4,5 % des BIP eingehalten werden konnte. Fix ist bereits, dass der Bund mit einem Minus von 14,4 Mrd. Euro um 3,7 Mrd. Euro besser abgeschnitten hat als erwartet. Im kommenden Jahr soll das gesamtstaatliche Budgetdefizit auf 3,5 % des BIP sinken und 2028 wieder die Maastricht-Grenze von 3 % unterschreiten. Am 10. Juni hält Finanzminister Marterbauer seine Budgetrede, genau einen Monat später wird das Budget dann vom Nationalrat beschlossen. [Quelle: APA via Medienberichte | Kommentar: Kanzler Babler und welche Steuern 2027 erhöht werden | Interview: Meinl-Reisinger: „Erbschaftssteuer wird jedenfalls nicht kommen“]
🇦🇹 Patentrechtsnovelle im Rahmen der Industriestrategie in Begutachtung. Die in der Industriestrategie festgeschriebene Novellierung des Patentrechts ist seit Anfang März in Begutachtung. Durch die Neuregelungen sollen laut Innovationsminister Peter Hanke die Verfahren harmonisiert und vereinfacht sowie die Funktionsfähigkeit und Qualität des nationalen Schutzrechtswesens gesichert werden. Zudem soll ein anwenderfreundlicher Herkunftsschutz hergestellt werden. Um dies zu erreichen, werden neben dem Patentrecht 8 weitere Schutzrechtsbereiche novelliert. Der Präsident des Österreichischen Patentamts, Stefan Harasek, prognostiziert, dass durch die Novelle der Zugang zu Schutzrechten „noch einfacher, direkter und schneller“ wird. [Quelle: BMIMI, Begutachtungsentwurf]
🇦🇹 Zolleinnahmen 2025 über 8 Mrd. Euro. Aus knapp 6,8 Mio. Zollabfertigungen im grenzüberschreitenden Güterverkehr und über 630.000 Kontrollen im Jahr 2025 ergaben sich insgesamt 8,4 Mrd. Euro an Abgaben an den Staat. Die Kontrollen des Zollamts umfassten etwa die Bereiche Artenschutz, Pflanzen und tierische Produkte, Arzneiwaren, Suchtgift und Tabakwaren, Bargeldkontrollen, Marktüberwachung und Produktpiraterie sowie Strafsachen, Anzeigen und Rechtshilfe. Allein die 631 Betriebsprüfungen führten zu 24,7 Mio. Euro an staatlichen Mehreinnahmen – das sind um 74,5 % mehr als noch 2024. [Quelle: BMF]
🇦🇹 Totschnig für strengeres Rabattgesetz zugunsten der Bauern. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig pocht auf mehr gesetzliche Härte bei Rabattaktionen des Handels auf Kosten der Lieferanten. Laut dem Faire-Wettbewerbsbedingungen-Gesetz (FWBG), basierend auf einer in Überarbeitung befindlichen EU-Richtlinie, ist es zwar nicht verboten, die Kosten für Aktionen und Preisnachlässe von den Lieferanten zu verlangen – allerdings nur, wenn diese vorher zustimmen. Das ist aber nicht immer der Fall, wie der nun vorgelegte Bericht des „Fairnessbüros“ zeigt: Allein 2025 waren mehr als 750 Marktteilnehmer von unfairen Handelspraktiken betroffen. Totschnig fordert daher im Zuge der Weiterentwicklung der EU-Richtlinie gegen unlautere Praktiken im Handel (UTP) ein finanzielles Anreizsystem zur Unterstützung der Lieferanten. Auch soll es in Zukunft mehr Fairness bei No-Name-Produkten sowie mehr Transparenz bei Rabattaktionen geben, um die heimische Landwirtschaft zu entlasten. [Quelle: BMLUK | Reaktionen: Handelsverband, WKÖ, Grüne]
🇦🇹 FMA-Chef Helmut Ettl wird als IWF-Exekutivdirektor nominiert. Helmut Ettel, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), wird für die Funktionsperiode vom 1.11.2026 bis 31.10.2028 als Exekutivdirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF) nominiert. Dies gab die Österreichische Nationalbank gestern bekannt. Helmut Ettl ist seit 2008 im Vorstand der FMA und seit 2023 stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Die Wahl des Exekutivdirektoriums des IWF findet im Herbst 2026 statt. [Quelle: OeNB]
🇪🇺 EU diskutiert Optionen zur Sicherung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormuz. Beim ersten Treffen der EU-Außenminister seit Beginn des Krieges im Iran wurde u. a. über Optionen zur Wiederherstellung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormuz beraten. Für eine Ausweitung der Operation Aspides, die seit 2024 die Schifffahrtsfreiheit im Roten Meer sichern soll, fand sich im gestrigen Außenministerrat keine Bereitschaft unter den Mitgliedstaaten. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas berichtete zudem von Gesprächen mit UN-Generalsekretär António Guterres über eine diplomatische Mission. Diese solle vergleichbar mit dem Abkommen im Schwarzen Meer sein, welches den Export ukrainischer Getreideerträge trotz des andauernden Ukraine-Krieges ermöglicht hatte, so Kallas weiter. [Quellen: Kaja Kallas – Pressekonferenz, Doorstep; Operation Aspides]
🇪🇺 EU-Agrar- und Lebensmittelexporte auf Rekordhoch. Die Landwirte in der EU exportierten 2025 Agrarprodukte und Lebensmittel im Wert von 238,4 Mrd. Euro. Damit stieg der Exportwert im Vergleich zu 2024 um 2,8 Mrd. Euro. Die EU bleibt somit der weltweit größte Agrar- und Lebensmittelexporteur und konnte als einziger Akteur unter den Top 5 Exporteuren die Einnahmen im Jahr 2025 steigern. Während das Vereinigte Königreich das wichtigste Zielland blieb, gingen die Exporte in die USA und nach China zurück. Zeitgleich stiegen jedoch die Importe, weshalb der Handelsbilanzüberschuss letztlich bei 49,9 Mrd. Euro lag – das sind 13,3 Mrd. Euro weniger als 2024. 61 % der Exporte und 57 % der Importe wurden im Handel mit Freihandelsabkommenspartnern abgewickelt. [Quelle: EU-Kommission]
🇪🇺 EU-Handelsüberschuss bei Transportdienstleistungen 2024. Der Handelsüberschuss der EU bei Transportdienstleistungen betrug 2024 rund 36,3 Mrd. Euro, circa 1 Mrd. weniger als 2023. Die exportierten Transportdienstleistungen stiegen um 3,6 % im Vergleich zu 2023, die importierten nahmen um 4,7 % zu. Zwischen 2020 und 2022 stieg der Handelsüberschuss von rund 30 Mrd. Euro auf über 72 Mrd. Euro und ging 2023 auf rund 37,3 Mrd. Euro zurück. Die meisten Exporte gingen an die USA, das Vereinigte Königreich und die Schweiz. Die meisten Transportdienstleistungen wurden aus den USA, dem Vereinigten Königreich und China importiert. [Quellen: Eurostat – Übersicht, Daten]
🇩🇪 Stimmung im deutschen Wohnungsbau aufgehellt. Das Geschäftsklima im Wohnungsbau in Deutschland hat sich weiter verbessert. Im Februar stieg der entsprechende Index des Ifo-Instituts um 3,2 Zähler auf minus 17,6 Punkte. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als noch im Jänner und auch die Geschäftserwartungen hellten sich auf. Der Anteil der Unternehmen mit Auftragsmangel sank im Februar zwar um 1,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat, liegt damit aber immer noch bei 48 %. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Baufirmen, die Stornierungen meldeten, von 11,1 auf 11,3 %. [Quelle: Ifo-Institut]
🇺🇸 US-Industrieproduktion im Februar gestiegen. Die US-Industrieproduktion ist im Februar im Vormonatsvergleich um 0,2 % gestiegen, nachdem sie im Jänner um 0,7 % gewachsen war. Im Vorjahresvergleich legte sie um 1,4 % zu. Die Kapazitätsauslastung lag mit 76,3 % jedoch 3,1 Prozentpunkte unter dem langfristigen Durchschnitt. [Quelle: Federal Reserve]
Selektive Agenda:
Heute, Linz: 8. Verhandlungsrunde des Kollektivvertrages für die Ordensspitäler Oberösterreich
Heute, Brüssel: Rat der EU zu „Allgemeine Angelegenheiten“ [Info]
Heute, Brüssel: Rat der EU zu „Umwelt“ [Info]
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Helmut Ettl wird als IWF-Exekutivdirektor nominiert. Michaela Mayr wird ab 1. April neue Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek; Richard Starkel bleibt wirtschaftlicher Geschäftsführer. Florian Sparber ist neuer Leiter der Studiengänge Bachelor Molekulare Biotechnologie sowie Master Molecular Biotechnology an der Hochschule Campus Wien. Sara Leitão ist neue Vizepräsidentin des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI). Madlen Stottmeyer ist neue Chefreporterin des Medienhauses „Die Presse“.
Geburtstage: Wir gratulieren Stefan Gara und Franz Fiedler zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
9:00 Uhr, Wien: Veranstaltung „Campaigning Industries 2026 – powered by IV“ im Haus der Industrie [Info]
10:30 Uhr, Wien: Demografietagung im Twelve Conference Center u. a. mit Sozialministerin Korinna Schumann [Info]
19:30 Uhr, Wien: Buchpräsentation „Einigkeit und Recht und Rache“ von Wolfgang Ainetter im Tanzcafe Jenseits [invite only]